Leukozyten - weiße Blutkörperchen

Leukozyten sind kernhaltige Blutzellen, die keinen Blutfarbstoff tragen und daher weiße Blutkörperchen genannt werden. Im Ausstrich nehmen sie keine Farbe an und erscheinen unter dem Mikroskop deshalb weiß.

Die Zellen der Familie Leukozyten

Eigentlich handelt es sich bei Leukozyten nicht um eine einzelne Zellart, sondern um eine Zellfamilie mit folgenden Subgruppen:

  • neutrophile Granulozyten
  • basophile Granulozyten
  • eosinophile Granulozyten
  • Lymphozyten
  • Monozyten

Bei den Granulozyten handelt es sich um die größte Gruppe der Leukozyten. Ihren Namen haben die Granulozyten von den färbbaren Körnern in ihrem Inneren.

Bei allen Leukozyten handelt es sich um immunologische Zellen. Die gesamte Zellfamilie übernimmt im menschlichen Immunsystem wichtige Funktionen.

Leukozyten schützen den Organismus

Leukozyten sind sozusagen Bodyguards. Sie erkennen und eliminieren drohende Gefahren. Dazu unterscheiden sie körpereigene von körperfremden Substanzen. Durch diese Funktion ist das menschliche Immunsystem zur Identifikation von potenziellen Krankheitserregern und anderen Eindringlingen in der Lage.

Um Krankheitserreger zu bekämpfen, bilden bestimmte Unterarten der Leukozyten sogenannte Antikörper. Einige der Untergruppen eliminieren die identifizierten Erreger über Phagozytose. Jede Subgruppe der Leukozyten besitzt spezifische Teilfunktionen innerhalb der Immunabwehr.

Die Subgruppe der T-Zellen erkennt einzelne Antigene zum Beispiel über spezifische Rezeptoren, sobald sie von Antigen-präsentierenden Zellen angeboten werden.

Granulozyten sind wiederum zur Ausschleusung von Stoffen in der Lage.

Insgesamt ermöglichen die weißen Blutkörperchen mit all ihren Subfunktionen so die effektive Abwehr von Krankheitserregern. Damit schützen sie den Körper vor Infektionen und spielen im Rahmen von Entzündungen, allergischen Reaktionen und Autoimmunkrankheiten eine wesentliche Rolle.

Wieso der Arzt Leukozyten bestimmt

Der Leukozyten-Wert ist ein wesentlicher Bestandteil der Labor-Diagnostik. Über den Wert lassen sich Rückschlüsse auf die aktuelle Immunlage des Patienten ziehen. Der Wert gibt Hinweise auf die relative und absolute Leukozyten-Zahl im Blut und wird im Rahmen des Differenzialblutbilds ermittelt.

Falls krankhafte Prozesse im Körper stattfinden, spiegeln sich diese Prozesse in den Leukozyten:

  • Normalerweise erhöhen sich bei Krankheitsprozessen zuerst die neutrophilen Granulozyten und leiten damit die neutrophilen Kampfphase ein.
  • Der Infektionsgipfel ist bei einer Erhöhung der Monozyten erreicht, die auch als monozytäre Überwindungsphase bezeichnet wird.
  • Gegen Ende einer Infektion tritt die lymphozytär-eosinophile Heilphase ein, die mit einer Erhöhung der eosinophilen Granulozyten und Lymphozyten einhergeht.

Bei Verdacht auf Infektionskrankheiten sowie zur Verlaufsüberwachung zählt die Bestimmung der Leukozyten zur Standarddiagnostik. Auch Verdachtsdiagnosen auf immunologische Schwächung oder Überreaktion lassen sich über den Wert sichern oder widerlegen.

Neben der Bestimmung im Rahmen von routinemäßigen Blutkontrollen spielt der Wert außerdem bei Blutarmut, Leukämieverdacht, nach Bestrahlungen oder Chemotherapie, bei bestimmten Medikamentengaben und nach Infarkten oder Verbrennungen eine Rolle. Dasselbe gilt nach Vergiftungen und zur Verlaufskontrolle von Bindegewebs- sowie Autoimmunkrankheiten.

Leukozyten-Normalwert hängt vom Patientenalter ab

Von Labor zu Labor kann die gemessene Anzahl an Leukozyten mehr oder weniger schwanken. Diese Schwankungen werden durch den Referenzbereich ausgeglichen. Kleinere Anstiege oder Absenkungen der Anzahl sind damit zu vernachlässigen.

