Mittelohrentzündung (Otitis media)

Die Mittelohrentzündung, in Fachkreisen auch Otitis media genannt, ist eine schmerzhafte Erkrankung des Ohres. Sie tritt meist sehr plötzlich auf und verursacht in frühen Stadien teils stechende Ohrschmerzen, die mit Fieber und Schwindelgefühlen einhergehen.

MittelohrentzündungEine Mittelohrentzündung ist eine akute Entzündung der Schleimhaut im Mittelohr. (Foto by: piotr_marcinski / Depositphotos)

Das menschliche Mittelohr ist ein Hohlraum im Schädelbereich, der mit Luft gefüllt und vom restlichen Gehörgang durch das Trommelfell abgetrennt ist. Das Mittelohr beherbergt zudem die drei Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel, welche im Regelfall dafür Sorge zu tragen haben, dass von außen kommende Schallwellen in das Innenohr zur weiteren Verarbeitung getragen werden. Für die Belüftung des Mittelohres ist die Ohrtrompete zuständig, die im weiteren Verlauf auch den Druck im Inneren reguliert und ausgleicht.

Jedoch liegt in diesem System auch eine Gefahr: Leidet der menschliche Körper an einer Erkältung, so können sich Krankheitserreger, meist Bakterien, die im Bereich von Nase oder Rachen sitzen, leicht über die Ohrtrompete in das Mittelohr bewegen und dort Entzündungen auslösen. Daher handelt es sich bei der Mittelohrentzündung oft um eine Folgeerkrankung.

Besonders häufig sind in Österreich Kinder und Säuglinge von der Mittelohrentzündung betroffen. Sie bildet die häufigste Ursache für quälende Ohrschmerzen bei Kindern. Der Grund hierfür liegt auch an der Beschaffenheit der Ohrtrompete von Kleinkindern, die in diesem Alter noch sehr kurz ist und daher fast barrierefrei Bakterien zulässt.

Ursachen für eine Mittelohrentzündung

Einer Mittelohrentzündung können die verschiedensten Ursachen zugrunde liegen, jedoch sind als Auslöser Viren oder aber auch Bakterien am häufigsten anzutreffen.

Viren als Auslöser

Viren sind meist dann eine Ursache für die Mittelohrentzündung, wenn sie als Erreger von Grippe oder ähnlichen Erkältungskrankheiten im Körper des Patienten vorliegen. Tritt die Mittelohrentzündung zusammen mit einer grippeähnlichen Erkrankung auf, so ist diese also meist die Ursache für die Folgeerkrankung. Hierbei treten Erreger aus dem Nasen- und Rachenraum über die Ohrtrompete in den Bereich des Mittelohres.

Bakterien als Ursache

Weitaus häufiger sind jedoch Bakterien die Übeltäter, wenn es zu einer Mittelohrentzündung kommt: Sind Säuglinge von der Erkrankung betroffen, so sind die Auslöser meist Bakterien des Typs Staphylokokken. Allerdings kommen neben diesen auch in vielen Fällen Bakterien wie Pneumokokken, A-Streptokokken oder auch Haemophilus influenzae vot, wenn es zu einer Mittelohrentzündung kommt.

Verletzung des Trommelfells

Weitere Ursachen für eine Entzündung des Mittelohres können zudem eine Defekt oder eine Verletzung des Trommelfells sein, wobei Keime in den betroffenen Bereich dringen können.

Weitere Ursachen

Zudem können auslösende Bakterien oder Viren durch die sogenannte hämatogene Streuung über den Blutkreislauf in das Mittelohr gelangen und dort Erkrankungen auslösen. Außerdem tritt die Mittelohrentzündung oft als Folge einer Mandelentzündung, angeborener Veränderungen wie Gaumenspalten oder aber auch wegen behinderter Nasenatmung aufgrund von Polypen auf.

