Sexuelle Lustlosigkeit (Appetenzstörung): Wenn Sex keinen Spaß mehr macht

Wer unter einer Appetenzstörung leidet, hat ein stark abgeschwächtes Verlangen nach Sex. Lustlosigkeit, Unlust oder Libidostörung sind synonyme Begriffe, die dasselbe Phänomen beschreiben. Oftmals wird die Meinung vertreten, dass die sexuelle Lustlosigkeit insbesondere bei der Frau auftritt. Das ist nicht der Fall. Männer sind von der sexuellen Lustlosigkeit gleichermaßen betroffen. Das Problem ist, dass Menschen, die unter der Störung leiden, eigentlich sexuelle Lust verspüren möchten. Sie können es aber nicht, weil die Lust entweder herabgesetzt oder nicht mehr vorhanden ist. Die Appetenzstörung ist somit das Gegenstück zur sogenannten Asexualität. Bei dieser Form liegt kein Leidensdruck bei der betroffenen Person vor. Die fehlende Lust ist für sie nicht erheblich.

Sexuelle LustlosigkeitViel häufiger als eine körperliche Ursache sind seelische Hintergründe für sexuelle Lustlosigkeit. (Foto by: IuriiSokolov / Depositphotos)

Anzeichen für Lustlosigkeit: Ab wann ist es sexuelle Unlust?

Die Lustlosigkeit bei Frauen und Männern kann sowohl körperliche als auch psychische Ursachen haben.
 
Für Betroffene ist es wichtig, die Alarmzeichen rechtzeitig zu erkennen. Insbesondere bei körperlichen Gründen ist eine medizinische Versorgung in der Regel notwendig.
 
Nunmehr kann Lustlosigkeit bei jedem Menschen auftreten, ohne dass zugleich von einer Appetenzstörung auszugehen ist. Wer beispielsweise im Alltag viel Stress hat, muss sich bei sexueller Unlust am Abend nicht zwangsläufig mit der Situation zusätzlich stressen.
 
Liegt die sexuelle Unlust allerdings über einen längeren Zeitraum vor, insbesondere länger als sechs Monate, sollten Betroffene umgehend das Gespräch suchen. Möglicherweise fehlt die Lust während dieser Phase ständig oder sie unterliegt starken Schwankungen. Das bedeutet, dass sie zwischendurch wahrgenommen wird, aber dann wieder stark abnimmt.
 
Die Appetenzstörung gehört zu der Gruppe der Sexualstörungen. Sie kann mit weiteren Störungen einhergehen, beispielsweise mit einem Schmerzempfinden während des Geschlechtsverkehrs oder mit Orgasmusstörungen. Wichtig ist, offen über die Situation zu reden.
 
Vielen Menschen fällt der Weg zum Arzt schwer, wenn sie sich dort mit der Thematik auseinandersetzen sollen. Für Mediziner handelt es sich keineswegs um eine peinliche Situation. Vielmehr ist aufgrund der vielfältigen Ursachen eine medizinische Diagnose notwendig. Es handelt sich auch nicht um Einzelfälle, die unter diesem Phänomen leiden. Das wissen in der Regel auch Ärzte, die sich zunächst an die Erforschung der Ursache begeben.

Psychische Ursachen für sexuelle Lustlosigkeit

sexuelle Lustlosigkeit durch StressUnter anderem kann Stress ein Auslöser für sexuelle Unlust sein. (Foto by: ljsphotography / Depositphotos)

Libidostörungen sind in den meisten Fällen auf psychische Faktoren zurückzuführen. Nichtsdestotrotz ist der Gang zum Hausarzt unerlässlich, da körperliche Gründe nicht von vornherein ausgeschlossen werden können.
 
Sind psychische Faktoren der Auslöser, ist es wichtig, eine geeignete Therapie anzugehen. Die Appetenzstörung kann auf unterschiedliche soziale sowie psychische Probleme zurückgeführt werden.

Stress als Ursache

Zunehmender Stress im Alltag ist eine häufige Ursache.
 
Er wirkt sich negativ und zumeist unbemerkt auf das sexuelle Verlangen aus.
 
Das Problem besteht darin, dass der stressgeplagte Betroffene überhaupt keine Zeit und Ruhe findet, seiner sexuellen Lust wieder freien Lauf zu lassen.

