Diätmythen im Check

Beinahe jeder Ernährungstrend und jeder (selbst ernannte) Ernährungsexperte scheinen etwas anderes zu behaupten. Während Kartoffeln früher dick machten, sind es heute eher Zucker und Konservierungsmittel, die als die "Bösen" gelten. Und dann wieder ist es doch nur die Menge, die wir essen und gar nicht brauchen, die angeblich dick macht. Welche Ernährungs- und Diätmythen gibt es und was steckt wirklich dahinter?

DiätZahlreiche Diätmythen ranken sich um das Thema Abnehmen und Gewichtsverlust. (Foto by: shefkate / Depositphotos)

Mythos Nr. 1: Weniger essen macht schlank(er)

Gegen Mittag knurrt der Magen unüberhörbar. Vielleicht nicht weiter verwunderlich, nachdem das Abendessen gestern schon klein ausfiel und das Frühstück am Morgen gar nicht stattfand.
 
Doch anstatt zu essen, wie es jetzt gut und sinnvoll wäre, lässt man das Mittagessen lieber ebenfalls klein oder ganz ausfallen. Denn wer viel und ständig isst, braucht sich über ungewollte Kilos gar nicht zu wundern, oder?

Die Realität: Wer zu wenig isst und nicht auf den Hunger hört, treibt den Körper in einen Zustand der Unterernährung. Das birgt nicht nur das Risiko von Mangelerscheinungen, sondern sorgt dafür, dass der Körper keine Fettzelle mehr freiwillig abbaut. Er befürchtet, er müsse verhungern, und klammert sich an seine Reserven. Und ganz egal wie viele Mahlzeiten man am Tag isst, am Ende des Tages zählt die Gesamtmenge an Kalorien.

Mythos Nr. 2: Detox hilft beim Abnehmen

Detox-Tee, Detox-Wasser, Detox-Rezepte... man könnte meinen, die ganze Welt bestehe aus Giften. Tatsächlich führen wir dem Körper nicht gerade wenig Ballast zu, den er nicht braucht und den er wieder ausscheiden muss.
 
Teilweise geht Detox so weit, dass man sich eine Woche nur noch von Säften ernähren soll, nur damit der Körper Nährstoffe pur erhält und währenddessen alles ausscheiden kann, was er über die Zeit angesammelt hat. Doch warum dann nicht gleich auf Ungesundes verzichten?
 
Die Realität: Es gibt keine wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit von Detox-Kuren. Vielmehr ist davon auszugehen, dass der Körper sehr gut selbst dazu in der Lage ist, Giftstoffe auszuscheiden. Besser wäre es, ihm diese gar nicht erst zuzuführen. Es spricht jedoch nichts dagegen, einen Detox-Tee zu genießen, wenn dieser schmeckt, oder die Säfte einer Saftkur zum Beispiel zu einem gesunden Essen zu genießen. Nährstoffhaltig und sehr hochwertig sind sie meistens wirklich, nur nicht als Alleinnahrung geeignet.

Mythos Nr. 3: Chili, Ingwer und Kaffee können beim Abnehmen helfen

Viele Abnehmwillige schwören darauf, dass beispielsweise Kaffee, Ingwer oder Chili den Stoffwechsel anregen und somit beim Gewichtsverlust helfen. Jedoch ist diese Wirkung nur minimal. Als unterstützende Maßnahme beim Abnehmen ist jedoch gegen Chili und Co nichts einzuwenden.

Mythos Nr. 4: Fett sorgt für Sättigung

Ob man sich nach einer Mahlzeit satt fühlt, hat mit dem Fettgehalt nichts zu tun. Dafür sind vor allem zwei Faktoren wichtig:
  • Die Aufnahme von hochwertigen Kohlenhydraten: Dadurch wird vom Körper Insulin ausgeschüttet und ein Sättigungsgefühl erzeugt.
  • Zeit für das Essen nehmen: Mindestens 20 Minuten sollten für eine Mahlzeit eingeplant werden, denn erst nacht dieser Zeit setzt die Sättigung ein.

Mythso Nr. 5: Smoothies, Fruit Bowls und Obst in großen Mengen

Obst und GemüseWährend Gemüse als Grundnahrungsmittel betrachtet werden kann, sollte Obst eher ein süßer Snack sein (Foto by: poznyakov / Depositphotos)

In Obst und Gemüse stecken viele Vitamine und Mineralstoffe. Sie sind natürlich, es gibt sie in Bio-Qualität und es mussten keine Tiere für ihre Produktion sterben. Außerdem kann man gerade aus Obst so viel machen: Smoothies, Fruit Bowls, Müslis, Raw Food... durch solche neuen Rezepte essen wir mittlerweile wahrscheinlich sehr viel mehr Obst als noch vor dem Trend. Doch was ist eigentlich mit dem Fruchtzucker-Gehalt, der in Obst wesentlich höher ist als in Gemüse?

