Leberzirrhose

Leberzirrhose ist die Folge kontinuierlicher Leberschädigung. Die normalen Leberfunktionen sind zunehmend eingeschränkt, was letztlich sogar zu lebensbedrohlichen Komplikationen (zum Beispiel Bauchwassersucht)führen kann. Häufigste Ursachen in Europa und den USA sind neben Alkoholmissbrauch vor allem chronische virusbedingte Entzündungen der Leber wie Hepatitis B und Hepatitis C.

LeberzirrhoseLeberzirrhose oder Leberschrumpfung bezeichnet eine chronische Erkrankung der Leber. (Foto by: decade3d / Depositphotos)

Die Leber des Menschen wiegt durchschnittlich 1,5 kg. Sie ist damit das schwerste und größte innere Organ des Menschen. Ihre Hauptfunktion besteht in der Entgiftung des Körpers. Leberzirrhose deutet auf eine lange bestehende Lebererkrankung in einem fortgeschrittenen Stadium hin. In der Regel führt die fortschreitende Zerstörung des Lebergewebes zur Leberzirrhose. Dabei kommt es zu einer Narbenbildung im Gewebe, weshalb auch von Narbenleber gesprochen wird.

Der bindegewebige und knotige Umbau der Leber ist typisch. Unbehandelt kann die Erkrankung zum Tod führen. Befindet sich die Leberschrumpfung in einem fortgeschrittenem Stadium, so führt diese bei ca. 40 bis 60 Prozent der Betroffenen zum Tod - und das sogar innerhalb eines Jahres. In Europa und den USA beträgt die Häufigkeit des Auftretens von Leberzirrhose ca. 250 Fälle pro 100.000 Einwohner jährlich. Die Relation der Erkrankungen von Männern zu Frauen beträgt 2:1, das heißt Männer erkranken doppelt so häufig wie Frauen.

Heute ist bekannt, dass die Leber das einzige innere Organ ist, welches in der Lage ist, sich selbst zu regenerieren. Dies nährt bei vielen Menschen die Hoffnung, dass Leberschäden - wie (beginnende) Leberzirrhosen - doch umkehrbar sind.

Ursache von Leberzirrhose

Alkohol als Ursache

Alkohol gilt als die häufigste Ursache für die Entstehung von Leberzirrhosen: 50 bis 60 Prozent der Leberzirrhose-Fälle in Europa und den USA sind auf übermäßigen Alkoholgenuss zurückzuführen.

Hepatitis

An zweiter Stelle ist Hepatitis ursächlich: Bei etwa 35 Prozent der Leberzirrhosepatienten ist eine zuvor durch Viren übertragene chronische Hepatitis (Typ B oder Typ C) verantwortlich.

Weitere Ursachen

Seltener sind andere Ursachen auszumachen wie:

  • vererbbare Stoffwechselerkrankungen (Morbus Wilson, Mukoviszidose, Hämochromatose, Antitrypsin-Mangel)
  • autoimmune Leberentzündungen (Autoimmunhepatitis, Primäre biliäre Zirrhose, Primär sklerosierende Colangitis)
  • Herzprobleme
  • Schäden durch Medikamente und Chemikalien (Polyvinylchlorid, Tetrachlorkohlenstoff, Benzol)
  • Tropenerkrankungen wie Cholera und Bilharziose

Symptome von Leberzirrhose

Beeinträchtigungen des subjetkiven Empfindens machen sich bei den betroffenen Patienten in vielen Fällen erst in einem verhältnismäßig späten Stadium der Leberzirrhose bemerkbar. Dabei ist die Bandbreite der Syptome einer Leberzirrhose groß. Ebenso kann deren Ausprägung mitunter stark variieren.

Mehr als 60 Prozent der Patienten klagen über Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Konzentrationsschwäche und Leistungsminderung. 30 bis 40 Prozent leiden unter Gewichtsverlust.

