Fructoseintoleranz

Betroffene von einer Fructoseintoleranz können Fruchtzucker gar nicht oder nur in kleinen Mengen verdauen. Typische Symptome sind Durchfall und Blähungen. Bei einer fructosearmen Ernährung klingen die Symptome meist rasch ab.

FruktoseintoleranzBei einer Fruktoseintoleranz kann Fruchtzucker nur teilweise im Dünndarm verdaut werden. (Foto by: gwolters / Depositphotos)

Bei einer Fructoseintoleranz kann über die Nahrung aufgenommener Fruchtzucker nicht adäquat aufgespalten und aufgenommen werden. Der Fruchtzucker kann nur teilweise im Dünndarm verdaut werden. Der restliche Fruchtzucker gelangt in den Darm, wo er eigentlich nicht hingehört. Im Darm befinden sich nicht die notwendigen Enzyme, um Fructose aufspalten zu können. Daher kommt es zu einer Zersetzung durch die Darmbakterien, was zu den typischen Symptomen wie Blähungen führt.

Grundsätzlich wird zwischen zwei Arten von Fructoseinterolanz unterschieden:

  • Die hereditäre Fructoseintoleranz: Sie ist eine sehr selten auftretende genetische Erkrankung, bei der eine Störung im Fruchtzuckerstoffwechsel vorliegt. Liegt eine hereditäre Fructoseintoleranz vor, wird der Betroffene bereits mit dem Enzymdefekt geboren. Aus diesem Grund sind hier vorwiegend Babys bzw. Kinder betroffen.
  • Die intestinale Fructoseintoleranz: Sie tritt um einiges häufiger auf und wird auch Fructosemalabsorption genannt. Bei der Fructosemalabsorption ist die Funktion der Transportproteine für Fruchtzucker (GLUT5) eingeschränkt, jedoch vorhanden. Betroffene können daher nur kleine Mengen Fructose zu sich nehmen. Die Fructosemalabsorption ist eine Unverträglichkeit, die nach Schätzungen von Experten bis zu ein Drittel der Bevölkerung Zentraleuropas betrifft.

Ursachen einer Fructoseintoleranz

hereditäre Fructoseinterolanz

Die Ursache für die hereditäre Fructoseintoleranz ist eine Genmutation. Davon betroffen ist das ALDOB-Gen. Dieses Gen codiert für das Enzym Aldolase B. Aldolase B hat die Aufgabe, den über die Nahrung aufgenommenen Fruchtzucker ins Blut zu überführen, also aus Fruchtzucker Blutzucker zu machen. Dies geschieht vor allem in der Leber, da hier die Aldolase B hauptsächlich vorkommt. Fehlt das Enzym, kann die aufgenommene Fructose nicht in Blutzucker überführt werden und die Zuckermoleküle häufen sich in der Leber an. Diese Anhäufung von Fruchtzuckermolekülen schädigt das Lebergewebe und kann zum Leberversagen führen.

Fructosemalabsorption

Bei der Fructosemalabsorption hat der Enzymmangel weniger schlimme Auswirkungen. Es ist bis heute nicht geklärt, wodurch es zu einer Verminderung der Funktion des Fructosetransporters kommt. Es wird vermutet, dass die Leistungsfähigkeit der Transporter im Zuge des Alterns abnimmt und dadurch nicht mehr so viel Fruchtzucker wie zuvor verstoffwechselt werden kann. Darüber hinaus werden immer mehr industriell gefertigte Nahrungsmittel konsumiert. Solche Produkte haben einen viel höheren Fruchtzuckeranteil als natürliche Nahrungsmittel. Eine der Ursachen für intestinale Fructoseintoleranz könnte auch im geänderten Essverhalten liegen. Jeder Mensch kann von Natur aus nur eine gewisse Menge Fruchtzucker verdauen. Wird dem Körper eine größere Menge zugeführt, kommt es zu den typischen Symptomen einer Fructosemalabsorption.

Symptome einer Fructoseintoleranz

Symptome FruktoseintoleranzVerdauungsstörungen gelten als typische Symptome bei einer Fruktoseintoleranz. (Foto by: AndreyPopov / Depositphotos)

Die Symptome einer Fructoseintoleranz können sich auf verschiedene Weise manifestieren. Bei der hereditären Fructoseintoleranz treten die Symptome dann auf, wenn das Baby erstmals zugefüttert wird und die Nahrung Fructose enthält. Typischerweise treten bei Säuglingen erste Symptome um den sechsten Lebensmonat herum auf. Bei der hereditären Fructoseintoleranz kommt es zu Übelkeit, Durchfall und Erbrechen. Betroffene Babys fallen häufig durch eine übermäßige Schläfrigkeit und Kraftlosigkeit auf. In manchen Fällen kann es auch zu Bewusstseinstrübungen bis hin zur Lethargie kommen. Eltern von betroffenen Säuglingen beobachten darüber hinaus Schweißausbrüche ihres Kindes, nachdem es fructosehaltige Beikost erhält.

Im fortgeschrittenen Stadium der hereditären Fructoseintoleranz kann es zu einem Leberversagen kommen. Auch Funktionsstörungen der Nieren können auftreten. Bleibt die Fructoseintoleranz bei Säuglingen unbehandelt, kann es zu Wachstumsstörungen sowie Störungen des Säure-Basen-Haushalts des Körpers kommen.

