Blutschwamm (Hämangiom): Ursachen, Symptome, Behandlung und Hausmittel

Die Bezeichnung Blutschwamm oder Blutschwämmchen für ein Hämangiom trifft ziemlich gut den Sachverhalt. Es handelt sich um ein lokal begrenztes, ungesteuertes Wachstum der inneren Wandschicht von Blutgefäßen, so dass an den Adern zusätzlich kleine, mit Blut gefüllte Hohlräume entstehen, die von außen meist als Blutschwamm sichtbar sind.

Baby mit BlutschwammEin kavernöses Hämangiom bildet sich in der Regel bis zum 5. Lebensjahr selbständig zurück. (Foto by: gsermek / Depositphotos)

Die Anlage für die Ausbildung eines Blutschwamms erfolgt immer bereits vor der Geburt während der Embryonalphase. Weil in den weitaus meisten Fällen Das Neugeborene und Babys betroffen sind und es sich dem Prinzip nach um eine Wucherung der Gefäßwandzellen handelt, wird ein Blutschwamm als gutartiger (benigner) embryonaler Tumor des Gefäßsystems klassifiziert.

Unterschieden werden zwei Formen des Blutschwamms:

  • Das kapillare Hämangiom
  • Das kavernöse Hämangiom

Besteht nicht nur ein Blutschwamm, sondern mehrere gleichzeitig, spricht man von einer Hämangiomatose. Diese entsteht möglicherweise aufgrund einer embryonalen Fehlbildung.

Die Hämangiomatose ist ein Bestandteil seltener Systemerkrankungen wie dem Sturge-Weber Syndrom oder dem Hippel-Lindau-Syndrom und tritt mit anderen Missbildungen auf.

Ein Blutschwamm zählt zu den häufigsten gutartigen Tumoren im Säuglings- und frühen Kindesalter. Von einem Blutschwamm sind etwa drei bis fünf Prozent der Säuglinge betroffen. Bei etwa 30% der Fälle besteht der Blutschwamm bereits bei der Geburt, ansonsten entwickelt sich das Hämangiom in den ersten Lebenswochen.

In seltenen Fällen tritt das Hämangiom erst im Erwachsenenalter im dritten Lebensjahrzehnt auf.

Etwa 70 Prozent der frühkindlichen Blutschwämmchen bilden sich bis zum Alter von etwa sieben Jahren von selbst zurück, so dass in diesen Fällen keine Behandlung erforderlich ist.

Welche Ursachen stecken hinter einem Hämangiom?

Die genauen Gründe, die zur Ausbildung eines Blutschwämmchens führen, sind (noch) nicht bekannt, obwohl der Prozentsatz der Neugeborenen, die mit der Anlage eines Hämangioms geboren werden, relativ hoch erscheint.

Frühchen

Auffällig ist, dass Frühchen ein wesentlich höheres Risiko für die Ausbildung eines oder mehrerer Blutschwämmchen tragen.

Das deutet darauf hin, dass bestimmte Stoffwechselumstellungen, die normalerweise pränatal, also vor der Geburt, stattfinden, bei Frühchen häufiger als bei Normalgeburten noch nicht abgeschlossen sind.

Genetische Veranlagung

Einige Indizien sprechen dafür, dass eine genetische Veranlagung hauptursächlich für die Entstehung der Hämangiome und auch für deren spätere Rückbildung verantwortlich ist.

Die Ernährung und der eventuelle Drogenmissbrauch einschließlich Nikotin- und Alkoholabusus während der Schwangerschaft scheinen keinen Einfluss auf die Entstehung eines Blutschwämmchens zu haben. Ebenso wenig konnte ein möglicher Zusammenhang zwischen Hämangiom und Gebrauch der Saugglocke zur Unterstützung der Geburt nachgewiesen werden.

Symptome bei einem Blutschwamm (Hämangiom)

Typische Merkmale für einen Blutschwamm der Haut oder Schleimhaut sind die bläulichen oder rötlichen Verfärbungen an der betroffenen Stelle. Die Flecken können unterschiedlich groß sein (wenige Millimeter bis mehrere Zentimeter). Als Beispiel sei das Feuermal genannt.

Beschwerden entstehen in der Regel keine. Der Blutschwamm kann jedoch empfindlich auf Druck reagieren, wenn es sich beispielsweise unter der Achsel befindet. Eine Entzündung kann entstehen, wenn es zur Reibung mit Kleidungsstücken oder anderen Körperteilen kommt.

Wo und in welchen Körperbereichen können sich Blutschwämmchen bilden?

Blutschwämme entstehen aufgrund ungesteuerten Wachstums bestimmter Zellen der Blutgefäße. Sie können sich deshalb prinzipiell im gesamten Körperbereich bilden, weil sämtliche Gewebe von Blutgefäßen zwecks Ver- und Entsorgung durchzogen sind.

Häufig gehen die Blutschwämmchen vom kapillaren Gefäßsystem aus, wo der Stoffaustausch mit dem umliegenden Gewebe stattfindet und das den Übergang vom arteriellen zum venösen Teil des Blutkreislaufs markiert.

