Offenes Bein (Ulcus cruris)

Ein offenes Bein ist eine entzündete und schlecht heilende Wunde am Unterschenkel, welche großteils durch eine Venenklappeninsuffizienz ausgelöst wird. Mit der richtigen Therapie heilt die Wunde meist innerhalb weniger Monate ab.

Offenes BeinEin offenes Bein ist eine entzündete und schlecht heilende Wunde am Unterschenkel. (Foto by: Vonschonertagen / Depositphotos)

Bei Ulcus cruris, auch offenes Bein oder Unterschenkelgeschwür genannt, handelt es sich um eine oft schmerzende und entzündete Wunde am Unterschenkel, welche nur schwer abheilt. Meist ist das distale Ende des Unterschenkels betroffen.

Das offene Bein geht mit einem dramatischen Verlust von Gewebe einher und betrifft nicht nur die Oberhaut, sondern reicht zumindest bis zur Lederhaut, in schweren Fällen ist auch die Unterhaut von der Entzündung betroffen. Grundsätzlich wird zwischen Ulcus cruris venosum und Ulcus cruris arteriosum unterschieden.

Offene Beine venösen Ursprungs entstehen, wenn die Venenklappen in den Beinen nicht richtig arbeiten.

Bei dem selteneren Ulcus cruris arteriosum ist eine Verkalkung der Arterien in den Beinen für die Erkrankung verantwortlich.

Frauen sind häufiger von dieser Erkrankung betroffen als Männer. Junge Menschen erkranken nur selten an Ulcus cruris, in den meisten Fällen sind alte Menschen betroffen. Da ältere Menschen häufig an mehreren Krankheiten gleichzeitig leiden, heilen Wunden auch aufgrund dieser Multimorbidität nur schlecht ab. Ist das offene Bein nach einem Jahr und trotz adäquater Therapie noch nicht abgeheilt, wird es als therapieresistent eingestuft.

Ursachen für ein offenes Bein

Venöses Beingeschwür

In etwa 80% der Fälle liegt ein venöses Beingeschwür vor. Das Ulcus cruris venosum entsteht, wenn die Klappen an den Veneninnenseiten nicht mehr richtig schließen und das Blut, welches zurück zum Herz transportiert werden soll, sich teilweise in den Beinen anstaut. Gewebe stirbt ab bzw. kann nicht mit ausreichend Nährstoffen versorgt werden, weil der Blutfluss in den Beinen teilweise stark verlangsamt ist. Erfolgt dann in diesem Zustand eine kleine Verletzung, hat das Gewebe nicht genügend Ressourcen, um die Wunde rasch abheilen zu lassen und es entsteht ein offenes Bein.

Arterielles Beingeschwür

Das arterielle Beingeschwür hat seine Ursache in einer Verkalkung der Beinarterien. Durch die Verkalkung kommt es zu keiner ausreichenden Blutversorgung des Gewebes, welches dadurch stark geschädigt wird.

Störung des Blutstroms

Offene Beine haben ihre Ursache meist in einer Störung des Blutstroms in den Beinen, wodurch bereits kleine Verletzungen zu großen Schäden führen können, da sie kaum abheilen und eine Entzündungsreaktion verursachen.

Risikofaktoren

Besonders häufig treten offene Beine bei Diabetikern auf, man spricht dann von einem diabetischen Beingeschwür. Neben einer Diabeteserkrankung gibt es noch weitere Risikofaktoren, welche die Entstehung eines offenen Beins begünstigen:

  • Dazu gehören zum Beispiel Beinverletzungen wie Brüche, Thrombosen, Bluthochdruck oder Venenentzündungen.
  • Auch Übergewicht und Bewegungsmangel können zur Entstehung von Ulcus cruris beitragen.

Symptome eines offenen Beines

Je nachdem, ob eine Venenklappeninsuffizienz oder eine Arterienverkalkung die Hauptursache für ein offenes Bein ist, leiden Betroffene unter verschiedenen Symptomen.

Ödembildung

Bei einem venösen Beingeschwür kommt es zur Ödembildung, es lagert sich also Flüssigkeit im Gewebe ab. Dadurch ist das betroffene Bein geschwollen. Teilweise bilden sich rot-braunen Verfärbungen auf der Haut, es handelt sich dabei um Stauungsflecken.

Juckender Hautausschlag

Aufgrund des Nährstoffmangels trocknet die Haut aus und es kommt zur Bildung eines Stauungsekzems, also eines juckenden Hautausschlags, der aufgrund einer Durchblutungsstörung entsteht.

Nässende Wunden

Ulcus cruris venosum geht typischerweise mit stark nässenden Wunden einher, die in der Regel jedoch keine Schmerzen bereiten. Arterielle Beingeschwüre betreffen großteils die Füße, welche wegen der mangelnden Blutversorgung auskühlen.

Zyanose

Nicht selten kommt es zu einer Zyanose, also einer leichten Blaufärbung des Gewebes aufgrund von Sauerstoffmangel, da das Gewebe durch die Durchblutungsstörung nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Ein Ulcus cruris arteriosum führt meist zu starken Schmerzen, welche vor allem in der Nacht bzw. während Ruhephasen auftreten.

