Furosemid: Wirkung, Anwendung, Dosierung, Wissenswertes, mögliche Nebenwirkungen

Furosemid ist ein harntreibendes Arzneimittel aus der Gruppe der Schleifendiuretika. Es wird verordnet, um große Mengen Gewebeflüssigkeit aus dem Körper abzutransportieren.

Wirkung und Anwendungsgebiete

Schleifendiuretika hemmen die Rückresorption des Mineralstoffs Natrium in den feinen Kanälchen des Nierengewebes und führen zu einer erhöhten Ausscheidung von Wasser und Elektrolyten durch die Niere. Sie wirken, im Gegensatz zu anderen Diuretika, sehr schnell und kurz sowie besonders stark und sind gegebenenfalls auch bei Niereninsuffizienz noch effektiv.

Furosemid ist bei folgenden Indikationen einsetzbar:

Was Sie vor der Einnahme beachten sollten

Straßenverkehr und Arbeit

Auch wenn Furosemid den Dosisangaben entsprechend eingenommen wird, kann das Reaktionsvermögen verändert werden. Die Teilnahme am Straßenverkehr, das Bedienen von Maschinen sowie die Arbeit ohne sicheren Halt können beeinträchtigt sein. Das trifft besonders auf den Behandlungsbeginn und eine Erhöhung der Dosis zu. Auch bei einem Wechsel des Präparates oder bei Alkoholgenuss ist damit zu rechnen.

Furosemid ist bei folgenden Beschwerden mit Vorsicht einzunehmen

  • bei sehr niedrigem Blutdruck (Hypotonie)
  • wenn schon eine Zuckerkrankheit besteht und auch, wenn diese noch nicht offensichtlich ist (latenter Diabetes); regelmäßige Blutzucker-Kontrollen sind erforderlich
  • bei bestehender Gicht-Erkrankung (Kontrolle der Harnsäurewerte im Blut)
  • wenn der Harnabfluss behindert ist oder eine Blasenentleerungsstörung vorliegt, wie bei einer Vergrößerung der Prostata oder einer Harnleiterverengung
  • wenn zu wenig Eiweiß im Blut vorhanden ist (Hypoproteinämie)
  • bei Leberzirrhose mit gleichzeitiger Einschränkung der Nierenfunktion
  • bei Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße oder der Hirngefäße
  • bei Frühgeborenen wegen der Gefahr der Bildung von Nierensteinen (Nephrolithiasis) und/oder Kalkablagerungen im Nierengewebe (Ultraschall und Nierenfunktionskontrolle empfohlen); bei bestehender Atemnot Gefahr für persistierenden Ductus arteriosus Botalli
  • bei Patienten mit nephrotischem Syndrom (genaue Dosiseinhaltung wichtig wegen Gefahr vermehrter Nebenwirkungen)
  • bei Missbrauch als Dopingmittel (mögliche positive Kontrollergebnisse, Gesundheitsgefährdung)

Wann darf Furosemid nicht angewendet werden

Furosemid darf nicht eingenommen werden:

  • bei einer bekannten Allergie gegen Furosemid, Sulfonamide oder einen anderen Bestandteil des Medikamentes
  • bei Anurie (fehlende Harnproduktion bei einem Nierenversagen)
  • im Koma und Praecoma hepaticum (Leberversagen mit Bewusstseinsstörungen)
  • bei schwerem Kaliummangel
  • bei schwerem Natriummangel
  • bei Hypovolämie (zu wenig zirkulierendes Blut im Körper)
  • bei Dehydration (zu wenig vorhandenes Körperwasser)
  • in der Stillzeit

Dosierung und Einnahme

Furosemid ist von verschiedenen Herstellern in Tabletten-, Kapsel- oder Spritzenform in unterschiedlicher Stärke erhältlich. Das Einnahmeschema von Furosemid wird vom behandelnden Arzt je nach Behandlungserfolg ganz individuell festgelegt und sollte nicht eigenmächtig geändert werden.

Die Anwendungsdauer richtet sich nach der zugrunde liegenden Erkrankung und wird vom Arzt festgelegt. Bei zu schwach oder zu stark erscheinender Wirkung sollte der Patient den Arzt oder Apotheker konsultieren.

