Morbus Crohn

Er zählt zu den selteneren Krankheiten, doch wenn er erst einmal auftaucht, bleibt er ein Leben lang. Der Morbus Crohn: Für die Mediziner seit über 100 Jahren ein Rätsel, für die Betroffenen eine Erkrankung bis zum Lebensende.

Morbus CrohnBei Morbus Crohn handelt es sich um chronische Entzündungen im Verdauungstrakt. (Foto by: alekso_94 / Depositphotos)

Die Erkrankung Morbus Crohn zählt zu den chronischen Entzündungen des Magen-Darm-Trakts und wird auch zu den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, kurz CED, gezählt.

Zumeist verläuft die Krankheit in Schüben, es sind alle Schichten der Darmwand davon betroffen. Beim Morbus Crohn handelt es sich um eine Erkrankung aus der Familie der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Wie der Name es schon vermuten lässt, ist es eine chronische, das heißt im Regelfall lebenslange, Erkrankung der Darmwege, die in Form von Entzündungen zum Ausdruck kommt.

Neben dem Morbus Crohn stellt die Colitis ulzerosa die zweite große Erscheinungsform der chronischen Darmentzündungserkrankungen dar. Morbus Crohn kommt relativ selten vor, Frauen und Männer sind gleich oft davon betroffen.

Begriffsdefinition

Die Bezeichnung "Morbus Crohn" (übersetzt: crohnsche Krankheit) geht auf den US-amerikanischen Gastroenterologen Burrill Bernard Crohn zurück, der als einer der Ersten im Jahre 1932 die Krankheit beschrieben hat. Allerdings war er nicht der Erste: Bereits 1904 beschrieb unabhängig von ihm der polnische Chirurg Antoni Lesniowski ebenfalls die Darmerkrankung, die aber nach dem US-Amerikaner benannt wurde.

Ursachen von Morbus Crohn

Was die Ursache des Morbus Crohn ist, ist auch nach über 100 Jahren seit ihrer erstmaligen Beschreibung unklar. Allerdings lässt sich ausschließen, dass Krankheitserreger die direkten Auslöser sind. Da keine Krankheitserreger in Betracht kommen, ist davon auszugehen, dass der Morbus Crohn nicht ansteckend ist.

Führende Gastroenterologen gehen davon aus, dass es sich bei Morbus Crohn um eine Autoimmunerkrankung handelt. Kennzeichnend für eine Autoimmunkrankheiten ist, dass das Immunsystem, das den Menschen eigentlich vor Erkrankungen schützen soll, die Erkrankung verursacht. Die herrschende Meinung in der Medizin geht dahin, dass das Immunsystem aufgrund einer bis heute noch nicht abschließend geklärten Ursache anfängt, die gesunden (Darm-)Zellen des Menschen anzugreifen. Es identifiziert die eigenen Körperzellen des Menschen irrig als krankheitserregende Fremdkörper und beginnt, sie zu bekämpfen. So kommt es zu den Entzündungen, die für den Morbus Crohn typisch sind.

Wie bereits erwähnt, ist der Grund, weshalb das Immunsystem plötzlich so reagiert, nicht geklärt. Eine Gruppe von Medizinern glaubt, dass eine vorausgegangene Infektion mit Viren verantwortlich sein soll. Das Immunsystem sei wegen der Infektion dergestalt strapaziert worden, dass es auf ungefährliche Darmzellen überspitzt reagiert, was letztlich zum Ausbruch des Morbus Crohn führt.

Andere Mediziner verfolgen den Ansatz, dass der Immunfehler erbgutbedingt ist. Aufgrund eines Fehlers im Erbgut des Betroffenen komme es zu dem Fehler des Immunsystems. Allerdings konnte diese Theorie nicht erklären, weshalb der Morbus Crohn regelmäßig im zweiten und dritten Lebensjahrzehnt auftaucht und nicht schon früher, was bei einer erbgutbedingten Ursache eigentlich der Fall sein müsste.

Symptome von Morbus Crohn

Wie bei jeder chronischen Darmentzündung kommt es auch beim Morbus Crohn zu entzündlichen Läsionen in der Darminnenwand. Das Besondere am Morbus Crohn ist, dass die Entzündungen partiell auftauchen. Das bedeutet, dass bestimmte Teile des Darms betroffen sein können, während sie von gesunden Abschnitten voneinander getrennt sind. Dies ist das entscheidende Kriterium, um den Morbus Crohn von der Colitis ulzerosa zu unterscheiden. Denn anders als beim Morbus Crohn ist bei der Colitis ulzerosa der Darm - beginnend vom Mastdarm - kontinuierlich von Entzündungen befallen.

Beachtenswert ist ferner, dass es sich beim Morbus Crohn zwar um eine chronische Darmentzündung handelt, das aber nicht zwingend bedeuten muss, dass der Patient chronisch-permanent von der Entzündung betroffen ist. Vielmehr verläuft der Morbus Crohn in Schüben. Das heißt, dass die Entzündungen im Regelfall nur während eines sogenannten "aktiven Schubes" auftauchen, sich aber irgendwann wieder zurückbilden. Die Phase, in der sich die Entzündungen zurückbilden, wird als "Remission" bezeichnet. Wann und unter welchen Umständen es zu einem Schub kommt, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab.