Konflikt und Streit mit dem Partner

Ein weiterer Grund kann ein Konflikt mit dem Partner sein. Solange dieser nicht beiderseitig gelöst wird, schwebt er ständig über dem Sexleben der Partner.
 
Die Folge ist, dass die Betroffenen weniger Verlangen nach Intimität oder Geschlechtsverkehr verspüren. Bei einem Streit fördert somit eine fehlende Kommunikation die Lustlosigkeit.

Seelische Belastungen

Weitere seelische Belastungen können sich aus dem aktuellen Status des Betroffenen ergeben. Die Störung tritt häufig bei Arbeitslosigkeit, Existenzängsten oder niedrigem Ansehen auf.
 
Bei der Ursachenerforschung ist auch immer die Vorgeschichte zu berücksichtigen. Sie hat, ob bewusst oder unbewusst, oftmals Einfluss auf das Sexualleben. Wer beispielsweise schlechte Erfahrungen sammeln musste oder sogar sexuell missbraucht worden ist, verspürt meistens kein ausgeprägtes sexuelles Verlangen.

Soziale Ängste

Des Weiteren können auch soziale Ängste der Auslöser sein.
 
Damit geht oftmals eine besonders stark ausgeprägte Form der Schüchternheit einher. Der Betroffene traut sich schlichtweg nicht, sein sexuelles Verlangen auszuleben. Die Folge ist, dass er es dauerhaft ablegt, bis es sich schlussendlich in seiner sexuellen Struktur niederschlägt.

Viele Menschen können ihre sexuelle Lust auch nicht ausleben, weil die Bedingungen der Umgebung nicht optimal sind. Exemplarisch kann eine dünne Schlafzimmerwand der Grund dafür sein, dass sich eine Person gegenüber ihrer Partnerin oder ihrem Partner nicht öffnen kann.

Müdigkeit

Eine weitere psychische Ursache kann auch Müdigkeit sein, die auf eine ausgeprägte Schlafstörung zurückzuführen ist. In diesem Fall fehlt dem Betroffenen schlichtweg die notwendige Energie.

Geburt eines Kindes

Die sexuelle Lustlosigkeit bei einer Frau kann auch darauf zurückzuführen sein, dass sie kürzlich ein Kind geboren hat. Sie konzentriert sich ausschließlich darauf, Mutter zu sein.
 
Innerhalb der ersten Monate sollte der Partner für die besondere Situation Verständnis haben. Behandlungswürdig wird die Situation allerdings, wenn die sexuelle Lust auch nach weiteren Wochen und Monaten nicht zurückkehrt.

Sexuelle Neigungen

Sexuelle Neigungen haben ebenso Einfluss auf die Lust bzw. Unlust zum Geschlechtsverkehr. Eine Libidostörung wird genährt, wenn sexuelle Neigungen dauerhaft nicht wie erwünscht befriedigt werden. Dann setzt zunehmend Frustration ein.
 
Dasselbe gilt für Betroffene, die sich innerhalb der ihnen zugewiesenen Geschlechterrolle nicht wohl fühlen. Sie leiden zunehmend unter Druck, fühlen sich unter Umständen minderwertig unattraktiv.

Krankheit

Psychiatrische Krankheiten haben sehr oft Einfluss auf das Sexualleben. Insbesondere Depressionen sorgen beim Betroffenen dafür, dass er keinerlei Lust am Beischlaf empfindet. Er geht dieser Situation daher aus dem Weg.

Körperliche Ursachen für sexuelle Lustlosigkeit

Hormonelle Störungen und Krankheit

Körperliche Gründe können ebenfalls Einfluss auf die sexuelle Lust von Mann und Frau haben. Im Rahmen der medizinischen Untersuchung werden vor allem hormonelle Störungen geprüft.
 
Außerdem können Stoffwechselstörungen, wie zum Beispiel eine Diabetes mellitus oder Schilddrüsenerkrankung (Hashimoto ), die eigentlichen Verursacher sein.

Liegt bei der Frau eine Ovarialinsuffizienz vor, was bedeutet, dass die Eierstöcke das Geschlechtshormon nicht mehr aussenden, kann dies ebenfalls zur Appetenzstörung führen.
 
Zudem fördern allgemeine Erkrankungen die sexuelle Inaktivität. Dazu zählen vor allem nervliche Störungen oder Bluthochdruck.

