Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD): Definition, Ursachen, Symptome, Behandlung

Eine Craniomandibuläre Dysfunktion, kurz CMD, ist heilbar, allerdings ist es sehr wichtig, dass sie frühzeitig erkannt und von einem Zahnarzt behandelt wird. Dies ist wichtig, damit die Fehlbelastung des Gebisses und die daraus resultierende falsche Belastung des Kiefergelenkes nicht weiter fortschreiten. Denn dadurch würde die Aussicht auf eine Heilung deutlich verschlechtert.

Craniomandibuläre DysfunktionBei Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) handelt es sich um eine Fehlstellung zwischen Schädel und Unterkiefer. (Foto by: piotr_marcinski / Depositphotos)

Definition: Was ist eine craniomandibuläre Dysfunktion?

Die sogenannte craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) wird von Ärzten als eine Art Missverhältnis zwischen dem Schädel (dem Cranium) und dem Unterkiefer (dem Mandibula) beschrieben.

Ursachen einer craniomandibulären Dysfunktion

Die craniomandibuläre Dysfunktion kann unterschiedliche Ursachen haben, wie zum Beispiel:

  • diverse Veränderungen im Biss durch fehlende Zähne oder falsch platzierte Kronen, Brücken oder Inlays
  • Stress
  • traumatische Veränderungen der Halswirbelsäule und der Kiefergelenke durch Stürze und Unfälle
  • Operationen im Bereich des Kopfes oder des Halses
  • Fehlhaltung des Oberkörpers und daraus resultierende Ischiasreizungen und Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule
  • starkes Kauen auf den Fingernägeln und Kaugummikauen
  • sehr häufige Fehlhaltung des Kopfes (zum Beispiel durch Schlafen auf dem Bauch)
  • Verlagerungen der sogenannten Knorpelscheibe (Diskusverlagerungen)
  • falsche Sitzhaltung
  • Entzündung mehrerer Gelenke (Polyarthritis)
  • Bruxismus (Zähneknirschen)
  • Nervenerkrankungen
  • falsch gewachsene Weisheitszähne
  • Zahnspange

Auswirkungen und Symptome der craniomandibulären Dysfunktion

Da die Kieferfehlstellung sich auf den gesamten Körper auswirkt, sind die Symptome vielfältig und oft nicht leicht einer CMD zuzuordnen.

Dadurch, dass das Kausystem mehr leisten muss, geht auf Dauer die Effizienz verloren. Es kommt zu Muskelschmerzen im Bereich der Wangen und Schläfen. Durch die direkte Verbindung zu dem Schädel und dem Nacken können die Beschwerden auch auf diese Regionen übergehen.

Der Kiefer, die Zähne und auch die sogenannten Zahnhalteapparate sind im Normalfall harmonisch aufeinander angestimmt. Hierbei handelt es sich um ein sehr druck- und schmerzempfindliches System, das mit dem Gehirn in direkter Verbindung steht. Und dieses wird durch die Bewegung unseres Kiefergelenkes gesteuert, was auch als Regelkreis bezeichnet wird. Die Kaumuskulatur soll beim Zusammenbeißen dafür sorgen, dass ein idealer Kontakt zwischen den Zähnen aus dem Ober- und dem Unterkiefer entsteht. Dadurch soll die Kraftaufwendung möglichst gering gehalten werden.

Bereits sehr geringe Veränderungen werden automatisch ausgeglichen, um trotzdem noch möglichst viele Kontaktpunkte zu schaffen. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Zahn verloren oder gezogen wird. Denn dann muss die Lücke ausgeglichen werden. Gelingt dies nicht, kann es zu einer chronischen Fehlbelastung der sogenannten Kieferschließmuskulatur kommen.

Und wenn diese dann ausgeglichen werden muss, können eine erhöhte Muskelspannung, eine Muskelvergrößerung (Hypertrophie) oder auch Muskelfehlfunktionen entstehen.

Weitere Symptome einer CMD können sein:

  • Kopfschmerzen, häufig vom Nacken ausgehend
  • Schulter- und Nackenverspannungen
  • Schmerzen im Rücken, der gesamte Rücken kann betroffen sein, Beckenschiefstellung
  • Knacken im Kiefergelenk, Zähneknirschen – zumeist bereits fortgeschrittene Kieferfehlstellung
  • Ohrenschmerzen und Schmerzen im Gesicht, Patienten empfinden diese aufgrund der räumlichen Nähe zum Kiefer
  • Tinnitus
  • Schwindelgefühl
  • Schlafstörungen und Schnarchen

Duch die Verbindung der Kaumuskeln mit der Wirbelsäulenmuskulatur machen sich die Symptome der CMD auch über den Kopf hinaus bemerkbar. So sind auch Blockierungen der Halswirbelsäule oder ein Beckenschiefstand möglich.

