Leukämie (Blutkrebs)

Leukämie (Blutkrebs) ist eine vergleichsweise seltene Krebserkrankung, die in dem blutbildenden System des Körpers (Knochenmark) entsteht. Der Begriff Leukämie bedeutet "weißes Blut", was auf die erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen im Blut zurückzuführen ist. Therapie und Heilungschancen einer Leukämie hängen sehr stark von der jeweiligen Form der Leukämie ab.

Frau leidet an LeukämieLeukämie ist eine Krebserkrankung der Blutzellen. (Foto by: photographee.eu / Depositphotos)

Bei Leukämie werden unreife und deshalb nicht funktionsfähige weiße Blutkörperchen (Leukozyten) aus dem Knochenmark in die Blutbahn geschwemmt.

Je nach Verlauf wird Blutkrebs in akute und chronische Formen unterteilt:

  • Die akuten Leukämien verlaufen rasch und weisen schwere Symptome auf.
  • Die chronischen Formen hingegen beginnen und verlaufen schleichend, zeigen anfangs kaum Symptome und können über Monate oder gar Jahre kaum Beschwerden verursachen.

Weiterhin wird Leukämie bezüglich des Reifegrades und der Abstammung der fehlerhaften Leukozyten unterteilt. Bei der myeloischen Leukämie stammen die Leukozyten aus Knochenmarkgewebe, während sie bei der lymphatischen Leukämie aus den sogenannten Lymphozyten entstehen.

Akute und chronische Formen der Leukämie werden wiederum in vier Arten unterteilt:

akute lymphatische Leukämie (ALL)

Der häufigste Blutkrebs bei Kindern und jungen Erwachsenen ist die akute lymphatische Leukämie (ALL). Jährlich erkranken in Österreich etwa 60 Kinder an dieser Form der Leukämie, und die Überlebenschancen liegen bei circa 80%.

akute und chronische myeloische Leukämie (AML)

Bei Erwachsenen im mittleren Alter treten vor allem die akute myeloische Leukämie (AML) sowie die chronische myeloische Leukämie (CML) auf. Erkrankte sind meist zwischen 50 und 60 Jahren alt. Bei Patienten mit CML ist in den meisten Fällen das "Philadelphia-Chromosom" nachweisbar, eine bestimmte genetische Veränderung. Bei dieser Form der Leukämie sind Leber und Milz häufig vergrößert. Die weißen Blutkörperchen sind zunächst funktionsfähig, es kann jedoch nach Jahren zu einer akuten Leukämie kommen.

chronische lymphatische Leukämie (CLL)

Die chronisch lymphatische Leukämie (CLL) schließlich betrifft vor allem ältere Menschen und ist in westlichen Ländern die häufigste Form der Leukämie. Sie führt zu einem stark geschwächten Immunsystem, verursacht durch eine starke Vermehrung von nicht funktionsfähigen weißen Blutkörperchen (B-Lymphozyten), die sich im Blut, Knochenmark sowie in Lymphknoten, Milz und Leber anhäufen.

Ursachen für Leukämie (Blutkrebs)

Nach wie vor ist nicht eindeutig entschlüsselt, wodurch eine Leukämie entsteht. Allerdings gibt es verschiedene Risikofaktoren, die erwiesenermaßen Blutkrebs verursachen können. Darunter zählen

  • Insekten- und Pflanzenschutzmittel
  • Röntgenstrahlen
  • aggressive Chemikalien wie Benzol
  • radioaktive Strahlung
  • Viren
  • das Immunsystem unterdrückende Medikamente (Immunsuppressiva).

Auch Langzeitrauchen gilt als möglicher Auslöser. Außerdem kann bei Leukämieerkrankungen eine genetische Veranlagung eine Rolle spielen.

Bei Leukämie sind die weißen Blutkörperchen im Knochenmark nicht mehr in der Lage, vollständig zu reifen. Diese funktionsunfähigen Vorläuferzellen (Leukämiezellen) vermehren sich unkontrolliert im Knochenmark und verdrängen die für die Bildung von Blutzellen verantwortlichen Blutstammzellen.
Damit kommt es zu einem Mangel an gesunden roten Blutkörperchen, Thrombozyten (Blutplättchen) sowie funktionierenden weißen Blutkörperchen.

Die Krebszellen verbreiten sich im lymphatischen System des gesamten Körpers, nicht nur in einem Organ, weshalb Leukämie eine besonders gefährliche Krebsart ist.

Symptome von Leukämie (Blutkrebs)

Eine chronische lymphatische Leukämie wird oft erst spät erkannt, da sie zu Beginn keine Beschwerden verursacht.

Bei einer akuten Leukämie hingegen können im Anfangsstadium Müdigkeit, Schwindel und Blässe auftreten, ein abrupt einsetzendes schweres Krankheitsgefühl, Fieber sowie häufigere Bakterien- und Pilzinfektionen. Da der Körper immer weniger rote Blutkörperchen besitzt, kommt es zu einer Blutarmut, verbunden mit stärkerer Blutungsneigung, z.B. häufigerem Nasenbluten, vermehrtem Zahnfleischbluten und schnell auftretenden Blutergüssen. Auch die Lymphknoten können anschwellen, und Milz oder Leber können sich vergrößern.

Im Falle einer akuten lymphatischen Leukämie (ALL) wird oft auch das Gehirn befallen, was bei den zumeist jungen Patienten Lähmungen auslösen kann.

Untersuchungen und Diagnose

Nach einer allgemeinen körperlichen Untersuchung, bei der auch Leber, Milz und Lymphknoten überprüft werden, erfolgt eine Blutuntersuchung. Hierbei wird geklärt, ob abweichende weiße Blutkörperchen (Leukämiezellen) vorhanden sind und ob das Blut zu wenig gesunde weiße und rote Blutkörperchen und Blutplättchen aufweist.