Durch die Hochlagerung der Beine beim Liegen wird die Blutversorgung der Beine zusätzlich erschwert. Im Rahmen eines Ulcus cruris arteriosum tritt häufig die so genannte Schaufensterkrankheit auf. Dabei leiden Betroffene unter Wadenkrämpfen beim Gehen, welche sich schlagartig bessern, wenn sie kurz stehen bleiben, etwa um sich ein Schaufenster anzusehen.

Untersuchungen und Diagnose

Die Diagnosestellung eines offenen Beins erfolgt hauptsächlich durch eine Anamneseerhebung und eine körperliche Untersuchung. Der behandelnde Arzt muss jedoch nicht nur die Diagnose stellen, sondern auch die genaue Ursache für das Ulcus cruris herausfinden. Um eine Diagnose zu stellen, führt der Arzt zuerst ein Patientengespräch, um die genauen Beschwerden und vor allem die Krankengeschichte des Patienten zu ermitteln.

Dabei fragt er besonders nach Leiden wie Krampfadern, Diabetes oder Bluthochdruck. Danach erfolgt eine Inaugenscheinnahme des Geschwürs. Meist reicht dies aus, um eine gesicherte Diagnose zu stellen, da ein offenes Bein von einem erfahrenen Arzt leicht als solches erkannt wird. Abhängig von den genauen Symptomen und der Lokalisation des Geschwürs kann der Arzt feststellen, ob ein arteriell oder venös bedingtes Ulcus cruris vorliegt.

Dopplersonografie zur Diagnose

Um ein offenes Bein zu diagnostizieren, können auch bildgebende Verfahren angewandt werden. Meist wird bei Verdacht auf Ulcus cruris eine Dopplersonografie durchgeführt. Dabei handelt es sich um eine Ultraschalluntersuchung, mit welcher Venen und Arterien bildlich dargestellt werden können.

Phlebografie, Angiografie

Weiters kann eine Phlebografie oder eine Angiografie durchgeführt werden, also eine Kontrastmitteluntersuchung von Venen oder Arterien.

Gewebeprobe

Da offene Beine meist entzündet sind, kann eine Probenentnahme des Gewebes sinnvoll sein, da so der für die Entzündung verantwortliche Krankheitserreger bestimmt und eine gezielte Antibiotikatherapie begonnen werden kann.

Bluttest

Um systemische Grunderkrankungen wie Diabetes auszuschließen, kann zusätzlich noch ein Bluttest durchgeführt werden.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Behandlung offenes BeinZur Behandlung von einem offenen Bein gibt es verschiedene Möglichkeiten. (Foto by: alexraths / Depositphotos)

Madentherapie

Um offene Beine behandeln zu können, muss die Wunde zuerst gründlich gereinigt werden. Diese Reinigung kann nach einem neuen Therapieansatz erfolgen, bei dem Fliegenmaden auf das betroffene Gewebe gegeben werden. Die Fliegenmaden ernähren sich ausschließlich von totem Gewebe, so wird das abgestorbene Gewebe vollständig entfernt, während dem gesunden Teil des Gewebes kein Schaden zugefügt wird.

Ausschabung des abgestorbenen Gewebes

Abgestorbenes Gewebe kann auch durch eine Ausschabung entfernt werden. Danach wird ein spezieller Wundverband angelegt.

Stützstrümpfe

Handelt es sich um ein venöses Beingeschwür, kann mit Kompressionen in Form von Stützstrümpfen gearbeitet werden.

Behandlung mit Antibiotika

Ist das offene Bein stark entzündet, müssen Betroffene über längere Zeit hinweg Antibiotika einnehmen.

Hausmittel

Bei weniger schweren Verläufen helfen auch kleine Tricks und Hausmittel, um offene Beine zu behandeln:

  • Sezielle Umschläge, die in einen Ringelblütenextrakt getaucht werden, auflegen.
  • Bei einem venösen Beingeschwür schafft die Hochlagerung des Beins meist Abhilfe.
  • Ein wichtiger Teil der Behandlung eines offenen Beins ist auch die Bewegungstherapie.

Prävention und was ich selbst tun kann

Um ein offenes Bein vorzubeugen, gilt es hauptsächlich die Risikofaktoren auszuschalten bzw. zu minimieren.

  • So sollte auf das Rauchen weitestgehend verzichtet werden, da dadurch die Arterien verkalken und sich arterielle Beingeschwüre entwickeln können.
  • Auch hoher Blutdruck ist ein Risikofaktor für ein arteriell bedingtes offenes Bein und sollte bereits im Anfangsstadium behandelt werden.
  • Menschen, die unter Krampfadern oder einer Venenklappeninsuffizienz leiden, können Kompressionsstrümpfe tragen, um der Blutstauung entgegen zu wirken.
  • Bei an Diabetes mellitus Erkrankten ist es empfehlenswert bereits bei kleinen Wunden einen Arzt aufzusuchen und die Wunde professionell versorgen zu lassen, da sich aufgrund der schlechten Durchblutung der Beine rascher ein offenes Bein bildet.
  • Um Ulcus cruris vorzubeugen hilft es auch Übergewicht zu reduzieren und auf ausreichend Bewegung zu achten. Regelmäßige Bewegung ist deshalb so wichtig, um offene Beine vorzubeugen, weil dadurch die Beinmuskulatur angespannt wird und so die Venen zusammengepresst werden, wodurch das Blut zum Herz transportiert wird. Menschen mit sitzender Tätigkeit sollten daher darauf achten während des Tages immer wieder kleine Bewegungspausen einzulegen.


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