Strahlentherapie

Die Strahlentherapie nutzt energiereiche oder so genannte ionisierende Strahlen, die bei erkrankten Zellen Veränderungen hervorrufen können und biologische sowie biochemische Reaktionen in Gang setzen, die zu einer unmittelbaren Gewebszerstörung führen.

StrahlentherapieZiel einer Strahlentherapie ist die Zerstörung von Tumorzellen. (Foto by: jovannig / Depositphotos)

Unter einer Strahlentherapie versteht man die Anwendung von ionisierenden Strahlen (Gamma-, Röntgen- sowie radioaktive Strahlen), mit deren Hilfe Tumorerkrankungen therapiert werden. Die Wirkung beruht dabei auf einer Unterbindung bzw. Hemmung der Zellteilung, wodurch ein erneutes Wachstum bzw. die Streuung von Tumorzellen verhindert werden kann.

In den letzten beiden Jahrzehnten konnten sehr moderne Bestrahlungsgeräte (Linearbeschleuniger) entwickelt werden, die die Hautoberfläche bzw. Nachbarorgane weitgehend schonen. Durch eine computergesteuerte, dreidimensionale Bestrahlungsplanung ist es somit möglich, den Tumor genau darzustellen, sodass die Strahlen ihr "Ziel" sehr exakt treffen können.

Ziel einer Strahlentherapie ist die Zerstörung von Tumorzellen, wobei das gesunde Gewebe weitestgehend geschont werden soll. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einer kurativen bzw. palliativen Strahlentherapie.

Die kurative Strahlentherapie verfolgt das Ziel, den Tumor zu heilen, wobei in einigen Fällen der Einsatz von Strahlen bereits genügt, in anderen Fällen eine kombinierte Therapie (z.B. Operation und Bestrahlung) notwendig ist. Außerdem kann sie vorbeugend eingesetzt werden, wenn beispielsweise kein Tumor mehr sichtbar ist, aber man befürchtet, dass im Operationsbereich noch Tumorzellen zurückgeblieben sein könnten. Eine palliative Behandlung kommt zum Einsatz, wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist, die Schmerzen des Patienten jedoch gelindert werden sollen. Außerdem können damit Schluckbeschwerden, Bewegungseinschränkungen oder Harnstauung behandelt werden.

Die Dosiseinheit in der Radio-Onkologie wird als Gray (Gy) bezeichnet und wurde nach dem Physiker Louis Harold Gray benannt. Die genaue Gesamtdosis wird vom behandelnden Therapeuten berechnet, meistens liegt sie zwischen 40 und 70 Gy. Diese Gesamtmenge wird dann auf einzelne Bestrahlungen aufgeteilt, wobei die Therapie verträglicher ist, wenn eine relativ kleine Einzeldosis verabreicht wird.

Durchführung und Ablauf einer Strahlentherapie

Zunächst erfolgt ein ausführliches Gespräch mit dem Strahlentherapeuten (Radioonkologe), der entscheidet, ob für die Erkrankung eine Bestrahlung in Frage kommt. Anschließend wird die Tumorregion mit Hilfe einer Computertomographie, eines Ultraschalls oder einer Magnetresonanztomographie abgegrenzt. Im nächsten Schritt erfolgt die Lokalisation bzw. Simulation, wobei dafür die zu bestrahlenden Bereiche mit einem speziellen Röntgengerät ermittelt und die Bestrahlungsfelder markiert werden. Mit Hilfe eines Planungscomputers werden die Strahlenfelder von Medizinphysikern sowie von radiologisch-technischen Assistenten optimal angeordnet, um die Strahlendosis in der Tumorregion genau zu konzentrieren und das gesunde Gewebe mit möglichst wenig Strahlung zu belasten. Nach den Vorbereitungen beginnt die Bestrahlung, wobei diese schmerzlos ist und je nach Gerät und Krankheit mehrere Sekunden bzw. Minuten dauert.

Dabei unterscheidet man bei der Behandlung unterschiedliche Methoden:

  • Teletherapie: die Bestrahlung erfolgt von außen, wobei Strukturen wie Fett, Haut oder Bindegewebe durchdrungen werden, sodass der Tumor getroffen werden kann.
  • Brachytherapie oder Afterloadingtherapie: diese eignet sich vor allem bei Tumorerkrankungen der Gebärmutter, der Speiseröhre oder der Atemwege. Bei dieser Art der Bestrahlung wird eine Strahlenquelle in unmittelbarer Nähe des Tumors angebracht, wodurch umliegende Organe geschont und relativ hohe Bestrahlungsdosen verabreicht werden können. Bei bestimmten Formen des Prostatakrebses erfolgt eine Brachytherapie mit "Seeds", kleinen radioaktiven Stiften, die in die Prostata eingesetzt werden und die Strahlen dort dauerhaft abgeben.
  • stereotaktische Therapie: sie ist eine Sonderform der Strahlentherapie, die man in hohen Einzeldosen verabreicht und auf diese Weise eine "Operation ohne Messer" möglich macht. Hauptsächlich wird sie bei einer speziellen Form von Hirntumoren eingesetzt und erfordert hohe Sicherheitstests sowie erfahrene Spezialisten.
  • intraoperative Radiotherapie: dabei wird ein Tumor bereits während einer Operation bestrahlt, während man das umgebende Normalgewebe abschirmt. Die Therapieschwerpunkte liegen dabei vorwiegend in der Behandlung von Brustkrebs, Magen- und Pankreaskarzinomen sowie Weichteilsarkinomen. Des Weiteren wird diese Therapieform auch bei Rezidivtumoren im HNO-Bereich sowie im kleinen Becken eingesetzt.

