Gicht-Erkrankung

Bei Gicht handelt es sich um eine Stoffwechselerkrankung, in deren Folge sich zu große Mengen an Harnsäure im Blut ansammeln. Harnsäurekristalle lagern sich unter anderem in den Schleimbeuteln und den Gelenken sowie in inneren Organen ab. Wenn der Harnsäurespiegel einen kritischen Punkt erreicht, äußerst sich das in einem akuten Anfall von Gicht.

Gicht ErkrankungEntzündete Gelenke können au eine Gicht Erkrankung hindeuten. (Foto by: aliced / Depositphotos)

Der Ausdruck Gicht ist eigentlich ein sehr altmodischer Ausdruck für eine Erkrankung, die aufgrund zu hoher Harnsäurespiegel im Blut zustande kommt und sich mit entzündeten Gelenken und anderen Weichteilen äußert. Der Mediziner spricht heutzutage eher von einer "Hyperurikämie", was nichts anderes als "zu viel Harnsäure im Blut" bedeutet und das Problem auch meist sehr viel besser trifft: Denn nicht jede Hyperurikämie geht mit einem Gichtanfall und schon gar nicht mit einer chronisch-zerstörerischen Gicht einher.

Erst wenn es dann einmal zu einem sehr schmerzhaften Gichtanfall kommt, welchem eine Harnsäureablagerung meist im Großzehengrundgelenk zugrunde liegt, wird diese Hyperurikämie symptomatisch und kann dann als "Gichtanfall" bezeichnet werden.

Eine chronische, richtige Gicht betrifft dann meist mehrere Gelenke, zerstört zudem die Niere und zeigt sich äußerlich anhand sogenannter Gichttophi, ulzeröser Läsionen der Haut. Diese Ausprägung der Hyperurikämie ist jedoch heutzutage selten geworden, da normalerweise spätestens nach dem ersten Gichtanfall eine sichere medikamentöse Senkung des Harnsäurespiegels durch den Hausarzt erfolgt und die Krankheit somit nicht weiter fortschreiten kann.

Ursachen von Gicht (Hyperurikämie)

Ein erhöhter Harnsäurespiegel im Blut kann prinzipiell auf zwei Ursachen beruhen:

  1. Entweder übersteigt ein erhöhter Anfall von Harnsäure die Ausscheidungskapazität der Niere
  2. die Ausscheidung über die Niere ist primär vermindert, weil dort ein Problem vorliegt.

Krebserkrankungen

Ersterem kann ein gesteigerter Zellabbau und -umsatz zugrunde liegen - dies ist zum Beispiel der Fall bei Krebserkrankungen, da ein Tumor sich durch ständiges Wachstum und gleichzeitige Zerstörung von gesundem Gewebe auszeichnet und somit rund um die Uhr sehr viele DNA-Abbauprodukte anfallen.

Anstrengung, Schuppenflechte, Erkrankungen des blutbildenden Systems

Auch bei Erkrankungen des blutbildenden Systems, bei Psoriasis (Schuppenflechte) oder einfach nur bei enormer körperlicher Anstrengung geht massenhaft Körpergewebe zugrunde und muss ersetzt werden - ein erhöhter Anfall von Purinen kann die Folge sein.

Purinreiche Ernährung

Des Weiteren spielt die Ernährung eine Rolle: Die reichliche Aufnahme von purinreichen Nahrungsmitteln wie Hirn, Innereien oder Hülsenfrüchten kann zu einer mäßigen Erhöhung des Harnsäurespiegels beitragen.

Bei 98 Prozent der Gichtkranken ist jedoch Letzteres das Problem: Die Niere hat eine genetisch bedingte Einschränkung ihrer Ausscheidungskapazität für Harnsäure und der Harnsäurespiegel bleibt somit dauerhaft erhöht.

Medikamente

Auch Medikamente wie ASS, Diuretika oder Ciclosporin können die Niere an der Ausscheidung von Harnsäure hindern.

Alkohol

Des Weiteren vermindert Alkohol die Sekretion der Niere und erhöht zugleich die Harnsäureherstellung, sodass exzessiver Alkoholkonsum eine große Rolle in der Entstehung eines Gichtanfalls spielt. Oft treten solche Anfälle früh morgens nach abendlichem Alkoholkonsum auf, typischerweise auch noch im Rahmen eines sommerlichen Grillfestes, wenn alles zusammen kommt: Purinreiche Ernährung (Grillfleisch) und Alkohol (Bier zum Grillfleisch) - wenn dann die Harnsäurespiegel ohnehin schon unbemerkt jahrelang aufgrund eines genetischen Defekts erhöht waren, kommt es über Nacht zur Ablagerung von Harnsäurekristallen in einem Gelenk, meist im Großzehengrundgelenks (der Schwerkraft folgend) und man wacht mit einem Gichtanfall auf.

Etwa 15 Prozent der Männer haben erhöhte Harnsäurespiegel. Aber nur etwa 0,25 Prozent haben eine Gicht. Bei Frauen wird die Gicht vor der Menopause praktisch nie beobachtet - die Wirkung von Östrogenen wird dafür verantwortlich gemacht, dass Frauen Harnsäure besser ausscheiden. Erst in höherem Alter tritt dann auch hier häufiger eine Gicht auf. Wenn Verwandte an Gicht erkrankt sind, ist das Risiko aufgrund der genetischen Komponente erhöht.

