Gehörgangsentzündung (Otitis externa): Ursachen, Symptome, Behandlung, Hausmittel und Prävention

Eine Gehörgangsentzündung ist eine sehr schmerzhafte Angelegenheit. In der Regel heilt sie jedoch ohne Folgen aus. Nur sehr selten kann es zu schwerwiegenden und sogar lebensgefährlichen Komplikationen kommen. Jeder kann im Leben davon betroffen sein. Es gibt jedoch bestimmte Risiken, welche die Entstehung dieser Erkrankung fördern können.

GehörgangsentzündungDie Symptome bei einer Gehörgangsentzündung sind sehr starke, stechende Ohrenschmerzen. (Foto by: Syda_Productions / Depositphotos)

Die Gehörgangsentzündung ist eine sehr ansteckende Erkrankung der äußeren Gehörgänge. Sie wird meist durch Bakterien ausgelöst. In manchen Fällen spielen auch Pilzinfektionen eine Rolle. Seltener ist eine Virusinfektion Auslöser der Beschwerden.

Da die äußeren Gehörgänge von der Entzündung betroffen sind, wird die Erkrankung auch als Otitis externa bezeichnet.

Eine Gehörgangsentzündung kann sowohl allein auftreten als auch Folge einer zugrunde liegende Erkrankung sein.

In jedem Lebensalter ist der Ausbruch einer Ohrentzündung möglich. Sehr häufig sind Kinder betroffen. Kinder leiden dann oft zusätzlich noch an einer Mittelohrentzündung.

Die Ansteckungsgefahr bei Gehörgangsentzündung ist sehr groß, sodass die Erkrankung auch bei direktem körperlichen Kontakt übertragen werden kann.

Ursachen für eine Gehörgangsentzündung

Bakterien und Pilze

Als Ursache einer Gehörgangsentzündung kommen immer Infektionen der äußeren Gehörgänge mit Bakterien oder seltener mit Pilzen infrage. Oftmals handelt es sich auch um eine Mischinfektion mehrerer Erreger. Voraussetzung ist die Entstehung günstiger Lebensbedingungen für die Mikroorganismen.

Feuchtigkeit im Ohr

So begünstigt ständige Feuchtigkeit im Ohr das Wachstum der Bakterien und Pilze.

Verletzungen der Hautoberfläche

Des Weiteren müssen die Erreger auch direkt Kontakt mit der Haut bekommen. Kleine Verletzungen auf der Hautoberfläche können wiederum das Eindringen der Krankheitserreger in die Blutbahn fördern.

Erhöhter PH-Wert

Zugleich bevorzugen die entsprechenden Mikroorganismen auch einen höheren PH-Wert.

Risikogruppen

Daher sind häufig Personen betroffen, die viel baden, schwimmen, duschen oder oft in die Sauna gehen.

Zu den besonderen Risikogruppen gehören auch die Taucher.

Das Wasser spült die natürliche Barriere, das Ohrenschmalz für Bakterien und Pilze weg.

Wenn die Ohren nach dem Schwimmen, Tauchen oder Baden nicht getrocknet werden, finden die Bakterien außerdem günstige Wachstumsbedingungen, denn die Vermehrung findet immer im feuchten Milieu statt.

Falsche Reinigung der Ohren

Ohrenschmalz wird fälschlicherweise als Verschmutzung des Ohres angesehen und zusätzlich durch Spülen mit Wasser oder Abtragen mit Wattestäbchen oder anderen Instrumenten oft entfernt.

Allerdings übt Ohrenschmalz wichtige Funktionen zum Fernhalten von Bakterien aus:

  • Es hat einerseits einen sauren PH-Wert, den die Erreger nicht vertragen.
  • Andererseits fängt es die Bakterien ab, bevor sie die äußeren Gehörgänge direkt erreichen.

Weitere Ursachen für eine Gehörgangsentzündung

Feuchtigkeit im Ohr kann sich aber auch durch übermäßiges Schwitzen oder schlechte Belüftungsbedingungen entwickeln.

So kann die Feuchtigkeit unter anderem nicht entweichen, wenn die Gehörgänge durch Knochenwucherungen zu eng sind. Auch diese Wucherungen treten häufig bei Tauchern auf.

