Keuchhusten (Pertussis)

Keuchhusten ist wieder auf dem Vormarsch. Betroffen sind vor allem Jugendliche und Erwachsene, bei denen der Impfschutz verloren gegangen ist. Da Kinder bei einer Erkrankung zum Teil völlig andere Symptomen zeigen, wird Keuchhusten bei Erwachsenen oft mit harmlosen Atemwegs-Infekten verwechselt.

Mann hat KeuchhustenKeuchhusten ist eine akute und hochansteckende Infektionserkrankung der Atemwege. (Foto by: imagepointfr / Depositphotos)

Ca. 60 Millionen Menschen weltweit infizieren sich jährlich mit Keuchhusten, bei etwa 500.000 Betroffenen verläuft die Erkrankung tödlich. Mit dem Begriff Keuchhusten (Pertussis) bezeichnen Mediziner eine akute Infektionskrankheit der Atemwege, die durch das Bakterium Bordetella pertussis ausgelöst wird. Zunächst zeigen Erkrankte nur einfache Erkältungssymptome wie Niesen, Schnupfen und Heiserkeit. Nach ein bis zwei Wochen verschlechtert sich der Gesundheitszustand und es treten die charakteristischen stakkatoartigen Hustenanfälle auf, die mehrere Wochen anhalten können. Vor allem für Säuglinge und Kleinkinder ist eine Keuchhusten-Infektion sehr gefährlich, da die Gefahr von Atemstillständen besteht.

In Österreich ist laut Daten der Statistik Austria in den letzten 20 Jahren ein Anstieg der Keuchhusten-Infektionen zu verzeichnen. Zwar erkranken Kleinkinder aufgrund der Impfung inzwischen seltener an Keuchhusten, bei Jugendlichen und Erwachsenen nimmt die Zahl der Infektionen jedoch zu, da die Wenigsten an eine Auffrischungsimpfung denken. Der Krankheitsverlauf ist bei ihnen in der Regel milder, sie sind jedoch als potenzielle Überträger der Erreger vor allem für Säuglinge eine Infektionsquelle.

Ursachen von Keuchhusten

Auslöser für eine Erkrankung mit Keuchhusten ist eine Infektion mit dem Bakterium Bordetella pertussis. Nachdem sich die Erreger in die oberen Atemwege, die Luftröhre und die Bronchien eingenistet haben, vermehren sie sich. Dabei entstehen Zellgifte, die zu einer Schädigung der Flimmerhärchen und der Schleimhäute führen, was die typischen Symptome hervorruft.

Ursächlich für eine Ansteckung sind kleinste Tröpfchen, die eine erkrankte Person durch sprechen, niesen oder husten in die Luft abgibt. Auch die gemeinsame Nutzung von Geschirr oder Besteck birgt ein großes Infektionsrisiko.

Die Erreger sind extrem ansteckend: Wer mit dem Bakterium in Berührung kommt und nicht geimpft ist, wird mit etwa 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit an Keuchhusten erkranken. Nach einer überstandenen Keuchhusten-Infektion besteht eine etwa 10-jährige Immunität. Danach ist eine erneute Erkrankung möglich, verläuft jedoch in der Regel milder.

Symptome von Keuchhusten

Vor allem Kindern durchlaufen die drei typische Stadien der Krankheit.

1. Phase

Die größte Infektionsgefahr besteht in der ersten Phase, dem sogenannten Stadium catarrhale, in der sich etwa sieben bis 20 Tage nach der Ansteckung erste untypische Symptome zeigen. Erhöhte Temperatur, Schnupfen, Heiserkeit, leichter Husten, Müdigkeit und Abgeschlagenheit können in der Anfangsphase auftreten, die etwa ein bis zwei Wochen andauert.

2. Phase

Die krampfartigen Hustenanfälle setzen in der zweiten Phase, dem Stadium convulsivum ein, die vier bis sechs Wochen anhält. Der Betroffene hustet in mehreren stakkatoartigen Stößen, während denen es zu lebensbedrohlicher Atemnot kommen kann. Dann folgt das typische keuchende und pfeifende Einatmen. Nach mehreren dieser Hustenstöße würgt der Erkrankte einen zähen, glasigen Schleim heraus und muss sich nicht selten übergeben. Danach folgt in der Regel eine Hustenpause. Aufgrund der Heftigkeit können die Hustenanfälle von Bauch- und Kopfschmerzen sowie Muskelkater begleitet werden.

Säuglinge entwickeln häufig nicht die typischen heftigen Hustenanfälle, sondern piepsen nur hilflos. Die Gefahr von Erstickungsanfällen und gefährlichen Atemaussetzern ist aufgrund der engen Atemwege, die schnell zuschwellen können, besonders groß.

Bei Erwachsenen und Jugendlichen verläuft die Erkrankung oft ohne den Stakkato-Husten. Sie entwickeln eher, ähnlich wie bei einer starken Bronchitis, einen langanhaltenden oder chronischen Husten.

3. Phase

In der letzten Phase, dem Stadium decrementi, schwächen sich die Hustenanfälle langsam ab und werden seltener. Der Betroffene erholt sich in dem etwa zwei bis vier Wochen dauernden Stadium langsam von den Strapazen.

Untersuchungen und Diagnose

Blutuntersuchung KeuchhustenAuch eine Blutuntersuchung kann zur Diagnose von fortgeschrittenem Keuchhusten herangezogen werden. (Foto by: NayYai / Depositphotos)

Der charakteristische stakkatoartige Husten und die keuchenden Geräusche beim Einatmen, unter denen vor allem Kinder leiden, sind deutliche Anzeichen für eine Erkrankung mit Keuchhusten. Bei Erwachsenen gestaltet sich die Diagnose weitaus schwieriger, da oft nur ein hartnäckiger Husten, der sich auch nach Wochen nicht bessert, auf eine Infektion hindeutet.

