Schmerzen in den Beinen

Schmerzen in den Beinen kennt natürlich jeder, der mal eine längere Wanderung gemacht hat. Um diese Art von Schmerzen, Muskelkaterschmerzen, geht es natürlich hier nicht. Vielmehr gibt es Formen lang andauernder Schmerzen im Bein, welche manchmal auch Anzeichen ernsthafter Erkrankungen sein können...

Mann mit Schmerzen in den BeinenÜberlastung kann ein Grund für Schmerzen in den Beinen sein. (Foto by: Maridav / Depositphotos)

Schmerzen im Bein können sehr unterschiedlicher Natur sein. Zunächst einmal ist die Angabe "Bein" schon eine sehr ungenaue Lokalisation: Schmerzen können im Ober- und im Unterschenkel sein, vorne oder hinten oder auch nur von einzelnen Gelenken ausgehen.

Dann spielt der Schmerzcharakter eine Rolle: Sind es eher ziehende Schmerzen oder eher ein Brennen oder Krampfen? Auch die Umstände sind von großem Interesse: Treten die Beschwerden in Ruhe auf oder nach Belastung, nur morgens oder eher abends, wie lang halten sie an und was kann man tun, damit sie wieder verschwinden?

All das sind die Fragen, die ein Arzt stellen wird, wenn man mit der Beschwerde "Schmerzen im Bein" zu ihm kommt. Eventuell wird er sich sogar für das Herz interessieren - warum das so ist, versteht man, wenn man die verschiedenen Ursachen für Schmerzen im Bein einmal durchgeht...

Ursachen von Schmerzen in den Beinen

Muskelkater

Von harmlosen Ursachen hin zu weniger harmlosen Erkrankungen muss man zunächst einmal mit dem einfachen Zwicken im Muskel beginnen: Dieses tritt bei oder nach Belastung auf und stört normalerweise in Ruhe nicht weiter. Dahinter stecken kann natürlich ein simpler Muskelkater nach einer Überanstrengung bei sportlicher oder beruflicher Belastung.

Überbelastung

So etwas kann sich durchaus auch zum längerfristigen Problem auswachsen, wenn man es als untrainierter Mensch zum Beispiel mit einer Tageswanderung sehr übertreibt: Die Muskeln an der Vorderseite des Unterschenkels können dabei derart überfordert werden, dass sie anschwillen und noch tagelang Schmerzen bereiten oder gar die Blutversorgung im Fuß gefährden (bei echten Schmerzen sollte daher unbedingt ein Arzt aufgesucht werden). Auch Sehnen können überlastet werden und bleiben noch lang nach der Überlastung gereizt und schmerzhaft bei Bewegung. Auch einfache Ursachen können also ernsthafte Probleme verursachen.

Muskelfaser- und Bänderrisse

Des Weiteren kommen "richtige" Verletzungen in Frage: Muskelfaserrisse oder Bänderrisse, deren Geschehen man nicht unbedingt immer bewusst bemerkt haben muss. Nicht nur bei jungen Menschen kommen solche Ursachen in allererster Linie in Frage.

Infektion der Unterhaut

Das Bein kann aber auch in ganz andere Schwierigkeiten geraten: Eine Infektion der Unterhaut, ein sogenanntes Erysipel), verursacht starke Schmerzen im Bein, gleichzeitig aber auch Rötung, Schwellung und Fieber.

Beinvenenthrombose

Eine wichtige Differentialdiagnose zum Erysipel ist die Beinvenenthrombose, bei der durch längere Ruhigstellung (Krankheit, Busreisen) und andere Umstände (Gerinnungsleiden, Schwangerschaft) der Blutfluss in Beinvenen zum Stillstand kommt. Auch hier fallen aber neben den Schmerzen im Bein auch wieder Schwellung, Rötung und Überwärmung auf.

Arthrose

Eine ganz andere Ursache für wiederkehrende Schmerzen im Bein ist die Arthrose: Sie betrifft eher Menschen im fortgeschrittenen Alter und kann im Kniegelenk genauso wie im Hüftgelenk auftreten. Schmerzen im Oberschenkel können dabei sowohl vom Knie als auch von der Hüfte her ausstrahlen - oft denkt man, das Knie sei betroffen, während in Wahrheit die Hüfte die Schmerzen bereitet. Die Beschwerden der Arthrose sind vor allem als "Anlaufschmerz" bekannt, können aber in fortgeschrittenen Stadien auch dauerhaft und in Ruhe auftreten.

Vor allem ältere Frauen haben manchmal eine Hernie, also einen Weichteilbruch, im Beckenbereich, welche ebenfalls ins Bein ausstrahlen kann und einer Hüftarthrose sehr ähnlich ist.

