Rosacea (Interview mit Dermatologe Dr. Bisschoff)

Rosacea ist eine chronische Hauterkrankung, die sich durch Entzündungen, Rötungen und Bläschen im Gesicht bemerkbar macht. Die Krankheit betrifft vor allem Erwachsene ab 40 Jahren. In diesem Interview erklärt Dr. Bisschoff genauer über die Symptome, Ursachen und den Verlauf der Erkrankung auf.

Rosacea Im Arztgespräch bekommen Sie eine genaue Analyse und einen maßgeschneiderten Therapieplan. (Foto by: SvetlanaDolgova / Depositphotos)

FitundGesund: Woran erkennt man eine Erkrankung an Rosacea? Was sind die Symptome?

Dr. Bisschoff: Rosacea ist eine sehr belastende Erkrankung und tritt vor allem im Erwachsenenalter auf. Ohne Behandlung schreitet die Erkrankung fort und es bilden sich Rötungen, Entzündungen und kleine Gefäßerweiterungen. Im Verlauf kommt es gelegentlich zu Schwellungen der Gesichtshaut, sowie tiefen, entzündlichen Knoten.

Diese Erkrankung fängt häufig im Alter zwischen 25 und 40 Jahren an und zeigt unbehandelt meistens eine Verschlechterung. Bei manchen Patienten können sich auf den ersten Blick Ähnlichkeiten zu Akne zeigen, aber die Ursachen dieser beiden Erkrankungen sind unterschiedlich. Bei einer Akne, die sich nach der Pubertät manifestiert, sollte immer auch an Rosacea gedacht werden.

Es gibt mehrere Formen der Rosacea, die sich auch von einer Form in die nächste weiterentwickeln können:

  • Rosacea erythematosa
    Meistens fängt die Erkrankung mit Rötungen an den Wangen und stärkerem Erröten in Stresssituationen an, oft begleitet von einem Spannungsgefühl.
  • Teleangektasien
    Häufig schreitet die Erkrankung fort. In der zweiten Form entstehen kleine Entzündungen und Erhebungen, aber auch eitrige Pusteln (Rosacea papulopustulosa). Nach Abheilung der Pusteln bleiben häufig kleine Gefäßzeichnungen.
  • Rhinophym
    Als weitere Ausprägung kommt es durch die jahrelangen Entzündungen zu Lymphstauungen im Gesicht und ein knollenartiger Umbau der Nase ist die Folge. In manchen Fällen können sogar die Augen betroffen sein.

Rosacea Es ist möglich eine eigene Gesichtsmaske aus Aloe Vera herzustellen, welche die Haut beruhigen kann. (Foto by: serenzniy / Depositphotos)

FitundGesund: Wie kommt es zu Rosacea? Gibt es bestimmte Auslöser und Ursachen?

Dr. Bisschoff: Bei Rosacea entstehen durch eine fehlgesteuerte Immunantwort kleine Entzündungen der Haut mit vermehrten Rötungen der Wangen, Stirn und des Kinns, sowie eine überschießende Immunantwort auf körpereigene Keime, insbesondere auf Demodexmilben. Es kommt zu Gleichgewichtsstörungen und ein Entzündungsprozess ist die Folge.

Es gibt bestimmte Trigger für die Erkrankung: Sonne, Wärme emotionaler und körperlicher Stress und bestimmte Nahrungsmittel können eine Rosacea verschlimmert. Alkoholund Nikotin wirkt sich ebenfalls negativ aus, ebenso wie eine falsche Pflege der Haut.

Rosacea Sonnenschutz ist eine der wichtigsten Methoden um eine Vielzahl an Hautkrankheiten vorzubeugen. (Foto by: Maridav / Depositphotos)

FitundGesund: Wie kann eine Rosacea behandelt werden?

