Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)

Die Nierenbeckenentzündung wird in der medizinischen Fachsprache auch als Pyelonephritis bezeichnet. Diese bezeichnet eine akute oder auch chronische Entzündung des Nierenbeckens. Von dieser Erkrankung sind Frauen allein aufgrund ihrer Anatomie deutlich häufiger betroffen als Männer.

NierenbeckenentzündungDie Nierenbeckenentzündung gilt als eine der häufigsten Erkrankungen der Niere. (Foto by: starast / Depositphotos)

Eine Nierenbeckenentzündung kann akut sein, also von einem Tag auf den anderen auftreten oder aber auch chronisch werden. Die Nierenbeckenentzündung gilt als eine der häufigsten Erkrankungen der Niere. Vor allem Frauen, hier eher ältere Frauen oder auch Schwangere, sind von dieser Erkrankung häufig betroffen. Selbst bei Kindern und Säuglingen kann eine Nierenbeckenentzündung jedoch durchaus auftreten.

Entzündet ist meist der Teil der Niere, der sich nahe an der Harnröhre befindet. In der Regel ist nur eine Niere betroffen. Da bei Frauen die Harnröhre deutlich kürzer als bei Männern ist, erkranken Frauen sehr viel häufiger an einer Nierenbeckenentzündung. Doch auch Männer ab dem 50. Lebensalter gehören zu den Patienten, die häufig an einer Entzündung des Nierenbeckens leiden. Grund ist dann meist eine vergrößerte Prostata - diese behindert den Abfluss des Urins, was wiederum ein guter Nährboden für Keime und Erreger aller Art ist.

Ursachen einer Nierenbeckenentzündung

Folge einer Blasenentzündung

Eine Nierenbeckenentzündung entsteht in vielen Fällen in Folge einer Blasenentzündung, wenn die Erreger von der Harnblase aus über die Harnröhre bis zu den Nieren wandern.

Bakterien, Viren und Pilze

Einer der häufigsten Erreger, der sowohl für eine Blasen- als auch für eine Nierenbeckenentzündung verantwortlich ist, ist das Darmbakterium Escheria Coli. Doch auch Viren oder Pilze können diese Erkrankung auslösen.

Vergrößerte Prostata

Bei Männern wiederum kann eine vergrößerte Prostata ein Risikofaktor sein. Diese nämlich bedingt häufig, dass der Urin nicht richtig abfließen kann und Resturin in der Harnröhre verbleibt. Dank diesem haben es die Bakterien leichter.

Geschwächtes Immunsystem

Darüber hinaus sind Menschen mit einem geschwächten Immunsystem deutlich häufiger von einer Nierenbeckenentzündung betroffen.

Übermäßiger Tablettenkonsum

Selbst bei einem übermässigen Tablettenkonsum können die Nieren geschädigt werden und so eine Nierenbeckenentzündung entstehen.

Diabetiker

Diabetiker haben übrigens ein erhöhtes Risiko, an einer Nierenbeckenentzündung zu erkranken.

Symptome einer Nierenbeckenentzündung

Patienten, die an einer Nierenbeckenentzündung leiden, fühlen sich meist sehr abgeschlagen und matt. Appetitlosigkeit sowie hohes Fieber, häufig begleitet von Schüttelfrost, sind weitere Nebenerscheinungen dieser Krankheit.

Eine Nierenbeckenentzündung wird meist begleitet von krampfartigen Bauchschmerzen, die nur auf einer Körperseite auftreten und auch als Flankenschmerzen bezeichnet werden.

Brennen beim Wasserlassen sowie ein häufiger Harndrang, eigentlich Symptome einer Blasenentzündung, sind ebenfalls charakteristisch für die Nierenbeckenentzündung.

Selbst recht untypische Symptome wie Kopfschmerzen, Müdigkeit oder ein plötzlicher unerklärlicher Gewichtsverlust können auf eine Nierenbeckenentzündung hindeuten. Die Funktion der Nieren ist bei einer akuten Form der Erkrankung zwar nicht eingeschränkt, doch können auch Symptome wie Durchfall oder Erbrechen auftreten.

Symptome bei einer chronischen Nierenbeckenentzündung

Hier fehlen die typischen Symptome für diese Erkrankung meist gänzlich; aus diesem Grund bleibt diese lange Zeit unbemerkt. Allerdings kann nach einem gewissen Zeitraum eine Beeinträchtigung der Nierenfunktion auftreten. Auch eine Blutarmut zählt zu den Folgen solch einer chronischen Nierenbeckenentzündung; Patienten erkennen diese dann häufig an einer trüben und rötlichen Färbung des Urins. Patienten mit einer chronischen Nierenbeckenentzündung klagen häufig über Rückenschmerzen. Zudem kann es zu einem erhöhten Blutdruck kommen.

Bei den ersten Anzeichen einer Nierenbeckenentzündung sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen, damit diese schnellstmöglich behandelt wird und eventuelle Folgeschäden erst gar nicht auftreten können.