Verhütungsmittel

Appetenzstörung durch AntibabypilleAuch Verhütungsmittel, wie die Antibabypille können die Ursache für sexuelle Lustlosigkeit sein. (Foto by: filmfoto / Depositphotos)

Darüber hinaus können Verhütungsmittel, wie die Antibabypille, der Verhütungsring oder die Spirale der Hauptgrund für fehlenden Geschlechtsverkehr sein.

Anzeichen einer Schwangerschaft

Möglicherweise liegt auch eine Schwangerschaft vor, von der die Frau bislang nichts bemerkt hat.

Endometriose

Ferner kann auch eine chronische Entzündung der Gebärmutter, die sogenannte Endometriose, der Verursacher für die fehlende Lust am Beischlaf sein.

Menstruationsbeschwerden

Regelschmerzen kurz vor dem Einsetzen der Periode) vermindern häufig jedes sexuelle Verlangen.

Leber- und Nierenerkrankungen

Insofern dies noch nicht die Gründe für Lustlosigkeit oder Unlust sind, wird der Mediziner regelmäßig auch die Leber und Nieren auf ihre Funktion hin überprüfen. Liegen hier Einschränkungen vor, kann das der Grund für die Lustabnahme sein.

Wechseljahre

Bei der Diagnose wird immer das Alter des Betroffenen berücksichtigt. Gerade in den Wechseljahren verändert sich der hormonelle Haushalt des Menschen. Dementsprechend passt sich auch das Sexualleben an die neuen Bedingungen an.

Testosteronmangel

Die sexuelle Lustlosigkeit bei Männern kann durch einen Testosteronmangel verursacht werden.

Erektionsstörungen

Weiterhin können Erektionsstörungen ausschlaggebend dafür sein, dass keine Freude an sexueller Aktivität aufkommt.

Nebenwirkung von Medikamenten

Insoweit der Arzt unter den bisher genannten Möglichkeiten noch nicht die Ursache ausmachen kann, wird er auch Medikamente prüfen, die vom Betroffenen eingenommen werden.
 
Bei einigen Arzneimitteln ist die sexuelle Unlust gewissermaßen eine Nebenwirkung. Die Libidostörung kann beispielhaft durch Psychopharmaka, Beruhigungsmittel, Antidepressiva oder blutdrucksenkende Medikamente ausgelöst werden.

Lebensgewohnheiten

Ein Hauptgrund sind auch die allgemeinen Lebensgewohnheiten des Betroffenen:
  • Alkohol- und/oder Drogenmissbrauch wirken sich überdurchschnittlich häufig auf das Verlangen nach Sexualität aus. Es wird insofern ebenso betäubt, wie der gesamte Körper.
  • Manchmal wird das Essverhalten bei der Diagnose übersehen. Eine vegetarische Ernährung kann erwiesenermaßen Einfluss auf das Sexleben des Menschen haben. Die Ernährungsform sollte daher unbedingt dem Arzt mitgeteilt werden.

Therapiemöglichkeiten bei Appetenzstörung

Sexuelle LustEs gibt einige Maßnahmen, damit die Lust auf Sex wieder zurückkehrt. (Foto by: tomwang / Depositphotos)

In vielen Fällen kann die Appetenzstörung mit einer einfachen Therapie wirksam bekämpft werden. Teilweise können sogar Hausmittel den gewünschten Effekt haben.
 
Empfehlenswert ist immer die vorherige Absprache mit dem Hausarzt, auch wenn die Hausmittel keinerlei Nebenwirkungen oder Ähnliches haben.

Homöopathie

Es gibt einige homöopathische oder pflanzliche Mittel, die gewissermaßen wie ein Die Aphrodisiakum auf den Körper wirken. Solche Mittel können frei in der Apotheke oder Drogerie erworben werden. Es empfiehlt sich immer eine kompetente Beratung vor Ort zu nutzen.

Schüssler Salze

Ausprobieren sollten Betroffene auch die Aufnahme von Schüssler Salzen. Ihre heilende und therapeutische Wirkung ist bekannt. Schüsslersalze werden zum Beispiel bei Angstzuständen oder Depressionen verabreicht. Ebenso sind sie während und nach einer Schwangerschaft ideal, weil sie häufige Begleiterscheinungen lindern können.

Medikamente

Insoweit die Hausmittel keine Abhilfe schaffen, kann der Arzt auch konventionelle Medikamente verschreiben, um exemplarisch eine Depression oder Organschäden zu behandeln.
 
