Übergewicht

Attraktives Aussehen und körperliche Fitness spielen in der Öffentlichkeit und im Leben vieler Männer und Frauen eine große Rolle. Das Bild, welches in den Medien gezeichnet wird, steht jedoch im starken Kontrast zur Realität: Im Fernsehen und in Illustrierten scheint es nur schlanke Menschen zu geben, während die Mediziner Alarm schlagen, weil selbst Kinder unter Übergewicht leiden.

ÜbergewichtJeder dritte Weltbewohner gilt als übergewichtig. (Foto by: nanaplus / Depositphotos)

Tipps, wie Mann oder Frau innerhalb weniger Wochen überflüssige Pfunde loswerden, sind in vielen Zeitschriften zu finden. Viele erproben Diätpläne, gönnen sich nur Miniportionen, ernähren sich extrem einseitig und hoffen auf die perfekte Bikinifigur bis zum Urlaub. Das Abnehmen gelingt, aber schon nach kurzer Zeit sind die Pfunde wieder auf den Hüften. Wissenschaftler fanden heraus, dass die Gefahr, übergewichtig zu werden mit jeder einseitigen Diät wächst. Aber ist jeder, der sich zu dick fühlt, wirklich übergewichtig?

Um das Körpergewicht eines Menschen in Abhängigkeit von seiner Körpergröße besser beurteilen zu können, wurde der Adipositas, die umgangssprachlich auch als Fettsucht bezeichnet wird.

Ursachen von Übergewicht

Ein Blick in die Statistiken zeigt, dass vor allen Dingen Menschen in den OECD-Ländern mit hoch entwickelter Industrie von Übergewicht betroffen sind. Österreich liegt zwar noch leicht unter dem OECD-Durchschnitt, aber auch hier gelten 12 % der Bevölkerung als fettleibig und der Anteil steigt weiter an. Hauptursachen für die Zunahme von Übergewicht:

  • Wenig körperliche Arbeit
  • Nahrung im Überfluss

Lediglich zwei Prozent der Übergewichtigen leiden unter Schilddrüsenunterfunktion oder Stoffwechselerkrankungen, die Übergewicht hervorrufen können. Es besteht der Verdacht, dass Infektion mit dem Adenovirus ebenfalls zu Übergewicht führen kann, dieser Zusammenhang ist noch nicht ausreichend erforscht. Bei der Einnahme einiger Medikamente (medikamentöse Verhütungsmittel, Betablocker, Antidepressiva, Insulin) kann als Nebenwirkung eine Gewichtszunahme beobachtet werden.

Ob jemand übergewichtig wird oder nicht, hängt in vielen Fällen von sozio-kulturellen Umständen ab:

  • Die Freizeitgestaltung und die Erziehung spielen bei der Entstehung von Übergewicht eine wichtige Rolle. Fernseher und Computer im Kinderzimmer werden zu Konkurrenten für das Spiel der Kinder im Freien mit vielseitiger, körperlicher Aktivität.
  • Geschmacksverstärker und Zusatzstoffe, die für ein appetitliches Aussehen der Nahrungsmittel sorgen, werden ebenfalls für die Zunahme des Übergewichtes verantwortlich gemacht. Werbung animiert manchen, mehr als nötig zu essen.

Symptome bei Übergewicht

Übergewicht ist für die Betroffenen nicht nur ein ästhetisches Problem. Die meisten Übergewichtigen kommen zunächst nicht wegen ihrer überflüssigen Pfunde in die ärztliche Sprechstunde. Kurzatmigkeit, Gelenkschmerzen, Kreislaufprobleme und ähnliche Beschwerden sind typische Begleiterscheinungen von Übergewicht, die auf krankhafte Veränderungen des Körpers hinweisen.

Wissenschaftliche Studien belegen, dass das Risiko an Bluthochdruck, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ II), Herzinfarkt, Arteriosklerose, Schlaganfall, Brustkrebs, Arthrose und an Veränderungen der Wirbelsäule und Gelenke zu erkranken, durch Übergewicht erheblich gesteigert wird. Diese Krankheiten können die Lebenserwartung deutlich senken.

Übergewichtige Männer im mittleren Alter leiden überdurchschnittlich oft unter dem Schlafapnoesyndrom. Besonders lautes und unregelmäßiges Schnarchen kann ein Hinweis darauf sein. Es kommt zum Aussetzen der Atmung. Die Aussetzer können wenige Sekunden bis zu 2 Minuten dauern und bis zu 100 Mal pro Nacht auftreten. Übergewicht verursacht eine Reihe orthopädischer Beschwerden. Die Lendenwirbelsäule, die Hüfte und die Kniegelenke zeigen deutliche Abnutzungserscheinungen und verursachen Schmerzen. Selbst ein Fersensporn, der sich durch erhebliche Beschwerden beim Gehen bemerkbar macht, wird oft durch Übergewicht verursacht. Nicht selten ist die Ursache seelischer Störungen im Übergewicht des Patienten zu finden.

Untersuchungen und Diagnose

Zunächst muss durch verschiedene Tests das Vorliegen von Erkrankungen, die Übergewicht verursachen, untersucht werden. Durch die Bestimmung des Kortisolspiegels im Blut kann das Cushingsyndrom ausgeschlossen werden. Eine Schilddrüsenunterfunktion lässt sich durch Untersuchung der Schilddrüsenhormone erkennen. Fettwerte und Sexualhormone liefern Hinweise auf mögliche Fettwechselstörungen oder Unterfunktion der Keimdrüsen.

