Erhöhter Cholesterinspiegel

"Viel hilft viel", lautet ein Sprichwort. In Bezug auf den Cholesterinspiegel stimmt dies aber nicht. Auch wenn Cholesterin ein lebensnotwendiger Stoff ist, ist ihr erhöhtes Vorkommen im Blut für den Menschen gefährlich.

Arztgespräch erhöhter CholesterinspiegelEin erhöhtes Vorkommen von Cholesterin im Blut ist für den Menschen gefährlich. (Foto by: monkeybusiness / Depositphotos)

Cholesterin gehört zu den lebenswichtigen Stoffen für den menschlichen Organismus. Zu den wichtigsten Aufgaben von Cholesterin zählt unter anderem ihre Funktion als essenzieller Baustein der Zellmembran, die sämtliche Zellen des menschlichen Körpers umhüllt, sowie von Hormonen. Allerdings darf ihr Vorkommen im Körper, vor allen Dingen im Blut, wie bei allen anderen Stoffen auch bestimmte Grenzen nicht überschreiten.

Im Falle eines erhöhten Cholesterinspiegels im Blut sprechen Ärzte auch von der Hypercholesterinämie. Problematisch ist dabei weniger die Tatsache, dass der Körper grundsätzlich zu viel Cholesterin produziert bzw. über die Nahrung aufnimmt. Problematisch ist vielmehr ihr Vorkommen allein im Blut, da sie Schäden an den Gefäßen sowie deren Verkalkungen verursachen kann.

Der Grund dafür ist, dass Cholesterin nicht in seiner ursprünglichen Form im Körper transportiert werden kann. Da Cholesterin ein Fettstoff ist, ist es nicht wasserlöslich, weshalb es auch in seiner Urform nicht im Blut transportiert werden kann. Damit aber Cholesterin überall im Körper vorkommen und als Bestandteil der Zellmembran an unterschiedlichen Körperteilen Verwendung finden kann, muss es trotzdem über das Gefäßsystem des Körpers transportiert werden.

Hierzu bedient sich der Körper eines "Taxis". Das Cholesterin wird an einem Protein, auch Eiweiß genannt, gebunden. So entsteht aus dem Lipid (Fettstoff) Cholesterin durch die Verbindung mit einem Protein ein neuer Stoff namens Lipoprotein. Erst wenn das Lipoprotein seinen Bestimmungsort erreicht hat, wird es durch ein spezielles Enzym wieder aufgespalten in seinen Ausgangsstoffen: dem Cholesterin und Protein.

Ursachen von Erhöhtem Cholesterinspiegel - Hypercholesterinämie

Die meisten Zellen besitzen einen Rezeptor, der als "Fangarm" dient. Mit diesem "Fangarm" kann die Zelle das vagabundierende Cholesterin abfangen, um ihn zu einem Teil seiner Membran zu verarbeiten. Bei einigen Menschen haben viele ihrer Zellen eben diesen Rezeptor nicht, was oftmals genetisch bedingt ist. Die Folge ist, dass das Cholesterin von den Zellen nicht verwertet wird, was ihr Vorkommen im Blut kontinuierlich steigen lässt.

Unterschieden werden in diesem Zusammenhang zwei Typen von Lipoproteinen: das HDL- und das LDL-Cholesterin.

Die Eigenart des LDL-Cholesterins ist, dass es sich an den Innenwänden der Adern ablagert, sofern es nicht - wie eigentlich bestimmungsgemäß - von den Rezeptoren der Zellen "abgefangen" wird. Dies führt sukzessiv zu einer Verkalkung der Gefäße mit gravierenden Folgen für den Organismus.

Eine weitere Ursache für einen erhöhten Cholesterinspiegel ist eine falsche, namentlich zu cholesterinreiche Ernährung. Zwar stellt der Körper einen Großteil des im Organismus vorkommenden Cholesterins durch die Synthese von Gallensäure selbst her. Aber wer schon an einem erhöhten Cholesterinspiegel leidet, verschlimmert die Situation durch weitere externe Aufnahme des Fettstoffes - selbst wenn die Cholesterinaufnahme über die Mahlzeit einen eher geringen Anteil darstellt.

Ferner spielt eine Schilddrüsenunterfunktion eine Rolle bei erhöhten Cholesterinwerten. Schilddrüsenunterfunktion bedeutet, dass das Organ zu wenige Hormone produziert. Da Cholesterin auch ein Bestandteil von Hormonen ist, führt eine zu geringe Anzahl von Hormonen dazu, dass Cholesterin im Blut unverwendet bleibt und so den Blutspiegel steigen lässt.

Symptome bei Erhöhtem Cholesterinspiegel - Hypercholesterinämie

Hypercholesterinämie äußert sich nicht in Form von Schmerzen. Vielmehr erfolgt sie selbst beschwerdefrei; erst durch zufällige Analyse von Blutwerten oder durch Folgeerkrankungen wird die Erkrankung diagnostiziert.

