Soziale Angststörungen ( Soziale Phobie)

Personen, welche unter einer sozialen Angststörung leiden, schaffen es nicht sich im Alltag mit anderen Leuten zu unterhalten und ziehen sich oftmals sozial vollständig zurück. Jedoch helfen verschiedene Therapien diese Phobie zu überwinden.

Soziale Angststörungen Eine soziale Phobie kann alle Menschen in jedem Alter betreffen und wird nicht immer gleich erkannt. (Foto by: lzf / Depositphotos)

Schnellübersicht

  • Was ist eine soziale Angststörung?
    Personen, welche unter einer sozialer Phobie leiden, isolieren sich von der Gesellschaft und können dabei keinem normalen Alltag nachkommen.
  • Ursache
    Eine genaue Ursache ist nicht bekannt. Jedoch haben oftmals Missbrauch, familiäre Probleme und traumatische Erfahrungen etwas mit der Entstehung zu tun.
  • Symptome
    Physisch zeigt sich die Phobie oftmals durch Zittern, Übelkeit, Stottern, Atemnot und mehr. Betroffene ziehen sich zurück und vermeiden jeglichen Kontakt mit anderen Personen.
  • Behandlung
    Gesprächstherapien, Verhaltensübungen, Gruppentherapien und Lebensumstellungen, sowie auch Medikamente, sollen helfen die Phobie zu überwinden.
  • Komplikationen
    Bleibt eine soziale Phobie zu lange unbehandelt, kann sie chronsiche Züge annehmen. Dabei kann es nicht nur zu verstärkten Symptomen, sondern auch Selbstmordgedanken kommen.
  • Prävention
    Eine Phobie lässt sich nicht aktiv vermeiden. Jedoch ist die rechtzeitige Suche um Hilfe der wichtigste Schritt, den man selbst machen kann.

Was ist eine soziale Angststörung?

Soziale Angststörungen, oder auch  Soziale Phobien genannt, beschreiben eine spezielle Art der Phobie, welche sich auf gesellschaftliche Umstände bezieht. Betroffene haben meist Probleme mit anderen Leuten zu reden, sich mit ihnen zu treffen oder überhaupt auf soziale Veranstaltungen und an öffentliche Orte zu gehen.

Zu Groß ist die Angst davor von anderen verurteilt, ausgelacht oder bewertet zu werden. Meist ist Personen mit einer sozialen Phobie sehr wohl bewusst, dass ihre Angst unnötig erscheint, jedoch reicht das Wissen alleine nicht aus.

Betroffene einer sozialen Angststörung, werden oftmals einfach als schüchtern abgestempelt. Schüchternheit ist jedoch meist etwas kurzfristiges, wogegen Phobien stark den Alltag einer Person einschränken können. Unter anderem leiden sie in Bereichen wie Arbeit, Schule und sozialen Kontakten außerhalb der engsten Familie.

Ursachen

Eine klare Ursache der sozialen Phobie ist nicht bekannt. In manchen Studien wird davon ausgegangen, dass es einen Zusammenhang von Umweltfaktoren und Genen ein möglicher Auslöser wäre. Auch schlechte und traumatische Erfahrungen spielen jedoch eine große Rolle, wenn es um die Entstehung von Phobien geht.  Beispiele dafür wären:

  • Mobbing
  • familiäre Konflikte
  • Missbrauch
  • traumatische Erfahrungen

Auch hormonelle Störungen und ein Mangel an Serotonin im Körper können eine Phobie verstärken. Serotonin ist eine chemischer Stoff im Gehirn, welcher hilft die Stimmung einer Person aufzuhellen und welcher vor allem bei Personen mit Depressionen immer wieder fehlt.

In manchen Fällen entstehen soziale Phobien auch aus der Familie. Es ist zwar nicht bewiesen, dass es mit Genen und Vererbung zusammen hängt, jedoch kann ein Kind die Angst von den Eltern erlernen. Reagieren bereits die Eltern mit großer Angst auf soziale Kontakte, dann schaut sich vor allem ein junges Kind dieses Verhalten ab und wächst damit auf.

Auch aus Familien bei denen die Eltern mit extremer Überfürsorge und Kontrolle erziehen, kann es immer wieder zu einer sozialen Angststörung bei Kindern kommen.

Symptome

Die Symptome bei sozialen Phobien sind nicht für alle Personen gleich und müssen auch nicht bei allen Situationen gleichstark auftreten. Je nach Person und Umstand können sie abgeschwächt oder verstärkt auftreten. Bei manchen werden sie nur ausgelöst, wenn sie vor Leuten reden müssen, bei anderen kann bereits die Begegnung auf der Straße zu extremen Stress führen.

Soziale Angststörungen Personen mit sozialen Angststörungen werden fälschlicher Weise oftmals nur für schüchtern gehalten. (Foto by: arkusha / Depositphotos)

Symptome können dabei sowohl in physischer Form, als auch in durch psychologische auftreten.

Physische Symptome:

Psychologische Symptome:

  • wochen- oder tagelange Sorgen und Ängste vor einer Veranstaltung
  • Vermeidung von sozialen Kontakten und Flucht in den Hintergrund
  • Ständige Sorge sich zu blamieren und Aufmerksamkeit zu erregen
  • Angst das andere Leute die Symptome bemerken
  • Flucht in den Alkoholismus
  • Flucht vor Verantwortung in der Schule oder im Beruf
  • Arbeitslosigkeit aufgrund von Angst vor Interviews
  • die Unfähigkeit einkaufen zu gehen

Untersuchung und Diagnose

Ähnlich wie auch bei anderen Phobien, beginnt eine Untersuchung meist mit einem Besuch beim Hausarzt. Dieser wird versuchen anhand eines Gespräches die Lage einzuschätzen und später eventuell an einen Psychologen oder Psychiater überweisen.

