Muskelfaserriss

Ähnlich wie ein Bänderriss ist der Muskelfaserriss eine klassische Sportverletzung. Der Name ist dabei allerdings etwas irreführend, denn es reißt im Zuge einer zu hohen Belastung nicht nur eine Muskelfaser, sondern gleich ein ganzes Bündel an Muskelfasern. Muskelfaserrisse kommen am häufigsten in der Beinmuskulatur vor. Wir zeigen Ihnen, welche Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten es für diese Erkrankung gibt.

MuskelfaserrissMuskelfaserrisse kommen am häufigsten in der Beinmuskulatur vor. (Foto by: vadimphoto1@gmail.com / Depositphotos)

Ursachen für einen Muskelfaserriss

Der Muskelfaserriss tritt in erster Linie in Sportarten auf, bei denen die Beinmuskulatur durch schnelle Bewegungen wie abruptem Bremsen und plötzlichem Beschleunigen gefordert wird - wie zum Beispiel beim Tennis, Fußball, Sprint, Squash oder beim Handball.

Der Muskelfaserriss entsteht dabei genau dann, wenn die Belastung so hoch ist, dass die Muskulatur die Zugkräfte nicht mehr abfangen kann. Im Zuge dessen kann es geschehen, dass auch der Muskelstoffwechsel aus seinem natürlichen Gleichgewicht gerät und somit auch die Zusammenarbeit zwischen den Nerven und den Muskeln gestört wird.

Grundsätzlich lässt sich also sagen, dass ein Muskelfaserriss in erster Linie dann entsteht, wenn man seine Muskulatur überbelastet oder sich nicht genügend aufwärmt, ehe man sein Training beginnt. Begünstigt wird dies, wenn die Umgebung kalt ist und man beispielsweise im Winter im Freien trainiert.

Muskelzerrung und Muskelfaserriss - die Unterschiede

Muskelzerrung

Wenn die Kräfte, welche auf die Muskulatur einwirken, nicht mehr abgefangen werden können, entsteht dadurch eine Überdehnung der Fasern in den Muskeln. Hier spricht man in erster Linie von einer Muskelzerrung. Es ändert sich hierbei nichts in der Anatomie der Muskulatur und es werden auch keine Zellen beschädigt. Eine Zerrung zeigt sich durch ein ziehendes Gefühl in den Muskeln. Stellt man diese Symptome bei sich fest, ist es anzuraten, umgehend mit dem Training aufzuhören und sich zu schonen, bis die Schmerzen nachlassen. Darüber hinaus sollten die betroffenen Stellen regelmäßig gekühlt werden.

Muskelfaserriss

Wenn man jedoch die Muskulatur noch deutlich stärker belastet, so kann ein Muskelfaserriss entstehen. Hierbei wird direkt ein komplettes Muskelfaserbündel beschädigt und der Schmerz ist viel intensiver: Er zeigt sich durch ein starkes, stechendes Gefühl. Bei einem Muskelfaserriss kommt es auch zu einer Veränderung in der Muskelstruktur: Die Muskelzellen werden zerstört und es tritt Blut in das Gewebe ein.

Somit zeigt sich: Der Muskelfaserriss und die Muskelzerrung unterscheiden sich in erster Linie durch die Intensität der Verletzung beim Sport.

Symptome, die bei einem Muskelfaserriss auftreten können

Schmerzen

Am häufigsten machen sich Muskelfaserrisse in der Beinmuskulatur bemerkbar, wie zum Beispiel in den Oberschenkeln und in den Waden. Das liegt in erster Linie daran, dass viele Sportarten diese Muskeln besonders fordern. Wenn also während des Trainings ganz plötzlich ein stark stechender Schmerz auftritt, der selbst nach einer Pause nicht nachlässt, handelt es sich unter Umständen tatsächlich um einen Muskelfaserriss.

Weiterhin bemerkt man bei einem Muskelfaserriss meist, dass die Funktion des Muskels nicht mehr voll vorhanden ist: Bewegungen tun weh und man fühlt sich auf der betroffenen Seite kraftlos und schwach - bei einem Muskelfaserriss kann schon das bloße Anspannen eines Muskels starke Schmerzen verursachen.

