Die Anti-Baby-Pille und die Pille danach

In der demografischen Entwicklung vieler Industrienationen zeigt sich ein deutlicher Knick in der Geburtenrate um die 50er Jahre: der "Pillenknick". Diese Entwicklung ist auf die Einführung der Anti-Baby-Pille zurückzuführen, die der Frau endlich ein großes Stück überfälliger sexueller Selbstbestimmung schenkte. Ab jetzt hatte sie die Verhütung in der Hand und konnte entscheiden, ob und wann sie schwanger werden wollte - oder auch nicht. Die damalige Pille war allerdings noch hochdosiert. Heutige Präparate beinhalten weit weniger und viel besser verträgliche Hormone. Sollte doch einmal ein Verhütungsfehler passiert sein, gibt es als letztes Mittel der Wahl auch die Pille danach. Doch wie wirken diese beiden Präparate und was sollten Frauen über sie wissen?

Anti Baby PilleDie Anti-Baby-Pille stellt eine risikoarme und bequeme Art der Verhütung dar. (Foto by: filmfoto / Depositphotos)

Die Anti-Baby-Pille

Pearl-Index - wie sicher ist die Anti-Baby-Pille?

Die Anti-Baby-Pille ist eines der beliebtesten Verhütungsmittel für Frauen - und mit einem Pearl-Index von 0,1 bis 0,9 und 0,5 - 3 bei der Minipille auch eines der sichersten.

Wirkung der Anti-Baby-Pille

Pillen enthalten die Hormone Östrogen und Gestagen. Sie täuschen dem Körper vor, er sei bereits schwanger und könne nicht noch einmal schwanger werden. Es kommt dadurch natürlich nicht zu einem Babybauch oder sonstigen Schwangerschaftsanzeichen, sondern der Eisprung bleibt aus und die Gebärmutterschleinhaut verändert ihre Struktur, sodass keine Einnistung mehr möglich wäre.

Arten der Pille

In der sogenannten Minipille sind weit geringere Hormonmengen enthalten, dafür muss sie aber so genau wie nur möglich jeden Tag zur gleichen Uhrzeit eingenommen werden. Bei der regulären Pille wäre eine Verschiebung von einer Stunde dagegen nicht schädlich, sollte aber natürlich trotzdem vermieden werden.
 
Es gibt Einphasen- und Mehrphasen-Pillen:
  1. Bei der Einphasenpille ist in jeder Tablette die gleiche Menge an Hormonen enthalten. Sie wird nach 21 Tagen abgesetzt und dann nach der 7-tägigen Pause wieder eingenommen.
  2. Die Mehrphasen-Pille kann durchgenommen werden, denn während der "Pausenzeit" ändern sich die enthaltenen Hormonmengen.

Inhaltsstoffe der Anti-Baby-Pille

Pillen werden nach Generationen unterteilt. Die Generationen sagen aus, welches Gestagen genau enthalten ist. Es gibt 4 Generationen.
 
Darüber hinaus enthalten die meisten Pillen ein Östrogen, oft handelt es sich dabei um Ethinylestradiol. Manche Pillen enthalten auch nur Gestagen.

Die richtige Einnahme

Die Pille wird zu Beginn am ersten Tag der Menstruation eingenommen. Dann wird sie 21 Tage durchgenommen. Der weitere Verlauf hängt von der Art der Pille ab.
 
Eine Einphasenpille wird jetzt für 7 Tage abgesetzt und dann für 21 Tage wieder genommen.
 
Möglich ist auch ein Langzeitzyklus, bei dem die Pille erst nach zwei oder drei Zyklen abgesetzt wird.
 
Bei Mehrphasenpillen wird die Pille täglich genommen, die unterschiedlich dosierten Wirkstoffe sorgen von allein für das Einsetzen der Blutung.
 
Wichtig ist es, die Pille jeden Tag möglichst genau zur gleichen Uhrzeit einzunehmen.
 
Bei sehr niedrig dosierten Präparaten geht bereits bei geringen zeitlichen Verschiebungen die Wirkung verloren. Bei allen anderen Pillen wäre eine minimal spätere Einnahme nicht schlimm. Die Wirkung setzt bei erstmaliger Einnahme nach einem Zyklus ein.

Was tun, wenn die Pille vergessen wurde?