In einem Gespräch werden die Erfahrungen und mögliche Symptome besprochen um genauer festzustellen, ob es sich um eine Phobie handelt und wenn ja, um welche Art.

Kriterien für eine soziale Phobie sind meist:

  • lang andauernde Panikattacken vor sozialen Situationen aus Furcht vor Blamage
  • Angstzustände und Panik vor sozialen Interaktionen
  • die Einsicht, dass die Ängste irrational sein könnten
  • die Angstzustände vermindern die Lebensqualität

Behandlung und mögliche Komplikationen

Wie auch andere Phobien, lässt sich auch die soziale Angststörung mit Psychotherapien und in Verbindung mit Medikamenten behandeln. Zum Einsatz kommen Verhaltenstherapien, Konfrontationstherapien, Gruppentherapien und auch Lebensumstellungen.

Verhaltenstherapien

Diese Therapien helfen dabei die Ängste besser zu verstehen, wie sie entstehen, wodurch sie verstärkt werden und was die Phobie möglicherweise auch verstärken kann. Den betroffenen Personen wird geholfen die Ängste langsam zu überwinden und selbst daran zu arbeiten um wieder den Alltag bewältigen zu können und negative Erfahrungen durch positive zu ersetzen.

Konfrontationstherapien

In dieser Therapie wird man Schritt für Schritt direkt mit der Angst in Berührung gebracht. Zu Beginn findet das meist noch in geschlossenen Räumlichkeiten statt und wird erst nach einiger Zeit und Fortschritt auch in der „echten Welt“ erprobt und neue Grenzen ausgetestet.

Gruppentherapien

Ein Teil der Konfrontationstherapie beginnt oftmals mit Gruppentherapien. Dabei lernt man soziale Fähigkeiten und Interaktionen mit anderen Patienten auszuprobieren und sich Schritt für Schritt an diese Umstände zu gewöhnen. Meist fühlen sich Betroffene sicherer, wenn sie wissen, dass die Leute in der Gruppe unter den selben Ängsten zu leiden haben.

In vielen Gruppen werden Interaktionen auch durch Rollenspiele ausgespielt und so für spätere Gespräche im Alltag geübt.

Lebensumstellungen

Jedoch reicht es oftmals nicht aus nur rein durch Medikamente und Therapien die Ängste zu bekämpfen. In vielen Fällen wird empfohlen auch ein paar Lebensumstellungen vorzunehmen.

Diese Umstellungen sind oftmals auch wichtig um Nebeneffekten von Medikamenten entgegen zu wirken. Je nach Art der Medikamente kann es zu Schlafstörungen, Übergewicht, Übelkeit oder sexuelle Störungen.

Wichtige Umstellungen sind:

Komplikationen

Ohne eine rechtzeitige Behandlung kann eine soziale Phobie auch chronisch verlaufen. Vor allem bei Betroffenen, welche bereits in der Kindheit erste Symptome zeigen, kann eine spätere Heilung schwierig verlaufen. Es kommt meist zu weiteren psychischen Störungen, Panikattacken, Depressionen und auch Suchterkrankungen.

Beruflich als auch privat kann es zu komplexen Einschränkungen und einem kompletten Ausschluss aus der Gesellschaft kommen. In späteren Folgen sind auch suizidale Gedanken und die Ausführung eines Selbstmords nicht auszuschließen.

Prävention und was man selbst tun kann

Leider gibt es nicht viel was man selbst tun kann um eine Phobie zu vermeiden, da es vor allem von Umwelteinflüssen und Umständen außerhalb der eigenen Kontrolle zu tun hat.  Was man jedoch tun kann ist rechtzeitig um Hilfe zu suchen und sich selbst davon überzeugen, dass sich etwas ändern muss. Je früher desto besser.

Hat man sich erst einmal in eine Therapie begeben, ist es wichtig an sich zu arbeiten und Disziplin auszuüben. Auslöser von schlechten Gedanken müssten weitestgehend vermieden werden und sollten durch Verhaltensübungen gestärkt werden. Auch ist es wichtig die verschriebenen Medikamente wie vom Arzt / der Ärztin vorgegeben einzunehmen und die Behandlung durch Entspannungsübungen zu stärken.


Bewertung: Ø 5,0 (1 Stimme)

Autor: FitundGesund Redaktion
Infos zum Autor: Medizinredakteure und Journalisten
Erstellt am: 05.08.2020
Überarbeitet am: 10.11.2020

Quellen:

Gesundheitsportal https://www.healthline.com/health/anxiety/social-phobia#causes (Aufruf 05.08.2020)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Narzisstische Persönlichkeitsstörung

Narzisstische Persönlichkeitsstörung

Eine Person mit Narzissmus leidet meist unter Größenwahn, dem ständigen Drang nach Bewunderung und überschätzt sich oftmals stark selbst.

weiterlesen
Klaustrophobie

Klaustrophobie

Personen mit Platzangst leiden stark an einer Angst vor engen und/oder verschlossenen Räumen. Der Alltag wird dadurch massiv eingeschränkt.

weiterlesen
Phobie – extreme Angststörung

Phobie – extreme Angststörung

Wer eine extreme Angst vor alltäglichen Dingen hat, der leidet vermutlich unter einer Phobie, einer überdurchschnittlich starken Angststörung.

weiterlesen
Die 5 Stufen der Trauer

Die 5 Stufen der Trauer

Trauer gehört zum Leben dazu. Doch nicht bei jedem Menschen verläuft diese Phase gleich.

weiterlesen

User Kommentare