Blut im Sperma (Hämospermie): Ursachen, Symptome, Diagnose, Behandlung und Prävention

Wenn Sperma sich plötzlich rot verfärbt, löst dies oft Ängste und Erschrecken aus. Blutiges Sperma kann jedoch ganz viele verschiedene Ursachen haben, von denen der Großteil eher harmlos ist. Dennoch handelt es sich stets um einen abklärungsbedürftigen Befund.

Mann ist schockiertEntdeckt Mann Blut im Sperma ist dies erst einmal beunruhigend. (Foto by: kues / Depositphotos)

Die Anwesenheit von Blut oder seinen Bestandteilen, also Blutkörperchen, in der Spermienflüssigkeit wird als Hämospermie bezeichnet.

Dies ist zunächst immer ein krankhafter, also pathologischer Befund, denn das normale Sperma hat ein milchig- weißes bis gelbliches Aussehen. Auch die Konsistenz kann durch die Blutbeimengung verändert sein.

Der Arzt unterscheidet zwischen einer sogenannten Mikro- und Makrohämospermie.

Mikrohämospermie

Im Falle der Mikrohämospermie sind die Blutspuren im Sperma so gering, dass sie mit dem bloßen Auge gar nicht zu sehen sind.

Makrohämospermie

Im Falle der Makrohämospermie befinden sich jedoch signifikante Mengen an Blut in der Samenflüssigkeit.

Gibt die Farbe des Blutes Auskunft über die Ursache?

Ist das Sperma hellrot verfärbt, so spricht dies in allererster Linie für eine arterielle Blutbeimengung. Es liegt dann der Verdacht nahe, dass in der Harnröhre oder in der Eichel kleine Äderchen geplatzt sind.

Ist die Verfärbung jedoch eher bräunlich oder dunkelrot, so ist davon auszugehen, dass das Blut im Sperma aus den Nebenhoden oder der Vorsteherdrüse, der Prostata, stammt. Hier ist in jedem Fall eine genaue diagnostische Abklärung bei einem Facharzt für Urologie erforderlich.

Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?

In den meisten Fällen verschwindet das Blut in der Samenflüssigkeit wieder von selbst, auch ohne ärztliches Zutun. Dabei handelt es sich um eine sogenannte idiopathische Hämospermie, also ohne genaue erkennbare Ursache.

Wenn es zu regelmäßigen Blutungen kommt oder Schmerzen bemerkt werden, ist ärztlicher Rat empfehlenswert.

Häufigkeit

Bei Blut im Sperma handelt sich um ein relativ häufig vorkommendes urologisches Symptom, wobei von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden muss, weil viele Betroffene aus Scham erst gar nicht zum Arzt gehen.

Grundsätzlich ist das Phänomen bei allen Altersklassen zu beobachten, eine Häufung findet sich aber vor allem bei jungen Männern zwischen 20-40 Jahren.

Die mit Abstand häufigste Ursache ist ein geplatztes Äderchen. Quelle: http://gesundpedia.de/Blut_im_Sperma
Die mit Abstand häufigste Ursache ist ein geplatztes Äderchen. Quelle: http://gesundpedia.de/Blut_im_Sperma

Ursachen für Blut im Sperma

Ader geplatzt

Als häufigste Ursache kann ein geplatztes Äderchen genannt werden.

Blutverdünnende oder schmerzstillende Medikamente

Weiters kann die Ursache in der Einnahme von blutverdünnenden oder schmerzstillenden Medikamenten (wie zum Beispiel Aspirin, Marcumar, Xarelto, etc.) liegen.

Blut im Sperma durch Verletzungen

Mechanische Einwirkungen können zu Verletzungen führen. Beim oder nach dem Sport, durch Unfälle, nach Quetschungen, durch enge Kleidung oder auch durch intensiven, lang andauernden Geschlechtsverkehr können diese minimalen Verletzungen auftreten.

