Muskelschwund

Der progressive Muskelschwund oder die Dystrophie ist eine Erkrankung, die einerseits vererbt wird und die andererseits häufig bei älteren Menschen auftritt. Man unterscheidet zwei Haupttypen, nämlich den Typ Duchenne und den Typ Becker-Kiener.

MuskelschwundMuskelschwund kann entweder vererbt sein oder mit zunehmendem Alter auftreten. (Foto by: vadimphoto1@gmail.com / Depositphotos)

Muskelschwund bedeutet eine fortschreitende, nicht aufhaltbare, Degeneration der Muskeln des Körpers. Der progressive Muskelschwund tritt einerseits in Folge eines Gendefektes auf und ist eine Erbkrankheit. Aber auch mit zunehmendem Alter erkranken viele Menschen an dieser gesundheitlichen Störung, die erblich gar nicht vorbelastet sind.

Die progressive Muskeldystrophie, auch Muskelschwund genannt, tritt bei einem vorliegenden Gendefekt in den betroffenen Familien gehäuft auf. Es gibt so viele verschiedene Formen von Muskelschwund, dass man eigentlich gar nicht von "der" Krankheit sprechen kann.

Genau wie beim Rheumatischen Formenkreis müsste man auch hier eigentlich von einer Reihe von verschiedenen Erkrankungen sprechen. Denn auch der Verlauf der Krankheit ist sehr unterschiedlich. Während schwere Formen so gut wie gar nicht zu therapieren sind, kann man bei leichteren Formen sowohl durch körperliche, wie auch medikamentöse Maßnahmen den Verlauf verzögern.

Ursachen von Muskelschwund

Gendefekt als Ursache

Die fast siebenhundert verschiedenen Formen des Muskelschwunds haben natürlich fast genauso viele verschiedene Ursachen. Die Hauptursache liegt im Bereich der Gendefekte, wobei im Genprogramm Fehler vorliegen. Nur ein einziger kleiner Fehler in den Geninformationen reicht schon, um die Krankheit Muskelschwund auszulösen. Dann ist der Stoffwechsel in den Muskelzellen gestört und diese können sich nicht richtig entwickeln. Das heißt, dass bereits viele Kinder mit der Anlage zum Muskelschwund geboren werden.

Weitere Ursachen

Aber nicht nur Gendefekte, sondern auch viele andere Ursachen wie Fehlbildungen des kindlichen Gehirns können die progressive Muskeldystrophie verursachen. Aber nicht nur Neugeborene sind von der Krankheit betroffen, sondern immer öfter auch ältere und alte Menschen. Dabei handelt es sich zunächst um einen sehr natürlichen Vorgang.

Schon ab dem fünfzigsten Lebensjahr nimmt die Muskelmasse infolge der Alterung des Körpers ab. Mit zunehmendem Alter verläuft dieser Muskelabbau immer schneller, wenn nicht etwas dagegen getan wird. Zu dem natürlichen Alterungs- und Abbauprozess kommt die Tatsache, dass sich ältere Menschen nicht mehr so viel bewegen.

Symptome von Muskelschwund

Symptome bei Neugebornenen

Schon viele mit der Krankheit auf die Welt gekommene Neugeborene zeigen erste Symptome der Krankheit. Bei einigen Erkrankungen aus dem Formenkreis des Muskelschwunds nimmt der Säugling eine sehr ungewöhnliche Haltung ein. Er hält die Ellbogen- und Kniegelenke gebeugt und kann auch seinen Kopf nicht selbstständig aufrecht halten. Auch das Trink- und Essverhalten kann auf die Erkrankung hinweisen. Missbildungen und Fehlbildungen können ebenfalls bereits zum Zeitpunkt der Geburt vorliegen.

Symptome bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen

Bricht die Krankheit in der Kindheit, der Jugend oder auch im Erwachsenenalter aus, dann sieht man dies augenscheinlich an der Abnahme der Muskelmasse. Bei Säuglingen und Kleinkindern kann bereits die Motorik gestört sein, obwohl man dem Kind zunächst gar nichts ansieht. Erst wenn sich herausstellt, dass das Kind nur schwer krabbeln und laufen lernt, werden die Eltern und die Kinderärzte darauf aufmerksam.

Symptome bei älteren Menschen

Bei älteren Menschen ist es nicht nur die sichtbare Abnahme der Muskelmasse, sondern es sind auch die degenerativen Veränderungen am Skelett, die augenscheinlich auffallen. Der langsame, gebeugte Gang ist eines der Anzeichen für das Vorliegen von Muskelschwund und Osteoporose.

