Blutwert LDH (Laktat-Dehydrogenase)

Besteht der Verdacht auf Herzinfarkt, oder Blutarmut, kann der Arzt das Blut auf Zellschädigung untersuchen. Der Arzt wird den LDH-Wert dann erheben, wenn er vermutet, dass irgendwo im Körper Gewebe untergegangen ist. In diesem Artikel wird erklärt, was der Wert LDH ist, wie er berechnet wird und welche Ursachen dahinter stecken können, wenn der Blutwert nicht im Referenzbereich liegt.

blutprobe Der Arzt wird den LDH-Wert dann erheben, wenn er vermutet, dass irgendwo im Körper Gewebe untergegan (Foto by: angellodeco / Depositphotos)

Was der LDH-Laborwert bedeutet

LDH ist die Abkürzung für das Enzym Laktat-Dehydrogenase. Dieses lässt sich in allen Zellen im menschlichen Körper finden und wandert bei der Schädigung, oder dem Untergang von Zellen, in die Blutbahn. Da es einen sehr stabilen Aufbau hat, verbleibt es im Blut. Aus diesem Grund wird der Laborwert auch als Hinweis für Zellschädigungen herangezogen.

So kann beispielsweise ein hoher LDH-Wert auf einen Herzinfarkt hinweisen, der auch bis zu zwei Wochen zurückliegen kann.

Das Enzym LDH

Dieses Enzym ist insbesondere für die Gärung von Milchsäure wichtig. Bei diesem Prozess wird Energie aus der Glucose (Blutzucker) gewonnen, wobei dabei kein Sauerstoff vonnöten ist. Da der gesamte Körper Energie benötigt, kann das Enzym auch im ganzen Körper gefunden werden. Allerdings weisen besonders die Muskeln des Skeletts und des Herzens, die Nieren, die Leber und das Gehirn eine hohe Aktivität des Enzyms auf.

Um Energie für die Zellen bereitzustellen, arbeitet die Laktat-Dehydrogenase im Inneren der Zellen. Wenn diese Zellen dann beschädigt oder zerstört werden, wird auch das LDH freigesetzt. Dann kann das Enzym im Blut gemessen werden und so Hinweise auf eine Zerstörung von Zellen geben.

Weil LDH aber überall im Körper vorkommt, ist das nur ein unspezifischer Hinweis. Der Wert kann bei einer Vielzahl von Krankheiten erhöht sein, weshalb für eine genaue Abklärung weitere Untersuchungen nötig sind.

Messung des LDH-Wertes

Der Arzt wird den LDH-Wert dann erheben, wenn er vermutet, dass irgendwo im Körper Gewebe untergegangen ist. Das kann beispielsweise bei Verdacht auf Herzinfarkt oder auch einer hämolytischen Anämie (Blutarmut, bedingt durch den Zerfall von roten Blutkörperchen).

Es gibt insgesamt fünf verschiedene LDH-Isoenzyme, welche aber alle die gleiche Funktion erfüllen. Allerdings kommen verschiedene Isoenzyme in unterschiedlichen Organen häufiger vor, weshalb durch das gefundene Isoenzym darauf schließen kann, welches Organ eventuell geschädigt ist.

Die Isoenzyme werden jeweils aus vier Untereinheiten gebildet, wobei es zwei verschiedene Typen an Untereinheiten gibt. Es wird der M-Typ (Muskeln) und der H-Typ (Herz) unterschieden.

  • Das Isoenzym LDH-1 wird aus den Untereinheiten H H H H (H4) gebildet und stellt etwa 15 bis 23 % des gesamten LDHs.
  • Das Isoenzym LDH-2 wird aus den Untereinheiten H H H M (H3M) gebildet und stellt etwa 30 bis 39 % des gesamten LDHs.
  • Das Isoenzym LDH-3 wird aus den Untereinheiten H H M M (H2M2) gebildet und stellt etwa 20 bis 25 % des gesamten LDHs.
  • Das Isoenzym LDH-4 wird aus den Untereinheiten H M M M (HM3) gebildet und stellt etwa 8 bis 15 % des gesamten LDHs.
  • Das Isoenzym LDH-5 wird aus den Untereinheiten M M M M (M4) gebildet und stellt etwa 9 bis 14 % des gesamten LDHs.

Referenzwerte für den LDH-Wert

Der LDH-Wert wird nach der Blutabnahme aus dem Blutserum bestimmt. Welche Werte normal sind, hängt auch von Alter und Geschlecht ab. Der Blutwert wird in U/l gemessen, was für die Enzymeinheit (U) pro Liter (l) steht.

