Diabetes mellitus

Als Diabetes mellitus oder Zuckerkrankheit werden Stoffwechselerkrankungen bezeichnet, in deren Folge mit dem Urin Zucker ausgeschieden wird. Bereits in der Antike waren Diabeteserkrankungen bekannt, aufgrund der modernen Lebensweise steigt die Zahl der Zuckerkranken in den industrialisierten Ländern drastisch.

Blutzuckermessung DiabetesUm eine Zuckererkrankung zu diagnostizieren, wird der Blutzuckergehalt gemessen. (Foto by: ginasanders / Depositphotos)

Diabetiker müssen nicht nur Insulin spritzen oder Tabletten zu sich nehmen, nein, sie müssen auch Disziplin zeigen. Das gilt für die Ernährung, aber auch für die Bewegung sowie in Bezug auf die Therapie. Diabetes kann zwar nicht geheilt werden, dennoch kann man lernen, mit der Krankheit umzugehen. Je mehr sich Betroffene mit ihrer Erkrankung auskennen und je aktiver sie selbst sind, umso eher können Ihre Blutzuckerwerte optimiert werden und umso besser ist auch die Prognose.

Ursachen von Diabetes mellitus

In der Bauchspeicheldrüse wird das Insulin gebildet. In den Alpha-Zellen hingegen wird der Gegenspieler des Insulins produziert. Es handelt sich um das Glukagon.

Das Insulin besitzt unterschiedliche Funktionen für den Stoffwechsel. Beispielsweise ist es dafür verantwortlich, den Zuckergehalt des Blutes zu überprüfen und in einem gewissen Limit zu halten. Wird mit der Nahrung zu viel Zucker aufgenommen, sorgt das Insulin dafür, dass er in den Fettzellen, der Leber und den Muskeln möglichst schnell abgebaut wird. Unterschritten werden darf der Zuckergehalt nicht. Unterschreitet der Zuckergehalt des Blutes den Mindestwert, tritt das Glukagon in Aktion. Es informiert die Leber sowie die anderen Zuckerspeicher, die Depots zu leeren.

Verschiedene Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, Entzündungen sowie vorangegangene Operationen können dazu führen, dass die Insulinproduktion gestört ist. Es kann vorkommen, dass die Beta-Zellen gar kein Insulin mehr herstellen können. Dadurch wird der Stoffwechsel beeinträchtigt, so dass die Glukoseaufnahme und die Hemmung ihrer Neubildung in der Leber gestört werden. Der normale Blutzuckerspiegel gerät aus dem Lot.

Diabetes Typ I und Typ II

Mediziner unterscheiden diverse Arten von Zuckererkrankungen. Die bekanntesten sind Diabetes Typ I und Diabetes Typ II.

Diabetes Typ I

Etwa fünf Prozent der Betroffenen erkranken an dem sogenannten Typ I Diabetes. Häufig tritt diese Krankheit schon im Kindesalter auf. Hier werden durch eine Erkrankung des Immunsystems die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört. Von da an wird kein eigenes Insulin mehr produziert, sodass von außen therapiert werden muss. Hier hilft meistens eine Pumpen- oder Spritzentherapie.

Typ II Diabetes – Alterszucker

Ca. 95 Prozent der Personen, die an Diabetes erkranken, leiden unter der zweiten Form, dem Typ II. Diese Personen verfügen noch über eigenes Insulin. Meistens reicht es in der Menge nicht aus oder aber es wird von den Zellen nicht mehr erkannt und man ist insulinresistent.

Leicht zu erklären ist dieses Phänomen mit einem Schloss, bei dem der Schlüssel Insulin nicht mehr hineinpasst. Durch Übergewicht und Bewegungsmangel kann diese Insulinresistenz verstärkt werden.

Zu Beginn bei Typ II Diabetikern produziert die Bauchspeicheldrüse noch normale Mengen an Insulin, doch reicht dies auf die lange Sicht nicht mehr für die Senkung des Blutzuckerspiegels aus. Die Folge dieser Überbelastung der Bauchspeicheldrüse ist, dass sie nur noch wenig Insulin oder auch gar keines mehr produziert.

Wird Typ II Diabetes rechtzeitig erkannt, dann wird oft mit Tabletten therapiert. Ist die Krankheit schon weiter fortgeschritten, dann kommt auch hier die Spritze zum Einsatz.

