Mandelentzündung (Angina tonsillaris)

Bei einer Mandelentzündung (Tonsilitis, Angina tonsillaris) handelt es sich um eine Infektion, zumeist durch Bakterien (Streptokokken, u.a.) ausgelöst, der Gaumenmandeln. Manchmal sind auch Viren für eine Mandelentzündung verantwortlich. Findet eine entsprechende Behandlung statt, heilt die Mandelentzündung meist ohne Komplikationen aus.

Mandelentzündung Abstrich machenOft wird ein Rachenabstrich zur Diagnose von einer Mandelentzündung gemacht. (Foto by: Wavebreakmedia / Depositphotos)

Als Mandelentzündung (Tonsillitis, Angina tonsillaris) wird eine hoch ansteckende Infektion der Gaumenmandeln bezeichnet, die über eine Tröpfcheninfektion übertragen wird. In den meisten Fällen wird eine Mandelentzündung durch Bakterien und seltener durch Viren hervorgerufen. Die Inkubationszeit beträgt in aller Regel 24 bis 72 Stunden.

Arten der Mandelentzündung

Allgemein wird zwischen akuten und chronischen Tonsillitiden differenziert.

Während bei einer akuten Mandelentzündung eine plötzliche, zumeist bakteriell bedingte Infektion der Mandeln vorliegt, sind bei einer chronischen Tonsillitis die Gaumenmandeln langfristig (mehr als 3 Monate) entzündet.

Akute Tonsillitiden heilen in aller Regel bei adäquater Therapie nach 7 bis 14 Tagen folgenlos aus.

Dagegen ist bei einer chronischen Tonsillitis in vielen Fällen eine Entfernung des dauerhaft vorhandenen Infektionsherds erforderlich (Tonsillektomie bzw. Entfernung der Gaumenmandeln), um Folgeschäden an weiteren Organen und entzündliche Erkrankungen des Herzen, der Gelenke oder Nieren zu vermeiden.

Ursachen einer Mandelentzündung

Infektion mit bestimmten Bakterien oder Viren

Eine akute Mandelentzündung kann in aller Regel auf eine Infektion mit bestimmten Bakterien- oder Virenstämmen zurückgeführt werden. Seltener (insbesondere bei fortgeschrittenem Alter) kann eine Mandelentzündung mit einer Infektion mit Pneumokokken, Haemophilus influenzae, Staphylokokken, Moraxella catarrhalis oder Neisseria gonorrhoeae assoziiert werden.

Schwaches Immunsystem und Stress

Die Mehrheit der auslösenden Erreger gehört zur gesunden Mundflora. Eine Infektion wird zumeist durch Serotypen (Variationen der vorliegenden bakteriellen bzw. viralen Subspezies) bedingt, gegen welche noch keine Immunität vorliegt. Darüber hinaus begünstigen eine geschwächte Immunabwehr infolge anderer Erkrankungen oder Stress bakterielle und virale Infektionen, die auch Mandelentzündungen hervorrufen können.

Manifestiert sich eine akute Mandelentzündung häufiger, kann sich diese zu einer chronischen Tonsillitis entwickeln. Zudem bedingen bei einer chronischen Mandelentzündung abgestorbene Zellen und bakterielle und/oder virale Abbauprodukte, die sich in den Krypten (Schleimhautvertiefungen) der Tonsillen ablagern, eine dauerhafte Entzündung des Mandelgewebes. Durch die progressive Vernarbung und Zerklüftung des Mandelgewebes werden Neuinfektionen und das Fortschreiten der Erkrankung zusätzlich begünstigt.

Symptome einer Mandelentzündung

Die Symptome einer Mandelentzündung unterscheiden sich zum einen in Abhängigkeit davon, ob die Infektion viral oder bakteriell bedingt ist. So zeichnen sich virale Tonsillitiden in aller Regel durch weniger ausgeprägte Symptome aus. Zum anderen differieren akute und chronische Tonsillitiden hinsichtlich der auftretenden Symptome.

Akute Mandelentzündung

Mögliche Symptome einer akuten Mandelentzündung:

  • Progressive Schmerzen im oberen Bereich des Halses, die während des Schluckvorgangs oder Öffnens des Mundes (u.a. beim Gähnen) bis zu den Ohren ausstrahlen können.
  • Infolge der Verengung des Rachens kommt es zu Schluckbeschwerden.
  • Gerötete sowie geschwollene Tonsillen und Lymphknoten
  • Vermehrter Speichelfluss
  • Eine belegte Stimme
  • Fibrinbelag (sogenannte Stippchen)
  • Mundgeruch
  • Allgemeinsymptome wie Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Erschöpfung und hohes Fieber.
  • In vielen Fällen sind darüber hinaus die Zunge belegt und die Gaumenbögen gerötet.

Chronische Mandelentzündung

  • Bei einer chronischen Mandelentzündung, die symptomatisch weniger hervorsticht, manifestieren sich lediglich in einigen Fällen Schluckbeschwerden sowie Mundgeruch und/oder ein unangenehmer Geschmack im Mund.
  • Eine verminderte Konzentrations- und Leistungsfähigkeit kann sich ebenfalls im Rahmen einer chronischen Mandelentzündung äußern.
  • Die Lymphknoten im Halsbereich sind dauerhaft angeschwollen, verursachen allerdings gewöhnlich keine Schmerzen.

Untersuchungen und Diagnose

Untersuchung

Eine akute Mandelentzündung kann in aller Regel anhand der typischen Symptome wie den geschwollenen und geröteten Mandeln mit den charakteristischen Eiterbelägen im Rahmen einer körperlichen Untersuchung diagnostiziert werden. Ein Abtasten des Halses führt oftmals zu Schmerzen im Bereich der Halslymphknoten.

