Ringelröteln - Erythema infectiosum

Selten verraten sie sich durch ihren charakteristischen Hautausschlag, meist verlaufen sie harmlos - aber für Schwangere und Patienten mit Vorerkrankungen können sie zu einer tödlichen Bedrohung werden: Ringelröteln.

RingelrötelnRingelröteln sind eine typische Kinderkrankheit. (Foto by: natulrich / Depositphotos)

Als Ringelröteln (auch Erythema infectiosum oder "fünfte Krankheit") bezeichnet man eine virale Erkrankung, die zu den Kinderkrankheiten gehört. Aber auch Jugendliche und Erwachsene können daran erkranken. Eine Infektion mit Ringelröteln bleibt meist harmlos oder verläuft sogar unbemerkt.

Die Symptome ähneln denen einer fiebrigen Erkältung, gefolgt von einem charakteristischen Hautausschlag. Viele Infektionen bleiben ganz ohne Symptome, in Einzelfällen kann es aber zu schwerwiegenden Komplikationen kommen. Insbesondere bei Patienten mit Anämien oder Immunschwächen kann die Krankheit einen schweren Verlauf nehmen.

Bei Schwangeren können Ringelröteln eine Fehlgeburt auslösen. Eine Impfung gegen Ringelröteln existiert nicht. Die meisten Menschen stecken sich im Kindesalter an und entwickeln daraufhin eine lebenslange Immunität gegen Ringelröteln.

Der Name "fünfte Krankheit" stammt aus der Zeit, als Ärzte zum ersten Mal versuchten, die Kinderkrankheiten mit ihren charakteristischen Hautausschlägen voneinander zu unterscheiden. Neben Masern, Scharlach und Röteln sollte es eine "vierte Krankheit" geben, die heute allerdings nicht mehr als eigenständige Krankheit anerkannt wird. Vermutlich handelte es sich bei der "vierten Krankheit" um eine Variante des Scharlachs. Als "sechste Kinderkrankheit" wurde das Drei-Tage-Fieber bezeichnet, eine Erkrankung, die durch Herpesviren ausgelöst wird. Ringelröteln wurden als fünfte Kinderkrankheit klassifiziert. Der Erreger konnte lange Zeit nicht identifiziert werden.

Ursachen von Ringelröteln

Übertragen wird der Erreger in der Regel durch Tröpfcheninfektion, also durch Niesen oder Husten, selten durch eine Bluttransfusion oder verabreichte Plasmaprodukte. Ist man infiziert, vermehrt sich das Virus im Knochenmark, genau in den Vorläuferzellen der Erythrozyten (rote Blutkörperchen).

Die Blutbildung wird dadurch gestört, das Virus nutzt zudem die Endothehlzellen (diese kleiden die Blutgefäße aus) um sich zu vermehren. Darum tritt der charakteristische Hautausschlag bei Ringelröteln auf. Die Ansteckungsgefahr ist enorm, über die Schleimhäute der Atemwege kommen die Viren in den Körper. Bevor die Symptome bei Ringelröteln einsetzen, besteht die höchste Ansteckungsgefahr, nach Auftreten der Symptome, wie dem Hautausschlag ist die Ansteckungskraft vermindert.

Die Inkubationszeit beträgt ca. 4 – 14 Tage.

Symptome von Ringelröteln

Nicht immer kommt es nach der Ansteckung zu Krankheitssymptomen. Die Mehrheit der Infektionen macht sich gar nicht bemerkbar, verleiht dem Betroffenen aber dennoch eine Immunität, die vermutlich bis zum Lebensende anhält.

Erkältungssymptome

Falls die Viren eine Krankheit auslösen, so erinnern die ersten Symptome an eine Erkältung. Typisch sind:

Hautausschlag

Einige Tage später klingen diese Symptome ab und es tritt ein hellroter Hautausschlag auf. Dieser kann jucken oder schmerzfrei sein. Der Ausschlag findet sich vor allem im Gesicht, oft in Form eines sogenannten Schmetterlingserythems. Dabei röten sich die Wangen, aber die Mundpartie ist oft ausgespart. Die Rötungen auf den Wangen sollen wie Schmetterlingsflügel aussehen.

Ringelröteln gelten als nicht mehr ansteckend, sobald dieser Ausschlag zu sehen ist. Die Ansteckungsgefahr ist vor dem Auftreten der Symptome am höchsten.

Der Ausschlag kann sich auf Rumpf, Beine und Oberarme ausbreiten. Er bildet ein girlandenähnliches Muster, das sich von dem Ausschlag der anderen Kinderkrankheiten unterscheidet.

Allerdings erscheint der charakteristische Ausschlag nur bei 15-20% der Erkrankten. Bei den restlichen Patienten verlaufen Ringelröteln ohne Auffälligkeiten der Haut. Nur durch weitergehende Untersuchung ist die Erkrankung dann von einer Grippe oder einem Schnupfen zu unterscheiden.