Des Weiteren verhindern auch Ohrenstöpsel, direkt im Ohr getragene Ohrhörer oder sogar Hörgeräte das Entweichen der Feuchtigkeit.

Ebenso können plötzliche Luftdruckveränderungen, zum Beispiel durch Flugreisen, Zugluft oder kalter Wind für eine Gehörgangsentzündung verantwortlich sein.

Verletzungen

Wenn gleichzeitig häufig mit Wattestäbchen das Ohrenschmalz entfernt wird, können neben dem Verschwinden des natürlichen Schutzmaterials zusätzlich leichte Verletzungen in den äußeren Gehörgängen auftreten.

Bei guten Wachstumsbedingungen haben die Bakterien und später auch die Pilze nun leichtes Spiel, die Gehörgänge zu infizieren.

Verletzungen in den äußeren Gehörgängen können aber auch durch Hauterkrankungen wie Ekzemen, Neurodermitis oder Schuppenflechte entstehen, die durch Allergien oder andere Prozesse hervorgerufen werden.

Immunschwäche

Wenn gleichzeitig noch das Immunsystem durch andere Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Autoimmunkrankheiten, psychischen Problemen, Erkältungen, Grippe oder Medikamenten geschwächt ist, besteht die Gefahr eines sehr komplizierten Verlaufs der Gehörgangsentzündung.

Symptome bei einer Gehörgangsentzündung

Im Allgemeinen macht sich eine Gehörgangsentzündung durch starkes Jucken im betroffenen Ohr und durch brennende Schmerzen im Gehörgang bemerkbar. Die Schmerzen verstärken sich beim Essen, beim Ziehen an den Ohrläppchen oder beim Druck des Ohrknorpels auf den Gehörgang.

Im Gehörgang kommt es zu Schwellungen, Hautrötungen und Schuppungen. Bei einer starken Schwellung vermindert sich das Hörvermögen.

Unter Umständen fließt auch übel riechendes Sekret aus dem Ohr.

Zusätzlich können auch noch folgende Symptome auftreten:

Auch Ohrgeräusche (Tinnitus) wie Rauschen, Piepen oder Pochen kommen vor.

Manchmal sind auch die Lymphknoten und Wangen geschwollen.

Formen einer Gehörgangsentzündung

Es gibt verschiedene Formen der Gehörgangsentzündung

Otitis externa diffusa

Am häufigsten kommt die sogenannte Otitis externa diffusa vor. Bei dieser Form treten im gesamten Gehörgang diffuse Entzündungen auf.

Otitis externa circumscripta

Bei der Otitis externa circumscripta ist nur eine begrenzte Stelle im Ohr betroffen. Hier entzündet sich ein Haarfollikel im Gehörgang. Die Schmerzen konzentrieren sich auf diese Stelle. Es entsteht ein sogenanntes Furunkel, der meist durch Staphylokokken verursacht wird.

Otitis externa necroticans

In seltenen Fällen kann es zur sehr schweren und teilweise sogar lebensgefährlichen Otitis externa necroticans kommen. Diese entwickelt sich aus einer Otitis externa diffusa, welche außer Kontrolle geraten ist.

Meist entsteht diese schwere Form der Gehörgangsentzündung auf der Grundlage einer bestehenden Grundkrankheit, die zur Immunschwäche oder Störung der Hautbarriere führt.

Im Rahmen einer Otitis externa necroticans kommt es zum Absterben von benachbartem Gewebe. Die Entzündung weitet sich aus und befällt schließlich sogar die Schädelknochen oder bestimmte Hirnnerven.

Grippeotitis

Eine weitere Form der Gehörgangsentzündung kann sich im Anschluss einer Grippe entwickeln. Diese Sonderform wird deshalb auch Grippeotitis bezeichnet. Obwohl die Grippe durch Viren verursacht wird, kann es im Verlauf der Erkrankung zu einer Superinfektion mit Bakterien kommen, die unter anderem auch die Gehörgänge betreffen.

Komplikationen

Die Prognose der Gehörgangsentzündung ist in der Regel gut. Meist bleiben keine Folgeschäden zurück.

Alle Formen der Gehörgangsentzündungen mit Ausnahme der Otitis externa necroticans heilen in der Regel folgenlos aus. Bei Otitis externa necroticans können körperliche und geistige Folgeschäden zurückbleiben. Ein vollständiges Ausheilen dieser Erkrankung ist bei richtiger Behandlung jedoch möglich. Zum Glück tritt diese Komplikation äußerst selten auf.

