Nahrungsmittel-Unverträglichkeit: Belastung für den Bauch

Köstliche Weihnachtskekse, Glühwein und Punsch auf dem Weihnachtsmarkt und noch zahlreiche andere Naschereien - Dies und andere Ursachen können Bauchschmerzen, Magen-Darm-Probleme, Völlgefühl und Kopfschmerzen auslösen. Hinter diesen Beschwerden kann, manchmal auch eine vorübergehende Nahrungsmittelunverträglichkeit, zum Beispiel auf Histamin, Laktose oder Fruktose stecken und Grund für die Gesundheitsprobleme sein.

Diätologin Frau Hagl-LechnerDiätologin Frau Eva Hagl-Lechner im großen Interview über Nahrungsmittelunverträglichkeit. (Foto by: Foto Schwarzenegger)

FitundGesund.at: Welche Arten von Nahrungsmittelunverträglichkeiten gibt es?

Frau Hagl-Lechner:

  1. Lactoseintoleranz: Dabei kann der Milchzucker im Dünndarm nicht oder zu wenig abgebaut werden.
  2. Fructoseunverträglichkeit: Der Fruchtzucker kann im Dünndarm nicht aufgespalten werden.
  3. Histaminunverträglichkeit: Histamin kann in der Leber nicht abgebaut werden.

FitundGesund.at: Was sind typische Anzeichen einer Unverträglichkeit und über welche Beschwerden klagen Betroffene?

Frau Hagl-Lechner: Beschwerden und Anzeichen können sehr vielfältig sein, Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall.   Bei Histaminunverträglichkeit kann es neben den obengenannten noch zu Herzrasen, Hautausschlägen, anschwellen der Schleimhäute, Atemnot und Migräneanfälllen kommen.

FitundGesund.at: Was ist der Unterschied zwischen einer Allergie und einer Unverträglichkeit?

Frau Hagl-Lechner: Manchmal sind die Unterschiede schwer erkennbar, in den meisten Fällen aber macht sich eine Allergie gleich beim Essen des Lebensmittels bemerkbar. Bei den Unverträglichkeiten dauert es in der Regel etwas länger, da sich die Unverträglichkeiten im Dünndarm abspielen und es einige Zeit braucht, bis der Speisebrei in den  Dünndarm gelangt.

NahrungsmittelunverträglichkeitBlähungen, Bauchschmerzen und Durchfall können Anzeichen einer Nahrungsmittelunverträglichkeit sein. (Foto by: Vadymvdrobot / Depositphotos)

FitundGesund.at: Gibt es Behandlungsmöglichkeiten?

Frau Hagl-Lechner: 4-6 Wochen absolutes meiden der Lebensmittel die nicht vertragen werden, dann werden die Lebensmittel oft in kleinen Mengen wieder vertragen. Lactosin, Daosin, Xylosolv sind Enzympräparate, die man 10-15 Minuten vor dem Essen einnimmt und so die Lebensmittel vertragen werden.

Bei Histaminunvertäglichkeit ist auf eine ausreichende Vitamin C und Zinkversorgung zu achten.  Bei Fruchtzuckerunverträglichkeit auf Folsäure und Zink. Oft verschlechtert Stress den Zustand noch.

FitundGesund.at: Wie sieht die richtige Ernährung bei einer Unverträglichkeit aus, vor allem in der Weihnachtszeit?

Frau Hagl-Lechner: Ausgewogene Mischkost mit viel frischen Obst und Gemüse, wenig Fertigprodukte, üppige Mahlzeiten vermeiden und viel Bewegung in frischer Luft.

FitundGesund.at: Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe für so viele Betroffene?

Frau Hagl-Lechner: Ich wünsche mir eine bessere Aufklärung durch Medien und gute Testmethoden. Als Hauptgrund sehe ich die Ernährung - es werden oft Fertigprodukte gegessen, in vielen Lebensmittel und Limonaden wird Fructose als billiger Süßstoff verwendet. In vielen Produkten findet man Milchzucker als Zusatzstoff - diese Menge kann oft der Verdauungstrakt nicht mehr bewältigen - Folge Unverträglichkeiten. Ein weitere Ursache ist der Stress.

FitundGesund.at: Was raten Sie Ihren Patienten und welche Möglichkeiten der Prävention gibt es?

Frau Hagl-Lechner: Ich empfehle wenig bis keine Fertigprodukte zu essen, frisch zubereitete Speisen sollten auf dem Speiseplan stehen und so oft als möglich genossen werden. Außerdem sollten üppige Mahlzeiten und Übergewicht vermieden werden. Auf eine gute Versorgung mit Mineralstoffen ist zu achten.

Studienergebnisse über Nahrungsmittelunverträglichen

Aufgrund dieser Unverträglichkeiten auf bestimmte Nahrungsmittel wurde im Auftrag der "Nutridis - Wissenschaftliche Gesellschaft zur Forschung und Weiterbildung im Bereich nahrungsmittelbedingter Intoleranzen" eine Studie durchgeführt, wobei 1.004 Personen im Alter zwischen 14 und 69 Jahren befragt wurden.

Das Ergebnis der Studie zeigt, dass 75 Prozent der Befragten sporadisch an Beschwerden nach dem Essen leiden, davon sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Interessant ist auch, dass zum Großteil jüngere Menschen an den Beschwerden leiden, umso älter die Befragten, desto weniger klagen sie über Beschwerden. Typische Symptome sind Magen-Darm-Probleme (wobei 2 von 3 Befragten darunter leiden), Müdigkeit, Kopschmerzen, Bluthochdruck, Schwindel, Juckreiz und Depressionen.

Rund ein Drittel der Personen vermeiden Lebensmittel, die Beschwerden auslösen, 87 Prozent haben ihre Ernährung aufgrund der Unverträglichkeit umgestellt. Rund die Hälfte fühlen sich in ihrer Lebensqualität stark eingeschränkt.


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