Symptome bei einer Mittelohrentzündung

Was die typischen Symptome einer Mittelohrentzündung betrifft, muss zunächst unterschieden werden, ob es sich um die akute oder aber die chronische Form der Erkrankung handelt.

Symptome einer aktuen Mittelohrentzündung

  • So verspüren Betroffene einer akuten Mittelohrentzündung in einem frühen Stadium Ohrschmerzen, die beid- oder aber einseitig auftreten können und sich oft stechend äußern.
  • Zudem wird häufig über ein Klopfen im Inneren des Ohres geklagt, wobei die Beschwerden in vielen Fällen von Fieber und Schwindel begleitet sind.
  • Aufgrund der auslösenden Viren und Bakterien, die im Bereich des Ohres die Mittelohrentzündung verursachen, zeigt der Körper bei vielen Patienten auch rasch Abwehrreaktionen, um die Erreger zu bekämpfen. Oftmals kommt es daher zu Rötungen der Gesichtshaut oder Schmerzgefühlen.
  • Zudem erwärmen sich Haut und Schleimhäute und Schwellungen werden ausgelöst.
  • Betroffene fühlen sich neben den lokalen Beschwerden allgemein abgeschlagen und krank, das Hörvermögen ist erheblich eingeschränkt und Kopfschmerzen treten vermehrt auf.

Symptome bei Säuglingen

Bei Säuglingen äußert sich die Mittelohrentzündung in einem unruhigen und weinerlichen Verhalten sowie dem sogenannten Ohrzwang, dem ständigen Griff zum Ohr.

Symptome einer chronischen Mittelohrentzündung

Die Symptome einer chronischen Mittelohrentzündung sind weniger schmerzhaft, jedoch tritt auch hier eine Verminderung des Hörens auf. Zudem treten permanent Sekrete aus dem Gehörgang aus und entzündliches Gewebe wuchert im betroffenen Bereich.

Untersuchungen und Diagnose

Untersuchung MittelohrentzündungMittels einer Otoskopie kann eine Mittelohrentzündung diagnostiziert werden. (Foto by: Wavebreakmedia / Depositphotos)

Um eine Mittelohrentzündung zweifelsfrei feststellen zu können, empfiehlt sich die Untersuchung durch einen spezialisierten Hals-Nasen-Ohren Arzt, kurz HNO. Nur diese Fachärzte verfügen über die nötigen Möglichkeiten einer einwandfreien Diagnose. Oftmals kann eine Mittelohrentzündung bereits durch die meist sehr eindeutigen Symptome und Zusammenhänge mit anderen Erkältungskrankheiten vage feststellen.

Otoskopie

Zur genauen Diagnose allerdings ist es nötig, durch den Facharzt eine Ohrenspiegelung, die sogenannte Otoskopie, durchführen zu lassen. Hierzu wird ein Ohrtrichter genutzt, mithilfe dessen das Trommelfell untersucht werden kann. Anhand dessen kann eine krankhafte Veränderung am leichtesten erkannt werden:

Der Zustand eines gesunden Trommelfells ist gräulich gefärbt, spiegelnd, sehr glatt in seiner Beschaffenheit und macht einen leicht durchsichtigen Eindruck. Zudem ist es äußerst beweglich.

Bei Vorliegen einer Mittelohrentzündung ist das Trommelfell hingegen entzündlich verändert. Die typischen Anzeichen sind hierbei eine Rötung, die Verwöblung oder aber Verdickung des Trommelfells. Neben Blasen ist in einzelnen Fällen auch eine sogenannte Perforationsstelle, also ein Loch, zu erkennen, wobei an dieser Stelle vermehrt Flüssigkeit austritt.

Tympanometrie

Zudem kommt bei der Diagnose im Regelfall die Tympanometrie zum Einsatz. Hierbei können die Eigenschaften von Mittelohr und Trommelfell auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft werden.

