Blinddarm - Blinddarmentzündung

Bei der Blinddarmentzündung entzündet sich ein kleiner Teil des Dickdarms. Die Folge sind starke Schmerzen. In der Regel muss die Blinddarmentzündung operativ behandelt werden.

BlinddarmentzündungErste Hinweise auf eine Appendizitis liefern Symptome wie starke Bauchschmerzen und Übelkeit. (Foto by: Syda_Productions / Depositphotos)

Eine Blinddarmentzündung ist streng betrachtet eigentlich keine Entzündung des Blinddarms. Betroffen ist der sogenannte Wurmfortsatz, ein Anhängsel des Blinddarms. Der Wurmfortsatz wird auch als Appendix bezeichnet. Daraus leitet sich der lateinische Name Appendizitis für die Blinddarmentzündung ab.

Der Blinddarm befindet sich im rechten Unterbauch. Der Wurmfortsatz liegt unterhalb des Übergangs zum Dickdarm und ist nur so groß wie der kleine Finger. Bei der Verdauung übernimmt der Blinddarm keine Aufgaben. Es wird aber diskutiert, ob der Wurmfortsatz Teil des lymphatischen Systems und somit auch Teil des Immunsystems ist.

Ursachen einer Blinddarmentzündung

Grundsätzlich kann eine Appendizitis in jedem Lebensalter auftreten. Die meisten Fälle von Blinddarmentzündungen finden sich aber bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 4 bis 25 Jahren.

Kleine Kinder und ältere Menschen sind eher selten betroffen. Die Blinddarmerkrankung ist die Erkrankung des Bauchraumes, die am häufigsten operativ therapiert werden muss. Rund sieben Prozent der Bevölkerung sind einmal im Leben von einer Appendizitis betroffen.

Die Ursachen können unterschiedlich sein. In den meisten Fällen findet sich kein konkreter Auslöser.

  • Eine Verstopfung des Wurmfortsatzes kann eine Entzündung begünstigen. Eine solche Verlegung kann durch Kotsteine entstehen. Kotsteine können die Folge von starken Verstopfungen sein. Es handelt sich dabei um Stuhlansammlungen mit einem sehr festen Kern.
  • Auch das Abknicken des Wurmfortsatzes kann eine Entzündung bedingen.
  • Seltener sind Parasiten wie beispielsweise Bandwürmer die Ursache einer Blinddarmentzündung.
  • Fremdkörper im Darm können die Entleerung des Blinddarms und des Wurmfortsatzes behindern und so eine Blinddarmentzündung auslösen. Besonders häufig geschieht ein solcher Verschluss durch Kirschkerne, Weintraubenkerne oder Melonenkerne. Wenn der Wurmfortsatz verschlossen ist, stauen sich Verdauungssekrete an, die die Schleimhaut reizen. Ein Verschluss bietet zudem bakteriellen Infektionen einen Nährboden.
  • Blinddarmentzündungen ohne einen verstopften Wurmfortsatz sind selten. Sie entstehen in der Regel durch Bakterien. So kann eine Infektion mit Kolibakterien, Proteusbakterien oder mit Enterokokken zu einer Entzündung des Wurmfortsatzes führen.
  • Auch chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa können eine Blinddarmentzündung auslösen.

Symptome, die bei einer Blinddarmentzündung auftreten können

Charakteristisches Symptom einer Blinddarmentzündung sind starke Bauchschmerzen. Die Schmerzen beginnen im Bereich rund um den Bauchnabel und in der Magengegend. Nach einiger Zeit verlagern sie sich in den rechten Unterbauch.

Bei Schwangeren kann es aufgrund einer Verlegung des Wurmfortsatzes auch zu Schmerzen im Ober- oder Mittelbauch kommen. Auch im Rückenbereich können Schmerzen auftreten.

Typisch für die Blinddarmentzündung sind Erschütterungsschmerzen. Das bedeutet, dass sich der Schmerz beim Hüpfen oder Laufen verschlimmert. Das Anwinkeln des rechten Beins zum Bauch hin bringt Schmerzerleichterung.

Begleitsymptome

Die Schmerzen werden häufig von Appetitlosigkeit, Erbrechen und Übelkeit begleitet. Die Körpertemperatur steigt auf bis zu 39 °C an. Beim Fiebermessen zeigt sich eine Temperaturdifferenz von einem Grad Celsius zwischen der Messung im After und zwischen der Messung unter der Achsel.

Bei älteren Leuten sind die Symptome einer akuten Appendizitis nicht immer so typisch. Die Symptome sind oft weniger deutlich ausgeprägt, die Körpertemperatur ist nur selten erhöht.

Kinder zeigen hingegen sehr starke Symptome. Sie leiden unter Schmerzen im gesamten Bauchraum und unter starker Übelkeit.

Untersuchungen und Diagnose einer Blinddarmentzündung

Erste Hinweise auf eine Appendizitis liefern Symptome wie starke Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Auf eine ausführliche Anamnese erfolgt eine körperliche Untersuchung durch den Arzt.

Bei der Palpation zeigen sich ein druckschmerzhafter McBurney- und Lanz-Punkt. Der McBurney-Punkt befindet sich im rechten Unterbauch. Der Lanz-Punkt liegt oberhalb der Symphyse. Auf der gegenüberliegenden Körperseite, direkt gegenüber des McBurney-Punkts liegt der Blumberg-Punkt. Bei einer Appendizitis kann hier der sogenannte Loslassschmerz ausgelöst werden. Wird auf diesen Punkt ein manueller Druck ausgeübt und plötzlich wieder losgelassen entsteht, ein Schmerz im rechten Unterbauch.