Craniomandibuläre Dysfunktion bei Kindern

Ungefähr jeder siebte Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren leidet unter den Symptomen einer CMD. Und auch ungefähr 3,5 Prozent der Kinder in einem Alter unter sechs Jahren weisen eine funktionelle Störung des Kausystems auf.

Häufig werden die Symptome sehr einseitig behandelt und der komplette Zusammenhang wird übersehen. Viele Kinder, die unter Migräne oder anderen Arten von Kopfschmerzen leiden, werden mit diversen Schmerzmitteln behandelt. Dadurch werden die Ursachen allerdings nicht bekämpft, sondern lediglich die Symptome etwas gelindert. Schmerzmittel sind alles andere als gesund und sollten daher nicht einfach auf Verdacht eingenommen werden.

Wenn die oben beschriebenen Beschwerden auch bei dem eigenen Kind auftreten und sich mit der Zeit sogar verschlimmern, sollte dies von dem Hausarzt (Kinderarzt) und dem Zahnarzt untersucht werden.

Falls es sich wirklich um eine craniomandibuläre Dysfunktion handelt, kann dies früh erkannt und passend regiert werden.

Wie bereits erwähnt, kann auch Stress hierfür verantwortlich sein. Viele Kinder haben einige Probleme, die sie nicht äußern, wie zum Beispiel Leistungsdruck in der Schule. Eltern sollten auch auf diesen Punkt genau achten. Denn die Zähne und der gesamte Kauapparat sind mit dem restlichen Körper und auch mit der Psyche verbunden.

Untersuchung und Diagnose

Vermessung des Kiefers

Wenn der Verdacht einer craniomandibulären Dysfunktion besteht, kann eine Vermessung des Kiefers Klarheit bringen.

Gespräch

CMD ist eine sehr komplexe Angelegenheit, die aus unterschiedlichsten Gründen entstehen kann. Daher sollte der Zahnarzt mit dem Patienten bzw. mit dem Kind und den Eltern ein ausführliches Gespräch führen. Dadurch lassen sich eventuell einige Ursachen ausschließen.

Untersuchung

Zudem untersucht der Zahnarzt die Kieferöffnung und die Kaumuskulatur und vermisst das Kiefergelenk mit einem 3D-Ultraschall-Messgerät (Zebris JMA-System). Dadurch lässt sich die Bewegung des Unterkiefers sehr genau analysieren und dokumentieren.

Behandlung und Therapie

Wie die craniomandibuläre Dysfunktion behandelt wird, hängt von den jeweiligen Beschwerden und auch den Ursachen ab. Der Patient erhält nach der Diagnose der Craniomandibulären Dysfunktion (CMD) einen individuellen Behandlungsplan.

Stress abbauen

Wenn eine craniomandibuläre Dysfunktion diagnostiziert wurde, sollte zunächst einmal der Stress reduziert werden. Denn dieser ist sehr häufig der Auslöser.

Beißschiene

Häufig wird zunächst eine sogenannte Beiß- oder Korrekturschiene verschrieben. Dadurch lassen sich die Beschwerden lindern und die Zähne werden geschont. Diese Schiene wird speziell für den Patienten angefertigt und muss entweder 24 Stunden oder nur nachts getragen werden.

Physiotherapie

Zusätzlich sollte auch ein Physiotherapeut aufgesucht werden, um den Bewegungsapparat von Einschränkungen und Verspannungen zu befreien. Hierbei kommen unterschiedliche Wärme- und Kälteanwendungen zum Einsatz. Dadurch wird die Durchblutung der Muskeln verbessert.

Zudem wendet der Therapeut diverse manuelle Techniken an, wie zum Beispiel Massagen oder unterschiedliche Dehntechniken gegen verkürzte Muskeln und zur Mobilisation der Gelenke.

CMD-Übungen für zu Hause

Zudem können einige Übungen zu Hause durchgeführt werden, um die Beschwerden zu lindern. Spezielle Massagetechniken helfen, verspannte Muskeln wieder zu lockern.

Ob die Übungen auch richtig gemacht werden, lässt sich mithilfe eines Spiegels erkennen. Er sollte so lange zum Einsatz kommen, bis alle Bewegungen sicher beherrscht werden.

Weitere Maßnahmen

Weitere Maßnahmen, die bei einer craniomandibulären Dysfunktion (CMD) helfen können sind:

Operation

In extremen Fällen kann sogar eine Operation nötig sein. Bevor diese allerdings durchgeführt wird, sollten zunächst andere Maßnahmen ausprobiert werden, da ein operativer Eingriff immer ein gewisses Risiko birgt.


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