Peripher-arterielle Verschlusskrankheit

Eine der schwerer wiegenden Ursachen für Schmerzen im Bein ist die peripher-arterielle Verschlusskrankheit (pAVK): Genau wie das Herz (Herzinfarkt) und das Gehirn (Schlaganfall) können nämlich auch die Beingefäße von Arteriosklerose betroffen sein. Die Blutgefäße verkalken und lassen kein Blut mehr durch, die Beinmuskeln bekommen nicht genug Sauerstoff und das tut weh. Die Schmerzen treten deswegen auch je nach Belastung auf, oft müssen Betroffene regelmäßig stehen bleiben, damit der Schmerz wieder nachlässt ("Schaufensterkrankheit"). Besonders starke Raucher sind hiervon betroffen, im Prinzip kommt aber jeder Mensch infrage, der auch Probleme mit dem Herzen oder anderen Gefäßerkrankungen hat.

Krebserkrankung

Zu guter Letzt sollen noch Krebserkrankungen erwähnt werden: Knochen- und Weichteiltumoren sind insgesamt sehr selten, betreffen aber tückischerweise oft auch Kinder und Jugendliche. Wenn also ein junger Mensch über Schmerzen im Bein klagt, welche nicht anderweitig erklärbar sind, so sollte zumindest einmal über diese Möglichkeit nachgedacht werden...

Untersuchungen und Diagnose

Der Arzt muss zunächst sehr gründlich die Umstände der Schmerzen erfragen und kann anhand des genauen Beschwerdebildes, des Alters, der Lebensgewohnheiten (Rauchen) und der Vorerkrankungen (Herzinfarkt, Thrombosen, Arthrose, Rheuma) des Betroffenen oft schon ein recht gutes Bild davon bekommen, welche Ursachen für die Schmerzen in Frage kommen und welche eher nicht.

Für die einzelnen Krankheiten gibt es dann spezielle Tests und Untersuchungen, die je nach Verdacht durchgeführt werden können:

  • Der Diagnosestellung einer Arthrose oder eines Knochentumors dient das Röntgenbild oder CT
  • Der Aufdeckung einer pAVK dient die Verschlussdruckmessung mittels Blutdruckmanschette
  • Ein Gehtest sowie bei erhärtetem Verdacht eine invasive Angiographie der Beingefäße.
  • Eine Thrombose ist genau wie das Erysipel eine rein klinische Diagnose, eventuell noch mittels Ultraschalluntersuchung zu stützen.

Bei Muskelbeschwerden wird es schon schwieriger: Ein Muskelfaserriss ist unter Umständen im Ultraschall zu sehen, ein Muskelkater natürlich nicht. So bleibt es oft vor allem der Erfahrung des Arztes überlassen, Schwerwiegendes von Lappalien zu trennen und die richtige Diagnose zu stellen.

Behandlung von Schmerzen in den Beinen

Die Behandlung richtet sich natürlich nach der Diagnose. Ein Erysipel wird mit Antibiotika behandelt, eine Thrombose unter Kompression gestellt und ansonsten medikamentös aufgelöst und bei Muskelproblemen steht nach anfänglicher Ruhigstellung vor allem der gezielte Muskelaufbau im Vordergrund.

Nordic Walking TourSport und Bewegung in Maßen ist eine Wohltat für Körper und Geist. (Foto by: blasbike / Depositphotos)

Betroffene einer arteriellen Verschlusskrankheit sollten ebenfalls in vernünftigen Maße Bewegung üben und ihre Beine nicht komplett schonen - mit körperlichem Training lässt sich auch aus verengten Beingefäßen noch eine Menge herausholen. Erst in höheren Stadien muss das Gefäß operiert oder angiographisch mit einem Stent aufgeweitet werden. In jedem Fall sollte unbedingt ein Arzt konsultiert werden.

Ebenfalls eine Sache für den Operateur ist die Arthrose: Am Ende können die Beschwerden immer mit einer Endoprothese genommen werden. Bis dahin ist es aber für Betroffene oft ein weiter Weg, welcher über Schmerzmedikamente und Physiotherapie führt. Bevor der Orthopäde zum Messer greift, sollten unbedingt alle konservativen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft werden, da auch diese oft erstaunliche Besserung bringen können.

Prävention und was ich selbst tun kann

Angesichts der Vielzahl von Ursachen ist es schwierig, allgemeine Vorsorgeempfehlungen zu geben.

Um einer Gefäßerkrankung zu entgehen, ist Rauchverzicht das Beste, was man tun kann. Um keine Thrombose zu bekommen, sollte man sich regelmäßig bewegen. Wer andererseits zu viel oder zu unausgewogen Sport treibt, bekommt auch Probleme mit den Beinen, nämlich muskulärer Art und durch Überlastung der Bänder.

Der Mittelweg ist wohl der gesündeste und beste, was man seinen Beinen geben kann:

  • Sport und Bewegung in Maßen
  • regelmäßige gezielte Kräftigung der Muskeln und Bandstrukturen
  • ausreichende Regeneration


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