Hodenhochstand (Maldescensus testis)

Fehlen bei einem Neugeborenen ein oder beide Hoden im Hodensack, dann handelt es sich um einen Hodenhochstand. Um spätere Komplikationen im Erwachsenenalter zu vermeiden, ist eine Behandlung vor dem ersten Lebensjahr stark zu empfehlen.

Hodenhochstand Ein Hodenhochstand sollte am Besten vor dem 1. Lebensjahr behoben werden um Risiken zu vermeiden. (Foto by: didesign / Depositphotos)

Schnell-Übersicht

  • Was ist ein Hodenhochstand?
    Dabei entwickeln sich ein oder beide Hoden nicht vollständig in den Hodensack und bleiben im Leistenkanal oder dem Bauchraum stecken.
  • Ursachen
    Möglich sind genetische, hormonelle oder auch besondere anatomische Ursachen.
  • Symptome
    Symptome sind bis zum Eintreten der Pubertät oft meist nicht zu bemerken. Jedoch kommt es im Erwachsenen alter zu vielzähligen Problem wie Hodenkrebs.
  • Behandlung
    Eine Behandlung wird am besten bei Kindern vor dem ersten Lebensjahr durchgeführt. Möglich sind Hormonbehandlungen aber auch Operationen.
  • Komplikationen
    In manchen Fällen kann es nach einer Operation zu Schrumpfhoden kommen. Auch das Risiko für Unfruchtbarkeit steigt.

Was ist ein Hodenhochstand?

Im Falle eines Hodenhochstands befindet sich ein Hoden, oder beide, nicht wie vorgesehen im Hodensack, sondern im Leistenkanal oder dem unteren Bauchraum. Dieses Problem ist meist bereits angeboren, was als primärer Hodenhochstand bezeichnet wird. Bei einem sekundären Hodenhochstand begibt sich der Hoden erst zu einem späteren Zeitpunkt in eine falsche Lage.

Dabei werden unterschiedliche Varianten des Hodenhochstands je nach solcher Lage beschrieben:

  • Bauchhoden
    Dabei verlässt der Hoden nie den Bauchraum und bleibt dort hängen.
  • Leistenhoden
    Der Hoden sinkt bis in den Leistenkanal hinein, schafft es jedoch nicht in den Hodensack. Diese Form des Hodenhochstands ist die häufigste.
  • Gleithoden
    Dabei wandert der Hoden in den untersten Teil des Leistenkanals, wo er meist durch einen zu kurzen Samenstrang auch nach einer Verschiebung wieder zurück wandert.
  • Pendelhoden
    Diese Art des Hodenhochstands muss nicht immer zwanghaft behandelt werden. Dabei liegt der Hoden nämlich wie gewollt im Hodensack, zieht sich jedoch bei Kälteeinwirkungen oder andere Reizen durch einen Reflex für eine kurze Zeit wieder in den Leistenkanals zurück. Er pendelt also zwischen Hodensack und Leistenkanal. Manchmal muss dieser Zustand jedoch auch operiert werden.

Ursache

Ein Hodenhochstand entsteht in vielen Fällen im Zusammenhang mit genetischen Einflüssen, kann jedoch unterschiedliche und mehrere Ursachen haben, die auf einander Einfluss nehmen.

Genetische Ursachen

Die Wahrscheinlichkeit für das Vorkommen eines Hodenhochstands steigt, wenn ein solcher Fall in der Familie bereits vorhanden ist.

Hormonelle Ursachen

Eine Störung im Hormonhaushalt kann bei einem Hodenhochstand sowohl von der Mutter, als auch von dem ungeborenen Kind selbst ausgehen, weshalb der Zustand oft auch eine hormonelle Erkrankung betrachtet wird. Eine große Rolle spielt dabei das Entwicklungshormon HCG (humanes Chorion Gonadotropin), welches im Normalfall in der 7. Schwangerschaftswoche das das Abwandern der Hoden in den Hodensack auslöst.

Kommt es zu einem Mangel an diesem Hormon, verzögert sich diese Entwicklung, oder kann sogar ganz ausfallen. Möglich ist auch ein Zusammenhang mit einem Mangel an Testosteron, dem männlichen Geschlechtshormon, das ebenfalls für die Ausbildung der männlichen Geschlechtsteile verantwortlich ist.

Besondere anatomische Umstände

Auch Fehlbildungen können zu einem Hodenhochstand beitragen. Zum Beispiel durch einen zu engen Leistenkanal, oder einem zu kurzen Samenstrang. Durch diese Umstände kann ein Hoden nur schlecht in den Hodensack abgleiten und bleibt hängen, wodurch die Keimdrüsen dann in der Bauchhöhle oder der Leiste hängen bleiben.

Symptome

Bis zum Eintreten der Pubertät kommt es meist zu keinen auffälligen Symptomen. Der Hodenhochstand wird oftmals schon frühzeitig erkannt und behandelt, wodurch spätere Komplikationen im Erwachsenenalter oftmals erspart bleiben.

Im späteren Jugendalter, sowie bei Erwachsenen, kann es jedoch dann zu Komplikationen kommen, wie z.B. :

Untersuchung und Diagnose

Heutzutage wird ein Hodenhochstand bereits sehr früh bei einer Routineuntersuchung von Neugeborenen festgestellt. Bereits bei den ersten Untersuchungen wird darauf geachtet den Hodensack und die Leisten gut abzutasten und nach beiden Hoden zu suchen.