Die charakteristischen Symptome einer Fructosemalabsorption sind denen der erblichen Form ähnlich; der Verlauf ist jedoch milder. Typisch sind Verdauungsstörungen nach dem Verzehr von fructosehaltigen Lebensmitteln. Auch der Verzehr von Sorbit und Haushaltszucker kann zu den Symptomen führen. Häufig kommt es zu:

  • Bauchschmerzen
  • Appetitlosigkeit
  • Blähungen

Die Intensität der Symptome unterscheidet sich von Fall zu Fall. Bei einer leichten Fructosemalabsorption kommt es erst bei einer größeren Menge aufgenommenem Fruchtzucker zu Beschwerden. Andere Betroffene reagieren bereits bei sehr kleinen Mengen mit Symptomen.

Untersuchungen und Diagnose

Bis eine Fructoseintoleranz diagnostiziert wird, vergeht meist viel Zeit. Das liegt unter anderem daran, dass bei einer leichten Malabsorption die Symptome äußerst unspezifisch sind und häufig nicht dem aufgenommenen Fruchtzucker zugeordnet werden können. Außerdem gibt es eine Reihe anderer Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien, die mit denselben Beschwerden einhergehen können. Die charakteristischen Symptome einer Fructoseintoleranz können z. B. auch bei einer Laktoseintoleranz oder einem Reizdarmsyndrom auftreten.

Grundsätzlich erhebt der behandelnde Arzt zuerst eine ausführliche Anamnese. Dabei stellt er besonders Fragen nach der Ernährung und wann die Beschwerden auftreten. Besteht der Verdacht auf eine Fructosemalabsorption, wird ein Atemtest durchgeführt. Der Betroffene muss dabei eine Lösung mit Fruchtzucker trinken und anschließend in genau definierten Intervallen in ein Messgerät pusten. Liegen die vom Messgerät angezeigten Werte über der Norm, kann eine Fructoseintoleranz diagnostiziert werden.

Die Diagnose der hereditären Fructoseintoleranz gestaltet sich um einiges komplizierter. Dies liegt hauptsächlich daran, dass betroffene Kleinkinder stark auf Fruchtzucker reagieren und bereits kleinste zur Messung verabreichte Mengen gefährlich sein können. Aus diesem Grund wird bei einer angeborenen Fructoseintoleranz kein Atemtest durchgeführt. Die Diagnose stützt sich hier auf zwei Grundpfeiler:

  • bei der hereditären Fructoseintoleranz sind bestimmte Blutwerte verändert;
  • es ergibt sich eine Besserung der Symptome, wenn kein Fruchtzucker in der aufgenommenen Nahrung enthalten ist

Es gibt auch noch einige andere labortechnische Untersuchungen, die zur Diagnose einer hereditären Fructoseintoleranz herangezogen werden können.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Die Behandlung der Fructoseintoleranz ist vom Schweregrad des jeweiligen Falls abhängig. Bei der hereditären Fructoseintoleranz ist eine vollkommen fructosefreie Ernährung notwendig, um schlimme Komplikationen zu verhindern. Wird in diesen Fällen die Fructoseaufnahme nicht verhindert, so kann es zu schweren Komplikationen kommen. Da die aufgenommene Fructose nicht abgebaut werden kann, sammeln sich Zuckermoleküle im Lebergewebe an und schädigen dieses. Im schlimmsten Fall führt dies zu einem akuten Leberversagen, wobei es sich um eine lebensbedrohliche Erkrankung handelt.

Bei einer Fructosemalabsorption ist es nicht notwendig, vollständig auf Fruchtzucker zu verzichten. Die Therapie einer Fructosemalabsorption besteht aus einer starken Verminderung von Fructose, Sorbit und teilweise auch Saccharose in der Ernährung. Zu Beginn der Therapie ist eine mehrwöchige Phase notwendig, in der kein Fruchtzucker aufgenommen wird. Danach kann wieder Fruchtzucker konsumiert werden, jedoch nur in kleinen Mengen. Der genaue Ernährungsplan bei einer Fructoseintoleranz wird mit einer Ernährungsberatung erstellt. Wird der erarbeitete Ernährungsplan eingehalten, klingen die Beschwerden meist rasch ab.

Prävention und was ich selbst tun kann

Unverträglichkeit gegen FruchtzuckerBei einer Fruktoseintoleranz sollte Obst, Trockenfrüchte sowie Obstsäfte gemieden werden. (Foto by: Nitrub / Depositphotos)

Die genetisch bedingte Form der Fructoseintoleranz kann nicht vorgebeugt werden, da es sich dabei um eine Genmutation handelt, die bereits bei der Geburt vorhanden ist.

Die Beschwerden einer Fructosemalabsorption können sehr effektiv vorgebeugt werden, indem ein fructosearmer Speiseplan eingeführt wird. In vielen Obstsorten ist besonders viel Fruchtzucker enthalten. Gemieden werden sollten demnach

  • Birnen
  • Äpfel
  • Ananas
  • Weintrauben
  • Trockenfrüchte
  • Obst- und Gemüsesäfte

Bei einer leichten Fructoseintoleranz ist es auch hilfreich, rohes Obst oder Gemüse zusammen mit einer Mahlzeit zu verspeisen, da die Aufnahme von Fruchtzucker dadurch verlangsamt wird und die Fructosetransporter so mehr Zeit für ihre Arbeit haben.

Keine Fructose findet sich zum Beispiel in Erbsen oder Kopfsalat. Betroffene von Fructoseintoleranz sollten außerdem auf sogenannte Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit verzichten. Zuckeraustauschstoffe sind unter anderem in Light-Produkten und Kaugummi enthalten. Grundsätzlich empfiehlt es sich, bei bekannter Fructosemalabsorption die Zutatenliste von Fertigprodukten genau zu lesen, da vielen Produkten Fructose beigesetzt wird.


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