Psychotherapie: Wege aus der Krise

Psychotherapie leitet sich aus dem altgriechischen Verständnis von Heilung ab und meint nichts anderes, als dass Körper und Geist eine Einheit darstellen. Ob die geistige Störung nun durch ein körperliches Leiden bedingt oder beispielsweise eine chronische Krankheit eine psychische Störung auslöst, ist dabei irrelevant.

PsychotherapieIn Österreich sind 22 Methoden der Psychotherapie anerkannt. (Foto by: Wavebreakmedia / Depositphotos)

Methoden der Psychotherapie

Die Psychotherapie zielt darauf ab, dass psychische Erkrankungen im besten Fall geheilt, zumindest aber gelindert werden. In Österreich sind 22 Methoden der Psychotherapie anerkannt.

Die wohl bekanntesten Richtungen sind:

  • Die tiefenpsychologisch-psychodynamische Orientierung, die das Problem weit in der Tiefe vermutet und dementsprechend lange dauert.
  • Die humanistische Richtung geht davon aus, dass der Patient Antworten und auch die Veränderung in sich findet. Der Therapeut zeigt, vereinfacht gesagt, nur die richtige Tür.
  • Genau umgekehrt dazu sieht die systemische Psychotherapie sämtliche Krankheitsfelder und Probleme in der Wechselwirkung von Beziehungen, die es aufzulösen gilt.
  • Ursachenunabhängig behandelt wiederum die Verhaltenstherapie, die davon ausgeht, dass alles Erlernte auch wieder ver- oder umgelernt werden kann.

Erstgespräch

Im Vorfeld einer Psychotherapie steht die Kontaktaufnahme mit dem Therapeuten, um ein Erstgespräch zu vereinbaren. Im Idealfall definiert der Patient seine Ziele und beurteilt der Therapeut, ob die von ihm praktizierte Methode zur Lösung des Problems geeignet ist und wie lange die Behandlungsdauer sein wird. Eine wesentliche Frage ist für Patienten dabei auch die Höhe der Kosten und ob die Krankenkassen einen Beitrag leisten.

Vielleicht bedarf es auch eines zweiten Gesprächs, was ein guter Therapeut auch nicht ablehnen wird, da der Patient Vertrauen haben muss und der Erfolg der Behandlung sehr stark davon abhängig ist.

Sind alle Fragen abgeklärt und fühlt sich der Patient wohl, kann die Therapie beginnen. Die Häufigkeit kann und sollte auch vom Patienten mitbestimmt werden.

PsychotherapieDie Psychotherapie findet vor allem Anwendung bei psychischen Erkrankungen. (Foto by: og-vision / Depositphotos)

Anwendungsgebiete

In erster Linie wird Psychotherapie bei psychischen, psychosomatischen oder psychosozialen Problemen angewandt. Also immer dann, wenn bereits Probleme das tägliche Leben erschweren, die nicht mehr selbst gelöst werden können.

Klinische Krankheitsbilder wie Zwangsstörungen und Depressionen können genauso Gegenstand einer Therapie sein wie auch belastende Beziehungen oder Situationen, wenn diese bereits körperliche Krankheitsbilder verursachen.

Präventiv möglich sind aber auch Therapiesitzungen, um es gar nicht so weit kommen zu lassen. Dann genügen meist wenige Sitzungen, um bestehende Probleme bereits im Anfangsstadium zu lösen. Erfolgreich ist eine Psychotherapie immer dann, wenn die Ziele des Patienten erreicht werden.

Nebenwirkungen

Anders als bei Medikamenten, ist die Frage nach den Nebenwirkungen nicht so leicht zu beantworten, weil es keine unmittelbare körperliche Reaktion auf die Behandlung gibt. Forschungsergebnisse sprechen daher auch von Misserfolgen.

Die persönliche Wahrnehmung der Patienten steht im Vordergrund. Besonders anfällig ist dabei die Psychoanalyse. Dies vor allem auch deshalb, weil sie wegen der langen Dauer zu einem Abhängigkeitsverhältnis zum Therapeuten führen kann.

Nicht jede Therapieform ist für jedes Krankheitsbild geeignet und liegt es in erster Linie am Therapeuten selbst, diese Einschätzung objektiv vorzunehmen. Mehrere Studien kamen auch zu dem Ergebnis, dass Therapeuten die Gründe der negativen Auswirkungen einer Therapie vorwiegend bei den Patienten suchen und nicht die Therapieform selbst infrage stellen. Zeichnet sich nach einer gewissen Dauer keine Besserung der Störung oder des Verhaltens ab, wäre ein sorgfältiger Therapeut dazu verpflichtet, sämtliche Faktoren in seine Beurteilung miteinzubeziehen.

Kombination mit medikamentöser Therapie

Eine Psychotherapie leistet wertvolle Hilfe, ist aber bei gewissen Krankheitsbildern nur erfolgreich, wenn sie in Kombination mit medikamentöser Therapie eingesetzt wird. Depressionen beispielsweise rühren oft nicht nur von einem auslösenden Ereignis her, sondern basieren auf neurobiologischen Funktionsstörungen.

Ein erfahrener Therapeut kann einschätzen, ob er oder seine Methode tatsächlich in der Lage ist, den Patienten zu heilen.

Die fachliche Kompetenz lässt sich mitunter auch daran erkennen, dass er zu einer Kombinationstherapie mit Kollegen rät. Dies ist kein Zeichen von "Nicht-weiter-wissen", sondern zeugt von sehr hoher Qualität und Erfahrung, die letztendlich dem Patienten zugutekommt.


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