Neben der Kontrolle des Blutdruckes wird der Arzt Blut und Urin im Labor auf weitere wichtige Werte (Nüchternblutzucker, Harnsäure, Cholesterin, Kreatinin) untersuchen lassen. Gibt es bereits Anzeichen für Erkrankungen von Herz und Kreislauf, wird er ein EKG schreiben lassen. Gegebenenfalls werden die Untersuchungen durch ein Langzeit-EKG, durch ein EKG unter Belastung oder eine Ultraschalluntersuchung des Herzens durch einen Kardiologen ergänzt. Besteht der Verdacht auf Vorliegen einer Schlafapnoe, wird eine Untersuchung im Schlaflabor erforderlich.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Behandlung ÜbergewichtMithilfe einer Ernährungsberatung können die Essgewohnheiten bei Übergewicht umgestellt werden. (Foto by: Kzenon / Depositphotos)

Leidet ein Patient unter einer Schilddrüsenunterfunktion oder Stoffwechselstörung, wird diese Störung primär behandelt. Mit der erfolgreichen Therapie wird es leichter, das Übergewicht zu reduzieren. Ähnlich ist es, wenn bestimmte Medikamente das Übergewicht hervorrufen. Oft nehmen die Patienten allein durch das Absetzen des Medikaments ab. Parallel dazu wird mit der Gewichtsreduktion unter ärztlicher Aufsicht begonnen. Die Ernährungsgewohnheiten werden genau erfragt. Der Übergewichtige wird dazu angehalten, ein Tagebuch zu führen und jede kleine Mahlzeit penibel festzuhalten. Mit Unterstützung eines Ernährungsberaters werden in Kursen neue Ernährungsgewohnheiten trainiert. Wird zusätzlich ein spezielles Bewegungsprogramm begonnen, stehen die Chancen für eine Gewichtsreduktion sehr gut. Um das Gewicht zu halten, brauchen Betroffene die Unterstützung ihrer Familienangehörigen.

Liegt eine Essstörung vor, muss die Behandlung in einer Spezialklinik erfolgen. Solche Behandlungen dauern meist mehrere Wochen. Neben Ernährungsberatung und Sportprogramm brauchen Essgestörte vor allem eine psychotherapeutische Behandlung. Um dauerhafte Erfolge zu erreichen, ist die die Mitarbeit in einer Selbsthilfegruppe sehr zu empfehlen.

Die medikamentöse Behandlung von Übergewicht ist kritisch zu bewerten und sollte nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Mittel, die beispielsweise über den Interhandel vertrieben werden, sind nicht ausreichend auf mögliche Nebenwirkungen untersucht. Einige Medikamente sollen die Resorption des Fettes aus der Nahrung verhindern. Mit dem Fett werden aber auch die fettlöslichen Vitamine ausgeschieden, sodass es zu Mangelerscheinungen kommt.

Bei Adipositas mit einem BMI (Body Mass Index) über 40 sind die beschriebenen Methoden zur Gewichtsreduktion meist nicht ausreichend. Als letzte Option bleibt ein chirurgischer Eingriff. Mit einem Magenband oder durch einen Magenbypass wird die Zufuhr der Nahrung wirksam begrenzt. Patienten, deren Übergewicht durch einen solchen chirurgischen Eingriff behandelt wurde, müssen zukünftig Spurenelemente, Vitamine und Eiweiße über Nahrungsergänzungsmittel aufnehmen.

Prävention und was ich selbst tun kann

Am besten lässt sich Übergewicht vermeiden, wenn von Kindesbeinen an eine gesunde Lebensweise eingeübt wird. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass bereits in der Schwangerschaft die Weichen für ein späteres Übergewicht des ungeborenen Kindes gestellt werden. Hormonähnliche Stoffe, die beispielsweise in Kunststoffverpackungen zu finden sind, stehen im Verdacht, das Anlegen von Fettzellen im heranwachsenden Organismus zu begünstigen.

Interessant ist auch die Beobachtung, dass Kinder, die lange gestillt wurden, als Erwachsene seltener unter Übergewicht leiden. Ein Elternhaus, in dem gesunde Ernährung und viel körperlicher Aktivität selbstverständlich sind, legt den Grundstein für eine gesunde Lebensweise und für normales Körpergewicht im Erwachsenenalter.

Aber es ist nie zu spät, seine Lebensgewohnheiten zu verändern, um Übergewicht abzubauen oder erst gar nicht entstehen zu lassen. Wissenschaftliche Studien belegen, dass nicht allein die Zahl der Kalorien entscheidend ist, sondern dass vor allem die Zusammensetzung der Nahrung für das Entstehen oder Verhindern von Übergewicht verantwortlich ist. Eine ausgewogene Ernährung mit wenig Fett und Zucker und einem hohen Anteil von Obst und Gemüse macht es leichter, sein Gewicht zu halten. Vegetarier leiden etwas seltener unter Übergewicht. Kommt zur bewussten Ernährung regelmäßige körperliche Bewegung, braucht niemand auf Genuss beim Essen zu verzichten.


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