Bei einem Ausstreichen des Dickdarms vom absteigenden Dickdarmast in Richtung des Blinddarms kommt es zu starken Schmerzen im rechten Unterbauch. Da bei dieser Untersuchungstechnik die Gefahr besteht, dass der entzündete Dickdarm perforiert, wird die Methode nur noch selten zur Untersuchung genutzt.

AppendizitisBei der Blinddarmentzündung entzündet sich ein kleiner Teil des Dickdarms. (Foto by: rob3000 / Depositphotos)

Laboruntersuchungen

Ergänzend zur klinischen Untersuchung werden Laboruntersuchungen durchgeführt. Im Blut sind die Leukozytenwerte und der CRP-Wert erhöht.

Ultraschall

Weitere Sicherheit bietet die Ultraschalluntersuchung (Sonografie). Ein gesunder Appendix ist im Ultraschall nicht sichtbar. Bei einem entzündeten Wurmfortsatz zeigt sich eine schießscheibenartig gestreifte Struktur im rechten Unterbauch.

Computertomografie

Auch eine Computertomographie (CT) kann die Diagnose sichern.

Bauchspiegelung

Eine eindeutige Diagnose kann bei einer Blinddarmentzündung allerdings nur durch eine Bauchspiegelung erfolgen.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Um Komplikationen zu verhindern, ist eine rasche Therapie der Blinddarmentzündung erforderlich. Bei Verdacht auf eine Appendizitis erfolgt deshalb direkt eine Einweisung ins Krankenhaus. Hier steht der Patient zunächst für einige Zeit unter Beobachtung. Während dieser Beobachtungsperiode soll ermittelt werden, ob es sich tatsächlich um eine Blinddarmentzündung handelt.

Erhärtet sich der Verdacht, wird der entzündete Wurmfortsatz operativ entfernt. Dieses chirurgische Verfahren wird auch als Appendektomie bezeichnet. Früher wurde in der Regel eine offene Operation mit Eröffnung der Bauchdecke, auch Laparotomie genannt, durchgeführt.

Heute wird dieses Verfahren immer häufiger durch minimal-invasive Operationsmethoden ersetzt. Bei dieser Laparoskopie führt der Chirurg die Operationsinstrumente durch drei winzige Schnitte in die Bauchhöhle ein. Die Laparoskopie kann helfen, den Verdacht auf eine Blinddarmentzündung zu bestätigen. Dies ist wichtig, da die negative Appendektomierate zwischen 10 und 40 Prozent liegt. Die negative Appendektomierate gibt wieder, wie häufig ein normaler Blinddarm trotz positivem Untersuchungsbefund bei der Operation entfernt werden musste. Appendektomien per minimal-invasivem Verfahren sind aber nur im Frühstadium der Entzündung sinnvoll. Bei einer fortgeschrittenen Entzündung muss nach wie vor eine offene Appendektomie durchgeführt werden.

Wenn die betroffenen Patienten rechtzeitig eine adäquate Behandlung erhalten, ist die Prognose der Appendizitis gut. Die Letalität bei einer nicht perforierten Blinddarmentzündung liegt bei unter 0,1 Prozent. Bei einem Durchbruch steigt die Letalität allerdings auf 10 Prozent.

Welche Komplikationen können bei einer Blinddarmentzündung auftreten?

  • Eine gefürchtete Komplikation ist die Perforation des Blinddarms. Tritt nach den starken Schmerzen plötzlich ein schmerzfreies Intervall auf, ist Vorsicht geboten. Diese schmerzfreie Zeit wird auch als "fauler Frieden" bezeichnet. Meistens handelt es sich um einen Durchbruch des Darms. Der Durchbruch bringt zunächst Schmerzerleichterung. Es folgen aber massive Schmerzen im gesamten Bauchraum, da durch das Austreten der entzündlichen Flüssigkeit in den Bauchraum eine Entzündung des Bauchfells (Peritonitis) hervorgerufen wird.
  • Wenn die eitrige Flüssigkeit aus dem Blinddarm in die Bauchhöhle gelangt, kann auch ein Douglas-Abszess entstehen.
  • Weitere Komplikationen sind ein Konglomerattumor mit Verklebungen und Verwachsungen verschiedener Darmabschnitte mit dem Bauchfell oder mit der Haut.
  • Durch die starke Entzündung kann zudem ein paralytischer Ileus entstehen. Diese Darmlähmung ist ein lebensbedrohliches Krankheitsbild und bedarf sofortiger chirurgischer Intervention.

Prävention und was ich selbst tun kann

In den meisten Fällen kann eine Blinddarmentzündung nicht verhindert werden. Da relativ viele Blinddarmentzündungen durch Fremdkörper wie Kirsch- oder Melonenkerne hervorgerufen werden, sollte darauf geachtet werden, dass diese Kerne beim Verzehr möglichst nicht verschluckt werden.

Bei starken Bauschmerzen mit anhaltender Übelkeit und Erbrechen sollte schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden. Eine Blinddarmentzündung lässt sich nicht im eigenen Bett auskurieren, sondern bedarf einer schnellen chirurgischen Behandlung.


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User Kommentare

Celiii
Celiii

Ich hatte als Kind eine Blinddarmentzündung, zum Glück wurde rasch gehandelt!

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