Fibromyalgie (Faser-Muskel-Schmerz)

Ungefähr drei Prozent der Bevölkerung in Österreich leiden an einer Fibromyalgie. Unter Fibromyalgie werden chronische Muskel-Faser-Schmerzen verstanden, die jedoch nicht zu organischen Veränderungen führen. Häufig sind die Schmerzen therapieresistent und führen oft zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität. Die Ursachen dieser Erkrankung sind weitgehend noch unbekannt.

FibromyalgieHäufig führen die Schmerzen einer Fibromyalgiezu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität. (Foto by: SIphotography / Depositphotos)

Was ist Fibromyalgie?

Die Fibromyalgie ist eine schwer diagnostizierbare Erkrankung, die sich in chronischen Muskel-Faser-Schmerzen äußert.

Dabei existieren bestimmte Druckpunkte (Tender Points), an welchen die Schmerzen bei Berührung und Druck besonders stark werden. Insgesamt sind 18 schmerzhafte Stellen bekannt. Diese befinden sich alle an den Sehnenansätzen. Allerdings besteht am gesamten Körper eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit. Organische Veränderungen werden jedoch auch nach jahrelangem Bestehen der Beschwerden nicht festgestellt.

Neben den Schmerzen treten häufig noch verschiedene Begleitsymptome wie Erschöpfungszustände, Depressionen, Schlafstörungen, Antriebsschwäche oder Konzentrationsstörungen auf. Die Erkrankung Fibromyalgie wird dem Sammelbegriff "Weichteilrheumatismus" zugeordnet, obwohl keine entzündlichen Prozesse wie beim üblichen Rheumatismus ablaufen.

Frauen leiden häufiger an einer Fibromyalgie als Männer. So sind 90 Prozent der Fibromyalgiepatienten Frauen. Meist beginnt die Erkrankung mit Ende 20 und ist mit Mitte 30 dann voll ausgebildet. Der Höhepunkt der Beschwerden wird oft mit den Wechseljahren erreicht. Nach dem sechzigsten Lebensjahr können sich die Symptome einer Fibromyalgie auch spontan wieder zurückbilden. Das ist jedoch nicht immer so.

Ob die Fibromyalgie als eine einheitliche Erkrankung betrachtet werden kann, ist noch nicht eindeutig entschieden. So können sich die Art der Schmerzen und die Begleitsymptome bei den einzelnen Betroffenen erheblich unterscheiden. Bei manchen Personen treten die Schmerzen gegenüber Müdigkeit, Depressionen und Konzentrationsstörungen sogar in den Hintergrund.

Die Ursachen der Fibromyalgie sind noch nicht eindeutig geklärt. Es gibt jedoch Erklärungsversuche, die eine veränderte Schmerzverarbeitung vermuten. Da auch nach jahrelangen Beschwerden keine krankhaften organischen Veränderungen an Muskulatur und Sehnen auftreten, scheinen diese Erklärungsversuche plausibel zu sein.

Die Diagnose der Fibromyalgie gestaltet sich meist als Ausschlussdiagnose. Sowohl bildgebende Verfahren als auch Laboruntersuchungen können trotz anhaltender Schmerzen keine krankhaften Prozesse oder abweichenden Werte feststellen. In diesem Fall bleibt nur die Diagnose Fibromyalgie übrig.

Die Behandlung von Fibromyalgie besteht in einer Kombinationstherapie von psychosomatischer Betreuung, medikamentöser Behandlung und physikalischen Maßnahmen.

Ursachen der Fibromyalgie

Als Ursachen der Fibromyalgie werden Störungen in der Schmerzverarbeitung und genetische Veranlagungen vermutet. So tritt die Erkrankung oft familiär gehäuft auf. Für eine gestörte Schmerzverarbeitung spricht die Tatsache, dass es nicht zu organischen Veränderungen kommt.

Allerdings kann eine Fibromyalgie primär oder sekundär auftreten.

