Chlamydieninfektion

Bei Chlamydien handelt es sich um sehr infektiöse Bakterien, welche je nach Art zu verschiedenen Krankheitsbildern führen können. Meist sind die Schleimhäute, besonders die im Urogenitaltrakt, betroffen. Typischerweise verläuft eine Chlamydieninfektion lange Zeit ohne Symptome, kann jedoch mithilfe von Antibiotika gut behandelt werden.

ChlamydieninfektionChlamydieninfektionen zählen zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten. (Foto by: mjth / Depositphotos)

Chlamydieninfektionen zählen zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten und sind weltweit verbreitet.

Chlamydien sind Bakterien, die sich nur in anderen Zellen, vor allem Schleimhautzellen, vermehren können, da ihnen bestimmte Enzyme fehlen. Die Chlamydien befallen eine Schleimhautzelle und vermehren sich in ihr, irgendwann platzt die Zelle auf, wodurch eine große Anzahl an Chlamydien freigesetzt wird, welche dann die umliegenden Zellen angreifen können, wodurch es zu einer Entzündung der Schleimhaut kommt.

Chlamydienarten

Beim Menschen gibt es drei Chlamydienarten, die eine Krankheit auslösen können:

  1. Chlamydia trachomatis
  2. Chlamydia pneumoniae
  3. Chlamydia psittaci

1. Chlamydia trachomatis

Meist sind Bakterien der Art Chlamydia trachomatis gemeint, wenn von Chlamydien gesprochen wird, diese Art ruft die für eine Chlamydieninfektion typische urogenitale Entzündung hervor. Es kann auch zur Infektion anderer Schleimhäute, vor allem der Augen, kommen. Ohne Behandlung kann diese Erkrankung bis zur Erblindung führen.

2. Chlamydia pneumoniae

Bei Chlamydophila pneumoniae kommt es, wie der Name schon verrät, zu einer Lungenentzündung bzw. zu einer Bronchitis oder einer Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis).

3. Chlamydia psittaci

Chlamydia psittaci lösen die so genannte Papageienkrankheit aus, die mit grippeähnlichen Symptomen mit Lungenbeteiligung einhergeht. Es handelt sich dabei um eine sehr seltene Krankheit.

Ursachen einer Chlamydieninfektion

Chlamydien werden von Mensch zu Mensch übertragen; in Ausnahmefällen ist auch eine Übertragung vom Tier auf den Menschen möglich. Die Übertragung erfolgt durch eine Tröpfchen- oder Kontaktinfektion.

Der häufigste Übertragungsweg ist der Geschlechtsverkehr bzw. der Oralverkehr. Personen, welche keinen geschützten Geschlechtsverkehr praktizieren bzw. welche häufig den Geschlechtspartner wechseln, sind besonders gefährdet.

Ursache und Übertragung einer Chlamydophila pneumoniae

Eine Infektion mit Chlamydia pneumoniae wird durch Tröpfcheninfektion, also über infektiöse Sekrettröpfchen in der Luft, übertragen.

Ursache und Übertragung einer Chlamydia psittaci

Die in unseren Breiten eigentlich nicht vorkommende Chlamydia psittaci wird vom Tier auf den Menschen übertragen, wobei neben Papageien und anderen Vögeln auch Katzen bzw. Hunde Überträger sein können. Von Mensch zu Mensch kann diese Chlamydieninfektion nicht übertragen werden. Es kann auch während der Geburt zu einer Infektion des Babys kommen.

Symptome einer Chlamydieninfektion

Eine Chlamydieninfektion führt bei einem Viertel der infizierten Männer zu keinerlei Symptomen; bei infizierten Frauen kommt es sogar bei 75% zu keinerlei Symptomen.

Dies ist besonders folgenschwer, weil dadurch die notwendige Behandlung verzögert wird und die Krankheit unwissentlich auf andere Personen übertragen werden kann.

Wird eine Infektion mit Chlamydien nicht behandelt, kann dies zu schwerwiegenden Entzündungen bis hin zur Unfruchtbarkeit führen.

