Diclofenac

Diclofenac gehört zur Gruppe der nicht-steroidalen Anti-Rheumatika und zur Untergruppe der Essigsäure-Verbindungen. Die Salze des Wirkstoffs werden in Medikamenten verwendet, die in Österreich grundsätzlich verschreibungspflichtig sind.

Wirkung und Anwendungsgebiete

Diclofenac Arzneimittel haben schmerzlindernde, entzündungshemmende, anti-rheumatische und fiebersenkende Eigenschaften und werden verordnet bei folgenden Beschwerden und Symptomen:

Nach operativen Eingriffen und Verletzungen hat Diclofenac noch zusätzlich abschwellende Eigenschaften. Als nicht-steroidales Anti-Rheumatikum (NSAR) hemmt der Wirkstoff die Aktivität der Cyclooxigenasen COX-1 und COX-2, Enzymen, die Prostaglandine freisetzen. Die Gewebshormone fördern Entzündungen und sorgen für eine Übertragung der Schmerz-Signale an das Gehirn. Außerdem lösen sie Fieber aus.

Diclofenac wird auf verschiedene Weise angewendet:

  • In Augentropfen verhindert es während operativer Eingriffe am Auge die Engstellung der Pupille.
  • Als Salbe wird es auf die Haut aufgetragen und lindert Arthrose sowie Sehnen-, Bänder- und Muskelschmerzen.
  • In Ampullen erhältliches Diclofenac wird direkt in den Gesäßmuskel injiziert. So gelangt es schneller an seinen Bestimmungsort.
  • Außerdem ist der Wirkstoff noch in Retardtabletten und Zäpfchen enthalten.

Das Mittel hat sich außerdem bei Störungen der Hautverhornung bewährt, die als Auslöser von Stachelzellenkrebs gilt. Der genaue Wirkmechanismus bei dieser Anwendung ist jedoch noch unbekannt. In Österreich ist Diclofenac in den Arzneimitteln Agilomed, Algefit, Deflamm, Difema, Dolostrip, Dolgasse, Pennsaid und Trakul enthalten.

Was gilt es vor der Einnahme zu beachten?

Da das Mittel Müdigkeit und Schwindel verursachen kann, sollte der Patient bei der Teilnahme am Straßenverkehr und dem Bedienen gefährlicher Maschinen besondern achtsam sein. Kindern und Jugendlichen unter 14 Jahren sollte grundsätzlich kein Diclofenac verordnet werden, da für diese Personengruppe noch keine gesicherten klinischen Daten vorliegen.

Menschen mit Neurodermitis und Heuschnupfen sollten besser auf Diclofenac verzichten, da sie davon eventuell Asthmaanfälle bekommen können, auch wenn sie keine Neigung zu Asthma bronchiale haben. Höhere Wirkstoff-Dosierungen können das Herzinfarkt- und Arteriosklerose-Risiko steigern.

Dosierung und Einnahme

Der behandelnde Arzt sollte nur die niedrigste noch wirksame Dosis über den kürzest möglichen Zeitraum verordnen. Schmerzpatienten nehmen die Medikamente nicht länger als 4 Tage, Personen mit Fieber maximal 3 Tage lang ein. Bei starken Schmerzen, rheumatischen Erkrankungen, Venen-Krankheiten, Gicht, Fibromyalgie (Faser-Muskel-Schmerz) und Krebserkrankungen wird es grundsätzlich in höherer Dosis verabreicht.

Jugendlichen unter 18 Jahren sollte - wenn überhaupt - nur höchstens 50 mg Diclofenac als Einzeldosis verabreicht werden. Tägliche Höchstdosis ist 75 mg. In einzelnen Fällen kann der Patient auch bis zu 150 mg Diclofenac pro Tag verordnet bekommen.

Bei länger andauernder Einnahme sollte der behandelnde Arzt in regelmäßigen Abständen das Blut sowie die Leber- und Nierenwerte kontrollieren.

Anwendung in der Schwangerschaft und Stillzeit

Sogar in niedriger Dosis sollte Diclofenac in den ersten 6 Monaten der Schwangerschaft nur dann eingesetzt werden, wenn der Arzt es für unbedingt notwendig erachtet. Das Risiko, dass es in dieser Zeit zu Missbildungen beim Ungeborenen kommt, ist verhältnismäßig gering.

In den letzten drei Monaten nimmt die Schwangere unter keinen Umständen Diclofenac Arzneimittel ein, da sie dann schwere Schädigungen des Fötus verursachen und die Geburt hinauszögern können (der Wirkstoff unterdrückt die Wehen).