Hörtest und Nasenspiegelung

Gestützt werden können die Ergebnisse der Diagnose durch zusätzliche Hörtests oder auch Nasenspiegelungen.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Behandlung MittelohrentzündungMeist erfolgt die Behandlung einer Mittelohrentzündung mit Antibiotika. (Foto by: Taisiya2558 / Depositphotos)

Bei der Behandlung einer Mittelohrentzündung kommt in erster Linie die Gabe eines Antibiotikums infrage, da auf diesem Weg verursachende Bakterien am besten bewältigt werden können. Ärzte verschreiben Antibiotika besonders häufig bei Kleinkindern, da diese Art der Therapie bei Entzündungen und Flüssigkeitsaustritt gut anschlägt.

Bei empfindlichen Patienten hingegen bietet sich die Behandlung mit Antibiotika eher weniger an, da sie häufig Durchfallerkrankungen auslösen kann sowie oftmals die Resistenzen von Bakterien weiter begünstigt.

Viele Fachärzte setzen daher bei der Therapie auf die Methode der reinen Beobachtung des Verlaufes der Mittelohrentzündung, da eine spontane Abheilung nicht selten ist. Auch ohne Medikamente verläuft die Erkrankung so meist ohne weitere Komplikationen, solange die ärztliche Beobachtung gegeben ist.

Linderung der schmerzhaften Symptome versprechen beispielsweise Nasentropfen, die in den Gehörgang gegeben werden und dafür sorgen, dass das Mittelohr ausreichend belüftet wird und Flüssigkeit abfließen kann. Gegen die Schmerzen, mit denen eine Entzündung des Mittelohrs häufig verbunden ist, werden häufig lindernde Schmerzmittel verabreicht. Auch Wärme kann wohltuende Wirkung haben.

Im Falle von Komplikationen, wie beispielsweise einer immensen Verformung des Trommelfells, muss dieses operativ geöffnet werden.

Sonstige Veränderungen des Trommelfells, die typisch sind für eine Mittelohrentzündung, heilen hingegen selbstständig ab. Bei chronischen Mittelohrentzündungen sind operative Eingriffe hingegen meist unumgänglich, da sie durch die andauernde Belastung Folgen wie beispielsweise das Cholesteatom haben können. Hierbei sind die Knöchelchen des Gehörgangs chronisch vereitert und müssen durch eine Trommelfellplastik behandelt werden.

Prävention und was ich selbst tun kann

Da Mittelohrentzündungen meist sehr spontan auftreten und durch kaum beeinflussbare Faktoren ausgelöst werden, ist eine Prävention kaum möglich. Gerade Kinder, die auf vielfältige Art und Weise mit Bakterien und Viren in Kontakt kommen, sind häufig von der Mittelohrentzündung betroffen. Wer dennoch vorbeugen möchte, sollte auf Kleinigkeiten im Leben des Kindes Acht geben:

  • So ist das Risiko immens minimiert, wenn Säuglinge und Kleinkinder in einer rauchfreien Umgebung aufwachsen und ausreichend mit Vitaminen versorgt sind. Auf diese Weise wird das Immunsystem der Kinder gestärkt.
  • Außerdem ist auch die erhöhte Aufnahme von Zink ein erwiesener Weg, die körpereigenen Abwehrkräfte wesentlich zu stärken.
  • Auch bietet sich eine Impfung gegen die bakteriellen Pneumokokken an, die oftmals die Entzündung des Mittelohrs auslösen.

In jedem Fall hingegen ist Aufmerksamkeit die beste Vorbeugungsmaßnahme. So sollte sofort ein Facharzt aufgesucht werden, wenn sich geringste Anzeichen einer Mittelohrentzündung zeigen. Treten leichte Ohrenschmerzen auf, muss die Ursache möglichst rasch festgestellt werden. Nur auf diese Art und Weise ist eine frühzeitige Behandlung möglich, die letztlich größere Beschwerden verhindern kann. Andererseits besteht bei Nichtbehandlung einer Mittelohrentzündung die große Gefahr einer chronischen Form der Erkrankung, deren Behandlung dann zunehmend schwieriger wird.


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