Allgemeinerkrankungen und Lebensgewohnheiten

Allgemeinerkrankungen wie Bluthochdruck (Hypertonie), Lebererkrankungen und Störungen der Blutgerinnung sowie Stress oder Alkoholkonsum können ebenfalls für das Symptom von Blut in der Samenflüssigkeit verantwortlich sein.

Untersuchungen und Operationen

Weitere häufige Ursachen sind medizinische Untersuchungen (zum Beispiel nach einer Biopsie) oder Operationen im Bereich der Prostata.

Auch nach einer Vasektomie kann Blut im Sperma auftreten.

Prostatavergrößerung

Besonders bei Männern über 70 Jahre kann auch die gutartige Prostatavergrößerung mit einer blutig veränderten Samenflüssigkeit einhergehen.

Entzündungen als Ursache

Als weitere häufige Ursache von Blut im Sperma kann eine Blasenentzündung, eine Entzündung der Prostata (Prostatitis) oder eine Nebenhodenentzündung genannt werden.

Diese Infektionen werden zu einem Großteil durch ungeschützten Geschlechtsverkehr verursacht. Die Gruppe der infektiösen Ursachen von Blut im Sperma macht etwa 40 % aus.

Tumore

Nur etwa 10 % der Fälle von Blut im Sperma werden nach Ansicht von Experten durch bösartige oder systemische Krankheiten verursacht.

Tumorbildungen im Bereich der Prostata oder an den Schleimhäuten von Harnröhre oder Samenblasen können dann zur Blutbeimengung führen, wenn das bösartige Wachstum bereits weiter fortgeschritten ist.

In diesen Fällen handelt sich also in der Regel nicht um ein Frühsymptom. Ob und in welchem Ausmaß eine solche Neoplasie vorliegt, kann nur von einem Facharzt beurteilt werden.

Die Heilungschancen sind dann insbesondere auch von einer möglichst frühzeitig eingeleiteten Behandlung abhängig.

Auch die verschiedenen Formen von Hodenkrebs können im Spätstadium dazu führen, dass Blut ins Sperma gelangt.

Weitere Ursachen für Blut im Sperma

Auch bei Leukämie (Blutkrebs) oder sexuell übertragenen Infektionen, wie Chlamydien oder Tripper kann Blut im Sperma auftreten.

Trotz aufwendiger Diagnostik kann in einer Vielzahl der Fälle kein genauer Grund der Anwesenheit von Blut in der Samenflüssigkeit festgestellt werden.

Symptome, die zusätzlih auftreten können

In den meisten Fällen ist die Anwesenheit von Blut in der Samenflüssigkeit nicht mit irgendwelchen Schmerzen verbunden.

Abhängig von einer bestimmten Ursache können jedoch noch weitere Symptome und Krankheitserscheinungen hinzutreten, beispielsweise

Untersuchungen und Diagnose

Arzt bespricht mit Mann Befund aufgrund von Blut im SpermaDie Ursache für Blut im Sperma sollte unbedingt von einem Arzt abgeklärt werden. (Foto by: monkeybusiness / Depositphotos)

Bei Blut im Sperma handelt es sich mit oder ohne Begleitsymptome stets um einen abklärungsbedürftigen Befund.

Die Anamnese, also die Befragung des Patienten, aber auch die körperliche Untersuchung sowie die erweiterte medizinische Diagnostik mittels Blutuntersuchung oder apparativer Technik helfen dem Arzt in der Regel rasch dabei, die Ursachen genauer einzugrenzen und dann auch eine entsprechende Behandlung zu veranlassen.

Der gesamte Genitalbereich muss eingehend inspiziert und auf mögliche Schmerzreaktionen getestet werden.

Anamnse

Für eine eindeutige Diagnose müssen Experten wissen, welche Veränderungen zum „normalen“ Zustand aufgefallen sind.

Wenn also Blut im Sperma bemerkt wird, ist es wichtig zu beobachten, wie sich dieses Symptom genau äußert:

  • Erscheint die Menge groß oder nahezu verschwindend gering?
  • Wirkt die Einblutung frisch und hellrot, oder eher dunkel gefärbt? Gehen die Blutrückstände mit Schmerzen einher?
  • Gibt es äußere Einwirkungen, die diese Symptomatik verursacht haben könnten?

