Depressionen

Niedergedrückte Stimmung, verminderter Antrieb, Ermüdung und die Abkehr von Freunden und Familie - die Anzeichen einer Depression sind auffällig. Allein in Österreich leiden rund 800.000 Menschen an einer Depression. Das Fatale daran: 45 Prozent von ihnen bekommen keine ausreichende Behandlung. Doch woran erkennt man eine Depression? Kann man ihr vorbeugen?

Frau fühlt sich verloren in der DepressionDepression zählt zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. (Foto by: realinemedia / Depositphotos)

Heutzutage werden wir von vielerlei Faktoren in Stress versetzt: Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, zuviel Arbeit, verändertes Familienleben und wenig Freiraum zum Entspannen. Der Kontakt zur Natur und zu Tieren ist eingeschränkt, das Leben findet überwiegend in geschlossenen Räumen statt.

Moderne Techniken haben den Biorhythmus verschoben. Der Mensch muss zu beinahe jeder Tages- und Nachtzeit funktionieren. Kein Wunder, dass im Rahmen einer Depression häufig von einer neuzeitlichen Krankheit gesprochen wird. Auffällig ist, dass überwiegend Frauen betroffen sind. In Österreich wird im Laufe des Lebens etwa jede vierte Frau an der Form einer Depression erkranken, bei den Männern ist es nur jeder zehnte. Nicht wenige Erkrankte versuchen, sich in ihrer scheinbaren Ausweglosigkeit selbst zu töten. So besitzen 60 Prozent der Selbstmorde in Österreich ihre Ursache in einer Depression.

Das Problem: Viele depressive Menschen vermeiden den wichtigen Gang zum Arzt. Sie befürchten, nicht ernst genommen zu werden. Zuweilen nehmen sie die Symptome ihrer Erkrankung selbst nicht ernst. Dabei existieren viele erprobte Medikamente und Therapien, um bei einer Depression wirkungsvoll helfen zu können.

Ursachen von Depressionen

Vielfältige Faktoren können das Entstehen einer Depression fördern. Manche Störungen in der Kindheit wirken sich auch erst Jahrzehnte später aus. Dazu gehören

  • Liebesentzug
  • häusliche Gewalt
  • zwanghafte Sauberkeit
  • geringe soziale Kontakte

Wurden Kinder von den Eltern erniedrigt, entwickeln sie häufig ein geringes Selbstbewusstsein, das Einfallstor für eine Depression.

Oft sind es traumatische Erlebnisse, die in einer Depression münden. Dazu gehören:

  • Missbrauch
  • Scheidung
  • Verlust eines Partners
  • Tod eines nahestehenden Menschen

Auch finanzielle Not kann schnell in einem Gefühl der Hilfs- und Ausweglosigkeit enden. Untersuchungen haben gezeigt, dass eine erbliche Veranlagung bei Depressionen besteht. So haben Kinder, deren Eltern oder Geschwister bereits an einer Depression erkrankt sind, ein höheres Risiko, ebenfalls zu erkranken.

Doch auch andere Erkrankungen können durch einen schweren oder langwierigen Verlauf eine Depression begünstigen. Dazu gehören unter anderem

  • ständige Schmerzen
  • Erkrankungen der Schilddrüse und der Leber
  • Parkinson
  • Aids

Schuppenflechte und schwere Akne, beides für Außenstehende sichtbare Erkrankungen, führen bei den Betroffenen nicht selten zu einem sozialen Rückzug. Dieser Rückzug kann der Beginn für eine Depression sein. Bekannt ist, dass ein veränderter Hormonhaushalt die Ursache für eine Depression sein kann.

So entwickeln nicht wenige Frauen nach der Geburt eine Wochenbettdepression. Ein weiterer biologischer Faktor: Die beiden Stoffe Serotonin und Noradrenalin sind im Gehirn bei Depressiven weniger vorhanden als bei Gesunden.

Symptome von Depressionen

Innere Leere

Allen Erkrankten gemeinsam ist eine innere Leere. Hinzu kommen Hoffnungslosigkeit und das Gefühl, dem Leben hilflos gegenüber zu stehen.

Frau leidet an DepressionInnere Leere, Selbstmordgedanken und körperliche Beschwerden können Symptome einer Depression sein. (Foto by: Jaykayl / Depositphotos)

Selbstmordgedanken

Nicht selten kommen Selbstmordgedanken dazu. So ist in Österreich der Suizid die zweihäufigste Todesursache. Übertriebene Ängstlichkeit, Unkonzentriertheit, Hemmungen, Schuldgefühle und ein vermindertes Selbstwertgefühl sind ebenfalls zu beobachten. Auffällig ist der Rückzug von anderen Menschen, sowohl im beruflichen als auch privaten Umfeld.

Körperliche Beschwerden

Körperlich kann sich eine Depression vorrangig in Schlafstörungen und in Appetitlosigkeit äußern. Beobachtet wurde, dass Betroffene auch Heißhunger auf bestimmte Lebensmittel (besonders zuckerhaltige) verspüren. Typisch sind auch eine gefühlte Enge im Brustkorb sowie eine schwere oder keuchende Atmung. Die Augen reagieren sehr empfindlich auf Licht. Entzündete Augen sind keineswegs selten.

