Logopädie

Ziel einer logopädischen Behandlung ist die Beseitigung oder Minderung von Sprachstörungen und die Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit.

Logopädie Ziel der Logopädie ist die Beseitigung bzw. Minderung von Sprachstörungen. (Foto by: imagepointfr / Depositphotos)

Schnell-Übersicht

  • Was ist Logopädie?
    Die Logopädie beschäftigt sich mit Menschen (auch Kindern und Säuglingen) die Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen aufweisen – die können sowohl organisch als auch funktionell bedingt sein.
  • Wie läuft eine logopädische Behandlung ab?
    Auf Basis der zuerst durchgeführten Diagnostik und Testergebnisse wird ein Therapiekonzept erstellt, dass unterschiedliche Behandlungsmethoden (z.B. Sprachübungen, Sprech-, Stimm- und Schlucktechniken, Atemübungen, usw.) beinhalten kann.
  • Was kostet eine logopädische Therapie?
    Die Therapie wird von einem Arzt (Hausarzt, Internisten, Neurologen, Hals-Nasen-Ohren-Arzt) verschrieben und die Kosten werden im Normalfall (wenn Vertragsarzt der Gesundheitskasse) von der Krankenkasse übernommen.
  • Wie lange dauert eine logopädische Behandlung?
    Die Dauer der Therapie richtet sich dabei nach Art und Schwere der Beeinträchtigung. In der Regel dauert eine Einheit zwischen 30-50 Minuten und findet meist 1-2 mal pro Woche statt.
  • Erfolgsaussichten einer logopädische Therapie?
    Wenn mit der Behandlung früh genug begonnen wird, sind die Erfolgsaussichten relativ groß.
  • Wer führt eine logopädische Behandlung durch?
    Die Therapie wird durch ausgebildete Logopäden (=Medizinalfachberuf) durchgeführt.

Durchführung und Ablauf

Logopäden sind selbständig in eigener Praxis oder angestellt in Praxen, Gesundheitszentren, Kliniken und anderen medizinischen und pädagogischen Einrichtungen tätig. Sie arbeiten eigenverantwortlich und erbringen Leistungen der Versicherungsträger.

Medzinische Untersuchung

Am Anfang steht immer eine medizinische Untersuchung durch den Facharzt, der eine medizinische Diagnose erhebt und auf dieser Grundlage eine Verordnung ausstellt.

Erstgespräch

In einem Erstgespräch lernen sich Patient und Therapeut kennen und legen den Rahmen der Therapiesitzungen fest. Anschließend erhebt der Logopäde eine allgemeine Anamnese und logopädische Diagnostik mit orientierenden und standardisierten Testverfahren. Neben allen technischen Möglichkeiten bleibt das vertrauensvolle Gespräch Grundlage einer erfolgreichen Therapie.

Therapieplan

In einem Therapieplan werden Wege und Ziele für den vereinbarten Zeitraum festgehalten und dokumentiert. Es finden verschiedene therapeutische Methoden, computergestützte Programme und technische Hilfsmittel Anwendung. Die aktive Teilnahme an den Therapiesitzungen, manchmal auch häusliche Übungen, sind wichtige Erfolgsvoraussetzungen. Logopäden kommen auch zum Hausbesuch, wenn Patienten nicht mobil sind oder das Umfeld in die Therapie mit einbezogen werden soll. Therapiesitzungen können als Einzel- oder Gruppensitzungen durchgeführt stattfinden.

Am Ende der verordneten und durchgeführten logopädischen Behandlung wird ein Abschlussbericht erstellt. Bei Bedarf sind Folgeverordnungen möglich.

Anwendungsgebiete

Der physiologische Spracherwerbsprozess der Muttersprache beginnt mit dem ersten Schrei. Hören und Wahrnehmen von Sprache und Umwelt ist die Voraussetzung dafür, selbst sprechen lernen zu können. Mit Beginn des Schriftsprachprozesses im Alter von 6 bis 7 Jahren ist der Hirnreifungsprozess der Sprachzentren weitestgehend abgeschlossen.

