Blutegeltherapie

Bei der Blutegelbehandlung handelt es sich um ein sogenanntes ausleitendes Verfahren, wobei Blutegel an die dafür bestimmte Stelle aufgesetzt werden und es zu einem kleinen Aderlass kommt. Eingesetzt wird die Blutegeltherapie gegenwärtig unter anderem in der plastischen Chirurgie, beispielsweise bei Transplantationen von Ohren oder Fingern.

BlutegeltherapieBei der Blutegeltherapie saugen Blutegel Blut aus der Haut. (Foto by: Rustamirr / Depositphotos)

Bei der Blutegeltherapie werden Blutegel, Hirudo medicalinis, an bestimmten Stellen angelegt, wo sie Blut aus der Haut saugen. Das Tier schwillt dadurch deutlich an und fällt in der Regel satt von selbst ab.

Schon im alten Babylon wurden Blutegel zum Blutschröpfen verwendet. In der heutigen Zeit werden sie in der konventionellen Medizin noch in der plastischen Chirurgie eingesetzt. Insbesondere bei Transplantationen von Zehen, Fingern, Haut oder Ohren wird die Blutegeltherapie angewendet, um mit den in ihrem Speichel enthaltenen Wirkstoffen die Wundheilung zu fördern.

Die gerinnungshemmende, gefäßerweiternde bzw. entkrampfende Wirkung des Egelspeichels sorgt für einen venösen Abfluss des angestauten Blutes nach der OP.

Wenn die Blutegel saugen, tut das nicht weh, denn sie sondern eine schmerzlindernde Substanz ab. Dann geben sie beim Saugen pharmakologisch wirksame Substanzen in den Körper des Menschen ab, durch eine gerinnungshemmende Substanz, das Hirudin, können sie das Blut leichter saugen. Hirudin ist ein mittlerweile gut erforschter Gerinnungshemmer, welcher gegenwärtig auch künstlich hergestellt werden kann und in der Schulmedizin häufig eben wegen dieser Eigenschaft eingesetzt wird.

In der Alternativmedizin kommt die Blutegeltherapie bei mehreren Erkrankungen zu Einsatz. Manche Therapeuten sind der Ansicht, dass die Egeltherapie Gifte aus dem Körper entfernen kann, wohingegen andere die Blutegeltherapie zum Behandeln von schmerzhaften, lokalen Erkrankungen wie Arthrose anwenden.

Wirksamkeit, Anwendung und Nebenwirkungen

Eine Studie einer deutschen Forschungsgruppe hat ergeben, dass das Ansetzen mehrerer Blutegel auf einem Knie Schmerzen bei Arthrose positiv wirkt, es kam zu einer deutlichen Schmerzlinderung der Patienten. Andere Bestätigungen hinsichtlich alternativmedizinischer Heilerfolge liegen nur begrenzt vor.

Nur erfahrene Therapeuten sollten eine Blutegeltherapie durchführen. Vor der Behandlung sollte der Patient zwei Tage keine Cremes oder Salben auf die zu behandelnde Stelle auftragen. Die Blutegel werden in der Regel rund zwei Stunden vor Beginn der Behandlung in kaltes, destilliertes (abgekochtes) Wasser gelegt. Wie viele Blutegel bei einer Behandlung angesetzt werden, hängt von mehreren Faktoren wie Gewicht, Alter oder Größe des Patienten oder der Erkrankung sowie der Größe der zur Verfügung stehenden Tiere ab. Beispiel: bei einem an sich gesunden Erwachsenen, normalgewichtig, der keine Medikamente einnimmt benötigt der Therapeut 10 Blutegel.

Blutegel für medizinische ZweckeBlutegel sorgen für eine verbesserte Wundheilung. (Foto by: averyanova / Depositphotos)

Die Tiere werden dann an die gewünschte Stelle aufgebracht. Damit sie auch zubeißen, kann ein wenig nachgeholfen werden, beispielsweise mit Butter auf der Haut oder leichtem Anritzen derselben. Blutegel saugen rund eine halbe Stunde, dann sind sie sozusagen satt und fallen ab.

Ein Blutegel sollte nicht künstlich beim Saugen unterbrochen werden, auch rauchen während der Therapie wirkt störend. Sollte er nicht abfallen, darf keinesfalls mit Salz oder Ähnlichem nachgeholfen werden, denn das Tier könnte sich erbrechen und damit eine Infektion auslösen.

Die Nachblutung sollte nicht unterbunden werden, diese dauert rund 12 Stunden an. Die Wunden sollte der Therapeut in den darauffolgenden Tagen kontrollieren, das Vermeiden körperlicher Anstrengung nach der Behandlung ist sinnvoll.

Nebenwirkungen

Folgende Nebenwirkungen sind möglich:

  • Blutergüsse
  • Schwellungen an den Bissstellen
  • Juckreiz 
  • Es darf nicht gekratzt werden, das könnte eine Wundinfektion auslösen.
  •  niedriger Blutdruck
  • Kreislaufschwäche

Manche Patienten empfinden die Blutegeltherapie allerdings aus Gründen der ästhetischen Aspekte oder weil die Tiere nach der Behandlung zumeist getötet werden unbehaglich. Blutegel dürfen nur einmal zur Behandlung verwendet werden, sie werden speziell kontrolliert gezüchtet. Der Blutegel kann durch das Saugen einige Erreger in sich tragen, wie Bakterien oder Protozonen.

Fazit

Die Blutegeltherapie hat ein lange Tradition und medizinische Geschichte.

Belegte Hinweise zur Wirkung gibt es im Bereich Kniearthrose-Schmerzbehandlung.

Eingesetzt werden Blutegel in der plastischen Chirurgie zur verbesserten Wundheilung. Weitere belege, für eine Wirksamkeit in der Alternativmedizin gibt es nicht.


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