Wenn die Gehörgangsentzündung durch eine Grippe ausgelöst wird, kann es zur sogenannten Otitis externa bullosa haemorrhagica kommen. Oft sind Gehörgang, Trommelfell und Mittelfell gleichzeitig betroffen. Durch Schädigung kleiner Blutgefäße bilden sich blutige Blasen. Diese Form der Gehörgangsentzündung kann zwar zu einer gefährlichen Hirnstammenzephalitis führen. In der Regel heilt sie aber ebenfalls folgenlos ab.

Bei Diabetikern kann es wiederholt zu Entzündungen kommen, die dann entsprechend behandelt werden müssen.

In sehr seltenen Fällen kommt es zur irreversiblen Schädigung von Hirnnerven, die wiederum zu chronischen neurologischen Erkrankungen führen können. Das ist besonders bei der Otitis externa necroticans der Fall, kommt aber auch bei einer Grippeotitis vor. Dabei kann das Trommelfell auch beschädigt werden, indem es durchlöchert wird.

Bei Eiterbildung und Blutungen muss schnell gehandelt werden, um komplizierte Verläufe auszuschließen.

Beim Unterlassen einer Behandlung der Gehörgangsentzündung kann es zu Komplikationen kommen, die sich in der Bildung von Abszessen und Nervenlähmungen äußern. Auch kann sich die Infektion auf die Knochen übertragen.

Untersuchung und Diagnose

Untersuchung GehörgangsentzündungEine Gehörgangsentzündung kann unterschiedliche Ursachen und Schweregrade haben. (Foto by: photographee.eu / Depositphotos)

Wenn starkes Jucken im Ohr und brennende Ohrschmerzen auftreten, sollte immer ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt konsultiert werden. Der Arzt kann meist schon aufgrund der Symptome die richtige Diagnose stellen.

Anamnese

Zuvor erhebt er jedoch ausführlich die Anamnese der Krankengeschichte. Dazu befragt er den Patienten, wann die Beschwerden auftreten, ob Hörminderungen bestehen, ob die Erkrankung bereits schon einmal aufgetreten ist und welche Grundkrankheiten vorliegen.

Ohrspiegelung

Dann wird eine Ohrenspiegelung durchgeführt, durch welche die konkreten Veränderungen im Ohr genau gesehen werden können.

Hörtest

Bei einer eventuellen Hörminderung wird der Arzt noch eine Hörprüfung in Form eines Hörtests durchführen.

Abstrich

Schließlich wird über einen Abstrich aus dem Ohr der konkrete Erreger im Labor bestimmt, um die richtigen Antibiotika anwenden zu können.

Behandlung und Therapie

Nach der genauen Diagnose und Bestimmung des Erregers kann der Arzt die richtige Therapie festlegen. Ausschlaggebend für die eingesetzte Behandlungsmethode ist einerseits die vorliegende Form der Gehörgangsentzündung und andererseits der spezielle Erreger.

Ohrentropfen

So wird die Otitis externa diffusa in der Regel nach vorsichtiger Reinigung des Gehörgangs mit alkoholhaltigen Ohrtropfen zur Abtötung des Erregers behandelt. Das erfolgt mit einem getränkten Mullstreifen, der in den Gehörgang gelegt und täglich mehrmals gewechselt wird.

Meist heilt die Entzündung so schnell ab.

Antibiotika

Bei schwereren Verläufen werden Antibiotika oder Antimykotika in Tablettenform verabreicht.

Wenn es zu einer Otitis externa necroticans kommt, wird zunächst ähnlich verfahren. Gleichzeitig werden Antibiotika über die Venen eingeführt. Später werden diese weiterhin in Tablettenform verabreicht.

Obwohl es gegen die Grippeviren keine Medikamente gibt, werden bei einer Otitis externa bullosa haemorrhagica vorsorglich Antibiotika eingesetzt, da es sich hier immer um eine Superinfektion mit Bakterien handelt.

Operation

Bei einem sehr schweren Verlauf ist oft eine Operation notwendig, bei welcher das zerstörte Gewebe entfernt wird.