Sowohl die Tabletten als auch die Kapseln sollten morgens unzerkaut auf nüchternen Magen mit einem Glas Wasser eingenommen werden. Wurde die Einnahme von Furosemid vergessen, soll die Einnahme in der verordneten Dosierung weitergeführt werden. Die Dosis darf nicht eigenmächtig verdoppelt werden.

Die Dosierung bei Erwachsenen mit Ödemen bei Herz-, Leber- und Nierenerkrankungen oder Bluthochdruck für Tabletten mit 40 mg Furosemid:

  • Behandlungsbeginn mit einer Tablette (40 mg) täglich. Bleibt die erwünschte Urinausscheidung aus, können nach sechs Stunden zwei Tabletten (80 mg) eingenommen werden. Ist die Harnaussscheidung weiterhin unzureichend, kann die Einnahmemenge nach weiteren sechs Stunden auf vier Tabletten (160 mg) erhöht werden. In schweren Fällen sind Anfangsdosen von 200 mg am Tag möglich.
  • Weitere Behandlung mit ein-zwei Tabletten (40-80 mg) am Tag.

Besondere Vorsicht erfordert das nephrotische Syndrom, da es hier verstärkt zu Nebenwirkungen kommen kann. Generell sollte bei allen Patienten der Gewichtsverlust nicht mehr als ein Kilogramm am Tag betragen.

Die Dosierung bei Erwachsenen mit Ödemen nach Verbrennung für Furosemid-Tabletten mit 40 mg:
Einmal am Tag oder eine Einzeldosis von ein bis zweieinhalb Tabletten (40-100 mg), bis zu sechs Tabletten (240 mg) bei gleichzeitig eingeschränkter Nierenfunktion.

Die Dosierung bei Erwachsenen mit Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) für Furosemid-Tabletten mit 40 mg: Einmal täglich eine Tablette (40 mg). Furosemid kann auch mit anderen Arzneimitteln gegen Bluthochdruck kombiniert werden.

Die Dosierung bei Kindern für Furosemid-Tabletten mit 40 mg: Einmal täglich ein (höchstens zwei) mg Furosemid pro Kilogramm Körpergewicht.

Wurde versehentlich zu viel Furosemid eingenommen:

  1. Benachrichtigung des behandelnden Arztes, der die Entscheidung über erforderliche Maßnahmen trifft.
  2. Die eintretenden Nebenwirkungen sind abhängig von der Höhe des Flüssigkeits- und Salzverlustes.
  3. Ein niedriger Blutdruck (Hypotonie) sowie Kreislaufstörungen können auftreten. Weiters kann der pH-Wert des Blutes ansteigen und der Kalium-, Natrium- und Chloridspiegel des Blutes kann abfallen.
  4. Stärkere Flüssigkeitsverluste können zu einer Entwässerung und als Folge zu einem Kreislaufkollaps sowie Thromboseneigung führen.

Anwendung in der Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft

Furosemid geht durch die Plazentaschranke von der Mutter auf das ungeborene Kind über. Furosemid darf nur nach strenger Indikationsstellung durch den Arzt eingenommen werden.

Stillzeit

Furosemid gelangt auch in die Muttermilch und hemmt zudem deren Produktion. In der Stillzeit ist daher die Einnahme zu unterlassen. Ist das nicht möglich, sollte abgestillt werden.

Nebenwirkungen

Alle unter der Einnahme von Furosemid bemerkten Nebenwirkungen sollten einem Arzt oder Apotheker gemeldet werden. Plötzlich auftretende oder starke Nebenwirkungen könnten lebensbedrohlich sein und gehören daher in die Hände eines Arztes. Bei auftretenden Überempfindlichkeiten sollte das Arzneimittel nicht mehr eingenommen werden.