Symptome bei Gicht (Hyperurikämie)

Der Gichtanfall verläuft klassischerweise wie folgt: Nach einem Grillfest mit exzessivem Alkoholgenuss erwacht der Betroffene am nächsten Morgen mit einem einzigen sehr schmerzhaft geschwollenen Gelenk - meist ist das Großzehengrundgelenk betroffen, seltener das Daumengrundgelenk, noch viel seltener das Becken, der Brustkorb oder die Wirbelsäule. Die Haut darüber ist geschwollen, gerötet und überwärmt. Die Bettdecke wird über dem Fuß nicht mehr ertragen.

Fieber

Als Allgemeinsymptom kann sich Fieber entwickeln. Innerhalb von ein bis zwei Tagen erreicht die Symptomatik ihren Höhepunkt und klingt dann nach etwa einer Woche auch ganz ohne Therapie wieder ab.

Nierensteine

Ebenfalls Symptom einer Hyperurikämie können Nierensteine sein: Auch diese bestehen dann aus Harnsäurekristallen und machen sich mit krampfartigen Schmerzen im unteren Rücken bemerkbar. In 40 Prozent der Fälle treten sie noch vor dem ersten Gichtanfall auf, auch ohne Gicht der Gelenke. Dauerhaft kann die Gicht die Niere auch zerstören und zum Nierenversagen führen.

Chronische Gicht

Bei chronischer Gicht verlaufen die Vorgänge allerdings sehr viel langsamer, die Symptome sind weit weniger dramatisch: Über Jahre hinweg fallen Harnsäurekristalle im ganzen Körper aus und lagern sich ab, neben den Gelenken und Knochen sind dabei vor allem die Haut (Gichttophi), die Niere (Gichtnephropathie) und die Harnwege (Nierensteine) betroffen.

Untersuchungen und Diagnose

Behandlung GichtGrund für eine Gicht Erkrankung ist ein zu hoher Harnsäurespiegel im Blut. (Foto by: alexraths / Depositphotos)

Die typische Vorgeschichte sowie Lokalisation des Anfalls reichen oft aus, um einen klaren Verdacht auf einen Gichtanfall zu lenken. Eine Messung des Harnsäurespiegels im Blut hilft dann jedoch nicht unbedingt weiter, da dieser im akuten Anfall bereits wieder normalisiert sein kann, während trotzdem abgelagerte Harnsäure im Gelenk ihr Unwesen treibt.

Hilfreicher ist dann eine Punktion des Gelenkes mit direktem Nachweis der Kristalle unter dem Mikroskop. Ansonsten kann die Therapie auch gleichzeitig der Diagnosestellung dienen: Ein promptes Ansprechen auf die Gabe von Colchizin ist absolut charakteristisch für einen Gichtanfall und beweist diesen sozusagen rückwirkend.

Eine chronische Hyperurikämie verläuft derweil asymptomatisch und wird oftmals zufällig entdeckt, wenn im Rahmen einer allgemeinen Blutentnahme der Harnsäurespiegel bestimmt wird.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Hierbei muss eine Therapie des akuten Anfalls von einer Langzeittherapie unterschieden werden.

Im Mittelpunkt der Anfallstherapie steht die Schmerz- und Entzündungshemmung. Hierfür stehen eine Reihe von Medikamenten zur Verfügung. Ruhigstellung des betroffenen Gelenks und Kühlung mit feuchten Umschlägen sind ebenfalls sehr hilfreich.

Langzeittherapie

All diese Maßnahmen lindern jedoch nur die Symptome und beheben nicht das Problem, weswegen eine Langzeittherapie erfolgen sollte. Diese geschieht durch folgende Maßnahmen:

  • Eine Diät ist die Basistherapie, welche bei mäßiger Harnsäurewerterhöhung allein bereits ausreichend sein kann. Wichtig ist Gewichtsabnahme und der Verzicht auf purinreiche Lebensmittel, z.B. Hülsenfrüchte, zu viel Fleisch und Alkohol.
  • Wenn das nicht ausreicht, ist Allopurinol das Mittel der Wahl, um den Harnsäurewert dauerhaft medikamentös abzusenken. Dabei handelt es sich um ein sehr wirksames Medikament.

Eine zufällig entdeckte Hyperurikämie muss derweil nicht unbedingt gleich medikamentös behandelt werden - wenn keine Gichtanfälle vorliegen und auch sonst gute Gesundheit besteht, genügt eine regelmäßige Kontrolle des Blutwertes beim Hausarzt. Prophylaktisch ist es natürlich trotzdem zu empfehlen, sich gesund zu ernähren.

Prävention und was ich selbst tun kann

Angesichts der hohen Prävalenz von genetisch bedingten Harnsäureausscheidungsstörungen der Niere ist es im Prinzip für jeden Menschen empfehlenswert, ein wenig auf die Ernährung zu achten und einer Hyperurikämie bzw. einem Gichtanfall somit vorzubeugen. Insbesondere gilt dies natürlich, wenn nahe Verwandte an Gicht erkrankt sind oder bei einem selbst bereits erhöhte Harnsäurewerte gemessen wurden.

Die Diätempfehlungen sind einfach und erfordern keinen allzu schlimmen Verzicht:

Purinreiche Lebensmittel sind vor allem Innereien (Leber, Niere), Hirn, Fisch, Geflügel und Schwein sowie Hülsenfrüchte - hier sollte streng begrenzt werden.

Purinarm sind

  • Obst und Gemüse
  • purinfreie Eiweißquellen sind Milch, Käse und Ei.

Gleichzeitig sollte der Alkoholkonsum reduziert werden, da Alkohol stark an der Entstehung einer Gicht beteiligt ist. Auch das Körpergewicht sollte normalisiert werden.


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