Der Großteil der Bestrahlungen erfolgt im Liegen, dafür wird das Bestrahlungsgerät genau auf die zuvor errechneten Daten eingestellt. Nach Abschluss der Behandlung sind darüber hinaus auch Nachkontrollen erforderlich, die einen eventuellen Krankheitsrückfall bzw. etwaige Folgen der Behandlung erkennen lassen.

Strahlentherapie zur Bekämpfung von einem TumorEine Strahlentherapie ist für den Patienten schmerzlos. (Foto by: Lopolo / Depositphotos)

Anwendungsgebiete

Eine Strahlentherapie findet sowohl bei gutartigen als auch bösartigen Erkrankungen Anwendung. So werden beispielsweise zahlreiche degenerative bzw. chronisch-entzündliche Erkrankungen wie Arthrose, Schulterschmerzen oder Fersensporn strahlentherapeutisch behandelt, wobei hier die Gesamtdosen deutlich niedriger sind als bei einer Bestrahlung von Krebserkrankungen. Niedrigdosierte Strahlung kann die Ausschüttung von so genannten Zytokinen bzw. die Aktivität von Leukozyten mindern und auf diese Weise Entzündungsprozesse hemmen.

Darüber hinaus finden Strahlentherapien auch bei bösartigen Tumoren Anwendung. Für diese Art der Bestrahlung sind hohe Gesamtdosen erforderlich, wobei die Verfahren in Kombination mit Chemotherapie und Chirurgie sehr gute Chancen auf Heilung bieten. Am häufigsten wird eine Strahlentherapie bei Prostatakrebs, nach Brustkrebs-Operationen bzw. bei Enddarmkrebs verordnet.

Nebenwirkungen, Komplikationen und Risiken

Je nach Dosis und Eindringtiefe können als Frühreaktion Hautrötungen, Schleimhautentzündungen bei Bestrahlung des Kopf-Hals-Bereiches bzw. Übelkeit, Völlegefühl oder Durchfall bei Bestrahlungen in der Bauchregion auftreten. Nach mehr als drei Monaten sind auch Spätreaktionen wie Gefäßverengungen oder Fibrosierung (Narbenbildung) möglich, oftmals kommt es auch zu Hautverfärbungen, Verhärtungen im Bereich des Unterhautfettgewebes, Mundtrockenheit, Zahn- oder Knochenschäden bzw. Geschmacksverlust. Bestrahlungen im Bereich des Beckens können auch zu Infertilität führen.

Allerdings sind von wirklich schweren Nebenwirkungen nur sehr wenige Patienten betroffen. Die meisten berichten von Müdigkeit sowie einem allgemeinen Krankheitsgefühl mit Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit bzw. Appetitlosigkeit, wobei die Symptome einige Tage nach der Bestrahlung auftreten und nach Behandlungsende wieder verschwinden. Des Weiteren spielt auch der Allgemeinzustand bzw. die Grunderkrankung eine wesentliche Rolle, denn leiden die Patienten unter Schmerzen, kommt die Strahlentherapie noch als zusätzliche Belastung hinzu.

Fazit

Im onkologischen Therapiekonzept nimmt die Strahlentherapie eine sehr zentrale Rolle zwischen Chirurgie und medikamentöser Behandlung ein. Darüber hinaus findet sie auch bei gutartigen Erkrankungen Anwendung und kann bei Patienten mit unheilbarem Krebsleiden zur Verbesserung der Lebensqualität bzw. Linderung der Symptomatik beitragen. In den letzten Jahren konnte die Computertechnik und die bildgebende Diagnostik äußerst gut weiterentwickelt werden, wodurch diese Art der Therapie wesentlich verbessert wurde. Tumorkonforme Bestrahlungstechniken erlauben darüber hinaus eine sehr gezielte Dosisbelastung des erkrankten Gewebes mit gleichzeitiger Schonung des Normalgewebes.

Mittlerweile ist die Radio-Onkologie an etwa 40 Prozent aller Heilungen beteiligt, wobei die Erfolgsrate einer Strahlentherapie in erster Linie von der Ausdehnung sowie der Art des Tumors abhängig ist. Ziel dabei ist vor allem die Erhaltung der Organe sowie die Vermeidung entstellender Operationen.


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