So genannte Leberhautzeichen gelten als weitere Symptome: Sie können sich in einer deutlichen Rotfärbung der Handinnenfläche im Bereich Daumen und Kleinfinger (Palmarerythem) äußern.

Auch können spinnenbeinähnliche Gefäßzeichen (Spider naevi) an Hals und Oberkörper auftreten. Darüber hinaus kann es zu Juckreiz, Weißnägeln, dünner Haut sowie einer Verkürzung der Handinnenflächensehne vor allem am dritten und vierten Finger und zu einer Vergrößerung der Milz kommen.

Bei Männern kann zu spezifischen Störungen kommen: Etwa 30 Prozent der Männer leiden unter Impotenz. Hinzu kommen weitere hormonelle Veränderungen wie beispielsweise Schrumpfen der Hoden und Anschwellen der Brüste. Bei Frauen hingegen kann es zu Menstruationsstörungen kommen.

Symptome im fortgeschrittenen Stadium

Die Symptome im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung reichen von

  • körperlicher Auszehrung
  • Gelbsucht über Bauchwasser (Aszites)
  • Blutungsneigung
  • Nachlassen der Gehirnleistung in Verbindung mit Stimmungsschwankungen
  • zunehmender Müdigkeit
  • Händezittern (hepatische Enzephalopathie)
  • Blutungen aus Krampfadern der Speiseröhre (Ösophagusvarizen)

Auch trockene Augen, Grauer Star, sogar Diabetes oder Herzschwäche wie auch Gelenkschmerzen können auf Leberzirrhose hindeuten. Als Spätfolge der Leberzirrhose kann es sogar zu Leberkrebs kommen.

Untersuchungen und Diagnose

Am Anfang einer jeden Untersuchung befragt der Arzt seinen Patienten intensiv nach den Symptomen. Er stellt Fragen hinsichtlich möglichem Alkoholkonsum und dem Hepatitis-Ansteckungsrisiko. Bei der anschließenden körperlichen Untersuchung steht das Abtasten der Leber im Zentrum: Er kann so Größe und Beschaffenheit der Oberfläche erkennen.

Die zusätzliche Kontrolle der Milz und das Abklopfen des Bauchs, um Wasser im Bauchraum auszuschließen, sowie die genaue Überprüfung der Haut des Patienten auf verdächtige Veränderungen (Gelbfärbung, Hautrötung, Spinnenäderchen) sind weitere Rountineschritte.

Blutuntersuchungen im Labor geben dann Aufschluss über den Schädigungsgrad der Leber:

Die so genannten "Child-Pugh-Kriterien" sollen Auskunft über den Schweregrad der Leberzirrhose geben. Mit Hilfe verschiedener Parameter und den so ermittelten Werten, für die Punkte vergeben werden, lässt sich das aktuelle Stadium der Erkrankung ermitteln.

Drei Stadien mit entsprechender Punktanzahl werden unterschieden:

  1. Child A (5-6)
  2. Child B (7-9)
  3. Child C (10-15)

Die 1-Jahres-Überlebensrate gemäß der drei Stadien beträgt:

  1. ca. 100 % (Child A)
  2. ca. 85 % (Child B)
  3. ca. 35 % (Child C)

Hat man letzteres auf diesem Wege identifiziert, lassen sich Aussagen über Therapie und Prognose nun treffen.

Ultraschall- und Kernspinuntersuchungen bieten die Möglichkeit, sowohl Größe als auch Struktur der Leber zu erkennen. So lassen sich auch Knötchen identifizieren. Darüber hinaus werden auftretende Komplikationen (Bauchwassersucht, Krampfadern o. ä.), sogar Tumore (als Folge der Zirrhose) mit Ultraschall aufgespürt. Die Kernspinuntersuchung der Leber ist jedoch am empfindlichsten.