Wurde eine Pille Stunden später eingenommen, sollte in den nächsten Tagen zusätzlich verhütet werden. Kommt es zur Zwischenblutung, sollte die 7-tägige Pillenpause jetzt begonnen werden.
 
Wurde sie hingegen länger als 12 Stunden vergessen, macht nur eine vorgezogene Pillenpause Sinn, da die verhütende Wirkung andernfalls gefährdet wäre.

Wirkt die Pille während der Pillenpause?

Wenn die Pille durchgehend korrekt eingenommen wurde, wirkt sie auch während der Pillenpause. Es ist keine zusätzliche Verhütung erforderlich.

Warum kommt es mit Pille zur Blutung?

Die Blutung in der Pillenpause ist streng genommen keine Regelblutung. Da die Hormonspiegel jetzt rasch abfallen, handelt es sich um eine wesentlich schwächere Abbruchblutung.
 
Es kam jedoch nicht zum Eisprung und so kann man jetzt auch nicht schwanger werden. Die Abbruchblutungen können durch die durchgehende Pilleneinnahme verhindert werden.

Was tun bei Zwischenblutungen?

Eine Zwischenblutung kann auftreten, wenn die Pille vergessen wurde. Dann sollte die Einnahme für 7 Tage pausiert werden. Treten sie aber häufiger auf, sind sie ein Anzeichen von Unverträglichkeit und der Gynäkologe sollte nach einer alternativen Pille gefragt werden.

Schwanger trotz Pille - kann das passieren?

Der Pearl-Index der Pille ist sehr gut und sie bietet einen umfassenden Schutz vor ungewollter Schwangerschaft. Dennoch gibt es Fälle, in denen die Frau trotz Pille schwanger geworden ist. Denkbar sind etwa Anwendungsfehler wie vergessene Pillen oder zu spät und unregelmäßig eingenommene niedrig dosierte Pillen.
 
Außerdem gibt es bestimmte Medikamente, die die Wirkung der Pille beeinträchtigen. Dazu gehören:

Weiterhin muss sichergestellt sein, dass die Pille nach der Einnahme wirklich verstoffwechselt werden konnte. Durchfall oder Erbrechen in den Stunden nach der Einnahme setzen die Wirkung herab und machen zusätzliche Verhütungsmaßnahmen erforderlich.

VerhütungDie Anti-Baby-Pille sowie das Kondom zählen zu den beliebtesten Verhütungsmitteln. (Foto by: obencem / Depositphotos)

Verhütung nach der Geburt - wann und wie?

Soll nach der Geburt mit der Pille verhütet werden, muss auch jetzt bis zum Einsetzen der ersten Regelblutung gewartet werden. Dann wird die Pille ab dem ersten Tag eingenommen und schützt nach dem Ablauf der ersten 21 Tage.

Pille in der Stillzeit - geht das?

Die meisten Anti-Baby-Pillen eignen sich nicht für stillende Frauen. Die Hormone gehen ins Blut und in die Muttermilch über. Während der Stillzeit sollte deswegen lieber auf andere, hormonfreie Verhütungsmethoden gesetzt werden.

Die Kosten für die Anti-Baby-Pille

Die Pille gibt es als 3- und als 6-Monatspackung. Die Kosten werden in Österreich nur auf Krankenschein von der Krankenkasse übernommen. Das bedeutet, die Pille muss aus anderen Gründen als zur Verhütung verschrieben werden, denn für Verhütung werden die Kosten nicht übernommen.
 
Die Preise für die Pille variieren stark je nach Präparat und Packungsgröße und bewegen sich zwischen 20-60 €.

Vorteile durch die Einnahme der Pille

Besseres Hautbild

Neben der verhütenden Wirkung hat die Pille positive Auswirkungen auf das Hautbild und kann dabei helfen, Akne und Mitesser unter Kontrolle zu bekommen. Das Hautbild wirkt insgesamt sauberer und gesünder.

Regelbeschwerden lindern

Bei Regelbeschwerden, starken Blutungen und PMS kann sich die Einnahme der Pille regulierend auf den weiblichen Zyklus auswirken.
 
Blutungen werden kürzer und schwächer, da es sich nur noch um die Abbruchblutung handelt. Bauchkrämpfe während der Blutung werden seltener und verschwinden bei manchen Patientinnen sogar ganz. Zudem ist es möglich, die Regelblutung nur noch alle 2 oder 3 Monate kommen zu lassen und auch dadurch der Frau Beschwerden zu ersparen.