Ersichtliche Delle

Es kommt vor, dass sich bei einem Muskelfaserriss eine Delle an der betroffenen Stelle ertasten oder sogar mit dem bloßen Auge erkennen lässt. Doch Vorsicht: Hier kann es sich auch um einen Muskelriss - eine noch stärkere Verletzung - handeln.

Bluterguss

Weil bei Muskelfaserrissen Blut in das Gewebe eintritt, zeigt sich manchmal ein blauer Fleck an der jeweiligen Stelle, der aber später nicht oder auch von Anfang an nicht zu erkennen ist, dies ist individuell.

Behandlung bei einem Muskelfaserriss

Ganz egal, ob es sich um einen Muskelfaserriss oder um eine Zerrung handelt: Wenn man das Gefühl hat, sich ernsthaft verletzt zu haben, ist es wichtig, das Training sofort zu unterbrechen und eine entsprechende Behandlung durchzuführen.

Zunächst pausiert man also und prüft in den nächsten Tagen, ob sich auch weiterhin Symptome zeigen - ganz egal, in welchem Körperteil, es ist wichtig, sich in den folgenden Wochen zu schonen!

Kühlen Sie bei einem Muskelfaserriss die betroffenen Stellen mit Eis: Das tut nicht nur gut, sondern sorgt auch dafür, dass weniger Blut in das Gewebe tritt. Wichtig dabei ist, das Kühlpäckchen nie direkt auf die betroffene Stelle zu legen, sondern es beispielsweise in ein Handtuch zu wickeln. Auch ein Druckverband kann helfen, um zu verhindern, dass die Verletzung stark anschwillt.

Ein guter Tipp ist, noch vor dem Verbinden der entsprechenden Stelle eine wohltuende Salbe aufzutragen, welche die Schmerzen bei einem Muskelfaserriss hemmt.

Untersuchung MuskelfaserrissWenn die Schmerzen bei einem Muskelfaserriss stärker werden, sollte ein Arzt aufgesucht werden. (Foto by: racorn / Depositphotos)

Grundsätzlich gilt allerdings, sich mit einer solchen Verletzung zuerst zum Arzt zu begeben - ganz egal, ob es sich um eine Muskelzerrung, um einen Muskelfaserriss oder um etwas anderes handelt. Ein Mediziner muss immer eine Diagnose stellen, um schlimmere Risiken auszuschließen und kann dann eine passende Behandlung empfehlen.

Bei stärkeren Schmerzen: Arzt aufsuchen

Wenn die Schmerzen stärker werden, ist es in jedem Fall anzuraten, einen Arzt aufzusuchen und nicht lange zu warten. Nur er kann feststellen, wie schwer eine Verletzung wirklich ist. Er kann eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) durchführen und somit klären, um welche Art von Verletzung es sich handelt.

Grundsätzlich gilt: Wenn der Muskel zu mehr als 75% gerissen ist, kann es sein, dass ein operativer Eingriff vorgenommen werden muss, Wichtig ist, innerhalb der ersten 48 Stunden auf eine regelmäßige Kühlung des Muskels zu achten.

In keinem Fall sollte man bei einem Muskelfaserriss Salben verwenden, die die Durchblutung fördern, weil sie den Blutfluss in das Gewebe noch unterstützen könnten. Später ist es allerdings durchaus in Ordnung, diese zur Schmerzenslinderung und zur schnelleren Abheilung der Verletzung aufzutragen. Ebenfalls zu vermeiden ist, den Muskel direkt nach der Verletzung zu dehnen - dies könnte den Riss sogar noch verschlimmern.

Komplikationen, die bei einem Muskelfaserriss auftreten können

Narbengewebe bildet sich

Hat man sich einen Muskelfaserriss zugezogen, wird zunächst Blut in das Gewebe eintritten, ehe die Verletzung in einen sichtbaren Bluterguss übergeht.

