Hashimoto-Thyreoiditis

In der Medizin ist die Hashimoto-Thyreoiditis auch als chronische lymphozytäre Thyreoiditis, Struma lymphomatosa Hashimoto oder Ord-Thyreoiditis bekannt. Als Namensgeber der Autoimmunkrankheit gilt der japanische Mediziner Hakaru Hashimoto (1881-1934). Dem Chirurgen und Pathologen gelang es 1912, die Schilddrüsenentzündung erstmals zu beschreiben.

Hashimoto-ThyreoiditisEine wichtige Untersuchungsmethode bei der Hashimoto-Thyreoiditis stellt eine Sonografie dar. (Foto by: Andrey Popov / Fotolia)

Bei einer Autoimmunkrankheit wie der Hashimoto-Thyreoiditis stuft der Organismus körpereigenes Gewebe fälschlicherweise als fremd ein. Aus diesem Grund sendet das Abwehrsystem Autoantikörper aus, die gegen das Gewebe vorgehen. In diesem Fall führt dies zu einer Entzündung der Schilddrüse (Thyreoiditis). Dabei kommt es zur Zerstörung der Zellen sowie zur Einbuße ihrer Funktionen. Weil die einzelnen Drüsen durch faserreiches Gewebe ersetzt werden, schrumpft die Schilddrüse mit der Zeit. Je länger sich die Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis fortsetzt, umso mehr nimmt die Anzahl an funktionstüchtigen Zellen ab, was schließlich eine Unterfunktion der Schilddrüse hervorruft.

Unterschiedliche Formen der Hashimoto-Thyreoiditis

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis wird zwischen zwei Unterformen unterschieden:

  1. Hashimoto-Thyreoiditis i.e.S., die mit der Bildung eines Kropfes einhergeht, wodurch sich die Schilddrüse vergrößert.
  2. Ord-Thyreoiditis, bei der es zu einer Verkleinerung der Schilddrüse kommt. Die erste Beschreibung der Ord-Thyreoiditis fand 1878 durch den britischen Chirurgen William Miller Ord (1834-1902) statt.

Bei Beschwerden, Krankheitsverlauf, Diagnose und Therapie bestehen zwischen beiden Varianten von Hashimoto-Thyreoiditis kaum Unterschiede. Außerdem können beide Formen ineinander übergehen. Aus diesem Grund werden sie in der Medizin normalerweise als Hashimoto-Thyreoiditis zusammengefasst.

In beiden Fällen leidet die Schilddrüse unter einer Unterfunktion, wobei auch aufgrund des zerstörten Schilddrüsengewebes phasenweise Überfunktionen möglich sind. Die Autoimmunkrankheit Hashimoto-Thyreoiditis lässt sich zwar nicht heilen, kann jedoch gut behandelt werden.

Weil die Hashimoto-Thyreoiditis zu den polyendokrinen Autoimmunerkrankungen gehört, tritt sie oft mit anderen Krankheiten dieser Art wie Hypoparathyreoidismus, Diabetes mellitus Typ 1, Morbus Addison, Vitiligo (Weißfleckenkrankheit) oder Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) auf.

Häufigkeit

Die Hashimoto-Thyreoiditis wird zu den am häufigsten vorkommenden menschlichen Autoimmunerkrankungen gezählt. Außerdem stellt sie den häufigsten Grund für eine primäre Unterfunktion der Schilddrüse dar.

Besonders betroffen von der Krankheit Hashimoto-Thyreoiditis ist das weibliche Geschlecht. So erkranken Frauen bis zu neun Mal häufiger als Männer. In den meisten Fällen zeigt sich die Krankheit im Alter zwischen 40 und 50 Jahren.

Ursachen

Wodurch es zu einer Hashimoto-Thyreoiditis kommt, ließ sich bislang noch nicht genau aufklären.

Genetische Veranlagung

Die Veranlagung, an dem Leiden zu erkranken, besteht bereits in den Genen. So zeigt sich die Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis oft gehäuft innerhalb von Familien.

Weitere Ursachen

Abgesehen von einer genetischen Vorbelastung vermuten Mediziner aber noch andere Gründe für den Ausbruch der Hashimoto-Thyreoiditis. Dazu gehören:

Besonders häufig findet sich die Schilddrüsenentzündung beim Polyzystischen Ovar-Syndrom (PCOS).

Zu viel Jod

Ebenso wird über eine übertriebene Jodzufuhr als denkbarer Auslöser für Hashimoto-Thyreoiditis diskutiert.

Symptome einer Hashimoto-Thyreoiditis

In vielen Fällen wird die Hashimoto-Thyreoiditis zunächst gar nicht bemerkt, da sie keine Schmerzen hervorruft.

In manchen Fällen macht sich die Autoimmunkrankheit durch Symptome einer Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) bemerkbar. Dabei handelt es sich zumeist um:

Im weiteren Krankheitsverlauf entwickelt sich eine Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion). Es zeigen sich typische Symptome wie:

Außerdem büßen die betroffenen Personen an Gewicht ein, obwohl sie sich ganz normal ernähren. Verantwortlich für die Beschwerden ist eine unzureichende Produktion der Schilddrüse von Schilddrüsenhormonen.

