Histaminintoleranz

Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten nehmen in der Bevölkerung sehr stark zu. Histaminintoleranz ist eine Unverträglichkeit, die durch einen Enzymmangel hervorgerufen wird. Stellen die Betroffenen ihre Ernährung jedoch gezielt um, so können sie beschwerdefrei leben.

HistaminintoleranzMigräneanfälle können ein Symptom für eine Histaminintoleranz sein. (Foto by: dundanim / Depositphotos)

Unter Histaminintoleranz oder Histaminose versteht man die Unverträglichkeit von histaminhaltigen Lebensmitteln, außerdem ist der Körper nicht in der Lage, das aufgenommene Histamin abzubauen. In Folge treten allergieähnliche Beschwerden auf, obwohl Histaminose keine Allergie im medizinischen Sinne darstellt. Ursprünglich meinte man, dass Histamin ein Bestandteil des Mutterkorns ist, schließlich wurde jedoch erkannt, dass es durch bakterielle Umwandlung produziert wird, wobei die Ausgangssubstanz die Aminosäure L-Histidin ist.

Ursachen von Histaminintoleranz

Aufgaben von Histamin

Histamin ist ein biogenes Amin, das in pflanzlichem, tierischem und menschlichem Gewebe gefunden werden kann. Im menschlichen Körper wird es von den Mastzellen im Darm produziert und erfüllt zahlreiche Aufgaben:

  • So stimuliert Histamin beispielsweise die Magensaftsekretion
  • erweitert die Gefäße
  • senkt den Blutdruck
  • wirkt als Neurotransmitter bei der Lernfähigkeit, der Appetitkontrolle sowie beim Schlaf-Wach-Rhythmus

Ein Zuviel an Histamin kann jedoch zu zahlreichen Beschwerden führen und oftmals lebensbedrohlich sein.

Da das biogene Amin ständig über Lebensmittel aufgenommen wird, muss der Körper Histamin auch wieder abbauen. Das passiert mit Hilfe des Enzyms Diaminoxidase sowie mit Vitamin B6 und Vitamin C. Unser Körper bildet und speichert ständig Histamin, wobei zwischen der Zufuhr, der Bildung und dem Abbau ein ständiges Gleichgewicht herrscht.

Bei einer Histaminintoleranz kann das Histamin im Darm nicht richtig abgebaut werden, wobei die genauen Ursachen dafür noch nicht vollständig bekannt sind. Vermutet wird, dass die Betroffenen über zu wenig Diaminoxidase oder eine inaktive Form verfügen. Aus diesem Grund kann es schon bei kleinen Mengen an aufgenommenem Histamin zu Beschwerden kommen.

Lebensmittel, die Symptome auslösen, die auf eine Histaminintoleranz hinweisen, sind beispielsweise:

  • Wurstprodukte
  • Alkohol
  • Fertiggerichte
  • Zitrusfrüchte
  • Erdbeeren
  • Tomaten
  • Schokolade
  • Käse mit langer Reifungszeit

Symptome von Histaminintoleranz

Eine Histaminintoleranz verursacht unterschiedlichste Symptome, die sowohl unmittelbar nach der Aufnahme von histaminhaltigen Speisen oder erst nach einigen Stunden auftreten können. Die häufigsten Symptome sind:

Bei vielen Patienten löst Histamin auch Migräneanfälle aus, wobei die häufigsten Auslöser dafür vor allem alkoholische Getränke wie zum Beispiel Rotwein sind. Auch eine laufende Nase oder ein chronischer Schnupfen können Hinweise auf eine Histaminintoleranz sein, darüber hinaus führen histaminreiche Nahrungsmittel bei Asthmatikern auch zu Atemnot.

Ein weiteres wichtiges Zeichen ist der Flush, ein plötzlich auftretendes Erröten des Gesichts vor allem nach dem Konsum von Sekt oder Wein.

Des Weiteren kann Histamin zu Schwindel, Schwächegefühl, Schweißausbrüchen sowie Herzrhythmus-Störungen führen und auch Menstruationsbeschwerden können unter Umständen mit Histamin in Zusammenhang stehen.

Untersuchungen und Diagnose einer Histaminintoleranz

Eine Histaminintoleranz ist relativ leicht diagnostizierbar. Zunächst wird der Arzt die Betroffenen nach typischen Symptomen fragen, danach erfolgt eine Blutabnahme, wodurch man im Labor den Diaminoxidose- bzw. Histamin-Spiegel bestimmen kann. Bei einer Diaminoxidase-Konzentration von unter 3 Units pro Milliliter (3U/ml) kann von einer Histaminunverträglichkeit ausgegangen werden. Wichtig dabei ist, dass vor der Untersuchung histaminreiche Nahrungsmittel nicht gemieden werden sollten, da der Bluttest dadurch möglicherweise verfälscht werden kann.

