Lipödem (Reiterhosenphänomen, Lipohyperplasia dolorosa, Adipositas dolorosa)

Diese Erkrankung tritt fast nur bei Frauen auf und wird in den zumeist mit konservativen Maßnahmen, wie zum Beispiel mit Physiotherapie oder aber Operationen behandelt. Der folgende Ratgeber beantwortet alle wichtigen Fragen rund um das Lipödem.

Lipödem Oftmals kommt es bei Patienten mit Lipödem auch zu starkem Übergewicht und psychischer Belastung. (Foto by: pressmaster / Depositphotos)

Schnellübersicht

  • Was ist ein Lipödem
    Dabei kommt es zu einer Störung der Fettverteilung im Körper. So können Oberschenkel und Oberarme sichtbar stärkere Fettansammlungen aufweisen.
  • Ursachen
    Die Ursachen sind nicht vollständig geklärt. Vermutet wird ein Zusammenhang mit Hormonen und genetischen Veranlagungen.
  • Symptome
    Die Verformungen bei einem Lipödem sind stets beidseitig vorhanden. Dazu kommt es zu Wulstbildungen, Hämatomen und Schmerzenden Druckstellen.
  • Mögliche Behandlungen
    Hilfreich sind vor allem Kompressionsstrümpfe. Therapien können Schmerzen lindern und es besteht auch die Möglichkeit sich operieren zu lassen. Jedoch ist eine vollständige Heilung nicht möglich.
  • Vorbeugungen
    Vorbeugungen gegen Lipödeme sind nicht möglich. Jedoch ist es wichtig sich bereits bei Verdacht und in den frühen Stadien untersuchen zu lassen.

Was ist ein Lipödem?

Ein Lipödem ist eine Krankheit, bei der es zu einer sogenannten sym­me­tri­schen Fett­ver­meh­rung kommt. In den meisten Fällen zeigt sich diese an den Beinen, an den Armen und am Po. Das Lipödem tritt fast nur bei Frauen auf und kann durchaus schmerzhaft und störend sein. Betroffene Patientinnen leiden unter einer gestörten Fettverteilung, die in nicht, wie früher gedacht wurde, mit Übergewicht zu begründen ist.

Es gibt folgende vier Arten von Lipödemen:

  • Typ 1
    Das Fett unter der Haut vergrößert sich vor allem am Po und an den Hüften. Es kommt zu den sogenannten Reiterhosen
  • Typ 2
    Die Fettvermehrung kommt nun an den Knien an
  • Typ 3
    Von den Hüften bis zu den Knöcheln bildet sich mehr Fett
  • Typ 4
    In diesem Typ sind auch die Arme betroffen, die Handgelenke zumeist aber nicht

Ursachen

Da vorwiegend Frauen unter einem Lipödem leiden, wird vermutet, dass unter anderem auch die weiblichen Hormone die Erkrankung hervorrufen können.

Männer sind dagegen nur sehr selten betroffen. Wenn dann, kommt es dazu durch die Kombination mit anderen Krankheiten, wie zum Beispiel einem Leberschaden oder einem Testosteronmangel. Darüber hinaus können auch bestimmte Behandlungen wie etwa ein Prostatakarzinom ein Lipödem hervorrufen. 

Auch tritt die Erkrankung meist im Zuge einer hormonellen Umstellung auf, zum Beispiel in der Pubertät, einer Schwangerschaft, oder in selten Fällen kurz vor den Wechseljahren.

Nicht ausgeschlossen wird auch eine Auslösung durch genetische Faktoren.

Symptome

Die körperlichen Veränderungen bei einem Lipödem treten immer auf beiden Seiten gleich auf. Ist also der linke Oberschenkel betroffen, ist es auch der rechte.

Häufig betroffene Stellen sind:

  • Ober- und Unterschenkel
  • beide Beine vollständig
  • Ober- und Unterarme
  • beide Arme vollständig

Sehr häufig kommt es dabei zu Mischformen. Eher selten sind nur die Arme betroffenen und Hände und Füße betrifft es nie.

Weitere Symptome sind:

  • Berührungsschmerzen
  • Blaue Flecken (Hämatome)
  • Druckschmerzen
  • Wulstbildungen
  • chronisch gereizte Haut
  • Schweregefühl in Armen und Beinen
  • Kältegefühl in Armen und Beinen

Untersuchung und Diagnose

Eine genaue und sichere Diagnose kann nur ein Arzt stellen. Um das Lipödem zuverlässig zu erkennen, sollte einer der folgenden Mediziner aufgesucht werden:

  • Phlebologe (Venenarzt)
  • Gefäßspezialist oder
  • Lymphologe

Ein Lipödem wird in drei Stadien unterteilt werden:

  • 1. Stadium
    Hier ist die Hautoberfläche noch glatt und das Unterhautfettgewebe verdickt sich gleichmäßig
  • 2. Stadium
    Die Hautoberfläche wird wellenartig und das Unterhautfettgewebe bekommt knotenartige Verdickungen.
  • 3. Stadium
    Es kommt zu einer starken Zunahme des Umfangs und zur Bildung von Wammen (überhängendes Gewebe).

