Zwangserkrankungen (Zwangsstörungen)

Von Zwangserkrankungen oder Zwangsstörungen spricht man, wenn sich ständig Handlungen oder Gedanken im Kopf formieren, die sich aufdrängen und die auch erfüllt werden müssen. Auch wenn der Betroffene diese als unsinnig erkennt – er muss dem Zwang nachgeben, ansonsten entsteht eine oft nicht zu ertragende Anspannung.

Zwangserkrankungen Von Zwangserkrankungen spricht man, wenn sich einem Menschen bestimmte Vorstellungen aufdrängen. (Foto by: Purple_Queue / Depositphotos)

SChnell-Übersicht

  • Was sind Zwangserkrankungen: Es beschreibt den unkontrollierbaren Drang nach einer Handlung zu einer bestimmten Vorstellung. Ohne Ausführung entsteht ein bedrückendes Gefühl der Angst, oder unerträglicher Anspannung.
  • Symptome: Die Zwangshandlungen können unterschiedlich ausfallen. Es ist jedoch klar zu erkennen, dass die betroffene Person kaum eine höhere Priorität hat als die Ausübung einer Handlung, selbst wenn es anderen unwichtig erscheint.
  • Ursachen: Es wird ein Zusammenhang zwischen organischen und psychologischen Faktoren vermutet. Eine gezielte Ursache scheint es jedoch nicht zu geben. Häufig leiden die Betroffenen jedoch auch an Depressionen, oder anderen Zwangsstörungen.
  • Behandlung: Die Behandlung setzt sich aus einer gezielten Kombination von Psychotherapien und Medikamenten zusammen.
  • Mögliche Komplikationen: Wird eine Zwangserkrankung auf zu lange Zeit ignoriert, kann es die betroffene Person genügend unter Druck setzen, so dass auch suizidale Gedanken aufkommen können.
  • Heilung: Eine vollständige Heilung ist hier eher unwahrscheinlich. Dennoch ist es bereits möglich die Lebensqualität der Betroffenen zu deutlich verbessern und die Angststörungen zu mindern.
  • Vorbeugung: Da die Ursachen nicht genau geklärt werden können, ist eine Vorbeugung nicht möglich. Je früher eine solche Zwangsstörung jedoch erkannt und behandelt wird, desto leichter tut sich die betroffene Person im späteren Leben.

Was sind Zwangserkrankungen?

Drängen sich einem Menschen bestimmte Vorstellungen oder Handlungen auf, spricht man von Zwangserkrankungen oder Zwangsstörungen. Auch wenn der Betroffene diese Gedanken als unsinnig erkennt, selbst wenn er versucht dagegen zu intervenieren, kann er sich nicht gegen das Auftreten des Zwangs wehren. Gibt der Betroffene dem Zwang nicht nach, empfindet er Angst oder eine nicht zu ertragende Anspannung.

Bei krankhaften Zwangsstörungen ist der komplette Alltag davon beeinträchtigt. Schwierig ist es eine Grenze zwischen krankhaften Zwangsstörungen und zwangsähnlichem Verhalten zu ziehen. Denn auch bei gesunden Menschen können zwischendurch zwanghafte Verhaltensweisen auftreten – wie zum Beispiel: "Ist der Herd auch tatsächlich ausgeschaltet?"

Zwangserkrankungen betreffen Männer ebenso wie Frauen, auch kann es schon bei Kindern zu Zwangsverhalten kommen.

Die Ursachen für Zwangserkrankungen

Die genauen Ursachen für Zwangserkrankungen sind nicht hinreichend geklärt, es besteht jedenfalls ein begründeter Zusammenhang zwischen organischen und psychologischen Faktoren.

Häufig kommt es zu Zwangsstörungen bei Menschen mit Depressionen oder Ängsten. Weiters sind Alkoholmissbrauch oder Essstörungen oft Basis für Zwangsstörungen.

Wissenschaftler sind sich nicht einig über die Ursachen. So gibt es:

  • psychoanalytische Erklärungsmodelle (Beispiel Freud)
  • verhaltenstherapeutische Modelle (lerntheoretisches Modell)
  • biologische Erklärungsmodelle Beispiel Serotonin-Hypothese)
  • genetische Faktoren (Erblichkeit)

Die Symptome

Die Symptome bei Zwangsstörungen äußern sich in bestimmten Gedankeninhalten und Handlungen, die sich ständig wiederholen. Sie drängen sich dem Betroffenen auf – auch wenn das Wissen besteht, dass diese sinnlos sind. Trotzdem können die bestimmten Gedanken und Handlungen nicht unterdrückt werden. Widersetzt sich der Betroffene, empfindet er Angst und eine höchst intensive und unangenehme innere Spannung.

Unterschieden wird in drei Arten der Zwangsstörungen:

  • Den Zwangsgedanken
  • Den Zwangsimpulsen
  • Den Zwangshandlungen

Die Behandlung von Zwangserkrankungen

Behandlung Zwangserkrankungen Menschen mit Zwangsstörungen brauchen Hilfe, nehmen diese aber oft nicht an. (Foto by: Wavebreakmedia / Depositphotos)

Die Behandlung von Zwangsstörungen erfolgt in einer Kombination aus Medikamenten und psychotherapeutischen Behandlungsmethoden.

Medikamentöse Behandlung

Bei der medikamentösen Behandlung werden serotoninhemmende Präparate sowie Mittel gegen Depressionen eingesetzt.

Ob Medikamente helfen, kann erst nach einem längeren Zeitraum (in etwa 10 Wochen) der Einnahme festgestellt werden.

Psychotherapeutische Therapie

Die psychotherapeutischen Therapiemöglichkeiten reichen von der psychoanalytischen Schule bis zu verhaltenstherapeutischen Interventionen.

Die Erfahrungen mit den verschiedenen Therapien haben gezeigt, dass in der Hauptsache die Kombination der oben genannten Behandlungsmöglichkeiten wirksam ist.

Heilungschancen

Weiters ist anzumerken, dass es selten zu einer vollständigen Heilung kommt, jedoch mit der entsprechenden Behandlung die Lebensqualität des Betroffenen nicht mehr so eingeschränkt ist – der Leidensdruck kann deutlich vermindert werden. Die meisten Patienten müssen allerdings damit rechnen, ein Leben lang Medikamente einzunehmen. Wichtig ist es, dass auch die Angehörigen in die Therapie mit einbezogen werden. Der Verlauf von Zwangserkrankungen ist zumeist chronisch. Ohne entsprechende Behandlung kann die Zwangssymptomatik so dramatisch werden, dass der Betroffene den letzten Ausweg im Suizid sieht.

Weitere Informationen zu Zwangserkrankungen

Menschen mit Zwangsstörungen brauchen Hilfe, nehmen diese aber oft nicht an. In Selbsthilfegruppen oder Beratungsstellen erhalten die Betroffenen kompetente Hilfe. Auch den Angehörigen wird in speziellen Einrichtungen weitergeholfen. Betroffene Personen sollten unbedingt medizinisch helfen lassen, nur so ist ein Leben ohne Zwangsvorstellungen und damit ein normales Leben möglich.


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Autor: FitundGesund Redaktion
Infos zum Autor: Medizinredakteure und Journalisten
Erstellt am: 17.12.2009
Überarbeitet am: 09.01.2020

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