Untersuchungen und Diagnose

Urinprobe zur Diagnose einer NierenbeckenentzündungEine Harnuntersuchung kann zur Diagnose einer Nierenbeckenentzündung beitragen. (Foto by: angellodeco / Depositphotos)

Erkennt der behandelnde Arzt eine Nierenbeckenentzündung nicht auf den ersten Blick, sind weitere Untersuchungen im Labor erforderlich.

Zunächst erfolgt eine Harnuntersuchung. Hilfreich ist ebenso eine Untersuchung des Blutes auf mögliche Bakterien. Erhöhte Harnstoff- und Kreatininwerte im Blut können auf eine chronische Nierenbeckenentzündung hindeuten.

Die Ultraschalluntersuchung wiederum gibt Aufschluss darüber, ob der Urin ungehindert abfließen kann.

Auch eine Röntgenuntersuchung wird bei einem Verdacht auf eine Nierenbeckenentzündung häufig angestrebt. In diesem Fall sieht man auf dem Röntgenbild kleine und rundliche Verdichtungen.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Antibiotika

Eine Nierenbeckenentzündung wird in der Regel mit Antibiotika behandelt. Diese Medikamente sind über einen Zeitraum von mindestens sieben Tagen regelmäßig einzunehmen.

Sich schonen

Ist das Fieber nach Ablauf dieser Zeit nicht gesunken, ist eine weitere Behandlung nötig. Während der Therapie ist es ratsam, dass der Patient sich schont und wenn möglich sogar das Bett hütet. Darüber hinaus sollte der Patient ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen.

Medikamente

Fieber- und entzündungshemmende Medikamente können weiterhin helfen, die Symptome einer Nierenbeckenentzündung zu lindern. Medikamente, welche die Nieren schädigen können, sollten dagegen sofort abgesetzt werden.

Hartnsteine entfernen lassen

Sind Harnsteine für die Nierenbeckenentzündung verantwortlich, gilt es, diese zu bekämpfen beziehungsweise zu entfernen.

Die akute Form der Nierenbeckenentzündung heilt in der Regel aus, ohne dass Folgeschäden entstehen. Bereits einen Tag nach Beginn der Therapie sollten sich die Symptome deutlich verbessert haben; nach etwa drei Tagen sollte schließlich auch der Harnbefund wieder normal sein. Bei einer chronischen Nierenbeckenentzündung hingegen sind die Aussichten auf Erfolg meist nicht sehr günstig. Nur in wenigen Fällen heilt diese vollständig aus.

Komplikationen

  • Eine mögliche Komplikation bei einer Nierenbeckenentzündung ist die Blutvergiftung. Diese entsteht immer dann, wenn die Erreger in das Blut gelangen.
  • Auch Eiteransammlungen in den Nieren gehören zu etwaigen Begleiterscheinungen, die durch eine Nierenbeckenentzündung auftreten können.
  • Ein vollständiges Nierenversagen hingegen ist eher selten und betrifft nur etwa einen von 1.000 Patienten.
  • Blut im Urin dagegen ist eine Begleiterscheinung, welche bei vielen Patienten auftritt.

Diabetiker und Schwangere aufgepasst!

Bei Diabetikern oder schwangeren Frauen ist bei einer Nierenbeckenentzündung besondere Vorsicht gefragt: Hier kann sich aus der akuten schnell eine chronische Nierenbeckenentzündung entwickeln. Schlimmstenfalls kann die Erkrankung bei Schwangern eine Fehlgeburt oder Frühgeburt auslösen.

Nur in sehr seltenen Fällen ist es als Folge einer Nierenbeckenentzündung unvermeidlich, eine Niere oder Teile dieser zu entfernen.

Prävention und was ich selbst tun kann

Prävention NierenbeckenentzündungAusreichend über den Tag verteilt zu trinken ist wichtig, damit die Nieren gesund bleiben. (Foto by: boggy22 / Depositphotos)

Immunsystem stärken

Grundsätzlich ist es auch immer ratsam, seine Immunabwehr zu stärken, denn ein schwaches Immunsystem kann eine Vielzahl an Krankheiten begünstigen. Eine gesunde Ernährung, viel Bewegung an der frischen Luft sowie der Verzicht auf Alkohol und Zigaretten können dabei helfen, das Immunsystem zu stärken.

Ausreichend Flüssigkeit

Weiterhin sollte man immer ausreichend trinken - zwei bis drei Liter Wasser am Tag sind ideal.

Zeit für Genesung

Um zu verhindern, dass aus einer akuten eine chronische Nierenbeckenentzündung entsteht, ist es wichtig, diese vollständig ausheilen zu lassen. Patienten mit mehr als drei Harnwegsinfekten im Jahr ist eine Langzeitbehandlung mit Antibiotika zu empfehlen.

Hier erfahren Sie Wissenswertes über gesunde Nieren:


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