Vaginaler Ausfluss (Scheidenausfluss)

Jede geschlechtsreife Frau kennt es: täglicher Ausfluss aus der Scheide. Das geruchlose, milchig-weiße Sekret übernimmt die Funktion der Selbstreinigung und erhält dadurch die natürliche Scheidenflora. Ändert sich jedoch die Menge, die Farbe oder der Geruch des Ausflusses, kann dies auf eine Erkrankung hindeuten.

Vaginaler AusflussDer vaginale Ausfluss sorgt für ein saures Scheidenmilieu und schützt somit vor Krankheiten. (Foto by: ruigsantos / Depositphotos)

Der normale Ausfluss, bestehend aus abgeschilferten Schleimhautzellen und einer Flüssigkeit aus dem Gebärmutterhals, erzeugt durch die enthaltenen Milchsäurebakterien ein saures Milieu in der Scheide und schützt so vor der Vermehrung eingedrungener Krankheitskeime.

Die Menge des Ausflusses ist dabei von Frau zu Frau individuell verschieden. Während manche Frauen bereits geringe Mengen als äußerst unangenehm empfinden, ist für andere selbst starker Ausfluss kein Grund zur Beunruhigung. Die Ausfluss-Menge schwankt zudem während des Zyklus. Das Geschlechtshormon Östrogen bewirkt eine Verstärkung des Ausflusses unmittelbar vor dem Eisprung und vor der Menstruation. In der Mitte des Zyklus ist die Konsistenz eher dünnflüssig und durchsichtig, vor und nach der Periode eher zähflüssig.

Verändert sich die Scheidenflüssigkeit und treten weitere Symptome wie Juckreiz, Brennen oder Schmerzen auf, deutet dies auf eine Erkrankung hin. Je nach Erreger kann der Ausfluss eine wässrige, schleimige, schaumige, krümelige, eitrige oder blutige Konsistenz annehmen und weist zum Teil einen unangenehmen, fischartigen Geruch auf. Um Komplikationen und ernste Krankheiten auszuschließen, sollte unverzüglich eine gründliche Untersuchung durch den Frauenarzt erfolgen.

Ursachen für vaginalen Ausfluss (Scheidenausfluss)

Verstärkter vaginaler Ausfluss kann durch zahlreiche Faktoren verursacht werden.

Hormonelle Veränderungen und seelische Belastungen

Neben hormonellen Veränderungen, die mit der Pubertät, einer Schwangerschaft oder den Wechseljahren einhergehen, führen auch seelische Belastungen und Stress sowie Erregung zu vermehrtem Ausfluss.

Infektion oder Tumor als Ursache

Verändert sich die Konsistenz, die Farbe und der Geruch der Scheidenflüssigkeit, ist dies ein Indikator für eine bestehende Infektion, eine Geschlechtskrankheit oder für einen Tumor in der Scheide, im Gebärmutterhals oder in der Gebärmutter.

Übertriebene Intimhygiene

Intensive Intimhygiene mit normaler Seife, Intimdeodorants oder tiefergehenden Scheidenspülungen, ungeschützter Geschlechtsverkehr, allergische Reaktionen auf das Latex von Kondomen oder Tampon, die nicht regelmäßig gewechselt werden, können das empfindliche Gleichgewicht der Scheide stören und so das Eindringen von Bakterien, Viren, Pilzen oder anderer Mikroorganismen begünstigen.

Die Folgen

Scheidenentzündungen (Vaginitis), Scheidenpilze (Vaginalpilz), eine bakterielle Vaginose oder eine Chlamydien-Infektion, aber auch Geschlechtskrankheiten wie Gonorrhö können die Folge sein.

Dunkler, blutiger Ausfluss kann in einer Verletzung der Scheide begründet liegen, aber auch durch schwerwiegende Erkrankungen wie Krebs hervorgerufen werden.