Magen-Darm-Störungen und ein Brennen oder Stechen im Herzen lassen nicht immer sofort an eine Depression denken. Ein Großteil der Depressiven klagt auch über Verspannungen im Bereich des Nackens und der Schultern. Es gibt viele Anzeichen, die auf eine Depression hindeuten können. Dennoch sollte immer ein Arzt um Rat gefragt werden, der die abschließende Diagnose stellen wird.

Sexuelle Lustlosigkeit

Untrügliches Anzeichen ist jedoch eine getrübte Lust auf Sex.

Untersuchungen und Diagnose

Gespräch zwischen Arzt und Patient

Um die Diagnose Depression stellen zu können, wird der Arzt ein längeres Gespräch mit dem Patienten führen. Dabei werden sowohl die Symptome als auch die jeweiligen Lebensumstände berücksichtigt.

Neurologischer Test

Neben der Anamnese werden auch neurologische Test (unter anderem Reflexe) zu Rate gezogen.

Bluttest, CT oder MRT

Des Weiteren wird das Blut kontrolliert. Ein CT oder MRT kann Hinweise auf Veränderungen in der Hirnstruktur geben.

Die Aufgabe des Arztes ist es, die Ursache für die Depression zu erkennen. Sind Nebenwirkungen von Medikamenten schuld? Oder besondere soziale Umstände? Liegen körperliche Ursachen zugrunde? Das Problem jedoch ist, dass Depressionen nicht immer sofort als solche erkannt werden. Treten körperliche Symptome zu stark in den Vordergrund, wird schnell eine falsche Diagnose gestellt (beispielsweise Herzbeschwerden oder Rückenprobleme). Es ist wichtig, dem Arzt oder Psychologen offen gegenüber zu treten. Fragebögen sind ein gutes Mittel, um eine Depression sicher zu diagnostizieren.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Psychotherapie

In Österreich leiden neun Prozent der Einwohner an einer Depression. Die Dunkelziffer könnte noch viel höher liegen, denn so mancher scheut den Weg zum Arzt. Dabei sind mit einer passenden Therapie die Heilungschancen sehr gut. Bei einer leichten Form der Depression reichen oftmals Gespräche im Rahmen einer Psychotherapie aus.

Therapie bei DepressionMit einer passenden Therapie stehen die Heilungschancen bei Depression sehr gut. (Foto by: Wavebreakmedia / Depositphotos)

Antidepressiva

Auch Johanniskraut kann die getrübte Stimmung heben und Unruhe bekämpfen. In der Regel erfolgt eine Verknüpfung von Psychotherapie mit medikamentöser Therapie. Es stehen eine Vielzahl von Antidepressiva zur Verfügung, die auch sehr gut wirken. Die ersten Verbesserungen sind erst nach rund zwei Wochen zu erwarten. Auch danach sollte die Einnahme regelmäßig erfolgen, um die Therapie nicht zu gefährden.

Nebenwirkungen und Komplikationen

Treten Nebenwirkungen auf oder verschlechtert sich der Zustand, sollte unbedingt der behandelnde Arzt konsultiert werden. Er kann gegebenenfalls ein anderes Medikament verschreiben. Bei akuten Fällen ist eine Behandlung im Krankenhaus unerlässlich. Die besondere Gefahr bei depressiven Menschen besteht in der erhöhten Selbstmordabsicht.

Diesbezügliche Äußerungen oder Hinweise sollten von Angehörigen unbedingt ernst genommen werden. Leider ist die Rückfallquote mit fast 60 Prozent bei Depressiven erhöht. Mit jeder neuen depressiven Episode nimmt die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Rückfall zu. Aus diesem Grunde werden häufig auch dann noch Medikamente gegeben, wenn der Patient seit Jahren symptomfrei ist.

Prävention und was ich selbst tun kann

Depressionen lassen sich nicht in jedem Fall vermeiden. Eine junge Mutter kann nichts dafür, wenn sich ihr Körper nach der Geburt so rasend schnell umstellt, dass die Hormone eine Wochenbettdepression bei ihr auslösen. Dennoch können einige Risikofaktoren umgangen werden.

Wichtig ist es, dass man über ein gutes soziales Netzwerk verfügt. Familie, Freunde, Arbeitskollegen - bei guten Kontakten hat Einsamkeit nur selten eine Chance. Eine gesunde Lebensweise mit wenig Alkohol und Nikotin sowie ausreichend Schlaf kann den Stresspegel verringern. Auch Humor, materielle Sicherheit und Selbstvertrauen sind schützende Aspekte.

Angsterkrankungen und eine Sucht sollten so früh wie möglich behandelt werden, damit sich eine Depression erst gar nicht entwickeln kann. Dazu gehört die Fähigkeit, um Hilfe bitten zu können. Dies ist sehr wichtig, um rechtzeitig die richtige Behandlung zu erhalten. Professionelle Stellen bieten Betroffenen und Angehörigen jegliche Hilfe an.


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