Ist bereits eine Diabetes-Erkrankung in der Familie bekannt, ist auch das Risiko selbst daran zu erkranken, höher. Sind beide Elternteile Typ-1-Diabetes, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind auch daran erkrankt bei rund 20 Prozent. Ist nur ein Elternteil, nämlich der Vater Typ-1-Diabetiker, so liegt das Risiko bei rund 5 Prozent, im Falle der Mutter bei rund 2,5 Prozent.

Bei Diabetes Typ 2 kommt bereits bei der Hälfte der Fälle Diabetes in der Familie vor.

Symptome von Diabetes mellitus

Erste Anzeichen

Die Erkrankten geben meist ein häufiges Wasserlassen (Polyurie) an, das auch in der Nacht (Nykturie) auftritt. Zusätzlich besteht im Allgemeinen ein übermäßiges Durstempfinden. Auch Heißhunger, vor allem zu Beginn der Krankheit, sind keine Seltenheit. Diese Symptome sowie je nach Diabetes-Typ eine erkennbare Gewichtszu- oder –abnahme veranlassen den Arzt im Allgemeinen dazu, eine Blutzuckermessung durchzuführen.

Weitere Symptome

So können folgende Beschwerden auftreten:

  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Beeinträchtigungen des Sehvermögens
  • Mundtrockenheit Krämpfe in den Waden (vor allem nachts)
  • Hautreaktionen und Hautempfindlichkeit
  • Schleimhautentzündungen
  • Missempfindungen in den Händen und Füßen
  • Wund verheilen schlecht

Diese Symptome können auch im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen auftreten, weshalb eine Abklärung der Ursache erfolgen sollte.

Im späteren Verlauf der Erkrankung kommt es zu Folgeschäden an den kleinen und großen Gefäßen 8koronare Herzkrankheit), den Nieren (Nierenschädigungen), den Augen (Sehverschlechterung) und den Nerven (Kribbeln/Gefühlslosigkeit in den Beinen). Manchmal sind diese Folgeerkrankungen die ersten Anzeichen für eine Diabetes-Erkrankung.

Manchmal treten Schmerzen im Bauchraum auf, die mit Übelkeit und Erbrechen verbunden sind. Die Atmung ist möglicherweise beschleunigt. Treten Bewusstseinstrübungen auf, muss sofort reagiert werden. Bei Bewusstlosigkeit ist eine sofortige Krankenhauseinweisung erforderlich.

Bei Diabetes Typ I treten die Symptome innerhalb einiger Tage/Wochen auf. Bei Diabetes Typ II zeigen sich lange Zeit keine Symptome (bis zu zehn Jahre).

Untersuchungen und Diagnose

Blutzuckermessung

Um eine Zuckererkrankung zu diagnostizieren, wird der venöse Blutzuckergehalt im nüchternen Zustand, also vor dem Frühstück sowie etwa zwei Stunden nach dem Frühstück gemessen. Dabei liegt der normale Nüchtern-Blutzuckergehalt im venösen Serum zwischen 70-100 mg/dl Blut.

Eine einmalige Blutuntersuchung genügt zur Feststellung eines Diabetes mellitus nicht. Vielmehr müssen die Werte bei mehrmaligem Messen mindestens 2 Mal erhöht sein, um eine entsprechende Diagnose zu stellen.

Glukose-Belastungstest

Kann Diabetes nicht klar diagnostiziert werden, kann ein Glukose-Belastungstest helfen. Dabei wird eine bestimmte Zuckermenge (75g) getrunken. Vor bzw. nach der Zufuhr wird der Blutzucker gemessen. Liegt der Wert nach zwei Stunden über 200 mg/dl liegt eine Daibetes-Erkrankung vor.

Für Kinder und Jugendliche gelten andere Kriterien bei der Auswertung des Zuckergehalts im Blut.

Harnuntersuchung

Auch im Harn tritt bei einem Diabetes mellitus Zucker auf. In der Antike wurde dieser am Geschmack des Urins festgestellt. Heute wird die Glukoseausscheidung durch eine Harnuntersuchung mittels Teststreifen nachgewiesen. Allerdings wird dieses Verfahren zur Diagnose der Zuckerkrankheit immer seltener eingesetzt. Die Ursache hierfür sind individuelle Unterschiede in der Glukoseausscheidung, die unter anderem auch durch Schwangerschaften sowie andere Erkrankungen bedingt sein können.