Eindeutig lässt sich eine Leberzirrhose mit einer Leberpunktion bzw. Leberbiopsie (Entnahme von Gewebeproben aus der Leber) diagnostizieren.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Behandlung LeberzirrhoseUnter anderem ist eine eiweiß- und vitaminreiche Ernährung zur Behandlung von Leberzirrhose wichtig. (Foto by: piotr_marcinski / Depositphotos)

Generell gilt: Um einer weiteren Schädigung des Lebergewebes Einhalt zu gebieten, muss die Ursache - also die auslösende Krankheit - behandelt werden. Mit bereits 15 Prozent gesundem Lebergewebe gelingt es, die Funktionsfähigkeit der Leber zu halten. Weitere Schädigungen der Leber sind zu vermeiden.

Das bedeutet: Alkohol und nicht unbedingt benötigte Medikamente sind ab sofort ein Tabu. Stattdessen ist auf eiweiß- und vitaminreiche Ernährung zu achten. Regelmäßige ärztliche Untersuchungen sind "Pflicht" - selbst dann, wenn die Zirrhose (noch) keine gravierenden Beschwerden macht. Komplikationen wie Bauchwassersucht, Blutungen der Krampfadern im Bereich von Speiseröhre und Magen, hepatische Enzephalopathie (Funktionsstörung des Gehirns) müssen unbedingt behandelt werden.

Bei Bauchwassersucht, das heißt der Ansammlung von Flüssigkeit im Bauchraum, muss in jedem Fall Entlastung für den Patienten geschaffen werden - sei es durch ein harntreibendes Mittel oder durch Punktion des Bauchs. Da ein Platzen von Speiseröhrenkrampfadern nie ausgeschlossen werden kann, empfiehlt sich die Einnahme Blutdruck senkender Medikamente.

Helfen diese Maßnahmen nicht, dann ist eine Lebertransplantation oft die letzte Rettung - dies um so mehr, als so genannte Ersatztherapien à la Herz-Lungen-Maschine, Dialyse & Co. wie bei anderen Organen (Herz, Lunge, Niere) für die Leber bisher nicht möglich sind.

Die besondere Fähigkeit der Leber, sich selbst zu regenerieren, macht sich die Medizin heute zunutze: Die Leber kann "nachwachsen", sich also zu einem Großteil wieder erneuern. Dies bedeutet, dass es möglich ist, einen Teil der Leber zu entfernen, ohne dabei ihre Funktionen in Mitleidenschaft zu ziehen. Und dieser Teil kann sich wieder nachbilden - vorausgesetzt es handelt sich um einen gesunden Menschen.

Eine Folge dieser Erkenntnis ist zum Beispiel die "Lebendspende": Es ist heute möglich, eine Spenderleber zu teilen - also auf zwei Menschen zu verteilen. Allerdings sind diese Möglichkeiten - Leberlebendspende und Organteilung (Splitleber) - nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen und Umständen ein gangbarer Weg.

Prävention und was ich selbst tun kann

Um das Risiko der Entstehung einer Leberzirrhose zu minimieren, ist der weitgehende Verzicht auf Alkohol angesagt. Weiter gilt es, den Kontakt mit giftigen Chemikalien zu vermeiden - möglichst überall. Wer berufsbedingt damit "arbeiten" muss, der sollte sich an fachlich kompetentes Personal wie Betriebsärzte wenden, um sich dort über die Gefahren zu informieren. Am Ende können sogar Lösungen gefunden werden, die zu einem gesünderen Arbeitsplatz führen.

Einer etwaigen Hepatitis B-Erkrankung kann mittels Impfung wirkungsvoll begegnet werden. Bei vererbbaren Erkrankungen, die in einer Familie vermehrt vorkommen, hilft eine entsprechende frühzeitige Untersuchung, um das Erkrankungsrisiko zu minimieren. Generell sollte die Ernährung "ausgewogen" sein. Zusätzliche "Nahrungsergänzungsmittel" sollten nur in Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden. So lässt es sich doch leben - und das noch viele Jahre.


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