Dr. Bisschoff: Bei der Behandlung würde man eine Stufentherapie wählen. Unterstützende Maßnahmen, wie Sonnenschutz und geeignete (leichte) Pflege, gehören in jedem Stadium dazu. Anfänglich wird eine topische Antibiose (z.B. Metronidazolgel) empfohlen. In schwereren Fällen kommen orale Antibiotika in Frage.

Ein Fruchtsäure- oder Chemical Peeling wirkt beruhigend und fördert durch Abtragung von Verhornungen die Penetration von pharmazeutischen Wirkstoffen. Seit einiger Zeit stehen auch Milbenmittel zur Verfügung, mit denen man bei vielen Leuten eine deutliche Verbesserung erzielen kann. Im Arztgespräch bekommen Sie eine genaue Analyse und einen maßgeschneiderten Therapieplan.

Nach erfolgreicher Therapie der Erkrankung können vorhandene Äderchen (Teleangektasien) mit einem Gefäßlaser (KTP-Laser) entfernt werden. In der Zukunft wird man direkt auf den Mikrobiom einwirken. Wir gehen davon aus dass unser Mikrobiom auch hier bei Rosacea eine große Rolle spielt.

FitundGesund: Gibt es auch Hausmittel gegen Rosacea?

Dr. Bisschoff:

  • Schwarztee und Kamille
    Sie dazu den Tee mindestens zehn Minuten ziehen. Anschließend können Sie Kompressen mit kaltem Tee auf die betroffenen Hautstellen legen.
  • Aloe vera
    wirkt pflegend und beruhigend auf Ihre Haut ein. Kann aber auch im Winter austrocknen. Deswegen gerne in Kombination mit Feuchtigkeitspflege.
  • Verdünnte Apfelessig im Verhältnis 1:4 mit Wasser
    Tragen Sie die Essiglösung mit einem Wattepad auf und lassen Sie diese etwa funf bis zehn Minuten lang auf der Haut. Anschließend waschen Sie Ihr Gesicht wieder mit lauwarmem Wasser.
  • Hafermasken
    kann ebenfalls die Rötung lindern. Die Maske entfernen Sie nach etwa 20 Minuten Einwirkzeit mit lauwarmem Wasser.

FitundGesund: Können während der Erkrankung oder der Behandlung Komplikationen auftreten?

Dr. Bisschoff: Bei einzelnen Patienten können auch die Augen betroffen sein. Bei brennenden, trockenen Augen und gleichzeitiger Rosacea, ist es notwendig eine Augenbeteiligung auszuschließen. Ich arbeite interdisziplinär mit Kollegen der Augenheilkunde zusammen, die sich auch mit dieser Erkrankung gut auskennen.

FitundGesund: Kann Rosacea vorgebeugt werden? Wenn ja, wie?

Dr. Bisschoff: Es ist bekannt, dass bestimmte Nahrungsmittel wie Rotwein, reifer Käse und Gewürze die Beschwerden verstärken können. Eine histaminarmeErnährung kann bei manchen Betroffenen eine Symptomverbesserung zufolge haben. In neueren Studien konnte für Kaffee, anders als früher angenommen, kein negativer Effekt auf Rosacea nachgewiesen werden. Die Krankheit verläuft schubweise, meist durch Stressoren ausgelöst. Ein Schub kann durch Stress oder durch die Sonneeinwirkung ausgelöst werden.

Gerade für Rosacea-Patienten ist es wichtig, bekannte Auslöser zu vermeiden. Trotzdem muss nicht auf den Geschmack verzichtet werden. Die folgende Gemüsepasta ist – kombiniert mit zahlreichen frischen Kräutern – ein echtes Geschmackserlebnis.

FitundGesund: Danke für das Interview!

Kontaktdaten und mehr Informationen zu Dr. Bisschoff finden Sie hier: Dr. Johannes Bisschoff


Bewertung: Ø 4,5 (6 Stimmen)

Autor: Dr. Johannes Bisschoff
Infos zum Autor: Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten
Erstellt am: 19.02.2020
Überarbeitet am: 20.02.2020

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