Des Weiteren sollte durch eine Differentialdiagnose eine organische Erkrankung ausgeschlossen werden. Viele Menschen, die unter einer Histaminintoleranz leiden, sind oftmals auch von einer Laktoseintoleranz betroffen, da auch dieses Krankheitsbild durch einen Enzymmangel in der Dünndarmflora hervorgerufen wird.

Ob die Symptome wirklich auf Grund einer Histaminintoleranz auftreten, kann durch eine so genannte Eliminationsdiät festgestellt werden. Dabei verzichten die Patienten ungefähr vier Wochen lang auf histaminreiche Speisen oder Nahrungsmittel, die zu einer Histaminausschüttung führen. In vielen Fällen können die Beschwerden so bereits nach einigen Tagen deutlich gemildert werden.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Verzicht auf histaminhaltige Lebensmittel und Medikamente

HistaminAuch alkoholische Getränke, wie zum Beispiel Rotwein, können Histamin enthalten. (Foto by: Goodluz / Depositphotos)

Die Therapie von Histaminintoleranz basiert einerseits auf der Vermeidung von Lebensmitteln, die Histamin freisetzen bzw. Histamin beinhalten, andererseits kann die Behandlung auch medikamentös erfolgen.

Nach einer etwa vierwöchigen Diät, bei der die Patienten auf histaminhaltige Nahrungsmittel verzichten, beginnt man nach Absprache mit dem Arzt oder Diätologen diese Lebensmittel wieder in den Ernährungsplan mitaufzunehmen.

Da auch Medikamente wie zum Beispiel Schmerzmittel oder Mittel gegen Bronchitis und Husten histaminspezifische Symptome auslösen können, sollte man auf diese Präparate möglichst verzichten und auf andere zurückgreifen.

Symptomtagebuch

Sinnvoll erscheint es auch, wenn die Patienten ein Symptomtagebuch führen, wodurch ein Wiederauftreten bzw. eine Reduktion von Beschwerden dokumentiert werden kann.

Medikamente

Da die Aufnahme von Histamin oft nicht gänzlich vermieden werden kann, gibt es auch unterschiedliche Medikamente, die bei Bedarf eingenommen werden können. Dazu zählen so genannte Antihistaminika, die die volle Wirkung des Histamins verhindern.

Diese Medikamente helfen sehr gut bei allergischem Schnupfen, Asthma, Kopfschmerzen, Schwindel und Urtikaria (Nesselausschlag).

Wer nicht ganz auf histaminhaltige Speisen verzichten möchte, kann das Enzym Diaminoxidase, das das Histamin abbaut, auch in Kapselform einnehmen, wobei dies vor allem vor dem Verzehr von histaminhaltigen Nahrungsmitteln empfohlen wird. Außerdem sollte die Ernährung reich an Vitamin B6 sein, dieses Vitamin ist vorwiegend in Fleisch, Kartoffeln und Vollkornprodukten zu finden. Auch Vitamin C kann den Histaminabbau begünstigen, aus diesem Grund scheint auch eine hohe Dosis im Grammbereich notwendig.

Weibliche Hormone

Des Weiteren gibt es Hinweise darauf, dass auch weibliche Hormone bei der Produktion von Histamin eine Rolle spielen. So verbessern sich die Beschwerden der Patientinnen, die an einer Histaminintoleranz leiden, wenn sie die Pille einnehmen bzw. ein Östrogenpflaster verwenden. Auch während einer Schwangerschaft verschwinden viele Symptome, da sich der Diaminoxidase-Spiegel zwischen dem 3. und 9. Monat stark erhöht.

Prävention und was ich selbst tun kann

Die wichtigste Art der Prävention bei Histaminintoleranz besteht im Vermeiden von histaminreichen Nahrungsmitteln. Wenn die Betroffenen von ihrer Histaminintoleranz wissen, so erkennen sie relativ schnell, auf welche Nahrungsmittel der Körper empfindlich reagiert. Eine direkte Prävention ist nicht möglich, da Histaminintoleranz eine erworbene Störung ist.

Da Histamin vor allem in konservierten Lebensmitteln in großer Menge vorkommt, empfiehlt sich frisches Kochen als eine wichtige Maßnahme bei Histaminintoleranz. Darüber hinaus sollte bei der Weiterverarbeitung von Nahrungsmitteln auch auf Hygiene großen Wert gelegt werden, da Histamin ein Produkt von Mikroorganismen ist. Außerdem können auch so genannte Histaminliberatoren Beschwerden auslösen. Diese enthalten biogene Amine, sind dem Histamin sehr ähnlich und behindern dessen Abbau.

Zu den Histaminliberatoren zählen unter anderem folgende Lebensmittel:

Histaminarm hingegen sind folgende Lebensmittel und können somit auch bei einer Histaminintoleranz genossen werden:

  • frisches Fleisch und frischer Fisch
  • grüner Salat
  • Kirschen
  • Bohnen
  • frische Milch- und Milchprodukte
  • Weißwein
  • Gemüsesäfte
  • Malzkaffee


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