Die Realität: Obst ist nicht grundverkehrt. In Obstsorten stecken Mikronährstoffe, die in Gemüse nicht in diesen Konzentrationen vorkommen. Während Gemüse jedoch als Grundnahrungsmittel betrachtet werden kann, sollte Obst eher als süßer Snack verstanden werden. Wird Obst in sehr großen Mengen gegessen, spielt der Fruchtzucker eine Rolle. Das kann in Extremfällen bis zur Entwicklung einer Fructoseintoleranz gehen.

Mythos Nr. 6: Superfoods sind besser als heimische Lebensmittel

Chia Samen, Quinoa, Acai-Beeren - klingt exotisch und ist es auch, denn heimisch sind die meisten Superfoods nicht. Sie werden eine Weile in den Medien gehypt, denn Studien sollen herausgefunden haben, dass sie sehr schwer zu bekommende Nährstoffe in großen Mengen liefern können. Doch was ist wirklich so super an Superfood?

Die Realität: Viele importierte Lebensmittel verlieren allein durch den Transport oder ein anderes Verständnis von nachhaltiger Landwirtschaft in ihrem Heimatland an ernährungsphysiologischem Wert. Bei anderen steht die Frage im Raum, wie viel des enthaltenen Wunder-Inhaltsstoffs überhaupt vom Körper aufgenommen werden kann.

Mythos Nr. 7: Vitamine können nicht überdosiert werden

Vitamine gehören zu einer gesunden Ernährung und es kann zu schwerwiegenden Mangelerscheinungen kommen, wenn sie nicht in ausreichenden Mengen aufgenommen werden. Die gegenteilige Meinung, dass Vitamine gar nicht überdosiert werden könnten, ist weit verbreitet.
 
Die Realität: Neuere Studien haben gezeigt, dass gerade die Vitamin A, Vitamin D, Vitamin E und Vitamin K sehr wohl überdosiert werden können. Bei zu großer Vitaminzufuhr stieg das Risiko diverser, teils schwerer Erkrankungen an. Es empfiehlt sich daher, Vitamine aus der Nahrung zu beziehen und nicht unkontrolliert mit Nahrungsergänzung zu arbeiten, die nicht an die Ernährungsgewohnheiten und den individuellen Bedarf angepasst ist.

Mythos Nr. 8: Fettfreie Produkte sind gleichzeitig kalorienfrei

Bei vielen sogenannten fettfreien Produkten und Light-Produkten ist der Fettgehalt zwar reduziert, jedoch enthalten sie noch immer Kohlenhydrate und die liefern ebenso Kalorien. Auch der darin enthaltene Süßstoff lässt den Insulinspiegel ansteigen und somit sind Heißhungerattacken vorprogrammiert.

Mythos Nr. 9: Kohlenhydrate sind schlecht

KohlenhydrateKohlenhydrate werden oft als Dickmacher verurteilt. (Foto by: marylooo / Depositphotos)

Ein Trend von vielen war in letzter Zeit die Low Carb-Ernährung. Sie verzichtete weitestgehend auf sehr kohlenhydrathaltige Lebensmittel wie Brot oder Nudeln, in der Annahme, dass wir zu viele Kohlenhydrate zu uns nehmen. Diese werden zu Zucker verstoffwechselt, den der Körper gar nicht braucht, da wir uns zeitgleich zu wenig bewegen und den Zucker gar nicht abbauen können. Gedacht ist er für die Energiegewinnung. Das kann so weit gehen, dass fast gar keine Kohlenhydrate mehr aufgenommen werden.
 
Die Realität: Es stimmt zwar, dass in manchen Ernährungsgewohnheiten ein Übermaß an leicht verstoffwechselbaren Kohlenhydraten steckt. Dadurch erhält der Körper einen unnötigen Energieüberschuss, den er in Fettzellen anlegt. Solche Extreme sind aber meist nur dann der Fall, wenn die Ernährung großteils aus Fast Food und Fertiggerichten besteht. Es würde zur Besserung reichen, selbst zu kochen und Vollkornprodukte zu bevorzugen. Diese sättigen, helfen den Blutzuckerspiegel konstant zu halten und Heißhungerattacken vorzubeugen.

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