Während einer Untersuchung wird nach der Krankheitsgeschichte der Patientin gefragt und anschließend die Haut genau untersucht. Einzelne Laborwerte werden erhoben.

Mithilfe von EKGs, Computertomographien und einer Magnetresonanztomografie werden mögliche weitere Erkrankungen und Ödeme untersucht und abgeklärt.

Zudem kann der Arzt erkennen, ob es sich wirklich um ein Lymphödem oder doch nur um eine sogenannte Lipohypertrophie (eine harmlose Fettansammlung) handelt. Sie kann sich aber unter Umständen zu einem Lipödem entwickeln und sollte daher passend behandelt werden.

Je nach Ergebnissen und dem Stadium der Krankheit, kann anschließend eine passende Therapie veranlasst werden.

Behandlungen und mögliche Komplikationen

Eine Therapie kann keine vollständige Heilung versprechen. Jedoch können damit Schmerzen und andere Symptome gelindert werden. Durch eine Behandlung lassen sich meist auch weitere Komplikationen und Verschlechterungen vermeiden.

Lässt man ein Lipödem nicht behandeln, so wird sich die Krankheit drastisch auf die Lebensqualität auswirken. Die zunehmenden Unförmigkeiten führen bei den Betroffenen meist auch zu starken Einschränkungen in der Bewegung und vermehrten Schmerzen.

Kompression

Oftmals wird zu Beginn bereits Kompressionswäsche empfohlen. Zwar kann damit an der Fettverteilung nichts geändert werden, jedoch kann die Kompression helfen das Ödem und seine Begleiterscheinungen ein wenig zu reduzieren.

Vor allem wenn man länger sitzen oder stehen muss, kann es zu einer vermehrten Schwellungen in den Beinen kommen, die zusätzlich Schmerzen bereiten.

Manuelle Lympfdrainage

Mit dieser Methode wird versucht einen großteils der überschüssigen Flüssigkeit im Weichteilgewebe zu entfernen. Dadurch werden Verhärtungen gelockert und weicher und die betroffene Person leiden dann auch weniger unter dem Gewebedruck.

Weitere Behandlungen umfassen:

  • Apparative Intermittierende Kompressionstherapie
  • Bewegungstherapie
  • Ernährungsberatung
  • Gewichtsreduktion
  • Hautpflege
  • Psychotherapie
  • plastisch-chirurgische Eingriffe (Liposuktion)

Sport bei Lipödem

Da es sich bei dem Lipödem um eine sehr starke Erkrankung des Fettgewebes handelt, lässt sich diese auch nicht komplett durch Sport oder Fasten aufhalten.

Dennoch kann regelmäßige körperliche Betätigung dabei helfen, dass nicht noch mehr Fettpolster entstehen und verhindern, dass ein sogenannten sekundäres Lipödem entsteht. Somit lässt sich also sagen, dass mit Sport (z.B. Schwimmen) die Erkrankung zwar nicht ganz beseitigen, aber zumindest eindämmen lässt.

Weitere Maßnahmen

Viele Mediziner behandeln das Lipödem mit alternativen Heilmethoden, wie zum Beispiel mit sogenannten homöopathischen Mitteln. Dabei sollen Schüßler Salze wie auch Jojobaöl sehr nützlich sein und Linderung versprechen.


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Autor: FitundGesund Redaktion
Infos zum Autor: Medizinredakteure und Journalisten
Erstellt am: 15.06.2020
Überarbeitet am: 15.06.2020

Quellen:

Gesundheitsportal https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/haut-haare-naegel/lipoedem (letzter Aufruf 15.06.2020)

https://www.ofa.de/de-de/krankheitsbilder/lipoedem/#:~:text=%C3%9Cberwiegend%20erkranken%20Frauen%20an%20einem,der%20Pubert%C3%A4t%20oder%20Schwangerschaft%2C%20aus. https://lipocura.de/lipoedem/stadien/#:~:text=Unterscheidung%20von%20vier%20Lip%C3%B6dem%20Typen&text=Typ%202%3A%20Das%20Lip%C3%B6dem%20hat,nun%20auch%20noch%20die%20Arme (letzter Aufruf: 13.06.2020)

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