Haarwuchs

Die weiblichen Hormone in der Pille wirken sich auch regulierend auf den Haarwuchs aus und können beispielsweise einen Damenbart verschwinden lassen.

Vermindertes Risiko für Gebärmutterhalskrebs

Schlussendlich gibt es einen Zusammenhang zwischen der Einnahme der Pille und der Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs- dieser wird dadurch unwahrscheinlicher.

Nebenwirkungen der Anti-Baby-Pille

Nebenwirkungen der Anti-Baby-PilleDurch die Einnahme der Anti-Baby-Pille kann es unter anderem zu Rückenschmerzen kommen. (Foto by: Wavebreakmedia / Depositphotos)

So positiv die Pille sich auf Zyklus, Haut und Haarwuchs auswirken kann, so kann sie auch Nebenwirkungen mit sich bringen.
 
Wird die Pille schlecht vertragen, kann es zu folgenden Beschwerden kommen:

Krebsrisiko

Manche Krebsarten treten bei Frauen, die die Pille lange Zeit eingenommen haben, gehäuft auf.

Thromboserisiko

Zudem besteht ein Thromboserisiko, sodass Frauen ab spätestens 30 mit ihrem Gynäkologen Rücksprache halten sollten, ob die Pille für sie immer noch das richtige Verhütungsmittel sind.

Raucherinnen haben ein erhöhtes Thromboserisiko, wenn sie die Pille nehmen.

Wechselwirkungen

Bei Einnahme weiterer Medikamente muss immer geprüft werden, ob Wechselwirkungen mit der Pille bestehen können oder ihre Wirkung dadurch herabgesetzt werden kann.

Was beeinflusst die Wirkung der Pille?

Die meisten ungewollten Schwangerschaften trotz Pille entstehen durch Einnahmefehler. Sie wurde vergessen oder nicht rechtzeitig eingenommen. Häufig sind aber auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Bei Antibiotika und Johanniskraut ist etwa Vorsicht geboten. Selbst die Grapefruit kann die Wirkung der Pille herabsetzen.

Die Pille richtig absetzen

Das Absetzen der Pille funktioniert je nach Grund für diese Entscheidung anders. Will die Frau schwanger werden oder anders verhüten, wartet sie entweder bis zur nächsten Pillenpause oder zieht diese vor - und nimmt die Pille ab dann gar nicht mehr.
 
Wird die Pille nicht vertragen, sollte das Ende des Zyklus abgewartet werden, also Tag 1 der Pillenpause. Je nachdem, um welche Art von Präparat es sich bei der neuen Pille handelt, die stattdessen genommen werden soll, wird dann nahtlos diese eingenommen.

Die Pille danach

Die Pille danach ist ein letzter Ausweg, wenn Verhütungsfehler passiert sind und rechtzeitig bemerkt wurden. Sie verhindert den Eisprung und damit eine Befruchtung der Eizelle. Allerdings muss sie schnell nach dem "Unfall" eingenommen werden und ist nicht als Verhütungsmittel zu verstehen, sondern als absolute Notfall-Maßnahme im Ernstfall.

Wie wirkt die Pille danach?

Die Pille danach kann entweder Levonorgestrel oder Ulipristalacetat enthalten. Beide verhindern den Eisprung, wobei Ulipristalacetat noch bis zum Tag vor dem Eisprung wirkt und Levonorgestrel nur bis etwa 5 Tage vor dem Eisprung. Ist es also schon zum Eisprung gekommen, kann die Pille danach nicht mehr wirken. Wurde die Eizelle jedoch schon befruchtet, beeinflusst die Pille danach diese nicht und die Frau bleibt schwanger. Es handelt sich also nicht um eine "Abbruchpille".

Wann und wie muss die Pille danach genommen werden?

Am effektivsten ist die Empfängnisverhütung, wenn die Pille danach nicht später als 12 Stunden nach der Verhütungspanne eingenommen wird. Levonorgestrel kann zwar bis zu 72 Stunden und Ulipristalacetat bis zu 120 Stunden danach noch genommen werden, die Wirkung wird dadurch aber extrem herabgesetzt.
 