Bei einer stärkeren Einblutung kann es sogar vorkommen, dass die Verletzung nicht komplett abheilt, sondern sich ein Narbengewebe bildet, das künftig weniger elastisch ist und für neue Verletzungen anfälliger ist. Sollte man auch nach dem Abheilen noch Beschwerden haben, liegt der Grund dafür in der Regel beim Narbengewebe. Es gibt hier die Möglichkeit, dieses durch einen operativen Eingriff komplett entfernen zu lassen.

Eine Zyste kann entstehen

Selten kommt es vor, dass ein Bluterguss nach einem Muskelfaserriss nicht vollständig abheilt und sich stattdessen eine Zyste herausbildet. In dieser befindet sich jenes Blut, welches durch den Bluterguss nicht vollständig abgebaut werden konnte. Wenn die Zyste im Alltag störend ist, empfiehlt es sich, diese herausschneiden zu lassen.

Chronische Entzündung

Das Wichtigste ist, sich nach einem Muskelfaserriss genügend Zeit zu geben, um die verletzte Stelle abheilen zu lassen. Beginnt man zu früh wieder mit dem Training und belastet den Muskel erneut, kann es passieren, dass sich eine chronische Entzündung in der Muskulatur entwickelt, was zu Kalkablagerungen im Gewebe führen kann, die unter Umständen im Laufe der Zeit verknöchern und weniger belastbar sind als andere Bereiche des Körpers.

Wie lange dauert die Abheilung nach einem Muskelfaserriss?

Grundsätzlich kann kaum pauschalisiert werden, wie lange das Abheilen eines Muskelfaserrisses tatsächlich dauert. Allerdings sollte man mit einer Zeitspanne von mindestens vier Wochen rechnen:

  • Wenn man unmittelbar nach dem Verletzen eine Behandlung durchführt, heilt der Riss in der Regel schneller ab.
  • Die ersten vier bis fünf Tage sollte eine Schonphase eingehalten werden - anschließend kann man ganz normal so seinem Alltag nachgehen, wie man es möchte, so lange es keine Schmerzen bereitet.
  • Oft kann man den betroffenen Muskel nach bereits ein bis zwei Wochen wieder geringfügig (!) belasten. Wer keine Schmerzen mehr im alltäglichen Leben verspürt, kann auch mit leichtem Sport wie Walking, Fahrrad fahren oder auch sanftem Jogging beginnen.

Wichtig: Sollten während der Bewegung wieder Schmerzen auftreten, brechen Sie den Sport umgehend ab, um die Muskulatur vor zusätzlichen Verletzungen zu schützen.
In keinem Fall sollten Sie Sportarten mit hoher Belastung oder sehr schnellen Bewegungen ausführen, ehe die Muskulatur wieder komplett verheilt ist.

Wie man einen Muskelfaserriss verhindern kann

Muskelfaserriss vermeidenUm Verletzungen, wie einen Muskelfaserriss zu vermeiden, ist Aufwärmen vor dem Sport sehr wichtig. (Foto by: andresr / Depositphotos)

Ganz vermeiden lässt sich das Risiko eines Muskelfaserrisses natürlich nicht, allerdings kann man es durchaus mit einigen Maßnahmen deutlich reduzieren. Dazu gehören folgende Punkte:

  • Vor dem Sport sollte man sich sorgfältig und mit Geduld aufwärmen. Auf diese Weise kommt die Durchblutung in Schwung und der Muskel wird warm. Allein dies senkt das Risiko einer Verletzung und eines Muskelfaserrisses bereits drastisch.
  • Höhere Belastungen sollten - wenn möglich - am Anfang des Trainings durchgeführt werden. Ein Großteil der Muskelfaserrisse entsteht nämlich in der letzten Phase des Trainings, wenn man den Muskel schon stark belastet hat.
  • Intensives, langsames Dehnen ist ebenfalls sehr wichtig, um den Muskel auf die Bewegung vorzubereiten. Konzentrieren Sie sich hierbei vor allem auf die Bereiche, die Sie beim Sport besonders belasten werden.

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