Harnuntersuchung (Urintest)

Harnuntersuchungen gehören neben vielen anderen diagnostischen Verfahren zum Standardrepertoire der Vorbeugeuntersuchungen. Bei Verdacht auf spezielle Krankheitsbilder, wie z. B. Nieren- und Blasenerkrankungen ist der Urintest unumgänglich, da er eindeutige Hinweise auf diese Erkrankungen geben kann.

Frau macht Urintest Ein Urintest kann eindeutige Hinweise auf Erkrankungen geben. (Foto by: imagepointfr / Depositphotos)

Schnell-Übersicht

  • Was ist eine Harnuntersuchung?
    Hier wird der Urin einer Person untersucht, da dieser auf verschiedene Erkrankungen und Mängel hindeuten kann.
  • Wie ist der Ablauf?
    Zu Beginn muss der Patient / die Patientin eine Probe des Urins in einem sauberen Becher auffangen. Im Labor wird der Urin zunächst in einem Schnelltest auf weiße Blutkörperchen (Leukozyten), Blut, Glukose, Ketone, Nitrit und den PH-Wert untersucht. Sollten bereits bei diesen Tests gravierende Abweichungen von den normalen Werten auffallen, folgen weitergehende Untersuchungen.
  • Was sind die Anwendungsgebiete?
    Mit Hilfe einer Harnprobe können wichtige Krankheitsgruppe schnell erfasst werden. Diese wären Nieren- und Harnwegserkrankungen, Diabetes Millitus, sowie Leberstörungen und hämolytische Erkrankungen.
  • Welche Laborwerte können ausgewertet werden?
    Ausgewertet werden weiße Blutköperchen, Eiweiße, Blut im Urin, Ketone und Glukose, Nitrit, der PH-Wert, Harnstoffe, Kreatin,
  • Was sind die Nebenwirkungen und Risiken?
    Für speziell sterile Proben, muss die Probe über einen Katheder entnommen werden. Ansonsten gelten sie als absolut risikofrei.

Die Harnuntersuchung

Der Harn, beziehungsweise Urin, ist ein Ultrafiltrat des Blutplasmas. Als Filterorgane fungieren dabei die Nieren. Die Nieren halten wichtige Stoffe während dieses Prozesses zurück und bringen diese wieder in den Blutkreislauf.

Wichtige Abbauprodukte des Stoffwechsels werden jedoch mit dem Urin ausgeschieden.

Dazu gehören:

  • Harnstoff
  • Harnsäure
  • Abbauprodukte des Häms, wie die Bilirubin-Metaboliten Sterkobilin und Urobilin, welche die gelbliche Farbe des Urins hervorrufen.

Daneben findet man im Harn noch jeweils in geringen Konzentrationen Glukose, Mineralien und Eiweiße. Der PH-Wert liegt im leicht sauren bis leicht basischen Bereich. Bei einem erwachsenen Menschen werden täglich ungefähr 180 bis 200 Liter Primärharn durch die Nieren erzeugt. Davon werden als Endharn ca. 1 bis 1,5 Liter ausgeschieden.

Treten Veränderungen eines oder mehrerer dieser Merkmale ein, kann das auf Erkrankungen hindeuten. Erhöhte Protein- und Nitritwerte sind genauso wie Leukozyten oder eine Abweichung des PH-Wertes Zeichen für eine Infektion des Urogenitaltraktes, wie Niere, Blase und Genitalien.

Die Dunkelfärbung des Urins kann eine Leber- oder Gallenerkrankung anzeigen. Hier sind die Bilirubinwerte erhöht. Genauso kann es aber auch ein Hinweis auf Störungen des Blutabbaus mit erhöhten Porphyrin-Werten sein. Auch Abweichungen von der normalen Harnmenge haben oft krankheitsbedingte Ursachen.

Durchführung und Ablauf

Für die Harnuntersuchung muss der Mittelstrahlurin verwendet werden, wobei der erste und der letzte Teil des Urinstrahls jeweils verworfen werden. Der mittlere Teil des Stahls wird in einem sauberen Gefäß (meist Becher) gesammelt. Um Verunreinigungen auszuschließen, sollten der Mann bei zurückgezogener Vorhaut und die Frau bei gespreizter Scheide Harn ablassen.

