AIDS und HIV- Infektion

Obwohl seit Jahrzehnten nach einem Heilmittel geforscht wird, gilt es immer noch als Pest der Neuzeit. Eine Infektion mit HIV und das meist erst nach Jahren erreichte Stadium von AIDS bedeutet in vielen Fällen immer noch das Todesurteil. Was sollte man darüber wissen, außer dass Vorbeugung die Hilfsmaßnahme Nr. 1 ist?

AIDSEine HIV-Infektion kann zu AIDS übergehen. (Foto by: OtnaYdur / Depositphotos)

Zum ersten Mal wurde das HI-Virus Anfang der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts isoliert und beschrieben. Außerhalb eines Wirtskörpers, der ihm den Stoffwechsel ermöglicht, ist das zur Gruppe der Retroviren gehörende HIV nicht überlebensfähig.

HIV steht für „human immunodeficiency virus“, deutsch: „menschlicher Immunschwächevirus“ und kommt in den Varianten HIV-1 und HIV-2 vor. Der Krankheitsverlauf nach Ansteckung ist ähnlich, schreitet bei HIV-1 jedoch langsamer voran.

Eine Infektion mit HI-Viren gilt als die häufigste Ursache von AIDS. AIDS ist die Abkürzung für „acquired immunodeficiency syndrome“, das bedeutet „erworbenes Immundefektsyndrom“. Hier kennzeichnet eine Vielzahl von Symptomen (Syndrom) eine Immunschwäche, die erworben wurde. Sie ist also nicht von Geburt an vorhanden oder genetisch bedingt.

Da ein schwaches Immunsystem den Ausbruch einer Vielzahl von Krankheiten begünstigt, gelten bei einem Infizierten im Grunde harmlose Erkrankungen wie Erkältungen und Entzündungen als gefährlich und mitunter sogar als lebensbedrohlich. Das Stadium von AIDS begünstigt beim Patienten außerdem die Bildung von Tumoren.

Um AIDS im medizinischen Sinn handelt es sich aber nur in Fällen, in denen zuvor eine Infektion mit HIV zweifelsfrei nachgewiesen wurde.

Ursachen von HIV und AIDS

HI wird durch Ansteckung mit dem Virus übertragen. AIDS ist eine Folge der Ansteckung mit HI-Viren und bedeutet die Endphase im Verlauf mit der HIV-Infektion. Sind Viren in kritischer Menge in den Wirtskörper gelangt, greifen sie direkt die wichtigsten Zellen zur Immunabwehr im Menschen an. In den T4-Helferzellen vermehren sich die Viren rasant, indem sie die zelleigene DNA für ihre Zwecke umprogrammieren. Ist die Helferzelle nicht mehr überlebensfähig, setzt sich der Prozess durch die freigewordenen Viren fort.

Irgendwann ist das Immunsystem des Menschen so weit geschwächt, dass Angriffe durch Pilze, Bakterien und andere Viren, die bei einem gesunden Menschen kein Problem sind, nicht mehr abgewehrt werden können. Die daraus entstehenden Infektionen und ihre Symptome gelten als Phase von AIDS im Infektionsverlauf.

Inzwischen wurden mehr als 100 Krankheiten identifiziert, die für sich allein nicht bedrohlich wären, im Zusammenhang mit einer akut gewordenen HIV-Infektion eine hohe Gefährdung darstellen. Tritt in der Folge eine bestimmte Anzahl von sogenannten opportunistischen Erkrankungen auf, spricht man von einem AIDS-Vollbild. Dieses kann nur von einem Facharzt diagnostiziert werden.

Im normalen täglichen Kontakt kommt es kaum zu einer Übertragung des HI-Virus. Seine Überlebensdauer außerhalb des menschlichen Körpers ist sehr kurz. Das größte Risiko stellt ungeschützter Geschlechtsverkehr, hier besonders Analverkehr dar. Nahezu jede am Sexualkontakt beteiligte Körperflüssigkeit kann als Übertragungselement dienen.

Besonders zu nennen sind Blut, Sperma und Scheidensekrete. Speichel ist weniger risikoreich, da dort kaum Erreger nachgewiesen werden können.

Symptome bei HIV und Aids

HIV

Die Symptome einer HIV-Infektion können vielfältig sein, gehören aber oft zu „normalen“ Krankheiten oder Auffälligkeiten wie Fieber, Übelkeit, Nachtschweiß, Durchfall, Lymphschwellung und anderen. Damit unnötige Risiken ausgeschlossen werden können, empfiehlt sich eine erhöhte Wachsamkeit. Gab es in den Wochen vor Auftreten der Symptome einen Risikokontakt, also ungeschützten Geschlechtsverkehr? Ist das der Fall, empfiehlt sich ein professioneller HIV-Test.