Primäre Fibromyalgie

Bei den primären Formen ist kein auslösender Anlass der Erkrankung erkennbar.

Sekundäre Fibromyalgie

Bei der sekundären Form folgt die Fibromyalgie einer vorausgegangenen Erkrankung wie einem entzündlich rheumatischen Prozess, einer starken Stressbelastung oder auch einer Tumorerkrankung.

In manchen Fällen lösen auch Unfälle oder Operationen eine Fibromyalgie aus. Sowohl bei der primären als auch bei der sekundären Form ist die Erkrankung durch chronische Schmerzen und diverse Begleitsymptome ohne weitere organische Veränderungen gekennzeichnet.

So muss angenommen werden, dass es sich in allen Fällen um eine gestörte Schmerzverarbeitung handelt. Möglicherweise bleibt das Schmerzgedächtnis des Gehirns aktiv und sendet dauerhaft Schmerzsignale aus, obwohl eine organische Ursache nicht oder nicht mehr vorliegt.

In der Gehirnflüssigkeit werden beispielsweise sehr geringe Serotoninwerte gemessen. Andererseits ist die Substanz P erhöht.

Serotonin ist ein Neurotransmitter, welcher das Schmerzempfinden steuert und allgemein eine anregende Wirkung ausübt. Bei Serotoninmangel werden somit die Schmerzempfindlichkeit erhöht und Symptome wie Niedergeschlagenheit, Erschöpfung oder Depression hervorgerufen.

Die Substanz P ist für das Versenden von Schmerzsignalen verantwortlich. Somit deuten erhöhte Werte dieser Substanz ebenfalls auf eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit hin. Allerdings ist nicht bekannt, ob die abweichende Werte von Serotonin und Substanz P auf einer primären Stoffwechselstörung beruhen oder ob sie Folge psychosomatischer Prozesse sind.

Auf jeden Fall wurde festgestellt, dass traumatische Erlebnisse, Stress, Kälte, Müdigkeit oder anstrengende Arbeit eine Fibromyalgie auslösen oder verstärken können.

Symptome bei Fibromyalgie

Die Fibromyalgie ist gekennzeichnet durch anhaltende Schmerzen in der Muskulatur und an den Sehnenansätzen. Sehr häufig treten die Schmerzen im Rücken sowie in den Armen und Beinen auf.

Manchmal verstärken sie sich bei körperlicher Belastung. Dabei können die Schmerzen als fließend, bohrend, brennend oder schneidend empfunden werden.

Dazu gesellt sich zusätzlich das Gefühl, dass die schmerzenden Weichteile angeschwollen sind. Körperliche Aktivitäten und Massagen können die Schmerzen noch verstärken.

In anderen Fällen werden die Schmerzen jedoch gerade durch körperliche Aktivitäten verringert. Neben den Schmerzen kommt es bei einer Fibromyalgie-Erkrankung auch zu folgenden Beschwerden:

Die Beschwerden, die bei Fibromyalgie auftreten, können sehr gravierend sein und bis zur Arbeitsunfähigkeit führen. In anderen Fällen ist der Krankheitsverlauf leichter. Obwohl die Fibromyalgie als unheilbar gilt, können die Beschwerden durch eine optimale Kombinationstherapie weitgehend zurückgedrängt werden.

Diagnose einer Fibromyalgie

Behandlung FibromyalgieZur Behandlung von Fibromyalgie kommt unter anderem die medikamentöse Therapie zum Einsatz. (Foto by: photographee.eu / Depositphotos)

Die Diagnose der Fibromyalgie gestaltet sich hauptsächlich als Ausschlussdiagnose. Zunächst wird eine umfangreiche Anamnese der Krankengeschichte durchgeführt. Wenn mindestens drei Monate chronische Schmerzen in Rücken, Armen oder Beinen auftreten und sowohl bei den bildgebenden Verfahren als auch bei den Laboruntersuchungen keine organischen Befunde festgestellt werden, kann von einer Fibromyalgie ausgegangen werden.