Im Anfangsstadium der Erkrankung kann das Bakterium Bordetella pertussis mittels Abstrich aus Nase oder Rachen nachgewiesen werden. Da der Erreger jedoch sehr empfindlich ist, misslingt der Nachweis mit dieser Methode bei etwa jedem zweiten Erkrankten.

Ein weitaus zuverlässigeres aber auch deutlich kostenintensiveres Verfahren ist die Polymerase-Kettenreaktion. Innerhalb weniger Stunden wird hierbei das im Nasen-Rachen-Sekret enthaltene Erb-Material des Pertussis-Erregers milliardenfach vervielfältigt und kann anschließend untersucht werden. Wenn die Krankheit bereits weiter vorausgeschritten ist und das Stadium convulsivum erreicht hat, kann eine Blutuntersuchung die Diagnose festigen.

Ist der Betroffene an Keuchhusten erkrankt, befinden sich Antikörper, die sich gegen den Pertussis-Erreger gebildet haben, in seinem Blut. Bevor eine entsprechende Therapie eingeleitet werden kann, prüft der Arzt zudem, ob durch den Keuchhusten bereits Komplikationen wie etwa eine Mittelohrentzündung oder eine Lungenentzündung verursacht wurden.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Wird Keuchhusten diagnostiziert, muss der Betroffene so schnell wie möglich mit der Einnahme von Antibiotika beginnen. Diese lindern zwar nicht die Symptome, verkürzen aber deutlich die Ansteckungsgefahr, sodass etwa fünf Tage nach Therapiebeginn keine Infektionsgefahr mehr besteht. Da das Toxin der Bakterien zu einer Schädigung der Schleimhäute führt, halten die Hustenanfälle bis zur vollständigen Erholung der Flimmerhärchen in den Bronchien vorerst weiter an. Sie verschwinden erst dann, wenn das durch die Erreger abgesonderte Gift abgebaut ist.

Um die Beschwerden zu lindern, sollte der Betroffene sich schonen, viel trinken, nur leichte Kost zu sich zu nehmen und auf eine kühle und feuchte Raumluft achten. Empfehlenswert ist es auch, regelmäßig zu inhalieren. Erkrankte Kinder brauchen eine besonders intensive Zuwendung, da die Hustenattacken oft mit großer Angst vor dem Ersticken verbunden sind. Keuchhusten bei Babys bedarf immer einer Behandlung im Krankenhaus, da sie nicht in der Lage sind, den Schleim selbständig abzuhusten. Durch das regelmäßige Absaugen wird die Atemnot gelindert und einem Atemstillstand vorgebeugt.

Vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern ist eine Keuchhusten-Infektion häufig mit Komplikationen verbunden, aber auch etwa jeder vierte Erwachsene ist betroffen. Viren und Bakterien können besonders leicht in die geschädigte Lunge eindringen und eine Lungenentzündung auslösen. Eine Ausbreitung der Erreger auf das Ohr ist möglich, sodass eine Erkrankung häufig mit einer Mittelohrentzündung einhergeht.

In seltenen Fällen kann Keuchhusten ursächlich für Krampfanfälle im Gehirn sein, die zu einer Sauerstoffunterversorgung führen. Auch die vom Erreger abgesonderten Gifte können eine dauerhafte Schädigung des Gehirns (Enzephalopathie) nach sich ziehen. Bei älteren Kindern lösen die starken Hustenanfälle vereinzelt Nasenbluten, Augenbindehautblutungen, Geschwüre am Zungenband oder Leisten- und Rippenbrüche aus. Die Keuchhustengifte können auch noch Jahre nach einer Erkrankung allergische Reaktionen und chronisches Asthma hervorrufen.

Prävention und was ich selbst tun kann

Impfung gegen KeuchhustenEinen wirksamem Schutz gegen eine Erkrankung mit Keuchhusten bietet eine Impfung. (Foto by: Wavebreakmedia / Depositphotos)

Einen wirksamem Schutz gegen eine Erkrankung mit Keuchhusten bietet eine Impfung. Für die Grundimmunisierung wird je eine Impfung im Alter von zwei, drei und vier Monaten empfohlen. Mit einer vierten Impfung im elften bis 14. Lebensmonat ist die Grundimmunisierung abgeschlossen.

Für einen ausreichenden Schutz schließen sich daran zwei Auffrischungsimpfungen im Alter von fünf bis sechs und neun bis 17 Jahren an. Die Immunität gegen Keuchhusten hält nach einer Impfung etwa zehn bis maximal 20 Jahre an. Daher ist es auch für Erwachsene wichtig, einer Infektion durch Pertussis-Erreger mittels Auffrischungsimpfung vorzubeugen. Hierzu bietet sich eine Kombinationsimpfung gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten an.

Da die Krankheit bei Säuglingen oft einen schweren Verlauf nimmt und mit lebensbedrohlichen Komplikationen verbunden sein kann, ist ein ausreichender Impfschutz für Frauen mit Kinderwunsch, Eltern, Großeltern und Kinderbetreuer ein absolutes Muss. Erfolgte die letzte Impfung vor mehr als zehn Jahren, sollten sich werdenden Mütter spätestens vier Wochen vor der Geburt des Kindes gegen die Pertussis-Erreger impfen lassen. Frischgebackene Mütter ohne ausreichenden Impfschutz sollten die Impfung in den ersten Tagen nach der Geburt nachholen.


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