Die junge Mutter verzichtet während der Stillzeit am besten auf die Einnahme des Schmerzmittels, da es in der Muttermilch nachgewiesen werden konnte.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Häufige Nebenwirkungen der Diclofenac Einnahme sind:

  • Erbrechen
  • Übelkeit
  • Schwindel
  • Müdigkeit
  • Benommenheit
  • Durchfall
  • Bauchschmerzen
  • Appetitlosigkeit
  • Blähungen
  • Hautausschläge und Hautjucken
  • erhöhte Leberenzym-Werte

In seltenen Fällen kommt es beim Patienten zu folgenden Beschwerden:

  • Überempfindlichkeitreaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock
  • Asthma bronchiale
  • Gastritis
  • Benommenheit
  • Blutungen in Magen oder Darm
  • blutigem Durchfall
  • blutigem Erbrechen
  • Teerstuhl
  • Hepatitis
  • Magen-Darm-Geschwüren
  • Ödemen in Armen und Beinen
  • gestörter Leberfunktion
  • Morbus Crohn und Colitis-ulcerosa-Schüben
  • Anämie
  • Haarausfall

Die gleichzeitig Einnahme von Diclofenac mit Lithium (Antidepressivum), Methotrexat (Rheuma-Medikament), Digoxin (Herzmittel) oder Phenytoin (gegen Epilepsie) verstärkt die pharmakologische Wirkung der einzelnen Mittel noch zusätzlich. So kann es eventuell sogar zu Vergiftungen kommen. Außerdem steigert es die Wirkung oral einzunehmender Medikamente gegen Diabetes mellitus, sodass eine Anpassung der Dosis erforderlich sein kann.

Entwässernde und blutdrucksenkende Medikamente werden in ihrer Wirkung abgeschwächt, wenn sie parallel zu Diclofenac verabreicht werden. Durch ACE-Hemmer kann es beim Patienten noch zusätzlich zum Auftreten von Nierenschäden kommen. Manche Gicht-Medikamente behindern die Ausscheidung von Diclofenac.

Die gleichzeitige Einnahme von Diclofenac und anderen nicht-steroidalen Anti-Rheumatika oder Glukokortikoiden erhöht das Risiko von Magen-Darm-Geschwüren und inneren Blutungen. Außerdem verstärkt Diclofenac die schädigende Wirkung von Ciclosporin auf die Nieren.

Aufbewahrung

Das Medikament sollte für Kinder unzugänglich aufbewahrt und nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums nicht mehr eingenommen werden. Maßgebend ist dabei der letzte Tag des Monats, der auf der Verpackung angegeben ist.

Warnhinweise: Wann darf das Medikament nicht angewendet werden?

Diclofenac darf unter keinen Umständen eingenommen werden bei:

  • einer Allergie gegen den Wirkstoff
  • bei einer Allergie gegen ähnlich wirkende Medikamente (Acetylsalicylsäure und andere NSAR)
  • Geschwüren im Magen-Darm-Bereich
  • Störungen der Blutgerinnung
  • gestörter Blutbildung
  • bestimmten Herzerkrankungen (Herzinsuffizienz, ischämischer Herzkrankheit)
  • Durchblutungsstörungen
  • Blutungen
  • Dickdarmentzündungen
  • nach vorherigem Alkoholkonsum (Gefahr von Magenblutungen!)

Das Mittel darf in folgenden Fällen eingesetzt werden, wenn sein Nutzen eventuell auftretende Risiken überwiegt:

  • bei Allergien
  • bei Asthma bronchiale
  • bei Heuschnupfen
  • bei chronischen Atemwegserkrankungen
  • bei Nasenpolypen
  • bei Bluthochdruck
  • bei Diabetes
  • bei gestörtem Fettstoffwechsel
  • bei Rauchern

Zur innerlichen Anwendung darf es nur dann eingesetzt werden, wenn der Patient während der gesamten Einnahmedauer ärztlich überwacht wird.

Das ist insbesondere der Fall bei:

  • gestörter Leberfunktion
  • Porphyrie (einer seltenen Stoffwechselstörung)
  • systemischem Lupus erythematodes (SLE)
  • chronischen Darmentzündungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)
  • Magen-Darm-Erkrankungen
  • Herzinsuffizienz
  • Bluthochdruck
  • gestörter Blutgerinnung
  • Nierenfunktionsstörungen

Außerdem sollte der Patient während der Anwendung ärztlich überwacht werden, wenn dieser Blutgerinnungshemmer oder Diuretika einnimmt, eine größere Operation hinter sich hat bzw. schon älter ist.

Diese Informationen zum Medikament ersetzen weder ärztliche noch sonstige Fachberatung. Vor allem bei Nebenwirkungen oder für sonstige Informationen ist der behandelnde Arzt oder Apotheker beizuziehen.


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