Noch gefährlicher ist, dass die Infektion bis zum Ausbruch von AIDS oft symptomfrei verläuft. Wer sich nicht sicher ist, ob eine Ansteckung erfolgte oder nicht, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen.

AIDS

Mit AIDS kann man sich nicht anstecken, dafür aber sehr wohl mit HI-Viren. AIDS, das Syndrom der Immunschwäche, ist die finale Phase einer HIV-Infektion. Diese kann drastisch verlaufen oder schleichend.

Einzelne Symptome, die auch bei diagnostiziertem AIDS auftreten, sind noch kein Beweis für die Erkrankung. Erst wenn ein Arzt nach positivem HIV-Test und in der Folge auftretenden sogenannten opportunistischen Erkrankungen die Diagnose stellt, kann und darf AIDS als gesichert gelten.

Untersuchungen und Diagnose

Immunschwächen können vielerlei Ursachen haben. Dazu zählen unter anderem Vorerkrankungen wie Leukämie. Aber erst ein positiv bestätigter HIV-Test definiert die Krankheit als AIDS.

Antikörpertest

Um eine HIV-Infektion festzustellen, reicht ein Blutbild nicht. Es bedarf eines Antikörpertests, den nur ein Fachmann durchzuführen in der Lage ist. Die ersten verlässlichen Ergebnisse werden frühestens zwölf Wochen nach der möglichen Infektion erzielt. Vorher ist zwar ein Schnelltest möglich, der aber durch einen qualifizierten Test bestätigt werden sollte. Man kann ihn beim Arzt, im Gesundheitsamt oder bei Hilfsorganisationen durchführen lassen. In der Regel wird ein Antikörpertest verwendet, der das HI-Virus im Körper nicht direkt nachweist, aber die als Immunantwort entstanden Antikörper erkennt und klassifiziert.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Safer SexNach wie vor gilt Safer Sex als das einzig wirksame Mittel, um sich vor HIV zu schützen. (Foto by: Deklofenak / Depositphotos)

Auch nach mehr als drei Jahrzehnten Forschung konnte bisher noch kein Heilmittel für eine HIV-Infektion entwickelt werden. Der generelle Verlauf der Erkrankung bleibt also zwingend. Hat sich das Virus so stark vermehrt, dass eine effektive Funktion der T-Zellen nicht mehr gewährleistet ist, erreicht die Krankheit das Stadium AIDS. An sich harmlose Krankheiten und Beschwerden werden zu Komplikationen, da der Körper zur Abwehr nicht mehr in der Lage ist. Das Spektrum der Erkrankungen reicht von leichten Infekten über schwere Infektionen bis zum AIDS-Vollbild.

Lebensverlängernde Maßnahmen

Was heute eingesetzt wird, sind lebensverlängernde Maßnahmen. Durch einen akribisch eingesetzten Medikamentencocktail, der meist aus drei Komponenten besteht, wird die Vermehrung der Retroviren eingedämmt. Hier wurden sogar schon Erfolge über einen langen Zeitraum erzielt. Unter Umständen ist es notwendig, den Therapieplan minutengenau auf den einzelnen Patienten abzustimmen.

Komplikationen

Die größte Komplikation beim Krankheits- und Therapieverlauf ist die immer mehr zunehmende allgemeine Schwäche des Patienten. Der Körper ist immer weniger in der Lage, sich selbst zu schützen und irgendwann wird eine Erhöhung der Medikamentendosis ohne Wirkung bleiben.

Prävention und was ich selbst tun kann

Nach wie vor gilt Safer Sex als das einzig wirksame Mittel, um sich vor einer Infektion mit HI-Viren und damit vor AIDS zu schützen. Es mag etwas unmodern klingen, aber die Kontrolle über das lustvolle und wichtige Geschehen Sex, die in einem bewussten Umgang mit den eigenen und den Bedürfnissen des Partners besteht, ist bis zu einem gewissen Grad unverzichtbar. Der Gedanke daran, dass ein „danach“ im Zweifelsfall das „zu spät“ bedeuten kann, sollte allen Beteiligten immer gegenwärtig bleiben.

Aufforderungen oder Angeboten zu ungeschütztem Verkehr sollte man immer mit Ablehnung begegnen. Leichtsinn kann tödlich sein. Der Erfolg dieser Methode zeigt sich in der Rückläufigkeit der Neuansteckungen mit HIV seit 1997.


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