Entzündliche Prozesse von Gelenken und Muskulatur oder Autoimmunkrankheiten müssen ausgeschlossen werden. Dazu müssen die Röntgenbilder, der Hormonstatus und die Entzündungsfaktoren unauffällig sein. Der Arzt untersucht dann besonders die Schmerzdruckpunkte (Tender Points). Wenn mindestens 11 der 18 Tender Points auf Druck schmerzhaft reagieren, ist das ein deutlicher Hinweis auf eine Fibromyalgie.

Die Behandlung einer Fibromyalgie

Die Behandlung der Fibromyalgie besteht in einer Kombinationstherapie. Diese Kombinationstherapie umfasst:

  1. Schmerztherapie
  2. Bewegungstherapie
  3. medikamentöse Therapie
  4. psychosomatische Therapie

Schmerztherapie

Wichtig sind verhaltenstherapeutische Maßnahmen zur Schmerzbewältigung. Dazu gehört auch eine umfassende Aufarbeitung eventuell vorliegender psychischer Traumata.

Vor allem muss auch geklärt werden, unter welchen Bedingungen die Symptome besonders stark auftreten, um individuell auf die einzelnen Patienten einzugehen.

Bewegungstherapie

Des Weiteren sollte bei Fibromyalgie ein an die körperliche Belastbarkeit angepasstes Herz-Kreislauf-Training durchgeführt werden, welches unter anderem die Sportarten Schwimmen, Wandern oder Joggen beinhaltet.

Medikamentöse Therapie

Wichtig ist auch die Behandlung bestehender körperlicher und seelischer Erkrankungen. Bei der medikamentösen Behandlung werden Antidepressiva und Schmerzmittel verabreicht. Nur bei Bedarf sollten Schmerzmittel wie Paracetamol oder cortisonfreie Antirheumatika angewendet werden. Der langfristige Erfolg dieser Medikamente ist jedoch gering. Bei mehr als der Hälfte der Patienten wirken Antidepressiva sehr gut gegen Schmerzen. Sie verbessern insbesondere den Nachtschlaf und verringern gleichzeitig die Schmerzen.

Allerdings ist die eingesetzte Dosis bei der Fibromyalgie geringer als bei einer ausgeprägten Depression. Daher kommen sie hier nicht als Antidepressivum zum Einsatz.

Alle Behandlungsmaßnahmen haben schließlich Einfluss auf das Schmerzgedächtnis. Gerade wenn die Erkrankung erst begonnen hat, können mit diesen Methoden gute Erfolge erzielt werden. Dann besteht die Möglichkeit, dass die Beschwerden auch vollständig wieder verschwinden.

Bei länger bestehenden Beschwerden ist eine vollständige Zurückdrängung der Symptome jedoch nicht mehr möglich. Allerdings können die Symptome der Fibromyalgie auch in diesem Fall gelindert werden. So tragen die therapeutischen Maßnahmen dazu bei, die Lebensqualität der Betroffenen erheblich zu verbessern. Manchmal findet ab dem sechzigsten Lebensjahr sogar noch eine spontane Besserung statt.

Vorbeugung einer Fibromyalgie

Eine Vorbeugung vor einer Fibromyalgie ist nur eingeschränkt möglich, weil die Ursachen weitgehend unbekannt sind. Entscheidend ist die Behandlung starker Schmerzen, die sich im Rahmen von Vorerkrankungen, Verletzungen, Unfällen oder Operationen entwickeln, damit sie nicht ins Schmerzgedächtnis des Gehirns gelangen können. Entzündliche rheumatische Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen, virale Infekte oder psychosomatische Erkrankungen bedürfen selbstverständlich einer umfassenden Behandlung, weil sie Auslöser für eine Fibromyalgie sein können.


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