Symptome von vaginalem Ausfluss (Scheidenausfluss)

Der Begriff Scheidenausfluss bezeichnet keine eigenständige Erkrankung, sondern ist ein Symptom, das bei einer Vielzahl von Erkrankungen der Geschlechtsorgane auftreten kann.

  • Verstärkter Ausfluss mit einer dünnflüssigen oder kernigen Konsistenz, der farblos bis gräulich ist und fischartig riecht, tritt bei bakteriellen Scheidenentzündungen auf, die häufig von Juckreiz, Rötungen und Schwellungen begleitet werden.
  • Ist die Scheidenflüssigkeit weißlich und krümelig und geht mit einem Wundgefühl, oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr einher, liegt eine Scheidenentzündung durch Pilzinfektion vor.
  • Verfärbt sich der Ausfluss gelblich bis bräunlich oder grünlich bei eher dünnflüssiger, schaumiger Konsistenz und ist übelriechend, wird die Scheidenentzündung durch Trichomonaden, kleine durch Geschlechtsverkehr übertragene Geißeltierchen, hervorgerufen. Nicht selten ist ein Übergreifen der Entzündung auf die Harnröhre zu beobachten, was in der Folge zu Brennen beim Wasserlassen führt.
  • Eine Chlamydien-Infektion verläuft bei der Frau häufig beschwerdefrei und verursacht nur manchmal vermehrten Ausfluss und Unterleibsschmerzen. Beim männlichen Partner hingegen, kann die Infektion zu einem brennenden, eitrigen Ausfluss führen.
  • Eitriger, gelblich-grünlicher Ausfluss, der mit Schmerzen bei Wasserlassen, Rötungen und Schwellungen am Scheideneingang verbunden ist, kann auf die Geschlechtskrankheit Gonorrhö hinweisen.
  • Bei wässrigem oder rotem bis bräunlichem Ausfluss mit starkem Geruch, der teilweise Blut enthält, sollte umgehend der Frauenarzt aufgesucht werden, da dies Anzeichen für einen bösartigen Tumor im Bereich der Geschlechtsorgane sein können.

Untersuchungen und Diagnose

Gespräch mit Arzt Vaginaler AusflussVerändert sich die Scheidenflüssigkeit, sollte ein Frauenarzt aufgesucht werden. (Foto by: spotmatikphoto / Depositphotos)


Um die Ursache des vaginalen Ausflusses zu ergründen und eine mögliche Erkrankung erfolgreich zu behandeln, ist ein Besuch beim Frauenarzt ein absolutes Muss.

Anamnese

In einem Vorgespräch erkundigt sich der Frauenarzt zunächst ausführlich darüber, wie stark der Ausfluss ist und wie lange er bereits besteht, ob er nur in bestimmten Situationen auftritt und ob der Ausfluss mit anderen Symptomen wie Jucken oder Schmerzen verbunden ist.

Untersuchung

Danach untersucht er die Scheide mit dem Spekulum, um die Menge, die Farbe, die Konsistenz und den Geruch des Ausflusses zu beurteilen. Der Säuregehalt, der bei gesunden Frauen unter 4,5 liegt, kann wertvolle Hinweise auf die Art der Erkrankung liefern und wird daher mittels eines Teststäbchens bestimmt.

Zellabstrich und Kolposkopie

Für die mikroskopische Analyse weiterer Erreger entnimmt der Gynäkologe zusätzlich etwas Scheidenflüssigkeit. Um bösartige Tumore auszuschließen, wird ein Zellabstrich gemacht und gegebenenfalls eine Kolposkopie durchgeführt. Mit Hilfe des Kolposkops, einem speziellen Untersuchungsmikroskop, das die Scheide und den Muttermund beleuchtet und vergrößert, können Geschwülste und kleinste Defekte im Gewebe erkannt werden. Besonders auffällige Befunde bedürfen zur Abklärung einer Gewebeentnahme (Biopsie).