Salben

Bei der begrenzten Otitis externa circumscripta findet eine lokale Behandlung mit kortisonhaltigen Salben zur Entzündungshemmung sowie Antibiotika statt.

Behandlung von einem Abszess

Ein möglicher Abszess wird aufgeschnitten. Dann erfolgt eine Antibiotikatherapie in Tablettenform.

Schmerzmittel

Bei starken Schmerzen werden Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure oder Paracetamol gegeben.

Hausmittel zur Behandlung einer Gehörgangsentzündung

Der Patient kann aber auch selber etwas tun, indem er altbewährte Hausmittel anwendet.

Zwiebel

So könnte die desinfizierende Wirkung von Zwiebeln ausgenutzt werden, um die Bakterien abzutöten.

Die Zwiebeln werden bei dieser Anwendung in Form eines Zwiebelsäckchens ans Ohr gelegt. Die Herstellung dieses Zwiebelsäckchens erfolgt durch das Einwickeln klein geschnittener Zwiebeln in ein Küchentuch.

Kamille und Johanniskraut

Des Weiteren kann Kamille oder Johanniskraut zur Hemmung der Entzündung angewendet werden, indem nach dem Kochen von Kamillentee oder Johanniskrauttee der verwendete Teebeutel ans Ohr gelegt wird.

Wärme

Auch Wärme fördert die Heilung und lindert gleichzeitig die Schmerzen. Dazu kann eine Wärmelampe mit Rotlicht auf das Ohr gerichtet werden.

Essig

Essig wirkt entzündungshemmend - zur Behandlung einer Gehörgangsentzündung etwas Essig auf den Finger geben und auf die betroffenen Stellen verteilen.

Kokosöl

Auch Kokosöl kann zur Behandlung eingesetzt werden - hierfür mithilfe des Fingers etwas Kokosöl im Ohr verteilen.

Teebaumöl

10-15 Tropfen Teebaumöl mit einem halben Liter heißem Wasser verrühren, ein Tuch darin tränken, ausdrücken und anschließend auf das betroffene Ohr legen. Dieser Wickel wirkt antiseptisch und schmerzstillend.

Propolis

Hierfür einen in eine Propolis-Tinktur getauchten Wattebausch sanft ins Ohr drücken.

Knoblauch

Statt Ohrentropfen findet zuweilen auch gepresster Knoblauch Anwendung, der mit lauwarmem Olivenöl gemischt und dann ins Ohr geträufelt wird.

Es reicht ein halber Tropfen aus, um die entzündungshemmende, desinfizierende und schmerzlindernde Wirkung des Knoblauchs voll zu entfalten.

Prävention und Vorbeugung einer Gehörgangsentzündung

  • Zur Vorbeugung vor Gehörgangsentzündungen wird empfohlen, Ohrenschmalz nicht durch den Gebrauch von Wattestäbchen oder anderen Gegenständen zu entfernen. Dadurch würde die Schutzfunktion des Ohrenschmalzes entfallen, der PH-Wert erhöht und die Verletzungsgefahr im Ohr steigen.
  • Nach dem Schwimmen, Baden, Duschen oder Tauchen ist es wichtig, die Ohren zu trocknen, um die Vermehrung von bakteriellen Krankheitserregern und Pilzen zu verhindern. Das gilt auch nach einem Kontakt mit Chlorwasser, weil dieses zusätzlich eine Reizwirkung auf die Ohren besitzt.
  • Während der Körperpflege sollten die Ohren nicht mit Duschgel, Seife oder Shampoo gewaschen werden, sondern nur mit klarem Wasser - es muss auch beachtet werden, dass herunterlaufendes Shampoo nicht in die Ohren gerät.
  • Ohrhörer und Ohrstöpsel sollten nach der Verwendung mit einer alkoholischen Lösung gereinigt werden, um die Ansammlung von bakteriellen Erregern und Pilzen zu vermeiden.
  • Des Weiteren verringert die Behandlung von zugrunde liegenden Erkrankungen wie Diabetes mellitus das Risiko für Gehörgangsentzündungen.
  • Wenn gerade eine Gehörgangsentzündung aufgetreten ist, sollten innerhalb von drei Wochen nach der Erkrankung die Ohren vor dem Kontakt mit Wasser geschützt werden, um einen Rückfall der Infektion auszuschließen.

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