Morbus Bechterew

Rückenschmerzen sind heutzutage sehr weit verbreitete Beschwerden, die unterschiedlichste Ursachen haben können. So sind sie oftmals auf Verspannungen der Rückenmuskulatur oder auf Abnützungserscheinungen im Bereich der Wirbel zurückzuführen.

Morbus BechterewBei Morbus Bechterew handelt es sich um eine entzündliche Wirbelsäulenerkrankung. (Foto by: alexraths / Depositphotos)

Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans) ist eine chronische Erkrankung, die relativ langsam voranschreitet, wobei sich die Wirbelsäule sowie das Iliosakralgelenk, das eine Verbindung zwischen Hüftbein und Wirbelsäule darstellt, langsam verändern. Dadurch wird die Beweglichkeit eingeschränkt, die Wirbelsäule kann sich versteifen und es entsteht ein Rundrücken bzw. ein Flachrücken im Bereich der Lendenwirbel.

Etwa ein Prozent der Mitteleuropäer sind von dieser Erkrankung betroffen. Dabei tritt Morbus Bechterew bei Männern viermal so häufig auf wie bei Frauen. Der Erkrankungsbeginn ist an kein bestimmtes Alter gebunden, meistens zeigen sich die Symptome aber erstmals zwischen dem 15. und 40. Lebensjahr. Sehr häufig lässt sich bei den Betroffenen ein spezielles genetisches Merkmal (HLA-B27) nachweisen. HLA-B27 ist ein spezielles Eiweiß, das sich auf der Oberfläche von beinahe jeder Körperzelle befindet. Für die T-Lymphozyten ist es eine Art Erkennungszeichen für fremdes bzw. eigenes Gewebe.

Begriffsdefinition / Herkunft

Eine ähnliche Art der Erkrankung wurde bereits 1559 vom Chirurgen Realdo Colombo beschrieben, deren Anzeichen auf eine Spondylitis ankylosans zutreffen könnten. Der erste dokumentierte Fall von Morbus Bechterew stammt aus dem Jahr 1858, in dem David Tucker in einer Broschüre die Symptome eines Patienten beschrieb, der an schweren Missbildungen im Bereich der Wirbelsäule als Folge von Spondylitis ankylosans litt. Eine vollständige Beschreibung der Krankheit erfolgte erst am Ende des 19. Jahrhunderts durch Wladimir Bechterew (1893), Adolf von Strümpell (1897) sowie Pierre Marie (1898). Aus diesem Grund wird die Erkrankung Morbus Bechterew oder auch Bechterew-Strümpell-Marie-Krankheit genannt.

Ursachen von Morbus Bechterew

Die genauen Ursachen für das Auftreten von Morbus Bechterew sind nicht bekannt, vermutlich sind jedoch genetische Anlagen bzw. Umwelteinflüsse dafür verantwortlich, dass es im Körper zu einer krankhaften Immunreaktion kommt. Dadurch entsteht vorwiegend in der Wirbelsäule eine chronische Entzündung und im Kreuz-Darmbeingelenk sowie in den Wirbelgelenken sammeln sich verschiedenste Abwehrzellen an. Diese führen zu schädigenden Entzündungen und Gewebeveränderungen.

Im Laufe der Zeit werden dann die beschädigten Gelenksränder durch Knorpel ersetzt, die jedoch verknöchern und die Gelenke versteifen können. Wie bereits erwähnt haben fast alle Patienten ein bestimmtes Gewebemerkmal (HLA-B27), was dazu führt, das bestimmte Erreger vom Körper nicht abgetötet werden können. Dadurch ist das Abwehrsystem des Körpers sehr stark aktiviert und es kommt zu einer Schädigung des körpereigenen Gewebes, die vorwiegend die Wirbelsäule betrifft.

Symptome von Morbus Bechterew

Die Leitsymptome einer Spondylitis ankylosans sind

  • morgendliche Steifheit
  • Rückenschmerzen, die relativ tief sitzen
  • nächtliche Schmerzen über einen Zeitraum von mindestens drei Monate.

Ausgehend von den Iliosakralgelenken treten auch Schmerzen in den Oberschenkeln sowie im Gesäß auf. Weitere Frühsymptome können auch Schmerzen an der Ferse, gelegentlich auftretende Knie-, Hüft- oder Schulterschmerzen bzw. Müdigkeit und Gewichtsverlust sein.

Morbus Bechterew verläuft normalerweise in Schüben, nach einem gewissen Zeitraum kommt es zu einer Veränderung der Körperhaltung bzw. der Körperbewegung: Die Lendenwirbelsäule flacht ab, wohingegen sich die Brustwirbelsäule krümmt und ein Buckel entsteht.