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Die Behandlung von vaginalem Ausfluss hängt ganz entscheidend von seiner Ursache ab.

Bei vermehrtem Scheidensekret ohne weitere Krankheitssymptome wird die natürliche Scheidenflora durch die Gabe von Scheidenzäpfchen mit Milchsäurebakterien wiederhergestellt. Ist der Scheidenausfluss auf hormonelle Veränderungen zurückzuführen, kann die Gabe von Hormonpräparaten helfen.

Krankhafter vaginaler Ausfluss wird in Abhängigkeit des jeweiligen Erregers behandelt. Bei Infektionen der Scheide mit Bakterien (u. a. Chlamydien) werden Antibiotika verabreicht, bei Infektionen mit Pilzen Antimykotika. Wird die Scheidenentzündung durch Trichomonaden verursacht, ist die Gabe von Medikamenten gegen Parasiten sehr erfolgreich. Die Arzneimittel werden entweder als Tabletten eingenommen oder in Form von Scheidenzäpfchen und Cremes lokal verwendet.

Während der Therapie sollte auf Folgendes verzichtet werden:

  • Geschlechtsverkehr
  • tiefergehende Scheidenspülungen
  • das Tragen von Tampons

Diese Punkte sind wichtig, um dem Genesungsprozess nicht entgegen zu wirken. Förderlich ist auch das tägliche Wechseln der Unterwäsche und der Handtücher. Nach überstandener Entzündung bedarf es einer intensiven Nachbehandlung mit Präparaten, die die natürliche Scheidenflora wiederherstellen, um somit einer erneuten Infektion vorzubeugen.

Komplikationen

Komplikationen treten nur in sehr seltenen Fällen von bakteriell verursachten Scheidenentzündungen vor allem bei Personen mit geschwächtem Immunsystem auf, da sich die Erreger leichter im Körper ausbreiten und unter Umständen zu schwerwiegenden Folgen führen können.

Bei viralen Erregern ist eine Behandlung schwieriger, da hier lediglich die Symptome nicht aber die Viren an sich medikamentös bekämpft werden können. So befinden sich auch nach Abschluss der Behandlung oftmals noch Erreger im Körper, die ein erneutes Ausbrechen der Krankheit verursachen können.

Ist ein bösartiger Tumor Ursache für den Ausfluss, werden meist alle inneren Fortpflanzungsorgane operativ entfernt. Bei fortgeschrittenem Krankheitsstadium kann zusätzlich eine Strahlen- oder Chemotherapie von Nöten sein.

Prävention und was ich selbst tun kann

Ein ausgeglichenes Scheidenmilieu und ein intaktes Immunsystem sind die besten Voraussetzungen, um krankhaftem Scheidenausfluss vorzubeugen.

Richtige Intimpflege

Für die Intimpflege sollte auf parfümierte Seifen, Intimsprays oder Scheidenspülungen verzichtet werden, da sie das natürliche Scheidenmilieu nachhaltig verändern und damit die Vermehrung von Keimen begünstigen.

Zur Reinigung des äußeren Genitalbereiches eignet sich am besten lauwarmes Wasser oder pH-neutrale Seife.

Unterwäsche aus Baumwolle

Unterwäsche aus Synthetik und luftdichte Slipeinlagen verhindern eine gute Belüftung des Intimbereichs und tragen so zum Wachstum von Bakterien und Pilzen bei. Es empfiehlt sich daher, auf Unterwäsche aus Baumwolle zurückzugreifen und diese nach dem Tragen bei 60 Grad zu waschen.

Toilettengang

Um Schmierinfektionen vom Darm zu verhindern, ist es wichtig, nach dem Toilettengang den Analbereich immer von der Scheide weg zum After hin zu reinigen.

Kondom verwenden

Bei häufig wechselnden Geschlechtspartnern, ist die Verwendung von Kondomen ein absolutes Muss, um sich vor der Ansteckung mit einer Geschlechtskrankheit zu schützen.


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