Kommt es zu Symptomen, sind diese häufig ziemlich unspezifisch und können auch auf eine Blasenentzündung oder Pilzinfektion hindeuten:

  • Die ersten Anzeichen einer Chlamydieninfektion sind ein Jucken im Intimbereich sowie starkes Brennen beim Wasserlassen.
  • Es kann auch zu Unterleibsschmerzen sowie zu eitrigem Ausfluss aus der Vagina oder aus dem Penis kommen.
  • Im weiteren Verlauf kommt es häufig zu Entzündungen der Harnröhre sowie der Harnblase.
  • Bei Männern kann es auch zu entzündlichen Prozessen in der Prostata sowie den Nebenhoden kommen.
  • Bei Frauen kommt es im Laufe der Erkrankung typischerweise zu Entzündungen an der Gebärmutter, den Eierstöcken sowie der Eileiter.
  • Die von Chlamydien ausgelösten Entzündungen der Schleimhäute verursachen Fieber, Unterleibsschmerzen und Durchfall.
  • Auch Schmerzen beim Sex können auf eine Chlamydieninfektion hindeuten.
  • Kommt es während der Schwangerschaft zu einer Chlamydieninfektion, kann dies zu einem vorzeitigen Blasensprung oder vorzeitigen Wehen führen.

Kommt es zu einer Infektion mit einer anderen Chlamydienart, kann es zu chronischen Bindehautentzündungen kommen, die unbehandelt bis zur Erblindung führen können. Auch Atemwegserkrankungen können bei Chlamydieninfektionen die Folge sein.

Untersuchungen und Diagnose

Bei Chlamydieninfektionen kommt es sehr häufig erst spät zu Beschwerden, daher ist es besonders wichtig bereits bei leichten Symptomen einen Arzt aufzusuchen. Hat man wechselnde Geschlechtspartner bzw. ungeschützten Sex, ist es ebenso empfehlenswert beim ersten Auftreten von entsprechenden Symptomen einen Arzt aufzusuchen.

Abstriche

Zuerst erhebt der Arzt eine Anamnese, erhärtet sich dadurch der Verdacht auf eine Chlamydieninfektion, werden Abstriche von den Genitalien, dem Gebärmutterhals, der Harnröhre bzw. der Bindehaut im Auge genommen.

Harnuntersuchung

Auch eine Untersuchung von Erststrahlurin kann bei der Diagnosestellung einer Chlamydieninfektion hilfreich sein.

Bevor eine Therapie begonnen werden kann, muss das Ergebnis der Untersuchung der Abstriche im Labor abgewartet werden, da auch eine Gonorrhö ähnliche Symptome machen kann, jedoch eine andere Behandlung verlangt.

DNS-Untersuchung

Auch durch eine DNS-Untersuchung ist es heutzutage möglich den Erreger zu ermitteln. Dabei werden mittels des PCR-Verfahrens Erreger aus dem Sekret des Gebärmutterhalses vermehrt.

Blutuntersuchung

Es kann auch Blut abgenommen und auf Antikörper untersucht werden bzw. eine Erregerkultur angelegt werden. Letzteres Verfahren wird jedoch kaum bei Infektionen mit Chlamydia pneumoniae und Chlamydia psittaci angewandt.

Im Rahmen der Blutuntersuchung empfiehlt es sich darüber hinaus auch auf andere sexuell übertragbare Krankheiten zu testen, weil diese auf dieselbe Art wie Chlamydien übertragen werden.

Behandlung, Therapie und Komplikationen bei einer Chlamydieninfektion

Behandlung mit Antibiotika

Steht die Diagnose einer Infektion mit Chlamydien, müssen Antibiotika eingenommen werden. Damit der behandelnde Arzt das richtige Antibiotikum auswählen kann, muss zuerst der Erreger bestimmt werden; in den meisten Fällen werden Tetrazykline eingesetzt.

Liegt eine chronische Bindehautentzündung vor, wird meist mit einer antibiotischen Augensalbe behandelt. Es können neben Tetrazyklinen auch Erythromycine bzw. Doxycycline eingesetzt werden.

Handelt es sich um eine urogenitale Chlamydieninfektion, müssen die Antibiotika meist für etwa zwei Wochen eingenommen werden. Darüber hinaus ist es wichtig, dass beide Partner behandelt werden, da es sonst zu einer immer wiederkehrenden gegenseitigen Ansteckung kommt. Gibt es keinen festen Partner, müssen alle Sexualpartner mitbehandelt werden.