Mit einer Ultraschalluntersuchung können mögliche Leukämieherde in Milz oder Leber entdeckt werden. Eine gesicherte Diagnose, um festzustellen, um welche Form der Leukämie es sich handelt, liefert schließlich eine Knochenmarkpunktion, bei der etwas Knochenmark aus dem Becken abgesaugt wird. Dieses geschieht normalerweise unter Narkose.

Eine Lumbalpunktion wiederum, bei der unter leichter Betäubung mit einer hohlen Nadel Rückenmarksflüssigkeit entnommen wird, gibt Hinweise darüber, ob und wie sehr die Leukämie sich in der Flüssigkeit um Gehirn und Rückenmark ausgebreitet hat. Die entnommenen Proben werden mikroskopisch auf Größe, Anzahl und weitere Merkmale der Leukämiezellen hin überprüft.

Bei der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL), die nur langsam fortschreitet, ist eine Knochenmarkspunktion selten notwendig. Es wird vor allem der Grad der Blutarmut und der Verminderung der Blutplättchen ermittelt.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

BlutkrebsVerschiedene Arten von Blutkrebs sind bekannt. (Foto by: trans961 / Depositphotos)

Jede der vier Blutkrebsformen wird unterschiedlich behandelt, und bei jeder fallen die Therapieerfolge und Heilungschancen anders aus. Akute Formen des Blutkrebses werden meistens zunächst mit Chemotherapie (Zytostatika) behandelt, die die Zellteilung der Leukämiezellen hemmen und die Krebszellen abtöten.

Allerdings werden dabei auch gesunde Zellen vernichtet, weshalb nur eine begrenzte Menge an Chemotherapie verabreicht werden kann.

Zur Behandlung der akuten lymphatischen Leukämie (ALL) wird Chemotherapie in Form einer Kombination verschiedener Medikamente eingesetzt und manchmal mit Bestrahlung kombiniert. Die Therapie dauert insgesamt etwa zwei Jahre. Die Heilungsaussichten für die meist sehr jungen Patienten betragen etwa 80%.

Die akute myeloische Leukämie (AML) wird zunächst stationär mit intensiver Chemotherapie (Induktionstherapie) in mehrtägigen Therapieblöcken behandelt, die das Immunsystem des Patienten außerordentlich schwächt. Eine Normalisierung des Blutbildes tritt bei etwa 70 % der Patienten ein, doch ist häufig mit einem Rückfall zu rechnen.

Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie (CML) werden meist medikamentös behandelt, können aber normalerweise ein fast normales Leben führen.

Die chronisch lymphatische Leukämie (CLL) wird im Frühstadium oft gar nicht behandelt. Da sich bei dieser Erkrankung die Krebszellen nur langsam vermehren, lässt sie sich ohnehin schlecht mit Chemotherapie behandeln. In fortgeschrittenem Stadium kann je nach Alter und Verfassung des Patienten eine Therapie eingesetzt werden. Es gibt jedoch verschiedene Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.

Die häufigsten Nebenwirkungen einer Chemotherapie sind u.a. Übelkeit, Durchfall, Geschmacksveränderungen und Haarausfall. Die körpereigene Abwehr wird geschwächt, was eine höhere Anfälligkeit für Infektionen nach sich zieht. Manche der Zytostatika können allergische Reaktionen oder eine Schädigung des Herzmuskels zur Folge haben. Diese Risiken erfordern eine genaue Überwachung des Patienten während der Therapie und auch in der Nachbetreuung.

Was genau passiert bei einer Chemotherapie und was soll sie bewirken?

Da bei einer Chemotherapie nicht alle Leukämiezellen vernichtet werden, wird oft im Verlauf der Behandlung eine Knochenmarks- oder Blutstammzellentransplantation vorgenommen. Stammzellen sind vor allem im Knochenmark vorhandene Blutzellen, die "nicht differenziert", also noch fähig sind, sich zu unterschiedlichen Blutzellen zu entwickeln.

Zur Vorbereitung des Körpers auf diese Transplantation wird eine hochdosierte Chemo- und Strahlentherapie verabreicht, um Knochenmark und Leukämiezellen des Patienten zu zerstören, damit auszuschalten und für den Empfang neuer Stammzellen vorzubereiten. Anschließend wird dem Patienten das Knochenmark mit den neuen Stammzellen über eine Vene injiziert.

Wenn die Transplantation erfolgreich verläuft, beginnen die neuen Stammzellen neue Blutzellen zu bilden, was etwa nach drei Wochen nachweisbar ist.

Die Blut-Stammzellen werden aus dem menschlichen Knochenmark gewonnen, das in den meisten Fällen aus einer Knochenmarksspende stammt oder manchmal, als gereinigte Blut-Stammzellen, von dem Betroffenen selbst. Für eine Knochenmarksspende ist ausschlaggebend, dass bestimmte Gewebemerkmale, die sog. HLA = Human Leukocyte Antigens, weitestgehend identisch mit denen des Patienten sind.

Prävention und was ich selbst tun kann

Da nicht erwiesen ist, dass Ernährung und Lebensweise einer Leukämie vorbeugen und da die Ursachen für diese Erkrankung weitgehend ungeklärt ist, kann ihr auch nicht gezielt vorgebeugt werden.

Unbedingt sollten die o.g. nachweislichen Risikofaktoren unbedingt vermieden werden, doch es erkranken auch Menschen an Blutkrebs, die nie mit einem der genannten Faktoren in Berührung gekommen sind.


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