Es empfiehlt sich, vorher etwas zu essen. Sollte es innerhalb von 3 Stunden nach der Einnahme zu Erbrechen oder Durchfall kommen, muss eine neue Tablette genommen werden. Andernfalls handelt es sich um eine einmalige Einnahme.

Woher bekommt man die Pille danach und was kostet sie?

In österreichischen Apotheken ist die Pille danach rezeptfrei zu bekommen. Präparate mit Levonorgestrel liegen preislich bei ca. 13 Euro, mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat erhöht sich der Preis auf ca. 32 Euro.
 
Frauen, die bereits früher unter Entzündungen der Eileiter oder Eierstöcke gelitten haben, sollten vor der Einnahme mit dem Gynäkologen abklären, ob das Präparat für sie in Frage kommt.

Gibt es Risiken und Nebenwirkungen?

Die Pille danachNach der Einnahme der Pille danach kann es zu Übelkeit und Erbrechen kommen. (Foto by: AndreyPopov / Depositphotos)

Zu den bekannten Nebenwirkungen gehören:
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schwindel und Benommenheit

Nach der Einnahme der Pille danach sollte die Patientin nach Möglichkeit nicht mehr mit dem Auto fahren und sich ausruhen.

Es kann auch zu Schmierblutungen kommen.

Frauen mit Leberschäden oder bekannten Unverträglichkeiten gegen einen der beiden Wirkstoffe dürfen die Pille danach nicht einnehmen.

Was passiert nach der Einnahme?

Unmittelbar nach der Einnahme wird - soweit möglich - zunächst der Eisprung verhindert. Der Zyklus wird damit gewissermaßen "vorgespult". Der Körper denkt, eine bereits gesprungene Eizelle sei nicht befruchtet worden. Es kommt wenige Tage bis zu einer Woche nach der Einnahme zu einer Menstruation. Das signalisiert, dass die Pille danach sehr wahrscheinlich gewirkt hat.
 
Eventuelle Nebenwirkungen verschwinden meist nach spätestens einem Tag. Kommt es nicht zur Regelblutung oder tritt sie später oder wesentlich schwächer ein, sollte unbedingt ein Schwangerschaftstest gemacht werden.

Was beeinträchtigt die Wirkung der Pille danach?

Frauen, die gleichzeitig Antibiotika oder Präparate mit Johanniskraut einnehmen, müssen damit rechnen, dass die Pille danach weniger wirksam ist. Auch Übergewicht beeinträchtigt ihre Wirksamkeit.

Was passiert bei einer Schwangerschaft?

Die Pille danach schadet einem Embryo nicht. Das Kind kann trotz der Einnahme gesund zur Welt kommen, wenn die Frau das möchte. Allerdings wird die Schwangerschaft auch nicht abgebrochen, sondern besteht trotz Einnahme weiter.

Wie sicher ist die Pille danach?

Wurde die Pille danach vor dem Eisprung fehlerfrei eingenommen, wirkt sie sehr sicher. Da dann kein Eisprung mehr stattfindet, kann die Frau auch nicht schwanger werden.
 
Das Risiko der ungewollten Schwangerschaft steigt, je näher die Einnahme am Zeitpunkt des Eisprungs liegt.
 
Frauen mit unregelmäßigem Zyklus haben es daher schwerer, vor der Einnahme zu bestimmen, ob die Pille danach noch wirken kann oder es bereits zu spät ist.
 
In jedem Fall sollte nach der Einnahme der Pille danach ein Schwangerschaftstest gemacht werden. Besser noch: der Gynäkologe sollte aufgesucht werden, um eine mögliche Schwangerschaft auszuschließen, selbst wenn es zur Menstruationsblutung nach der Einnahme gekommen ist.

Bewertung: Ø 4,1 (57 Stimmen)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Koitus interruptus - Verhütungsmethode

Koitus interruptus - Verhütungsmethode

Die Bezeichnung Coitus interruptus stammt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie „unterbrochener Geschlechtsverkehr“. Der Mann seinen Penis kurz vor dem Samererguss aus der Scheide seiner Partnerin.

weiterlesen
Diaphragma

Diaphragma

Ein Diaphragma besteht heutzutage aus einer kuppelartigen Latex-Gummi-Membran, die mit einer elastischen Flach- oder Spiralfeder in die Scheide eingeführt wird.

weiterlesen

User Kommentare