Anhand dieser Fragen können Ärzte Rückschlüsse ziehen, welche Organe vermutlich betroffen sind.

Magnetresonanztomografie, Ultraschall

Weiterhin kommen zum Einsatz die Magnetresonanztomografie - MRT oder der transrektale Ultraschall, womit pathologische Veränderungen der Vorsteherdrüse genau dargestellt werden können.

Blutentnahme, Urinanalyse, Untersuchung des Sperma

Auch eine Blutuntersuchung, eine Harnuntersuchung sowie eine mikroskopische Untersuchung der Spermienflüssigkeit kommen als erweiterte Diagnostik infrage, um das Symptom von Blut im Sperma möglichst breit abzuklären.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Soweit sich eine genaue Ursache feststellen lässt, soll diese dann auch gezielt behandelt werden, damit das Symptom nicht wieder auftritt.

Antibiotikagabe

Im Falle einer zugrunde liegenden Entzündung der ableitenden Harnwege wird der Arzt Antibiotika verordnen.

Operation

Fehlbildungen wie Gefäßaussackungen oder Zysten können in einer Vielzahl der Fälle operiert werden.

Chemo- oder Strahlentherapie

Sind jedoch bösartige Erkrankungen die Ursache von Blut im Sperma, so müssen sich die Patienten häufig unmittelbar an die Befunderhebung einer Chemotherapie oder Strahlentherapie unterziehen.

Medikamenteneinnahme mit dem Arzt besprechen

Insbesondere die Einnahme von Medikamenten, die eine verminderte Blutgerinnung bewirken, sollte in diesem Kontext mit ärztlichem Rat überdacht werden.

Tumore richtig behandeln

Insbesondere die Behandlung von Tumoren, ganz gleich ob nun gutartig oder bösartig, kann mit Komplikationen und Rückfällen verbunden sein.

In jedem Fall gilt es, bei gefährdeten Personengruppen mit beispielsweise familiären Krankheitshintergrund, direkten ärztlichen Kontakt zu suchen und sich genau an die Anweisungen der Fachkräfte zu halten. Sollte eine entsprechende Erkrankung tatsächlich vorliegen und behandelt werden, ist auch nach einem erfolgreichen Heilungsprozess darauf zu achten, dass Nachuntersuchungen und Medikamentenanweisungen befolgt werden.

Prävention und was ich selbst tun kann

Gesunder Lebensstil

Eine gesunde und umsichtige Lebensweise kann in den meisten Fällen ein wiederholtes Auftreten von Blut im Sperma reduzieren oder auch vollständig beenden.

Insbesondere körperliche Aktivitäten, die zu Verletzungen im Genitalbereich führen könnten, sollten vermieden werden.

Bestimmte Risikofaktoren führen deutlich häufiger zu Einblutungen im Sperma:

  • Starkes Rauchen
  • Übermäßiger Alkoholkonsum
  • Eine generell ungesunde Lebensweise mit unausgeglichener Ernährung und zu wenig Bewegung

Personen, die zu diesen Risikogruppen zählen, neigen vermehrt zu einer schlechten Durchblutung, wodurch Entzündungen an den Genitalorganen begünstigt werden können.

Gefährliche Sexualpraktiken meiden

Ebenso risikohaft ist eine persönliche Vorliebe für ungewöhnliche und gefährliche Sexualpraktiken, die ein erhöhtest Verletzungsrisiko bedeuten.

Vorsorgeuntersuchungen

Im Fall krankhafter Organveränderungen sollte vor allem der familiäre Hintergrund durchleuchtet werden. Wenn Tumore im Bereich der Prostata, der Hoden oder der Nebenhoden bekannt sind, ist eine regelmäßige präventive Untersuchung absolut notwendig, um frühzeitig auf eventuelle Erkrankungen reagieren zu können.


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