Untersuchungen und Diagnose

Die Diagnose kann relativ leicht aufgrund der Symptome erfolgen, falls der typische Hautausschlag sichtbar ist. Dann ist darauf zu achten, dass es nicht zu Verwechslungen mit anderen Kinderkrankheiten (Masern, Scharlach, Röteln) kommt. Ein Schmetterlingserythem, wie es bei Ringelröteln vorkommt, kann auch auf eine Borrelien-Infektion oder Lupus erythematodes hinweisen. Oft ermöglichen die Symptome dennoch eine eindeutige Diagnose, vorausgesetzt, dass ein Hautausschlag auftritt.

Blutuntersuchung

Dies ist, wie beschrieben, nicht immer der Fall. Dann wird das Blutserum auf B19-spezifische Antikörper untersucht. Wenn ein Patient Antikörper gegen das Parvovirus B19 gebildet hat, liegt eine Infektion vor. Aber auch diese Methode ist nicht unfehlbar, da die Antikörperproduktion bei immundefizienten Patienten gestört sein kann.

Nachweis der Viren im Serum oder Knochenmark

Als sicherstes Verfahren gilt der Nachweis der Viren im Serum oder Knochenmark. Bei Parvoviren handelt es sich um DNA-Viren, also Viren, deren Genom als DNA vorliegt. In standardisierten Tests können menschliche Gewebeproben wie Knochenmark und Blutserum auf die Anwesenheit der viralen DNA untersucht werden.

Um eine Infektion bei einem Ungeborenen festzustellen, wird das Nabelschnurblut und das Fruchtwasser überprüft.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Symptomatische Behandlung

Ein Medikament, das sich gegen die Viren richtet, gibt es nicht. Ringelröteln können nur symptomatisch behandelt werden, zum Beispiel mit fiebersenkenden oder schmerzstillenden Mitteln.

Bei einem komplikationslosen Verlauf wird keine besondere Behandlung empfohlen. Die Krankheit klingt meist nach wenigen Tagen ab, in einigen Fällen dauert sie über Wochen an.

Prävention RingelrötelnUm Ringelröteln vorzubeugen ist Hygiene wichtig. (Foto by: g215 / Depositphotos)

Komplikationen

Wenn ältere Kinder, Teenager und Erwachsene an Ringelröteln erkranken, können die Gelenke betroffen sein. Sie schwellen an, schmerzen und lassen sich schlecht beugen. Die Beweglichkeit wird dadurch eingeschränkt, beispielsweise das Laufen wird schwierig und unangenehm. Der Zustand hält zwei Wochen bis zu mehreren Monaten an und verschwindet ohne weitere Behandlung von selbst.

Bei Patienten, die bereits vor der Ringelrötel-Infektion an einer Anämie litten (z. B. einer erblichen Erkrankung wie der Kugelzellenanämie oder Sichelzellenanämie), kann die Blutbildung vollständig zum Stillstand kommen. Dieser (vorübergehende) Stillstand wird als aplastische Krise bezeichnet und sollte behandelt werden.

Bei Patienten mit Immunschwächen (Patienten mit AIDS, Chemotherapie oder Organtransplantation) ist die körpereigene Abwehr nicht in der Lage, die Viren zu eliminieren. Es kann zu einer chronischen Anämie kommen. In solchen Fällen werden den Patienten Antikörper gegen die Viren verabreicht.

Wenn sich eine Schwangere im ersten Trimester mit den Viren infiziert, können Ringelröteln Fehlgeburten auslösen. In der Mehrheit der Fälle verläuft eine Ringelrötel-Infektion während der Schwangerschaft allerdings komplikationslos. Dann treten weder Entwicklungsstörungen noch Fehlbildungen bei dem Embryo auf, und es wurden bisher auch keine Spätschäden durch Ringelröteln nachgewiesen.

Prävention und was ich selbst tun kann

Einen Impfstoff gegen Ringelröteln gibt es nicht. Auch ist es nicht sinnvoll, Erkrankte zu isolieren, da sie üblicherweise nicht mehr ansteckend sind. Nach dem ersten Kontakt mit dem Erreger dauert es bis zu drei Wochen, bevor sich die ersten Krankheitssymptome zeigen.

Den wirksamsten Schutz bieten also allgemeine Hygienemaßnahmen und die regelmäßige Desinfektion der Hände. Schul- und Kindergartenkinder, Lehrer, Kindergärtner und Eltern haben das höchste Risiko, sich mit Ringelröteln zu infizieren. Man sollte aber nicht vergessen, dass jeder Zweite ohnehin bereits Kontakt mit dem Ringelrötel-Virus hatte. Die meisten Menschen stecken sich vermutlich als Kind oder Jugendlicher an. Es wird angenommen, dass diese Erst-Infektion eine lebenslange Immunität gegen Ringelröteln verleiht.


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