Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps)

Rückenleiden sind die österreichische Volkskrankheit Nummer 1. Statistisch gesehen, sind zwei von drei Österreichern mindestens einmal im Leben - auf Grund starker Rückenschmerzen - in ärztlicher Behandlung. Nicht immer muss es ein Bandscheibenvorfall sein; mitunter sind aber die ersten Schmerzen und Probleme Anzeichen, dass, wenn der Betroffene nicht seine Haltung oder seine Bewegungsabläufe ändert, demnächst einen Bandscheibenvorfall erleiden wird.

BandscheibenDie Bandscheiben wirken sozusagen wie Stoßdämpfer in unserem Körper. (Foto by: Wavebreakmedia / Depositphotos)

Warum machen die Bandscheiben Probleme?

Hätte der Mensch keine 23 Bandscheiben, hätte er keine flexible, sondern eine steife Wirbelsäule. Es sind die kleinen elastischen Scheiben, die als sogenannter Puffer zwischen den Wirbeln liegen und für die Flexibilität der Wirbelsäule sorgen.

Die Scheiben bestehen aus einem Gallertkern, der von einem Faserring umschlossen ist und so zusammengehalten werden kann. Die Scheiben sind eine Art Stoßdämpfer, saugen während der Nachtrunde die Flüssigkeit sowie auch Nährstoffe aus der Gewebsflüssigkeit auf und füllen sich wie Schwämme.

Die tägliche Belastung sorgt dafür, dass die Stoßdämpfer belastet und die Nährstoffe wieder abgegeben werden können.

Doch mit dem Alter verlieren die Bandscheiben natürlich die Fähigkeit der Regeneration, nützen sich ab und verlieren ihre Eigenschaft als Stoßdämpfer. Auch der Faserring, der den Gallertkern umgibt, wird porös und bildet in weiterer Folge Risse. Die Flüssigkeit, die während der Nachtruhe gesammelt wurde, tritt unkontrolliert aus, verbreitet sich im umliegenden Gewebe und die Stoßdämpferwirkung ist verschwunden. Auch kann der Gallertkern verrutschen und für starke Schmerzen sorgen. Tritt dieses Szenario ein, spricht man von einem Bandscheibenvorfall.

Welche Symptome weisen auf einen Bandscheibenvorfall hin?

Bandscheibenvorfall SymptomeStarke Rücken- sowie Nackenschmerzen können auf einen Bandscheibenvorfall hinweisen. (Foto by: belchonok / Depositphotos)

Klassische Beschwerden und Symptome bei einem Bandscheibenvorfall sind plötzlich auftretende Rückenschmerzen sowie Nackenschmerzen, wobei die Schmerzen bis in das Bein (Innen- oder Außenseite) strahlen; selbst Husten, Niesen und Pressen können die Schmerzen verschlimmern.

Der Betroffene klagt in weiterer Folge über folgende Beschwerden:

  • Bewegungseinschränkungen
  • Lähmungserscheinungen
  • ein Kribbeln bzw. Reflexausfälle
  • Sensibilitätsstörungen

In wenigen Fällen können auch Probleme mit dem Harn oder Darm auftreten; mitunter besteht die Möglichkeit, auch Beeinträchtigungen in der Sexualfunktion zu bemerken.

Die Diagnose

Kontaktiert der Betroffene einen Mediziner, nimmt dieser zuerst die Krankengeschichte auf und führt in weiterer Folge eine körperliche Untersuchung durch, um einen Bandscheibenvorfall zu diagnostizieren.

Bildgebende Verfahren - wie etwa eine Magnetresonanztomografie - MRT - sind in wenigen Fällen notwendig. Vorwiegend werden derartige Verfahren bei akuten Anzeichen von möglichen Rückenmarksnerven-Reizungen oder bei Verdacht einer sehr ernsten bzw. gefährlichen Krankheit angeordnet.

Ist der Mediziner unsicher, ob es sich tatsächlich um einen Bandscheibenvorfall handelt, kann er mittels Myelographie (Myelo-CT) Gewissheit erlangen. Im Rahmen dieser Untersuchung wird dem Betroffenen ein Kontrastmittel in den Wirbelkanal injiziert. Die Schwere des Bandscheibenvorfalls kann mittels Computertomographie (CT) oder Beweglichkeitstests diagnostiziert werden. Röntgenaufnahmen sind nur bedingt hilfreich, da die Bandscheiben - im Rahmen der Röntgenuntersuchung - nicht sichtbar werden.

Behandlung und Therapie bei einem Bandscheibenvorfall

Nach Feststellung der Diagnose und Schweregrad des Bandscheibenvorfalls, entscheidet der Mediziner, welche Behandlung durchgeführt wird. In fast allen Fällen ordnet der Arzt eine konservative Therapie an.

Konservative Therapie

Dabei sollen mit Schmerzmitteln die Beschwerden gelindert bzw. durch Physiotherapie die Muskulatur und Wirbeln gestärkt werden. Wichtig ist, dass die Betroffenen beweglich und aktiv bleiben, anstatt sich permanent zu schonen bzw. Bettruhe einzuhalten.

Operation

Helfen die Maßnahmen der konservativen Therapie nicht, kann eine Operation angeraten werden. Jene ist aber nur in 10 Prozent aller Fälle tatsächlich erforderlich. Im Rahmen des Eingriffs wird das zerstörte Bandscheibengewebe entfernt. Wichtig ist, dass der Patient - nach dem Eingriff - mit spezieller Krankengymnastik seine Muskulatur stärkt.

Fakt ist: Die erfolgreiche Operation stellt am Ende nur ein Teil des Behandlungserfolgs dar. Nur wenn der Patient hart trainiert und aktiv bleibt, kann ein größerer Behandlungserfolg erzielt werden.

Prävention anstelle Therapie

Bandscheibenvorfall vermeidenWandern ist eine gute Möglichkeit, um einen Bandscheibenvorfall zu vermeiden. (Foto by: gpointstudio / Depositphotos)

Sport ist die klassische Prävention. Folgende Sportarten unterstützen den Rücken und sorgen dafür, dass mitunter Bandscheibenvorfälle verhindert werden:

Ein weiterer Tipp: Haltung bewahren. Vor allem "schlechtes" Sitzen kann dazu führen, dass der Rücken belastet wird. Wer immer wieder Probleme mit dem Rücken hat, sollte daher in regelmäßigen Abständen physiotherapeutische Maßnahmen wahrnehmen, damit etwaige schlimmere Beschwerden im Vorfeld verhindert werden können.


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