Es hat sich gezeigt, dass in etwa 60 Prozent der Fälle oberflächlicher Blutschwämmchen in den Bereichen Kopf, Hals und Nacken auftreten.

Blutschwämmchen an der Leber

Allerdings ist auch die Leber mit 30 Prozent aller Hämangiome relativ häufig betroffen. Blutschwämmchen an der Leber sind normalerweise ungefährlich und werden vielfach nur per Zufall durch ein MRT oder eine Sonografie entdeckt.

Eine Gefahr kann von ihnen ausgehen, wenn sie in der Leber durch Raumbeanspruchung den Abfluss von Gallenflüssigkeit behindern.

Blutschwämmchen im Gesicht

Wenn sich ein Blutschwämmchen in den Bereichen Zunge, Mundhöhle, Nase oder Augen entwickelt, sind sie meist aus kosmetischen Gründen oder wegen Funktionsbehinderungen der Organe  behandlungsbedürftig.

Hämangiome in der Augenhöhle

Eine gewisse Sonderstellung nehmen Hämangiome in der Augenhöhle ein, die meist erst im mittleren Erwachsenenalter auftreten und zunächst kaum bemerkt werden.

Erst bei fortschreitendem Wachstum machen sich Symptome durch Lageveränderungen des Augapfels bemerkbar, die zu Sehbeeinträchtigung, auch zu Doppelbildern, führen.

Seltener sind folgende Hautregionen betroffen:

  • Arme
  • Finger
  • Beine
  • Füße
  • innere Organe wie Herz, Gehirn, Milz oder Wirbelsäule

Wie gefährlich ist ein Hämangiom?

In den allerwenigsten Fällen ist ein Blutschwämmchen gefährlich, weil es sich grundsätzlich um gutartige Tumoren handelt, die sich nicht zu bösartigen Geschwülsten weiter entwickeln.

Bei oberflächlich sichtbaren Hämangiomen können kosmetische Probleme eine Rolle spielen, die eine Therapierung sinnvoll erscheinen lassen.

Blutschwämmchen an den Augenlidern oder in der Nase können allerdings Probleme durch Raumbeanspruchung auslösen. Ein Hämangiom am Augenlid birgt bei den betroffenen Kindern das Risiko einer nachhaltigen Sehbeeinträchtigung oder Fehlsichtigkeit.

Falls bei Kindern mehr als zwei oberflächliche Blutschwämmchen vorhanden sind, besteht ein erhöhtes Risiko auf innere Hämangiome, die symptomlos und ungefährlich sein können, die aber durch Raumbeanspruchung Probleme aufwerfen können. Es ist in diesen Fällen sinnvoll, den Verdacht durch Ultraschalluntersuchungen oder durch MRT abklären zu lassen.

Behandlung und Therapie eines Hämangiom

Behandlung BlutschwammZur Behandlung eines Blutschwamms stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. (Foto by: rbvrbv / Depositphotos)

Blutschwämmchen, die keine Probleme, etwa durch Raumbeanspruchung, verursachen und auch kein gravierendes kosmetisches Problem darstellen, werden normalerweise nicht behandelt. Sie bilden sich im Laufe weniger Jahre nach der Geburt von selbst zurück.

Welche Therapieform jeweils besonders geeignet ist, hängt vom Ort des Auftretens, von der Lage zu anderen Organen und von den kosmetischen Bedingungen ab. In besonderen Fällen kann auch eine Kombination möglicher Behandlungsformen notwendig und zielführend sein.

Für die behandlungswürdigen Hämangiome stehen mehrere Therapieformen zur Wahl:

  • Laserablationen
  • Kryotherapie
  • lokale medikamentöse Behandlungen
  • chirurgische Methoden

Behandlung mit Medikamenten

Mittlerweile steht auch eine systemisch wirksame medikamentöse Therapieform durch Betablocker zur Verfügung, die eigentlich zur Behandlung des Bluthochdrucks entwickelt wurden.

Seit einigen Jahren gibt es auch Medikamente wie Propranolol und Timolol, die auch zur Behandlung von Blutschwämmen zum Einsatz kommen, obwohl es sich um Betablocker handelt. Beide Medikamente haben eine Zulassung zur Behandlung von Hämangiomen erhalten.

Laser und Kryotherapie

Die am häufigsten angewandten Therapieformen sind die Abtragung des Blutschwamms durch Laser oder durch Kryotherapie. Die Lasertherapie mittels Farbstofflaser ist ein gut entwickeltes Standardverfahren, das in der Regel unter Narkose stattfindet und keine oder nur eine geringe Narbenbildung verursacht.

Mit der lokalen Kryotherapie werden vergleichbar gute Ergebnisse erzielt. Meist wird mit einem Spezialgerät Gewebe mit Flüssigstickstoff bei minus 196 Grad Celsius zerstört und abgetragen.

Salben und Cremes

Lokal können Hämangiome mit einer glucocorticoidhaltigen Salbe behandelt werden, deren Wirkstoffe meist Cortison enthalten, das aus der Oxidation des Nebennierenrindenhormons Cortisol entsteht.