Rachenabstrich

Während zur Diagnose einer akuten Mandelentzündung in den meisten Fällen eine Blickdiagnose genügt, kann in vereinzelten Fällen ein Rachenabstrich zum Nachweis des spezifisch vorliegenden Erregers erforderlich werden. So weisen beispielsweise Mononukleose (Pfeiffersches Drüsenfieber), Diphtherie, Scharlach sowie Angina-Plaut-Vincenti (bakteriell bedingt) und Herpangina (viral bedingt) ähnliche Symptome wie eine einfache Mandelentzündung auf und sollten entsprechend im Rahmen einer Differenzialdiagnose ausgeschlossen werden.

Streptokokken-Schnelltest

Durch einen Streptokokken-Schnelltest kann zudem der häufigste Erreger einer Mandelentzündung bestimmt bzw. ausgeschlossen werden.

Abstrich und Blutanalyse

Eine oftmals asymptomatisch verlaufende chronische Mandelentzündung äußert sich durch ein vernarbtes Mandelgewebe, aus welchem unter Druck Detritus (zelluläre Zerfallprodukte) und/oder Eiter entleert werden kann. Abgesichert wird die Diagnose durch einen Abstrich von der Tonsillenoberfläche und einen Nachweis der Antikörper gegen den spezifisch auslösenden Erreger im Blut (Blutanalyse).

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Behandlung MandelentzündungEine Mandelentzündung wird zunächst mit schmerz- und fiebersenkenden Medikamenten therapiert. (Foto by: SimpleFoto / Depositphotos)

Medikamente und Antibiotika

Die therapeutischen Maßnahmen richten sich bei einer Mandelentzündung nach Ausprägung und Ursache der Erkrankung. Eine Mandelentzündung wird zunächst mit schmerz- und fiebersenkenden Medikamenten, die Wirkstoffe wie Ibuprofen oder Paracetamol enthalten, therapiert. Zudem wird bei Vorliegen einer akuten bzw. häufig auftretenden bakteriell bedingten Mandelentzündung eine Antibiotika-Therapie (u.a. Penicillin, Cephalosporine) empfohlen.

Operative Entfernung

Bei chronischen Tonsillitiden ist in vielen Fällen zur Entfernung des Infektionsherds und Reduzierung des Risikos für Folgeinfektionen anderer innerer Organe eine operative Entfernung der Mandeln angezeigt.

Komplikationen

Zu den möglichen Folgeerkrankungen und Komplikationen gehören rheumatisches Fieber, entzündungsbedingte Erkrankungen der Gelenke (Gelenkrheumatismus), Nieren oder des Herzen sowie im weiteren Verlauf Herzklappenfehler.

Sowohl bei akuten als auch chronischen Tonsillitiden besteht das Risiko für eine Abszess-Bildung (Peritonsillar-Abszess), der zur Vorbeugung einer Sepsis frühzeitig operativ entfernt werden sollte.

Atemnot

Im Rahmen akuter Tonsillitiden können die Mandeln dermaßen stark vergrößert sein, dass Atemnot auftreten kann. Diesbezüglich ist insbesondere bei Kindern, die eine Vergrößerung der Mandeln aufweisen, besondere Vorsicht geboten.

Infektionen weiterer Organe

Chronische Mandelentzündungen können ferner zu Infektionen weiterer Organe führen. Kommt es beispielsweise ausgehend von den infizierten Mandeln zu einer zusätzlichen bakteriellen bzw. viralen Besiedelung anderer Organe oder einer autoimmunologischen Fehlreaktion der Abwehrzellen, durch welche körpereigenes Gewebe angegriffen wird, können sich zusätzliche Entzündungen in anderen Bereichen des Organismus manifestieren. Rheumatisches Fieber unter Beteiligung des Herzen, der Haut und/oder Gelenke sowie eine Entzündung der Nieren können dann Folgeerkrankungen einer Mandelentzündung darstellen.

Hausmittel

Als Hausmittel können zur Reduzierung des Fiebers Wadenwickel zum Einsatz kommen. In einigen Fällen werden darüber hinaus warme Halswickel und/oder entzündungshemmende Mundspülungen mit Kamillen- oder Salbeitee als schmerzlindernd empfunden.

Prävention und was ich selbst tun kann

Prävention MandelentzündungMit einer gesunden Ernährung und Bewegung kann das Immunsystem gestärkt werden. (Foto by: lenetssergey / Depositphotos)

Einer Mandelentzündung kann lediglich indirekt über die Stärkung der eigenen Immunabwehr vorgebeugt werden.

Zu den möglichen Maßnahmen, die das Risiko für eine Mandelentzündung minimieren, gehören

  • regelmäßige sportliche Aktivitäten
  • eine abwechslungs- und vitaminreiche Ernährung

Faktoren, die zusätzlich die Schleimhäute reizen und diese entsprechend für Infektionen anfälliger machen, sind Nikotin- und Alkoholkonsum sowie eine erhöhte Exposition gegenüber Staub.

Bei Vorliegen einer akuten Mandelentzündung werden eine weiche und lediglich leicht gewürzte Nahrung sowie eine Nikotinkarenz empfohlen. Eine ausreichend hohe Flüssigkeitszufuhr und ein Verzicht auf Fruchtsäfte, die durch ihren Säuregehalt das entzündete Gewebe zusätzlich reizen, können eine medikamentöse Therapie zudem unterstützen.

Bei chronischen Tonsillitiden wird in vielen Fällen als präventive Maßnahme zur Reduzierung des Risikos für Schädigungen weiterer Organe durch die Erreger eine Entfernung des Infektionsherds (Tonsillektomie) empfohlen.


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