Fehlt einer oder beide Hoden, wird die Art des Hodenhochstands durch weitere Griffe und Abtastungen kontrolliert. Dabei achtet der Arzt/ die Ärztin genau darauf, dass es für das Baby möglichst entspannend ist, da bei Kälte oder Stress sich der Hodensack zusammenzieht und so eine genaue Untersuchung stören würde.

Lassen sich ein oder beide Hoden weder im Hodensack noch in der Leiste ertasten, wird versucht diese mithilfe einer Ultraschalluntersuchung oder einer Magnetresonanztomografie zu finden.

Bluttest

Als letzte Hilfe in der Suche nach den Hoden, hilft ein Bluttest. Hier lässt sich durch das Auffinden von bestimmten Botenstoffen (welche nur im Hoden produziert werden können) feststellen, ob sich diese überhaupt richtig ausgebildet haben und im Körper befinden. Vor allem das Gehalt an Testosteron kann Aufschluss geben.  

Finden sich keine Hormone im Körper, muss davon ausgegangen werden, dass sich bei dem Patienten keinen Hoden im Körper gebildet haben. Ansonsten wird weiter nach den versteckten Hoden gesucht.

Bauchspiegelung

Die Bauchspiegelung (Laparoskopie) ist eine Operation zur Untersuchung des Bauchraumes. Mit einem kleinen Schnitt in der Bauchdecke wird ein Schlauch mit einer kleinen Kamera eingeführt um den Bauchraum untersuchen zu können.

Mit dieser Methode kann nun nach den verschwundenen Hoden gesucht werden, ohne dass es eine größere Operation bedarf. Nach dieser Untersuchung bleibt meist nur eine sehr kleine Narbe zurück und es bestehen keine besonderen Risiken für das Kind.

Behandlung und mögliche Komplikationen

Hodenhochstand Für eine hormonelle Behandlung müssen dem Baby Spritzen verabreicht werden. (Foto by: didesign / Depositphotos)

Das Ziel ist es den verstecken oder verschobenen Hoden wieder zurück in den Hodensack zu führen und somit ein späteres Risiko für das Kind zu verhindern. Im Idealfall kann der Hoden wieder in die für ihn bestimmte Lage zurückgebracht werden und dort auch verbleiben.

Eine solche Behandlung sollte nicht zu spät erfolgen, da die Körpertemperatur die Hoden beeinflusst und eine solche nicht vertragen. Am besten erfolgt sie noch vor der Vollendung des ersten Lebensjahres.

Jedoch kann sich bis zum 6. Monat des Babys der Hoden noch selbstständig wieder zurückentwickeln und muss dementsprechend regelmäßig untersucht werden um eine mögliche Entwicklung zu erkennen.

Ist das nicht der Fall, kann eine Behandlung mit einer konservativen Therapie durch Hormone, oder  einem operativen Eingriff erfolgen.

Die Hormontherapie

Oftmals kann ein Mangel an natürlichen Botenstoffen den Abstieg der Hoden verhindern. Durch die Zugabe dieser mangelnden Botenstoffe soll nun ein ganz natürlicher Abstieg der Hoden eingeleitet werden. Die dafür zuständigen Hormone können teilweise über einen Nasenspray, oder eine Spritze verabreicht werden.

Die Erfolgsrate dieser Behandlung ist zu einem Teil von der Nähe des Hoden am Hodensack abhängig. Je näher, desto besser stehen die Chancen. Allgemein sind diese jedoch eher mittelmäßig und es gibt keine hohen Erfolgschancen.

Nicht zuletzt gibt es bei Hormontherapien immer Nebenwirkungen und Risiken. So können dem Säugling bei einer solchen Behandlung Schamhaare wachsen, die Größe des Penis nimmt zu und auch Schmerzen im Genitalbereich sind möglich. Meist wollen Eltern ihrem Kind solche Risiken nicht aussetzen.

Operation bei Hodenhochstand

Entscheidet man sich für eine operative Behebung des Hodenhochstands, besteht die Auswahl einer Operation im Zuge einer Laparoskopie, oder einer offenen Operation. Diese werden jeweils stets mit einer Vollnarkose durchgeführt, da Babys nicht stillhalten könnten. Die Behandlung erfolgt meist dennoch Ambulant, so dass die Kinder bereits am selben Tag wieder nachhause können.

Komplikationen

Eine Operation ist immer mit einem gewissen Grad an Risiken verbunden. Neben Nachblutungen, Wundinfektionen oder inneren Verletzungen, gibt es auch bei einer Behandlung des Hodenhochstands einige spezielle Komplikationen, welche jedoch meist nur sehr selten auftreten und heutzutage oft gut vermieden werden:

  • Unfruchtbarkeit
    Wird ein Samenleiter durchtrennt, kann es als Nachwirkung zu einer Einschränkung der Fruchtbarkeit des Patienten kommen.
  • Schrumpfhoden
    Eine Verletzung der Gefäße kann dazu führen, dass der Hoden im Körper eingeht.
  • Rückfall
    Ist die erste Operation nicht erfolgreich und es kommt zu einem Rückfall, dann steigt die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen bei der zweiten Operation meist an.

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Autor: FitundGesund Redaktion
Infos zum Autor: Medizinredakteure und Journalisten
Erstellt am: 31.08.2020
Überarbeitet am: 17.11.2020

Quellen:

Gesundheitsportal https://www.netdoktor.de/krankheiten/hodenhochstand/ (letzter Aufruf 31.08.2020)

Informationsportal https://www.infomedizin.at/krankheiten/hodenhochstand/ (letzter Aufruf: 31.08.2020)

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