Wichtig zur Einordnung der Werte ist das Alter des Patienten. Aufgrund von altersphysiologischen Zusammenhängen ergeben sich für die absolute Leukozyten-Zahl folgende Normwerte:

  • 4 - 10 Tausend/µl alte Einheit; 4 - 10 *10 9/l SI-Einheit für Erwachsene
  • 5 - 15 Tausend/µl alte Einheit; 5 - 15 *10 9/l SI-Einheit für Schulkinder
  • 6 - 17,5 Tausend/µl alte Einheit; 6 - 17,5 *10 9/l SI-Einheit für Kleinkinder
  • 9 - 30 Tausend/µl alte Einheit; 9 - 30 *10 9/l SI-Einheit für Säuglinge

Aus dem differentialen Blutbild ist außerdem die relative Anzahl der Leukozyten ablesbar. Auch hierbei sind kleinere Abweichungen zu vernachlässigen. #folgende Normwerte gelten für die relative Leukozyten-Zahl:

  • 50 bis 80 Prozent aller Leukozyten sind neutrophile Granulozyten.
  • Zwei bis vier Prozent aller Leukozyten sind eosinophile Granulozyten.
  • 0,5 bis ein Prozent aller Leukozyten sind basophile Leukozyten.
  • Zwei bis acht Prozent der Leukozyten-Gesamtzahl bestehen aus Monozyten.
  • 25 bis 40 Prozent der Leukozyten-Gesamtzahl bestehen aus Lymphozyten.

Größere Abweichungen von diesen Werten verlangen eine weiterführende Diagnostik zur Ursachenabklärung.

Der Anstieg von Leukozyten ist in diesem Zusammenhang als Leukozytose bekannt. Von einer Leukozytose ist bei Werten ab 100.000/µl die Rede.

Eine Verminderung nennt der Fachmann Leukopenie, die mit weniger als 4000 pro Mikroliter Blut beziffert ist.

Anzahl zu hoch - Ursachen für Leukozytose

Rauchen

Raucher leiden grundsätzlich an moderater Leukozytose.

Infektion oder Entzündung

Stärkere Erhöhungen der Leukozyten stellen sich bei Infektionen und Entzündungen ein. Bei Infekten wird das Immunsystem aktiviert und stimuliert daraufhin die Freisetzung der weißen Blutkörperchen aus dem Knochenmark.

Bösartige Erkrankung

Im Einzelfall können auch bösartige Erkrankungen erhöhte Werte zur Folge haben. Das Knochenmark setzt bei solchen Erkrankungen oft krankhaft veränderte Leukozyten in extremer Anzahl frei.

Stress

Mäßige Erhöhungen der Leukozyten können allerdings auch stressbedingt eintreten.

Hormonstörungen

Die relativen Werte spielen bei der Ursachenbestimmung die Hauptrolle. Speziell die neutrophilen Granulozyten können bei hormonellen Störungen erhöht sein. Nebenschilddrüsen-Überfunktionen äußern sich zum Beispiel in dieser Form.

Weitere Ursachen

Die eosinophilen Granulozyten vermehren sich dagegen eher bei folgenden Krankheiten:

  • Allergien
  • Infektionen mit Darmwürmern
  • Unterformen von Krebs
  • Erhöhte Lymphozyten oder Monozyten zeigen sich dagegen vor allem bei viralen Infekten.

Zu wenig Leukozyten - Ursachen für Leukopenie

  • Leukopenien entstehen oft durch äußere Umweltfaktoren wie Strahlung oder Giftstoffe und medikamentöse Wirkstoffe.
  • Außerdem kann Hypersplenismus im Sinne einer Größenzunahme der Milz zu verminderten Leukozyten führen.
  • Auch Allergien, schwächende Belastungssituationen und Immunsuppression können erniedrigte Werte zur Folge haben.
  • Stark erniedrigte Leukozytenzahlen können einen Hinweis auf HIV-Erkrankungen geben und gehen mit erhöhter Infektionsgefahr einher. Wie bei der Leukozytose spielt auch bei der Leukopenie die relative Leukozytenzahl eine Hauptrolle im Rahmen der Ursachenforschung.
  • Zu einer neutrophilen Granulozytopenie, also einer Verminderung der neurophilen Granulozyten, kommt es zum Beispiel vor allem im Rahmen infektiöser Erkrankung, bei Chemotherapie oder bei Blutkrankheiten wie der Sepsis (Blutvergiftung).

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