Schluckauf: Ursachen, Arten und Tipps zur Behandlung

Wer an Schluckauf leidet, sorgt bei Umstehenden oft für Heiterkeit. Betroffene sehen das meist anders und möchten das Hicksen schnellstmöglich beenden. Dabei ist das Phänomen meist harmlos und nach kurzer Zeit vergessen. Doch wie entsteht der Schluckauf und was kann dahinterstecken, wenn er länger anhält oder immer wieder kommt?

SchluckaufSchluckauf ist meist harmlos, jedoch kann Schluckauf auch ein Hinweis auf eine Erkrankung sein. (Foto by: gstockstudio / Depositphotos)

Was ist Schluckauf?

Beim Schluckauf (Singultus) spielt das Zwerchfell eine wesentliche Rolle. Dieser Muskel liegt wie eine Matte zwischen Brust- und Bauchraum und trennt die beiden Bereiche voneinander.

Zusätzlich übernimmt das Zwerchfell eine wichtige Funktion bei der Atmung: Im entspannten Zustand wölbt es sich nach oben und verkleinert das Volumen im Brustraum. Dadurch wird ausgeatmet. Anschließend spannt es sich und nimmt eine flache Form an – das Lungenvolumen wird vergrößert und durch die geöffnete Stimmlippe strömt Luft ein.

Schluckauf entsteht durch das plötzliche Zusammenziehen und Verhärten des Zwerchfells, vergleichbar mit einem kleinen Krampf. Spontan entsteht der Reflex zum Einatmen, doch zeitgleich mit dem ruckartigen Zusammenziehen des Zwerchfells wird die Stimmlippe verschlossen. Dadurch kann die Luft nicht einströmen, sondern prallt auf den geschlossenen Kehlkopfdeckel. So entsteht das typische Hicks-Geräusch. Zwar entspannt sich das Zwerchfell danach und es kann normal geatmet werden, doch oft folgen weitere kleine Krämpfe und das Hicksen geht weiter.

Ist Schluckauf gefährlich oder hat er einen Nutzen?

Ein Vorteil des Schluckaufs ist nicht bekannt. Allenfalls kann ihm ein indirekter Nutzen attestiert werden für den Fall, dass er auf eine zugrundeliegende Erkrankung hinweist. Das ist zwar selten, doch es gibt einige Störungen, die von Schluckauf begleitet werden.

Eine Gefahr geht vom Schluckauf selbst nicht aus, da das Zwerchfell zwischen den einzelnen Hicksern in den normalen Modus zurückkehrt.

Sehr lang anhaltende Phasen des Schluckaufs sind für Betroffene allerdings eine immense Belastung. Zudem ist gerade dieser chronische Schluckauf (ab 48 Stunden) oftmals Zeichen einer Krankheit und sollte medizinisch abgeklärt werden.

Hinweis auf einen Schlaganfall

Wichtig: Treten parallel zum Schluckauf Übelkeit, Schwindel, Seh- oder Sprachstörungen, Lähmungserscheinungen sowie Kopfschmerzen auf, so kann es sich um einen Schlaganfall handeln. Hier muss sofort ein Notarzt gerufen werden!

Schluckauf – Ursachen, Auslöser und Erkrankungen

Vom Hirnstamm aus in Richtung Bauchraum verlaufen zwei Nerven: Der Zwerchfell-Nerv und der Verdauungs-Nerv (Nervus phrenicus, Nervus vagus). Eine Reizung dieser Nerven kann Schluckauf hervorrufen. Entsprechend vielfältig sind die Auslöser.

Harmlose Ursachen

  • hastiges Essen
  • scharfe Speisen (wie zum Beispiel Ingwer oder Chili)
  • extrem heiße oder kalte Mahlzeiten
  • Getränke mit Kohlensäure (zum Beispiel Cola, Mineralwasser, etc.)

Sogar beim Lachen oder Zähneputzen kann es zu Schluckauf kommen.

Ebenso kann das Husten bei einer Erkältung oder Grippe das Zwerchfell derart reizen, dass es mit Hicksen reagiert.

Rauchen und Alkohol

Nicht harmlos, doch ein häufiger Auslöser für Schluckauf sind Rauchen und zu viel Alkohol.

Gastritis und Reflux

Auch im Magenbereich sind die Ursachen oftmals zu finden: So kann das Entzündungsgeschehen bei einer Gastritis ebenso verantwortlich für Schluckauf sein wie der Reflux mit seinem häufigen sauren Aufstoßen. Hier kann sogar ein Zwerchfellbruch die Ursache für den Reflux selbst sein.

Weitere Ursachen

Doch auch andere Erkrankungen der Speiseröhre und des Kehlkopfs, eine Schilddrüsenerkrankung, Entzündungen der Leber, Lunge oder der Bauchspeicheldrüse, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus sowie Nierenversagen oder Herzinfarkt und Schlaganfall können Schluckauf auslösen. Weitere Verursacher können auch Hirnödeme, eine Hirnhautentzündung (Meningitis) oder Multiple Sklerose (MS) sein.