Der Diabetes mellitus Typ I ist eine Autoimmunkrankheit. In den meisten Fällen lassen sich bei den Betroffenen im Harn sogenannte Autoantikörper nachweisen, die sich in verschiedene Gruppen einteilen lassen. Sie greifen die Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse an und lösen die Stoffwechselerkrankung aus. Weiterhin lassen sich im Falle der Zuckerkrankheit Ketonkörper nachweisen, bei denen es sich um spezielle Energieträger handelt.

Behandlung von Diabetes

Die Behandlung hängt davon ab, welche Form des Diabetes vorliegt:

Insulin bei einer Diabetes-Erkrankung spritzenBei Zuckererkrankten vom Typ I wird das fehlende Insulin in künstlicher Form verabreicht. (Foto by: dml5050 / Depositphotos)

Die Behandlung des Diabetes mellitus richtet sich nach dessen Typ, dem Schweregrad sowie nach dem Vorhandensein von Folgeerkrankungen.

Behandlung Diabetes Typ I

Hierbei wird das fehlende Insulin in künstlicher Form bis an das Lebensende verabreicht. Heilungsmöglichkeiten gibt es bisher nicht.

Behandlung Diabetes Typ II

Erkrankte vom Typ II werden zunächst dazu angehalten, ihre Lebensgewohnheiten zu ändern:

  • Ernährungsumstellung
  • Übergewicht reduzieren
  • regelmäßige Bewegung

Sind diese Maßnahmen nicht ausreichend, um den Insulinspiegel wieder in den Normalbereich zu bringen, erfolgt die Gabe entsprechender Medikamente.

Neuere Studien hingegen haben erwiesen, dass eine frühzeitige Behandlung mit den Wirkstoffen Glitazon und Metformin das Fortschreiten des Diabetes mellitus aufhalten kann. Selbst, wenn es sich erst um eine Vorstufe zur Erkrankung handelt. Im Gegensatz zur Typ-I-Behandlung besteht das Ziel der Typ-II-Behandlung darin, die Blutzuckerwerte auf ein Normalmaß zu bringen und dadurch Folgeerkrankungen zu vermeiden. Sind diese bereits aufgetreten, müssen auch sie behandelt werden.

Ein schlecht eingestellter Blutzuckerspiegel kann unter anderem zur Gefäß-, Nieren- und Nervenschädigung führen. Das Risiko zur Entstehung eines Herzinfarkts oder Schlaganfall ist deutlich vergrößert. Außerdem drohen Augenschäden, die bis zur Erblindung führen können. Die gestörte Wundheilung kann dazu führen, dass Verletzungen schlecht oder gar nicht mehr heilen.

Hausmittel

Ein traditionelles Hausmittel zur Behandlung der Zuckerkrankheit ist die regelmäßige Anwendung von Heidelbeertee, der aus den Blättern der Pflanze zubereitet wird. Minimal lässt sich der Blutzuckerwert auch durch Bohnenschalentee senken. Beide Hausmittel reichen aber zur Behandlung der Zuckerkrankheit allein nicht aus.

Prävention und was ich selbst tun kann

Der Entstehung des Diabetes mellitus Typ I kann kaum vorgebeugt werden, da es sich hierbei um eine Autoimmunkrankheit handelt. Allerdings trägt eine gesunde Lebensweise dazu bei, dass das geschwächte Immunsystem nicht weiter geschädigt wird.

Diabetes Typ II vorbeugen

Die Zuckerkrankheit vom Typ II lässt sich vermeiden, indem auf eine ausreichende Bewegung geachtet wird. Wer sich mindestens 3 Mal pro Woche für etwa eine halbe Stunde körperlich belastet, senkt sein Risiko zur Entstehung von Diabetes mellitus deutlich. Zudem wird Übergewicht vorgebeugt, welches ebenfalls ein Risikofaktor für den Diabetes mellitus ist. Da auch Medikamente den Stoffwechsel beeinflussen, sollten nur diejenigen eingenommen werden, die unbedingt erforderlich sind. Der Verzicht auf das Rauchen sowie den Alkoholgenuss sind ebenso wichtig wie die regelmäßige Kontrolle des Blutdrucks und gegebenenfalls dessen Regulierung.


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