Alter   weiblich   männlich
bis 30 Tage  187 - 600 U/l 178 - 629 U/l
31 Tage bis 3 Monate 152 - 353 U/l  158 - 373 U/l
4 bis 6 Monate 158 - 353 U/l 135 - 376 U/l
7 bis 12 Monate 152 - 327 U/l 129 - 367 U/l
1 bis 3 Jahre 164 - 286 U/l 164 - 286 U/l
4 bis 6 Jahre 155 - 280 U/l 155 - 280 U/l
7 bis 9 Jahre 141 - 237 U/l 141 - 237 U/l
10 bis 11 Jahre 129 - 222 U/l 141 - 231 U/l
12 bis 13 Jahre 129 - 205 U/l 141 - 231 U/l
14 bis 19 Jahre 117 - 213 U/l 117 - 217 U/l
ab 20 Jahre 120 - 247 U/l 100 - 247 U/l

Während ein erhöhter LDH-Wert weiter untersucht werden muss, ist ein niedriger LDH-Wert nicht von medizinischer Bedeutung.

 

Krankheiten mit erhöhtem LDH-Wert

Ein hoher Wert von Laktat-Dehydrogenase im Blut kann bei vielen verschiedenen Erkrankungen vorkommen:

Blutkrankheiten

Bei Erkrankungen des Blutes werden generell die höchsten LDh-Werte nachgewiesen. Das ist zum Beispiel der Fall bei den verschiedenen Arten von Blutarmut. So herrscht bei der perniziösen Anämie ein Mangel an Vitamin B12, bei der hämolytischen Anämie zerfallen die roten Blutkörperchen und bei der megaloblastären Anämie gibt es eine Störung bei der Bildung der roten Blutkörperchen.

Zusätzlich ist der LDH-Wert aber auch bei der sogenannten intravasalen Hämolyse erhöht, bei welcher die roten Blutkörperchen in den Gefäßen zerstört werden. Auch bei der infektiösen Mononukleose, welche besser als Pfeiffersches Drüsenfieber bekannt ist, weist das Blut einen erhöhten LDH-Wert auf.

Schäden am Herzen

ldh_herzerkrankung Die Schäden eines Herzinfarkts können selbst Wochen später am LDH Wert noch erkannt werden (Foto by: stevanovicigor / Depositphotos)

Wenn das Herz erkrankt oder beschädigt ist, dann ist dadurch insbesondere das Isoenzym LDH-1 (siehe Tabelle) erhöht. Das kann beispielsweise bei folgenden Krankheiten der Fall sein:

  • Herzinfarkt
  • Endokarditis (Entzündung der Herzinnenhaut)
  • Myokarditis (Herzmuskelentzündung)
  • Perikarditis (Herzbeutelentzündung)
  • Herzrhythmusstörungen

Aber auch wenn die Zellen des Herzens bei therapeutischen oder diagnostischen Eingriffen beschädigt werden, kann sich dadurch der LDH-Wert erhöhen.

Krankheiten der Skelettmuskulatur

Bei diesen Erkrankungen ist besonders das Isoenzym LDH-5 erhöht. Zu den Schädigungen und Erkrankungen, die von solch einer Erhöhung begleitet sind, gehören:

  • Verletzungen der Muskeln
  • Entzündungen der Muskeln
  • Speicherkrankheiten
  • Muskeldystrophie
  • toxische Muskelschädigungen

Krankheiten von Gallenwegen und Leber

Hierbei zeigt sich insbesondere das Isoenzym LDH-3 im Blut. Das kann beispielsweise bei einer akuten Hepatitis (Entzündung der Leber) oder auch einer akuten Schädigung der Leber und ihrer Zellen, zum Beispiel durch giftige Pilze, der Fall sein.

Weitere Ursachen

Auch eine Lungenembolie (Lungeninfarkt) kann erhöhte LDH-Werte zur Folge haben. Hier ist das LDH-3 erhöht. Bösartige Tumoren werden ebenfalls von einem Anstieg der Laktat-Dehydrogenase begleitet. Aber auch eine Schwangerschaftsvergiftung kann zu einer Erhöhung des Wertes führen.
Allerdings können auch sportliche Betätigung und die Hämolyse (normaler Zerfall von Blutzellen) einen hohen LDH-Wert zur Folge haben, weshalb die weitere Abklärung wichtig ist.

Behandlung von erhöhtem LDH

Da der LDH-Wert bei so vielen verschiedenen Erkrankungen und auch bei Sport erhöht sein kann, sollte der Test zur Sicherheit zunächst wiederholt werden. Bei einer wiederholt hohen Ergebnis sollten weitere klinische Untersuchungen durchgeführt werden, um die Ursache bestimmen zu können. Eine Senkung des LDH-Wertes wird dann durch die Behandlung der eigentlichen Krankheit erreicht.


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Quellen:

https://flexikon.doccheck.com/de/Lactatdehydrogenase (Abruf: 22.08.2019)

http://www.gesundheits-lexikon.com(Abruf: 22.08.2019)

https://www.apotheken-umschau.de(Abruf: 22.08.2019)

https://www.internisten-im-netz.de(Abruf: 22.08.2019)

https://www.grossesblutbild.de(Abruf: 22.08.2019)

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