Gelegentliche Nebenwirkungen (weniger als 1 von 100, aber mehr als 1 von 1000 Behandelten):

  • Thromozytopenie (Verringerung der Blutplättchen)
  • Haut- und Schleimhautreaktionen wie Rötung, Schuppung, Juckreiz sowie Steigerung der Lichtempfindlichkeit

Seltene Nebenwirkungen (weniger als 1 von 1000, aber mehr als 1 von 10.000 Behandelten):

  • Verringerung oder Vermehrung bestimmter weißer Blutkörperchen
  • Fieber, Entzündungen von Blutgefäßen und Nieren, Kreislaufkollaps als Überempfindlichkeitsreaktion (anaphylaktischer Schock)
  • Parästhesien (Kribbeln oder Taubheit der Gliedmaßen)
  • Hörstörungen oder Ohrgeräusche wie Ohrgeräusche (Tinnitus), die meistens heilbar sind
  • Beschwerden im Magen-Darm-Trakt wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfallerkrankungen

Sehr seltene Nebenwirkungen weniger als 1 von 10.000 Behandelten):

  • Blutarmut verschiedener Ursachen (hämolytische oder aplastische Anämie)
  • starke Verminderung von bestimmten weißen Blutkörperchen (Agranulozytose)
  • akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse sowie Erhöhung von Leberwerten (Transaminasen)

Weitere Nebenwirkungen (nicht quantifiziert)

  • Niere: Ansteigen von Blutwerten wie Kreatinin und Harnstoff, die über die Niere ausgeschieden werden
  • Herz-Kreislauf-Beschwerden wie Schwindel, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Durst sowie zu niedriger Blutdruck und damit verbundene Kreislaufbeschwerden (schneller Wechsel vom Sitzen zum Liegen und umgekehrt)
  • Anstieg des Blutzuckerspiegels; ein bisher unbemerkter Diabetes mellitus kann ausbrechen
  • eine sehr starke Entwässerung kann eine Verminderung der im Körper zirkulierenden Blutmenge verursachen und zu einem Kreislaufkollaps sowie zu erhöhter Gefahr für Thrombose führen
  • Störungen des Flüssigkeits- und Elektrolythaushaltes (besonders Kalium Kalzium und Natrium) mit Natriummangelzuständen und entsprechender Symptomatik wie Wadenkrämpfe, Apathie, Schwächegefühl, Erbrechen und Verwirrtheit; gleichzeitige Kaliumverluste (durch Erbrechen oder Durchfall) können Muskelschwäche, Lähmungen, Erbrechen, Blähungen, Verstopfung, Missempfindungen der Gliedmaßen, Pulsunregelmäßigkeiten sowie verstärktes Durstgefühl mit übermäßigem Trinken und gesteigerter Urinausscheidung
  • Darmlähmung und Störungen des Bewusstseins durch hohe Kaliumverluste
  • Kalziummangel durch hohe Kalziumverluste
  • Magnesiummangel durch hohe Magnesiumverluste (selten anfallsartige Muskelverkrampfungen und Herzrhythmusstörungen)
  • pH-Wert-Anstieg im Blut (metabolische Alkalose)
  • -nstieg der Fettwerte im Blut
  • häufig erhöhte Harnsäurewerte im Blut, Gefahr eines Gichtanfalls
  • Frühgeborene: Gefahr der Bildung von Nierensteinen und/oder Kalkablagerungen im Nierengewebe; bei bestehender Atemnot Gefahr für persistierenden Ductus arteriosus Botalli

Wechselwirkungen

Jede gleichzeitige Anwendung von Arzneimitteln kann zu Wechselwirkungen oder einer veränderten Wirksamkeit führen. Bei der Einnahme von Furosemid zusammen mit anderen Arzneimitteln sind Wechselwirkungen möglich. Sprechen Sie deshalb vor der Einnahme mit einem Arzt oder Apotheker!

Aufbewahrung

Kindersicher sowie lichtgeschützt (im Umkarton) aufbewahren. Nach dem Verfallsdatum ist das Präparat nicht mehr verwendbar (Entsorgung nach regionalen Bestimmungen).

Diese Informationen zum Medikament ersetzen weder ärztliche noch sonstige Fachberatung. Vor allem bei Nebenwirkungen oder für sonstige Informationen ist der behandelnde Arzt oder Apotheker beizuziehen.


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