Falls die Einnahme von Medikamenten gleichzeitig Verursacher der Luststörung ist, können diese nach Rücksprache mit dem Arzt abgesetzt oder zumindest reduziert werden. Vielfach werden Beruhigungsmittel eingesetzt, damit der Patient im Alltag und auch im Bett zur Ruhe finden kann.

Verhütung überdenken

Außerdem sollte der Versuch unternommen werden, das Verhütungsmittel zu wechseln. Statt der Antibabypille können Paare auch auf Kondome zurückgreifen.
 
Zu beachten ist natürlich, dass der weibliche Körper einige Zeit braucht, um sich an die Hormonumstellung zu gewöhnen. Tritt auch nach einigen Wochen keine Besserung ein, liegt der Verdacht nahe, dass das Verhütungsmittel nicht ausschlaggebend gewesen ist.

Akupunktur

Gezielte Akupunkturtherapien können sich ebenfalls positiv auf das sexuelle Verlangen auswirken. Idealerweise sollte sich der Therapeut mit Appetenz auskennen. Das kann in einem persönlichen Gespräch vertrauensvoll miteinander besprochen werden.
 
Durch die Akupunktur können vor allem neurologische Störungen behandelt werden.

Hypnose

Alternativ oder ergänzend kann auch Hypnose wirken. Hierbei können Ursachen wie zum Beispiel sexuelle Unzufriedenheit, Ängste, Missbrauchserfahrungen oder andere psychische Störungen aufgearbeitet werden.

Psychotherapie

Da die Appetenzstörung zumeist auf eine psychische Beeinträchtigung zurückgeführt werden kann, gibt es spezielle Psychotherapien.

Paartherapie

Besonders wichtig ist der kontinuierliche Austausch mit der Partnerin bzw. dem Partner. Daher kann eine Paartherapie sehr erfolgsversprechend sein. L
 
iegt das Problem nämlich in der Partnerschaft selbst, können die Gespräche klärend und lösungsorientiert ausgerichtet werden. Es geht letztendlich darum, die Wünsche des Partners zu kennen und ernstzunehmen. Es ist nicht hilfreich, sich gegenseitig mit Vorwürfen zu konfrontieren.

Stress reduzieren

Lust auf SexEin romantisches Ambiente oder eine Massage kann dabei helfen, den Alltagsstress zu vergessen. (Foto by: photolucky / Depositphotos)

Sollte Stress zu der Störung führen, gibt es einige Möglichkeiten. Spezielle Entspannungsübungen helfen dabei, die Sorgen und den Stress zu kompensieren.
 
Es ist notwendig, einen Abstand zu den belastenden Situationen herzustellen.
 
Die Zeit bewusst zu nutzen bedeutet, Freiräume zu schaffen. Dadurch wird das sexuelle Verlangen nachhaltig zurückgebracht. Es ist wichtig, dass sich Betroffene Zeit für ihren Partner nehmen können, ohne Druck oder ein schlechtes Gewissen zu verspüren.

Verhaltenstraining

In anderen Verfahren lernen Betroffene nach und nach, wie sie ihre sexuelle Lust steigern können.
 
Bei dem speziellen Verhaltenstraining steigert sich die Intensität langsam. Zunächst können Zärtlichkeiten zwischen den Partnern ausgetauscht werden, ohne dass der Druck des Geschlechtsverkehrs aufgebaut wird. Es muss gar nicht dazu kommen.
 
Ziel dieser Therapieform ist das bewusste steigern, sodass langsame Fortschritte vollkommen normal sind.

Traumatherapie

Bei Missbrauchsopfern werden regelmäßig spezielle Traumatherapien eingesetzt. Das Erlebte muss zunächst vollständig und tiefgründig aufgearbeitet werden. Das Verständnis der Partnerin bzw. des Partners sollte hierbei selbstverständlich sein.

Fazit

Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, die Lustlosigkeit bei Frau und Mann wirksam zu bekämpfen. Grundvoraussetzung ist, dass der Betroffene seine fehlende Lust als solche auch wahrnimmt und sie ihn tatsächlich stört. Lustempfinden ist subjektiv geprägt, sodass jeder Einzelne auf sich und sein inneres Gefühl hören muss.

Bewertung: Ø 4,0 (47 Stimmen)

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