Hauptsymptom ist die bereits erwähnte Verkalkung von Arterien, weil sich das LDL-Cholesterin an den Innenwänden der Arterien ablagert und so zu einer Gefäßverengung führt. Werden die Gefäße im Herzbereich verengt, die sogenannten Herzkranzgefäße, besteht aufgrund der Verkalkung die Gefahr eines Herzinfarktes.

Bei Gefäßverengungen im Gehirnbereich besteht die Gefahr eines Schlaganfalles. Typische Begleiterscheinungen sind hier Schwindelgefühle sowie plötzlich eintretende Sehschwäche. Denkbar sind Verengungen auch anderen Körperteilen - vor allen Dingen an den Beinen. Kommt es zu einer Verengung der dortigen Arterien, werden die Beine mit zu wenig Blut versorgt. Die Folge sind Raucherbeine, die im schlimmsten Fall absterben bzw. amputiert werden müssen, weil das Gewerbe abgestorben ist.

Untersuchungen und Diagnose

BlutentnahmeEin Bluttest kann Aufschluss über einen erhöhten Cholesterinspiegel geben. (Foto by: withGod / Depositphotos)

Wie bereits erwähnt, wird eine Hypercholesterinämie oftmals zufällig bei Routineuntersuchungen wie die Blutbilduntersuchung festgestellt. Wird bei einer Routineblutuntersuchung Verdacht geschöpft, dass mahlzeitunabhängig erhöhte Cholesterinwerte vorliegen könnten, muss eine zweite Blutuntersuchung unternommen werden. Dieses Mal muss der Patient nüchtern erscheinen, das heißt, in den letzten zehn Stunden nichts zu sich genommen haben. So sollen akute Verfälschungen der Cholesterinwerte durch Nahrungsmittelaufnahme verhindert werden.

Der Normalwert des Cholesterinspiegels liegt bei Erwachsenen bei weniger als 200 mg/dl. Leicht erhöhte Werte beginnen bei Werten bis 240, mittelstark erhöhte Werte bis 300 mg/dl. Cholesterinblutwerte jenseits der 300-mg/dl-Grenze gelten schließlich als Fall einer Hypercholesterinämie. Zusätzlich zu dem obligatorischen Bluttest kommen noch Blutdruckuntersuchungen sowie das Abhören der Herztöne in Betracht.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Da die häufigste Ursache von Hypercholesterinämie erblicher Natur ist, kann sie nicht geheilt werden. Jeder Therapieansatz kann sich somit nur darauf beschränken, die Symptome zu mildern, das heißt, die Cholesterinwerte zu senken. In medikamentöser Hinsicht gibt es unterschiedliche Möglichkeiten; etabliert haben sich dabei zwei Ansätze.

Bei der einen Methode kommen Cholesterin-Synthese-Blocker zum Einsatz. Sie wirken nicht auf das Cholesterin selbst, sondern auf solche Enzyme, die bei der Produktion von Cholesterin aus dem Ausgangsstoff Gallensäure beteiligt sind. Bezweckt wird somit, dass der Körper erst überhaupt kein Cholesterin produziert, um so den Cholesterinspiegel des Blutes zu senken.

Die andere Variante ist, die Aufnahme von produziertem Cholesterin bzw. über die Nahrung aufgenommenen Cholesterins zu stören. Erreicht wird dies mit Cholesterin-Aufnahme-Hemmer, die sich auf die Schleimhaut des Dünndarms ablagern. So wird die Aufnahme von Cholesterin über den Darm, das später in die Blutlaufbahn gelangt, reduziert werden.

Laut der traditionellen chinesischen Heilkunde soll ferner Knoblauch den Cholesterinspiegel senken. Zwar konnte in diversen Studien die Wirkung, selbst wenn sie im Vergleich zu Medikamenten gering ausfällt, bestätigt werden, aber eine evidente schulmedizinische Erklärung für die Wirkweise steht noch aus.

Prävention und was ich selbst tun kann

Eine Hypercholesterinämie ist weder heilbar, noch kann sie vorgebeugt werden. Allerdings gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, mit denen Betroffene den Krankheitsverlauf unabhängig einer medikamentösen Therapie positiv beeinflussen können.

Von Ärzten anerkannt ist regelmäßige Bewegung, die durch die Stimulierung der Produktion von neuen Zellen den Verbrauch des im Körper vorkommenden Cholesterins für ihre Zellmembran anregt. Empfehlenswert ist ferner, auf eine cholesterinreiche Ernährung zu verzichten und diese stattdessen auf eine ballaststoffreiche Ernährungsweise umzustellen. Im Vergleich zur körpereigenen Cholesterinproduktion fällt der Anteil des über die Nahrung aufgenommenen Cholesterins mit großem Abstand geringer aus, doch für Betroffene einer Hypercholesterinämie ist jede Cholesterinmenge problematisch - so gering sie auch sein mag.


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