Nach Operationen, nach einer Narkose oder Magenspiegelung

Auch nach Operationen an der Luftröhre oder durch die Narkose selbst kann Schluckauf auftreten, da hierzu ein Schlauch in den Kehlkopf eingeführt wird. Das kann ebenso zu Reizungen des Zwerchfell-Nervs mit nachfolgendem Schluckauf führen wie eine Magenspiegelung.

Tumore

Gut- oder bösartige Tumore können eine Reaktion des Zwerchfells auslösen, selbst wenn sie sich nicht in direkter Nähe befinden. Das gilt für Wucherungen im Kopfbereich, die sich störend auf die Ursprünge des Nervus vagus oder Nervus phrenicus auswirken – oder aber auf andere Nerven einwirken, die mit einem der beiden in Verbindung stehen.

Wucherungen im Brust- oder Bauchraum in unmittelbarer Nähe des Zwerchfells wirken sich ganz direkt auf dessen Funktion aus. In Frage kommen Tumore im Magen, Lungenkrebs und Prostatakrebs. Auch vergrößerte Lymphknoten im Brust-Bauch-Bereich können den Nervus phrenicus bis hin zum Schluckauf reizen.

Medikamente

Zudem können verschiedene Medikamente für das Hicksen verantwortlich sein. Dazu zählen Chemotherapeutika, Anti-Epileptika, Narkose- und bestimmte Schlaf- und Beruhigungsmittel (vor allem aus der Gruppe der Benzodiazepime), Mittel gegen Psychosen (Neuroleptika) sowie Medikamente gegen Parkinson, Kortisonpräparate und andere Mittel gegen Entzündungen.

Psychische Ursachen

Doch nicht nur körperliche Ursachen lösen das Hicksen aus: Auch ein Schreck, Aufregung oder Stress können das Zwerchfell kurzfristig erschüttern.

Schluckauf im Schlaf

Tritt der Schluckauf im Schlaf auf, so ist das ein Indiz dafür, dass es sich nicht um einen Singultus mit psychischem Hintergrund handelt. Schluckauf während der Nachtruhe ist ein deutliches Zeichen dafür, dass ihm eine organische Ursache zugrundeliegt. Daher sollte in solchen Fällen ein Arzt aufgesucht werden – insbesondere dann, wenn der Schluckauf öfter nachts auftritt.

Symptome bei Schluckauf

Das Hicksen ist ein sehr charakteristischer Vorgang, der wohl jedem bekannt ist, zumeist sogar aus eigener Erfahrung. Das Geräusch ist stets typisch und geht mit einer leichten Anhebung des Oberkörpers einher. Die Vielfalt der möglichen Ursachen und Auslöser für Schluckauf zeigt, dass es sich bei dem Phänomen sowohl um das Symptom einer Grunderkrankung handeln kann als auch um eine direkte Reaktion auf einen Umstand ohne krankhaften Hintergrund.

Chronischer und akuter Schluckauf

Akuter Schluckauf

Akuter Schluckauf hört meist von allein nach wenigen Minuten auf. Hier handelt es sich in den allermeisten Fällen um harmlose Episoden, insbesondere wenn sie nur selten auftreten und die Ursache denkbar ist, etwa ein voller Magen, rasches Essen oder intensives Husten.

Treten bei akutem Schluckauf die bereits erwähnten Begleitsymptome wie Lähmungserscheinungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Sprach- und Sehstörungen auf, kann ein Schlaganfall vorliegen, der sofortige ärztliche Hilfe benötigt.

Chronischer Schluckauf

Von chronischem Schluckauf spricht man ab einer Dauer von 48 Stunden sowie bei häufig wiederkehrendem Singultus.

Dieser sogenannte idiopathische Schluckauf benötigt medizinische Abklärung. Zwar kann nicht immer eine Ursache festgestellt werden, doch oft sind Erkrankungen des Verdauungsapparats und Stoffwechsels, hormonelle und nervliche Störungen sowie Wucherungen verantwortlich.

Allerdings tritt bei diesen Erkrankungen Schluckauf nahezu ausnahmslos als Nebensymptom auf – die Leitsymptome des jeweiligen Krankheitsbilds sind zusätzlich vorhanden.

Schluckauf in der Schwangerschaft

Mit zunehmender Größe drückt der Embryo gegen das Zwerchfell und stellt einen Auslöser für Schluckauf dar. Vor allem gegen Ende der Schwangerschaft wird der Magen deutlich eingeengt und der Zwerchfell-Nerv gereizt. Das ist zwar unangenehm, aber generell harmlos.