Untersuchungen und Diagnose

Diagnose Morbus CrohnDer Morbus Crohn ist - wie jede chronische Darmentzündung - nicht heilbar. (Foto by: luckybusiness / Depositphotos)

Koloskopie

Es gibt nur eine gesicherte Variante, mit der das Vorliegen eines Morbus Crohn festgestellt werden kann: die Koloskopie. Hierbei führt der Gastroenterologe, als einzig befugtes Personal, das eine Darmspieglung vornehmen darf, einen Schlauch in den After des Betroffenen ein, an dessen Ende eine Kamera sowie chirurgische Instrumente angebracht sind. Der Patient hat dabei die Wahl, der Untersuchung unter Vollnarkose beizuwohnen, ober durch lokale Betäubung von der Untersuchung nichts bzw. wenig zu spüren, dafür aber bei Bewusstsein zu bleiben.

Während der Darmspiegelung begutachtet der behandelnde Arzt am Bildschirm den Darm nach Entzündungen (als Indizien für einen Morbus Crohn) und kann bei Bedarf Proben entnehmen. Die Proben werden in einem Labor histologisch untersucht; sollte das Ergebnis mit den Vermutungen des Arztes während der Darmspieglung konform gehen, kann von einer endgültigen Diagnose gesprochen werden.

Alternative Maßnahmen

Je nach Einzelfall kann es unmöglich sein, eine Koloskopie vorzunehmen. In solchen Fällen können auf alternative Methoden wie beispielsweise auf radiologische Maßnahmen zu Verbildlichung des Darms ausgewichen werden. Allerdings kann insoweit nicht von einer vollwertigen "Alternative" die Rede seien, als dass Diagnosen aufgrund von Röntgenbildern einer nicht unwesentlichen Fehlerquote unterliegen und weil keine Proben zum Zwecke einer histologischen Untersuchung entnommen werden können.

Der "Goldstandard" ist und bleibt zurzeit die klassische Darmspieglung.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Der Morbus Crohn ist - wie jede chronische Darmentzündung - nicht heilbar; der Betroffene muss somit sein gesamtes Leben mit seiner Erkrankung verbringen. Wie bereits erwähnt, verläuft der Morbus Crohn in Schüben, was bedeutet, dass der Betroffene zwar bis zum Lebensende erkrankt bleibt, aber nicht permanent leiden muss. Ziel jeder Therapie ist somit, den Verlauf der Erkrankung in eine symptomfreie Remission zu leiten und diese so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Etabliert hat sich im Laufe der Zeit ein Stufenmodell.

  1. Die Therapie beginnt mit dem relativ nebenwirkungsarmen Wirkstoff Mesalazin. Mesalazin hat die Aufgabe, die bestehenden Entzündungen des aktiven Schubes zu mildern und so den Weg für eine Remission freizumachen.
  2. Sollte Mesalazin allein nicht den gewünschten Effekt erreichen, was bei fortgeschrittenen Erkrankungsfällen von Morbus Crohn der Fall ist, wird in der zweiten Stufe des Stufenmodells zu kortisonhaltigen Präparaten gegriffen. Auch diese verfolgen den Zweck, die Entzündungen abzumildern. Sollte die Remission endlich eintreten, kann die Therapie wieder auf Mesalazin "runtergestuft" werden.
  3. Sollte dagegen selbst Kortison nicht wirken, stehen auf der dritten Stufe Immunsuppressiva zur Verfügung. Diese Wirkstoffe regulieren das Immunsystem. Da - nach gängiger Ansicht unter Medizinern - eine irrige Überreaktion des Immunsystems Auslöser des Morbus Crohn sein soll, knüpft die Therapie daran an: Mit Immunsuppressiva soll das Immunsystem absichtlich geschwächt werden. Damit wird der Patient zwar anfälliger für echte Krankheitserreger, aber gleichzeitig reduziert sich auch die Fehlreaktion des Immunsystems, eigene Darmzellen anzugreifen.

Prävention und was ich selbst tun kann

Da die vermutete Ursache des Morbus Crohn (die Fehlreaktion des Immunsystems) wahrscheinlich erbgutbedingt ist, scheidet eine Prävention insoweit aus. Nichtsdestotrotz hängt der Behandlungserfolg maßgeblich von dem Verhalten des Patienten selbst ab. Zwar kann er den Ausbruch nicht verhindern, dafür aber den Verlauf entscheidend beeinflussen.

Ziel jeder Behandlung ist bekanntlich die Rückführung in die Remission - der beschwerdefreien Phase. Ob es erneut zu einem Ausbruch der Symptome, zu einem aktiven Schub, kommt, hängt derweil von Faktoren ab, die der Patient selbst beeinflussen kann.

Bekannt ist, dass eine falsche Ernährungsweise einen Schubausbruch erheblich beeinflusst. Da mit einem Morbus Crohn regelmäßig eine Nahrungsmittelsensibilität einhergeht, kann mithilfe einer individuellen Ernährungsberatung ein Schub weitgehend vermieden werden. Dasselbe gilt für den Verzicht auf Alkohol und Zigaretten. Auch Stress sollten von Morbus-Crohn-Betroffene möglichst vermeiden, da dieser als möglicher Schub begünstigender Faktor diskutiert wird.


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