Hashimoto-Enzephalopathie

Sehr selten ist die Krankheit mit einer Hashimoto-Enzephalopathie verbunden. Dabei leiden die Patienten unter psychiatrischen Symptomen, Halluzinationen oder epileptischen Anfällen.

Untersuchung und Diagnose einer Hashimoto-Thyreoiditis

Ein Verdacht auf die Hashimoto-Thyreoiditis ergibt sich in der Regel durch ihre typischen Symptome. Allerdings besteht besonders bei Frauen im Alter von ca. 50 Jahren das Risiko, dass die Krankheit übersehen wird, weil sie sich in den Wechseljahren befinden. Daher deuten viele Ärzte typische Symptome wie zum Beispiel Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder Schweißausbrüche fälschlicherweise als Anzeichen von Wechseljahresbeschwerden.

Anamnese

Führen die Beschwerden den Patienten zum Arzt, befasst sich der Mediziner zunächst mit der Krankengeschichte, wobei er über die Symptome genauer Bescheid wissen möchte.

Körperliche Untersuchung

Anschließend nimmt er zur Diagnose von Hashimoto-Thyreoiditis eine körperliche Untersuchung vor, bei der er auf eventuelle Hormonstörungen achtet.

Bluttest

Außerdem findet eine Blutuntersuchung statt, durch die sich der Verdacht auf eine entzündete Schilddrüse schnell erhärten lässt. Sie wird durch erhöhte Entzündungswerte wie C-reaktives Protein oder die Blutsenkungsgeschwindigkeit bestätigt. Ferner bestimmt der Arzt die Anzahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Liegt eine akute Schilddrüsenentzündung vor, erhöht sich die Leukozytenmenge, während dies bei einer subakuten Thyreoiditis nicht der Fall ist. Außerdem werden die Schilddrüsenhormonwerte gemessen.

Ultraschall

Eine wichtige Untersuchungsmethode bei der Hashimoto-Thyreoiditis stellt die Ultraschalluntersuchung (Sonografie) dar. Eine entzündete Schilddrüse kann der Arzt bei diesem Verfahren an deren dunkler Färbung und aufgelockerter Struktur erkennen. Im Falle einer Hashimoto-Thyreoiditis liegt die Schilddrüse unter ihrer normalen Größe.

Feinnadelbiopsie

Im Rahmen einer Feinnadelbiopsie hat der Arzt die Möglichkeit, eine Gewebeprobe aus der Schilddrüse zu entnehmen und sie unter dem Mikroskop untersuchen zu lassen.

Bestimmung der Antikörper

Als weiteres Diagnoseverfahren kommt eine Bestimmung der Antikörper in Betracht.

Therapie und Behandlung einer Hasshimoto-Thyreoiditis

Behandlung Hashimoto-ThyreoiditisZur Behandlung der Symptome von Hashimoto-Thyreoiditis dienen Schilddrüsenhormone in Tablettenform. (Foto by: racorn / Depositphotos)

Eine ursächliche Behandlung der Hashimoto-Thyreoiditis ist derzeit nicht möglich. Aus diesem Grund beschränkt sich die Therapie auf das Lindern der Symptome.

Dabei spielt der Ausgleich des hormonellen Ungleichgewichts, das durch die Erkrankung entsteht, eine zentrale Rolle. Zu diesem Zweck erhalten die Patienten für den Rest ihres Lebens im Rahmen einer Substitutionstherapie Schilddrüsenhormone in Tablettenform, zu denen Levothyroxin (L-Thyroxin), T3 oder T4 gehören. Erfolgt eine korrekte Dosierung der Medikamente, muss der Patient keine schweren Nebenwirkungen oder Komplikationen befürchten.

Wichtig ist eine regelmäßige Kontrolle des TSH-Wertes. Weil die Hashimoto-Thyreoiditis einen chronischen Verlauf nimmt, kann sich die benötigte Hormonmenge im Laufe der Zeit verändern. In solchen Fällen müssen die Medikamente neu eingestellt werden.

Des Weiteren wird eine regelmäßige Ultraschallkontrolle im Abstand von sechs bis zwölf Monaten empfohlen. So besteht mitunter das Risiko, dass sich zervikale Lymphome ausbilden.

Während bei anderen Erkrankungen der Schilddrüse die Einnahme von Jod empfohlen wird, gilt sie bei der Hashimoto-Thyreoiditis eher als kontraproduktiv. So reagiert das Abwehrsystem des Patienten in den meisten Fällen überempfindlich auf den Stoff. Aus diesem Grund sollte er auf die Einnahme von Jod besser verzichten.

Prävention

Vorbeugende Maßnahmen gegen die Hashimoto-Thyreoiditis sind nicht bekannt. So wurden die Auslöser der Autoimmunkrankheit noch immer nicht festgestellt. Nach einer schweren Infektion ist es jedoch ratsam, die Schilddrüse bei ersten Beschwerden ärztlich untersuchen zu lassen, damit im Ernstfall eine frühzeitige Therapie beginnen kann.


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