Der Hals streckt sich, die Knie- und Hüftgelenke werden gebeugt. Auch Schulter- und Ellenbogengelenke können von der Bewegungseinschränkung betroffen sein, oftmals ist auch das Blickfeld durch die Buckelbildung eingeschränkt. Bei manchen Patienten ist auch die Aderhaut der Augen entzündet, was zu erhöhter Tränenproduktion bzw. Lichtscheu führt. In manchen Fällen tritt auch eine Entzündung der Schlagader bzw. eine chronische Urogenitalerkrankung auf.

Außerdem kann der Krankheitsverlauf durch eine Schuppenflechte der Haut bzw. entzündliche Darmerkrankungen erschwert werden.

Untersuchungen und Diagnose

Relativ frühzeitig kann Morbus Bechterew mit Hilfe einer Computertomografie bzw. einer Magnetresonanz-Tomografie (MRT) diagnostiziert werden. Die Methode der Wahl stellt dabei die Magnetresonanz-Tomografie des Iliosakralgelenkes dar, wodurch Veränderungen wie beispielsweise Entzündungen des Gelenkes oder Verknöcherungen der Bänder sichtbar werden.

Darüber hinaus gibt ein so genannter Schober-Test auch Aufschluss darüber, ob die Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule eingeschränkt ist. Manchmal wird auch eine Szintigrafie (nuklearmedizinische Untersuchung) des Skeletts durchgeführt, diese ist meist jedoch wenig aussagekräftig. Durch einen Bluttest kann das HLA-B27-Gen oder -Molekül nachgewiesen werden. Dann erst kann zusammen mit den typischen Symptomen die Diagnose Morbus Bechterew gestellt werden.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Behandlung Morbus BechterewBeschwerden bei Morbus Bechterew können durch Physiotherapie gemildert werden. (Foto by: lightwavemedia / Depositphotos)

Äußerst hilfreich bei Morbus Bechterew ist eine regelmäßig durchgeführte Krankengymnastik, die die Schmerzen bekämpft und die Wirbelsäule beweglich hält. Die Physiotherapie trägt dazu bei, die Beweglichkeit der Gelenke zu verbessern, verkürzte Muskelgruppen zu dehnen und geschwächte Muskeln zu kräftigen.

Neben der Gymnastik können auch physikalische Therapien wie medizinische Bäder, Wärme- oder Kälteanwendungen, Elektrotherapie, Ultraschall oder Massagen helfen. Darüber hinaus werden auch Schmerzmittel bzw. entzündungshemmende Medikamente verordnet. Dadurch ist eine Behandlung der Entzündungen möglich, allerdings sollten diese Medikamente nicht zu lange eingenommen werden, da es zu Magenblutungen oder einer Nierenschwäche kommen kann.

Eine weitere Option ist eine Therapie mit so genannten TNF-alpha-Hemmern. TNF-alpha ist ein Botenstoff, der im rheumatischen Krankheitsgeschehen eine wichtige Rolle spielt. TNF-alpha-Blocker können das entzündungsfördernde Zytokin TNF-alpha hemmen und so den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Ein akuter Krankheitsschub wird manchmal auch mit kortisonhaltigen Medikamenten behandelt. Reicht eine medikamentöse Behandlung nicht aus, so empfiehlt sich auch eine Therapie mit Radioaktivität, wie zum Beispiel ein Kuraufenthalt in einem Radon-Stollen oder Injektionen von radioaktiven Isotopen. Wenn die Beweglichkeit bereits deutlich eingeschränkt ist, so kann möglicherweise auch eine Operation helfen, bei der die Wirbelsäule aufgerichtet wird. Sind die Hüftgelenke von der Erkrankung betroffen, so kann unter Umständen ein Hüftgelenkersatz vonnöten sein.

Eine schwerwiegende Komplikation bei Morbus Bechterew ist ein Knochenbruch im Bereich der Wirbelsäule. Da die Knochen sehr porös sind, können sie leicht brechen, wodurch jedoch auch die Gefahr besteht, das Rückenmark zu verletzen.

Prävention und was ich selbst tun kann

Einer Erkrankung an Morbus Bechterew kann nicht vorgebeugt werden. Ist die Krankheit ausgebrochen, so sollten die Patienten jedoch versuchen, den Symptomen bzw. einer Versteifung der Wirbelsäule entgegenzuwirken. Dies kann einerseits durch eine gesunde Ernährung mit wenig Fleisch bzw. tierischen Fetten passieren, andererseits sollten die Patienten auch auf tägliche Bewegung achten, da die Schmerzen dadurch meist deutlich nachlassen. Geeignete Sportarten sind zum Beispiel Schwimmen, Nordic Walking, Skilanglauf oder Radfahren. Vermieden werden sollten jedoch einseitige Belastungen sowie starke Erschütterungen.


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