Liegt der Verdacht auf schwerere Erkrankungen vor, dessen Aufklärung auch wesentlich von den Harnuntersuchungen abhängen, ist die Abgabe einer 24-Stunden-Sammelurinprobe angezeigt.

Im Labor wird der Urin zunächst in einem Schnelltest auf weiße Blutkörperchen (Leukozyten), Blut, Glukose, Ketone, Nitrit und den PH-Wert untersucht. Sollten bereits bei diesen Tests gravierende Abweichungen von den normalen Werten auffallen, folgen weitergehende Untersuchungen. So lassen sich dann durch Zentrifugieren des Urins gewisse Beimengungen, wie körpereigene Zellen, Eiter, Bakterien, ausgefallene Kristalle von Harnsäure u. a. feststellen.

Des Weiteren können sogenannte Urinkulturen angelegt werden, um bei einer eventuellen Infektion der Harnwege oder der Nieren den Erreger zu bestimmen. Auch auf spezielle Substanzen, wie z. B. Dopingmittel, kann bei einem entsprechenden Verdacht geprüft werden.

Anwendungsgebiete

Durch eine Harnuntersuchung können drei wichtige Krankheitsgruppen diagnostiziert werden. Dazu gehören:

  1. Nieren- und Harnwegserkrankungen
  2. Diabetes mellitus
  3. Leberstörungen und hämolytische Erkrankungen

Im Rahmen dieser Untersuchung werden folgende Laborwerte ausgewertet:

Leukozyten (weiße Blutkörperchen)

Eine erhöhte Leukozytenkonzentration weist auf entzündliche Prozesse im Urogenitalbereich hin.

Proteine (Eiweiße)

Die erhöhte Eiweißausscheidung im Urin kann ein Hinweis auf Nierenerkrankungen, Tumoren oder Diabetes sein.

Blut im Urin

Blut im Urin deutet auf Verletzungen und Entzündungen im Urogenitaltrakt oder auf das Vorliegen von Tumoren hin.

Ketone und Glukose

Erhöhte Keton- und Glukosewerte deuten auf eine Diabetes-Erkrankung hin.

Nitrit

Nitrit im Urin ist immer ein Hinweis auf Harnwegsinfektionen. Vor Einleitung einer entsprechenden Antibiotikatherapie werden mittels einer Urinkultur die infektiösen Keime bestimmt.

PH-Wert

Ein abweichender PH-Wert kann ein Anzeichen von falscher Ernährung, Stoffwechselstörungen oder gar Krebs sein.

Harnstoff

Auch erhöhte Harnstoffwerte deuten auf entzündliche Prozesse hin.

Kreatinin

Wenn die Filterfunktion der Nieren gestört ist, findet sich im Harn ein erhöhter Kreatinin-Gehalt

Spezifisches Gewicht des Urins

Abweichungen vom normalen spezifischen Uringewicht deuten auf ein Nierenversagen hin.

Untersuchungen bei Farbänderungen

Hier wird auf Metaboliten des Häm- oder Bilirubinabbaus untersucht, um Leber- oder Blutbildungsstörungen zu diagnostizieren.

Harnuntersuchung Im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung ist der Urintest nicht mehr wegzudenken. (Foto by: alexraths / Depositphotos)

Nebenwirkungen, Komplikationen und Risiken

In einigen speziellen Fällen ist ein besonders steriler Urin erforderlich. Dann muss die Probe mithilfe eines Katheders oder über eine Blasenpunktion entnommen werden. Diese Art der Probenentnahme birgt natürlich gewisse Gefahren. Im Allgemeinen ist eine Harnuntersuchung jedoch risikofrei.

Fazit

Neben der Blutuntersuchung, der Anamnese und der körperlichen Untersuchung gehört der Urintest zu den wichtigsten Diagnoseverfahren. Allein durch die Harnuntersuchung konnten bereits viele Nieren- und Blasenerkrankungen aufgedeckt werden. Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung ist der Urintest nicht mehr wegzudenken.


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Autor: FitundGesund Redaktion
Infos zum Autor: Medizinredakteure und Journalisten
Erstellt am: 30.08.2010
Überarbeitet am: 02.09.2020

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