Schluckauf beim Ungeborenen

Schluckauf in der Schwangerschaft betrifft nicht nur die werdende Mutter, sondern auch das Ungeborene: Bereits im Mutterleib gibt es Hickser von sich – deutlich zu spüren an regelrechten Erschütterungen der mütterlichen Bauchdecke. Auch der embryonale Schluckauf ist ungefährlich. Das Heben und Senken des Zwerchfells dient der Stärkung dieser Muskulatur und stellt eine vorbereitende Übung auf das spätere Atmen dar. Erstmal tritt der Schluckauf ca. in der 25. Schwangerschaftswoche auf und kann bis zur Geburt immer mal wieder auftreten.

Schluckauf bei Babys und Kindern

Bei Babys

Bei Säuglingen kann ein sporadisches oder sogar recht häufiges Hicksen beobachtet werden. Die Ursache dafür ist nicht geklärt, doch es besteht die Vermutung, dass dadurch die Luft im Bauch reduziert werden soll, um mehr Milch aufnehmen zu können. Solange der Schluckauf nicht im Übermaß auftritt, ist er kein Grund zur Beunruhigung.

Hilfreich kann es sein, den Säugling auf die eigene Schulter zu legen. So kann er aufstoßen und überflüssige Gase entweichen. Ebenfalls einen Versuch ist es wert, dem Baby leicht ins Gesicht zu pusten. Oft ändert sich dadurch die Atemfrequenz und das Zwerchfell entspannt sich.

Bei Kindern

Vorwiegend harmlos ist Schluckauf auch bei älteren Kindern. Meist ist er akut und ein Resultat hastigen Essens oder zu kalter Getränke. Oft ist auch Aufregung als psychische Ursache im Spiel. Wie bei Erwachsenen sollte der Schluckauf jedoch abgeklärt werden, sobald er gehäuft oder in sehr langen Episoden auftritt – oder wenn zusätzliche Beschwerden auftreten.

Therapie, Behandlung und Tipps bei akutem und chronischem Schluckauf

Behandlung und Tipps bei akutem Schluckauf

Es gibt eine ganze Reihe von Empfehlungen, die akuten Schluckauf beenden sollen. Die meisten davon zielen darauf ab, die betroffene Person von dem Schluckauf abzulenken und damit die Zwerchfell-Funktion zu normalisieren. Dennoch oder gerade deshalb sind sie einen Versuch wert.

Bekannte Tipps:

  • Gurgeln mit Wasser oder ein Glas kaltes Wasser rasch trinken
  • Puren Zitronensaft oder Essig auf einem Löffel mit Zucker im Mund zergehen lassen
  • Die Luft anhalten
  • Nasenlöcher zuhalten und dagegen atmen (Vasalva-Technik)
  • An etwas Witziges denken
  • Denksport: an drei Männer mit Glatz denken
  • Hand auflegen: Die flache Hand auf den Bauch oberhalb des Nabels auflegen und sanft dagegendrücken
  • Bis 50 zählen
  • Sich einen Schreck einjagen lassen
  • Die Zunge herausstrecken

Behandlung bei chronischem Schluckauf

Beim chronischen Schluckauf ist die Behandlung von der Grunderkrankung abhängig. Deren Therapie hat erste Priorität. Ob homöopathische Mittel wie Globuli oder Akupressur angewendet werden, sollte von Fall zu Fall entschieden werden.

Das gilt auch für den Einsatz von Haldol, einem Präparat aus der Gruppe der Neuroleptika, das insbesondere bei Vorliegen einer psychischen Ursache von Schluckauf in Frage kommt.

Was hilft, wenn der Schluckauf nicht verschwindet?

Arztbesuch bei chronischem SchluckaufDie Ursache für chronischen Schluckauf (ab 48 Stunden) sollte von einem Arzt abgeklärt werden. (Foto by: alexraths / Depositphotos)

Wenn Schluckauf nicht von selbst verschwindet oder öfter als gewohnt auftaucht, ist es Zeit für einen Arztbesuch. Das gilt auch, wenn sich weitere Symptome wie Sodbrennen oder Übelkeit einstellen.

Auch Beschwerden, die zunächst nicht mit dem Schluckauf in Verbindung gebracht werden, sollten ärztlich abgeklärt werden. Das können Bauch- oder andere Schmerzen sein, häufige Müdigkeit und Erschöpfung oder ein unerklärlicher Gewichtsverlust.

Prävention von Schluckauf

Schluckauf kann nur in den Fällen vorgebeugt werden, in denen er durch eigenes Verhalten ausgelöst wurde. Das ist bei schnellem oder übermäßigem Essen der Fall, beim Verzehr sehr kalter oder heißer Speisen sowie kohlensäurehaltiger Getränke und beim Genuss von Alkohol und Zigaretten. Wer diese Dinge vermeidet, wird eher selten von Schluckauf beeinträchtigt. Zusätzlich kann eine gesunde, ausgewogene und entspannte Lebensweise Erkrankungen in gewissem Maß verhindern und die psychische Stabilität fördern.

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