Untersuchungen und Diagnose

Die Untersuchungen zur Manifestierung der Krankheit Muskelschwund sind vielfältig:

  • Einerseits wird der Arzt oder Kinderarzt zunächst den Körper des Patienten betrachten. Er wird die Reflexe und die Motorik des Körpers, die Haltung, das Beugen und Strecken von Gelenken sowie die Muskeln selbst in Augenschein nehmen.
  • Er wird auch spezielle Muskeltests durchführen, um deren Beschaffenheit zu überprüfen.
  • Dann wird er Blutuntersuchungen anordnen, um die bereits gefundenen körperlichen Auffälligkeiten klassifizieren und eine Diagnose stellen zu können. Ein sehr wichtiger Blutwert ist dabei der sogenannte Creatin-Kinase Wert, auch kurz CK-Wert genannt. Es handelt sich dabei um eine Gruppe von Enzymen, die für die Muskelbildung und Versorgung sehr wichtig sind. Ist dieser Wert erhöht, dann kann eine der Formen des Muskelschwunds vorliegen. Allerdings ist dieser Wert auch bei Herzpatienten erhöht und bei Spitzensportlern steigt er vorübergehend an. Weitere, spezielle Blutuntersuchungen geben Aufschluss über das Vorliegen eines Gendefekts oder einer Hirnbeteiligung.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Behandlung MuskelschwundKrankengymnastik und Therapien helfen, bereits aufgetretenen Muskelschwund etwas aufzuhalten. (Foto by: Wavebreakmedia / Depositphotos)

Krankengymnastik und motorische Therapien helfen, bereits aufgetretenen Muskelschwund etwas aufzuhalten. Für die erblichen Formen gibt es momentan keine Behandlungsmöglichkeiten, die eine Heilung bringen können. Der Verlauf und dessen Schwere kann allerdings sowohl durch körperliche Maßnahmen, wie auch durch geeignete Medikamente mit Kreatin eventuell gemildert und verzögert werden.

Ein besonderes Problem ist die zunehmende Abnahme der Lungenfunktion und der Gehfähigkeit sowie die Erschlaffung und der Abbau des Herzmuskels, was zum Tode führt. Früher oder später landen die Patienten im Rollstuhl. Die Lebenserwartung ist bei Patienten mit angeborenem Muskelschwund in jedem Fall weit niedriger als bei der Durchschnittsbevölkerung.

Bei älteren Menschen, die an degenerativen Formen des Muskelschwunds leiden, ist ebenfalls Bewegung gefragt. Denn das Hauptproblem bei älteren Menschen ist der Teufelskreis aus Krankheit, Bettlägerigkeit, Unsicherheit und Angst, sich alleine auf der Staße zu bewegen. Mit gezielten Maßnahmen kann der altersbedingte Muskelschwund aber aufgehalten und therapiert werden.

Bei den Hausmitteln zur Bekämpfung des Muskelschwunds wäre Hildegard von Bingens und Maria Trebens Kraut Beinwell zu nennen. Abreibungen mit Kräuteressenzen, die mit Alkohol versetzt sind, regen die Muskulatur an.

Prävention und was ich selbst tun kann

Ererbte Form des Muskelschwunds

Für die ererbten Formen des Muskelschwunds gibt es noch keine Heilung. Folgende Tätigkeiten können jedoch helfen den Abbau der Muskulatur zu verzögern:

  • regelmäßige Kuren
  • Wassergymnastik
  • Krankengymnastik
  • die Progressive Muskelentspannung
  • Feldenkrais-Übungen
  • Medikamente mit Kreatin helfen zusätzlich dabei.

Eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung und die ausreichende Versorgung mit Flüssigkeit verstehen sich dabei von selbst. Auch mit Patienten, die bereits im Rollstuhl sitzen, müssen Bewegungsübungen regelmäßig durchgeführt werden, damit Lähmungs- und Versteifungsprozesse verzögert werden.

Alterbedingter Muskelschwund

Gegen den altersbedingten Abbau von Muskulatur kann man selbst eine Menge tun:

  • Sportlich tätig sein: Sportarten wie Laufen, Nordic Walking, Fahrrad fahren und Schwimmen kosten nicht viel und helfen, die Muskulatur zu erhalten. Dabei ist es wichtig, regelmäßig und kontinuierlich zu trainieren. Es ist völlig unsinnig, dabei Höchstleistungen zu erzielen und Rekorde aufstellen zu wollen.
  • Nikotin und Alkohol schaden nicht nur den Organen, der Durchblutung und dem Gehirn, sondern sie wirken sich auch negativ auf die gesunde Muskulatur aus.
  • Wer alte Menschen pflegt, betreut und versorgt, sollte auch als Laie darauf achten, dass diese sich immer wieder bewegen.


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