In Gegensatz zu anderen Geschlechtserkrankungen gibt es bei Chlamydien so gut wie keine antibiotikaresistenten Stämme, wodurch die Behandlung meist sehr erfolgreich ist. Nach der oralen Einnahme der Antibiotika muss erneut auf Chlamydien getestet werden, um den Behandlungserfolg feststellen zu können.

Komplikationen

Wird eine Chlamydieninfektion nicht behandelt, kann dies, auch wenn Betroffene keinerlei Beschwerden haben, zu schwerwiegenden Komplikationen führen. Die schwerwiegendste Spätfolge einer unbehandelten Chlamydieninfektion kann sowohl bei Männern als auch bei Frauen Unfruchtbarkeit sein.

Zur Unfruchtbarkeit kommt es aufgrund von schweren Entzündungen der Gebärmutter und der Eileiter bei Frauen bzw. zu Entzündungen von Prostata, Samenleiter und Nebenhoden beim Mann. Kommt es bei Frauen zu Vernarbungen der im Inneren liegenden Geschlechtsorgane, kann dies Eileiterschwangerschaften begünstigen.

Darüber hinaus begünstigt eine Chlamydieninfektion sowohl bei Männern als auch bei Frauen eine Ansteckung mit dem HI-Virus. Die Chlamydien greifen die Schleimhäute im Urogenitaltrakt an und machen diese dünner, wodurch der HI-Virus leichter eindringen kann.

Prävention und was ich selbst tun kann

Verwendung von einem Kondom zur PräventionUm sich vor einer Chlamydieninfektion zu schützen, sollte stets ein Kondom benutzt werden. (Foto by: photographyMK / Depositphotos)

Es ist relativ einfach eine Infektion mit Chlamydien vorzubeugen:

  • So sollte bei wechselnden Geschlechtspartnern immer ein Kondom verwendet werden, da der häufigste Übertragungsweg von Chlamydien der ungeschützte Geschlechtsverkehr ist.
  • Es ist auch wichtig zu beachten, dass Chlamydien nicht nur durch ungeschützten Vaginalverkehr übertragen werden können, sondern auch durch ungeschützten Oral- bzw. Analverkehr.
  • Kommt es im Laufe des Vorspiels zur Penetration von Vagina oder Anus, muss auch ein Kondom verwendet werden, da die Bakterien auch auf diese Weise übertragen werden können. Darüber hinaus sollte Sexspielzeug nicht gemeinsam benutzt werden bzw. vor der Benützung von zuvor verwendetem Sexspielzeug, gereinigt werden.

Da Chlamydien beim Sex relativ leicht übertragbar sind, kann es bei wechselnden Sexualpartnern trotz Vorsichtsmaßnahmen zu einer Infektion kommen. Ist bereits eine Infektion erfolgt, sollte bis zur Ausheilung der Krankheit auf Sex verzichtet werden, um eine Ansteckung des Partners zu verhindern.

Um eine Ansteckung mit Chlamydien, welche die Augen bzw. die Atemwege angreifen zu verhindern, sollte auf ausreichende Hygiene geachtet werden.

Ist die Chlamydieninfektion einer Person bekannt, sollte man hier besonders auf Hygiene achten und etwa kein Handtuch teilen bzw. auch sonst vermeiden mit Körpersekreten dieser Person in Kontakt zu kommen.


Bewertung: Ø 4,1 (13 Stimmen)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Prämenstruelles Syndrom (PMS)

Prämenstruelles Syndrom (PMS)

PMS tritt in der zweiten Zyklushälfte auf, verstärkt sich zunehmend und verschwindet wieder, wenn die Menstruation beginnt.

weiterlesen
Endometriose

Endometriose

Bei einer Endometriose wächst Gebärmutterschleimhaut, die eigentlich nur in der Gebärmutterhöhle zu finden ist, auch an anderen Organen.

weiterlesen
Vaginaler Ausfluss (Scheidenausfluss)

Vaginaler Ausfluss (Scheidenausfluss)

Die Menge des Ausflusses ist von Frau zu Frau individuell verschieden und erzeugt ein saures Milieu in der Scheide, das vor Krankheitskeimen schützt.

weiterlesen
Vorhautverengung

Vorhautverengung

Von einer Vorhautverengung (Phimose) spricht man, wenn die Vorhaut nicht oder nur erschwert über die Eichel des männlichen Penis zurückgezogen werden kann.

weiterlesen

User Kommentare