Alternativ können auch Salben oder Cremes verwendet werden, deren Hauptwirkstoff aus dem Botenstoff Interferon-alpha besteht. Es handelt sich um einen Botenstoff, der von den Monozyten des Immunsystems produziert wird und normalerweise gegen Zellen gerichtet ist, die von Viren befallen sind.

Operation

Die operative Entfernung eines Blutschwamms (Exzision) ist nur in Ausnahmefällen sinnvoll, wenn beispielsweise keine der übrigen Therapieformen anwendbar oder mit zu hohen Risiken verbunden sind.

Alternative Therapieformen und Hausmittel

Es existieren eine Reihe alternativer Therapieformen aus der Naturheilkunde zur Behandlung eines Blutschwamms. Auch in der TCM - Traditionell Chinesischen Medizin ist das Hämangiom seit Hunderten von Jahren bekannt.

Ringelblume

Behandlung Blutschwamm mit RingelblumeZur Behandlung von einem Blutschwamm ist der Saft der Ringelblume sehr beliebt. (Foto by: belchonok / Depositphotos)

In der Alternativmedizin wird vor allem die Ringelblume zur Behandlung empfohlen. Das sichtbare Hämangiom wird mehrmals täglich mit frisch gepresstem Saft der Ringelblume bestrichen und die Behandlung über einen längeren Zeitraum beibehalten. Systemisch unterstützend wirkt Ringelblumen-Tee.

Zypressenöl

Es gibt noch viele weitere Naturheilmittel, die zur Behandlung eines Blutschwamms empfohlen werden. Beispielsweise lassen sich gute Erfolge mit dem stark aromatischen Öl der Zypresse bei äußerer Anwendung erzielen.

Weitere geeignete Naturmittel, die für Therapien zur Rückbildung von Hämangiomen genutzt werden:

Propolis

Eine Sonderstellung in der Naturheilkunde nimmt Propolis ein. Es handelt sich um eine mit Harz angereicherte wachsartige Masse, die Honigbienen herstellen und für verschiedene Gelegenheiten nutzen.

Dabei profitieren sie von den antibakteriellen, antiviralen und antimykotischen Eigenschaften.

Aus dem Rohpropolis werden Tinkturen, Salben, Nasensprays, Kapseln und vieles mehr hergestellt. Für die Behandlung von Blutschwämmen sind Propolis-Tinkturen für äußere Anwendungen besonders gut geeignet.

Homöopathie

In der Homöopathie stehen mehrere Alternativen für eine Behandlung bereit.

An erster Stelle stehen Abrotanum (Eberraute) und Kreosotum, das besonders bei Kindern, die in erster Linie von Blutschwämmchen betroffen sind, eine gute Wirkung zeigt.

Die in der Homöopathie hochverdünnten Wirkstoffe sind entweder als Einzelpräparate oder auch in Form homöopathischer Komplexpräparate verfügbar.

Schüssler Salze

Als weitere Alternative stehen für die innere Behandlung von Blutschwämmchen die Schüssler Salze Nr. 1 Calcium Fluoratum und Nr. 18 Calcium sulfuratum zur Verfügung. Beide Salze können auch kombiniert und gleichzeitig eingenommen werden.

Komplikationen

Oberflächliche Hämangiome zeichnen sich in der Regel durch eine sechs- bis neunmonatige Wachstumsphase aus, an die sich die Stillstandsphase mit unterschiedlicher Dauer und die Rückbildungsphase mit einer Dauer von bis zu neun Jahren anschließt.

Das bedeutet, dass bei Verzicht auf eine Behandlung das betroffene Kind sehr lange mit dem oder den reizlosen Blutschwämmchen leben muss, bevor die Rückbildung abgeschlossen ist.

Durch Kratzen, durch mechanischen Druck oder ähnlichen Belastungen kann das Hämangiom entweder platzen oder verletzt werden, so dass es zu Ausblutungen kommt, die zwar nicht direkt gefährlich und bedrohlich sind, die aber die Eintrittspforte für eine Infektion bilden können. Eitrige Entzündungen können sich bilden, die mit den üblichen Mitteln einer Wundinfektion behandelt werden müssen. Um einer hässlichen Narbenbildung vorzubeugen, kann in diesen Fällen eine operative Entfernung des Blutschwämmchens angezeigt sein.

Kann einem Blutschwamm vorgebeugt werden?

Die genauen Ursachen für die Entstehung eines Hämangioms sind (noch) nicht hinreichend verstanden. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass genetische Ursachen eine wesentliche Rolle spielen. Auch wenn das Hämangiom während der Geburt noch nicht sofort sichtbar ist, entwickelte sich die Anlage für das Blutschwämmchen bereits während der Schwangerschaft.

Es ist allerdings nicht bekannt, ob besondere Umstände oder Verlaufsformen der Schwangerschaft verursachende Wirkungen haben können. Besondere vorbeugende Maßnahmen zur Verhinderung von Hämangiomen sind daher nicht bekannt.


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