Störungen, die in der sprachsensiblen Phase auftreten, sind Sprachentwicklungsverzögerung oder Sprachentwicklungsstörung. Die Ursachen sind vielfältig und können angeboren oder erworben sein.
In späteren Lebensphasen auftretende Störungen werden als erworbene Störungen bezeichnet.

Mädchen mit Sprachproblemen Ziel der Logopädie ist des weiteren die Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit. (Foto by: undrey / Depositphotos)

Teilbereiche der Sprachentwicklungsverzögerung oder -störung sind:

  • Phonematische Störung = Dyslalie (fehlerhafte Aussprache von Einzellauten und Lautverbindungen)
  • Phonologische Störung (mangelnde Differenzierungsfähigkeit ähnlich klingender Laute und Lautverbindungen)
  • Semantische Störung (unter dem Altersdurchschnitt liegender Wortschatz)
  • Störung der Grammatik = Dysgrammatismus (teilweise Unfähigkeit grammatische Strukturen richtig zu verstehen und zu verwenden)

Lese-Rechtschreib-Schwäche ist eine isolierte Störung des Schriftspracherwerbs. Sie tritt oft als Folge einer Sprachentwicklungsstörung auf.

Stottern und Poltern sind Störungen im Redefluss. Stottern kann physiologisch als Entwicklungsphase auftreten oder sich als Sprechstörung manifestieren.

Lippen-Kiefer-Gaumenspalten bewirken Schluck- und Sprechstörungen. Sie werden als angeborene periphere Störung des Lautspracherwerbs bezeichnet.

Rhinophonie, offenes oder geschlossenes Näseln, beeinträchtigt die Stimmgebung und Bildung der Verschluss- und Nasallaute.

Angeborene Hörstörungen beeinträchtigen den Spracherwerbsprozess erheblich. Erworbene Hörstörungen (z.B. Altersschwerhörigkeit) führen zu allgemeinen Kommunikationsstörungen. Neben der logopädischen Behandlung steht die Versorgung mit technischen Hilfsmitteln im Mittelpunkt.

Zentrale Sprech- und Schluckstörungen können ursächlich angeboren oder erworben sein.

  • Schluckstörungen treten bereits bei Säuglingen mit Unreife (Frühgeborene) oder Hirnschädigung auf. Im Erwachsenenalter treten Schluckstörungen als Folge erworbener Hirnschädigungen oder Symptome anderer Erkrankungen (z.B. Multiple Sklerose) auf.
  • Durch äußere (z.B. Unfall) oder innere (z.B. Morbus Parkinson) Hirnschädigung kommt es zur Dysarthrie. Die vorliegende zentrale Bewegungsstörung führt zur teilweisen bis vollständigen Unfähigkeit, Sprechabläufe richtig zu koordinieren.
  • Aphasie ist eine durch äußere (z.B. Unfall) oder innere (z.B. Schlaganfall) Hirnschädigung erworbene zentrale Sprachstörung. Das Verstehen und Bilden sprachlicher Einheiten ist erschwert bis unmöglich. Die einzelnen Teilbereiche der Sprache können unterschiedlich stark betroffen sein.

Stimmstörungen können organisch (z.B. Kehlkopfkarzinom) oder psychisch (z.B. posttraumatische Belastungsstörung)entstehen. Es wird zwischen organischer und psychogener Dysphonie unterschieden.

Fazit

Kommunikation ist eines der wichtigsten sozialen Bedürfnisse. Störungen der Kommunikationsfähigkeit führen zu Missverständnissen und Isolation in der Gesellschaft. Um dieses zu verhindern, ist Früherkennung und -behandlung der o.g. Störungen ausschlaggebend. Logopäden sind Ansprechpartner für alle Probleme rund um das Thema Sprache, Stimme, Gehör.


Bewertung: Ø 4,8 (4 Stimmen)

Autor: FitundGesund Redaktion
Infos zum Autor: Medizinredakteure und Journalisten
Erstellt am: 07.01.2014
Überarbeitet am: 13.01.2020

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